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Benedetta

Herstellungsland:Frankreich (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Biographie, Drama, Liebe/Romantik,
Historie
Alternativtitel:Sainte Vierge
Blessed Virgin
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,60 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Italien im 17. Jahrhundert: Hinter den Mauern des Klosters von Pescia versetzt die Novizin Benedetta Carlini (Virginie Efira) die Oberhäupter der katholischen Kirche in Aufregung, als die Wundmale Christi an ihrem Körper auftreten. Trotz anfänglicher Zweifel an der Echtheit der Stigmata steigt Benedetta als „Auserwählte Gottes“ zur Äbtissin auf. Von nun an genießt sie Privilegien in der Ordensgemeinschaft, die ihr ein geheimes Doppelleben erleichtern: Sie lässt sich von der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia) in die Geheimnisse körperlicher Lust einführen. Doch die ehemalige Klostervorsteherin Felicita (Charlotte Rampling) kommt dem verbotenen Treiben auf die Spur… (Capelight Pictures)

eine kritik von necron:

Paul Verhoeven ist nach seinem kleinen Vergewaltigungsdrama „Elle“ aus 2016 endlich wieder zurück. Auch wenn er seit seinen (optisch) großen Krachern wie u.a. RoboCop, Total Recall und Starship Troopers deutlich kleinere Brötchen backen muss, abgeschrieben ist er noch bei weitem nicht. Keine goldene Himbeere die ihn aufhalten könnte.

Benedetta“ aus dem Jahr 2021 handelt von einem Drama, um die namensgebende Nonne, gespielt von Virginie Efira (Elle). Und da wir hier über den gewohnt ungenierten Verhoeven sprechen, darf bei einem gewissen Nunsploitation Einschlag auch so jemand wie Urgeistein Charlotte Rampling (The Devils) natürlich nicht fehlen.

Verhandelt werden in dem Film sehr vordergründig Sexualität (zwischen zwei Nonnen) und blinder Glaube, gerne auch an Wunder. Der Film tänzelt dabei gekonnt zwischen dem schmalen Grad aus echten Wundern und Hochstapelei. Ist Benedetta wirklich eine Heilige und kann Wunder wirken? Oder ist sie stattdessen eine durchtriebene Hochstaplerin? Gerade im ersten und zweiten Drittel des Films bietet Verhoeven dem Zuschauer verschiedenste Lesarten, bevor sich dann erst gegen Ende eine Lesart immer deutlicher abzuzeichnen beginnt…jedenfalls vermeintlich. Obendrauf basiert die Handlung wenn auch etwas abgeändert durch Verhoeven, auf realen Ereignissen aus der Zeit.

Die immer allgegenwärtige Religiosität, gepaart mit Machtspielen um Geld und Einfluss zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und die darin vorkommenden Charaktere. Manche dabei stark und unerschütterlich in ihrem Glauben, andere zögerlich und zweifelnd. In Wahrheit nie die Stimme Gottes gehört und doch teil der Maschinerie, in einer Zeit, wo es nicht so viele Perspektiven gegeben hat und das Leben in einem Kloster durchaus als Erstrebenswert angesehen werden konnte.

Benedetta, furios, wie immer überzeugend verkörpert von einer über allen Maßen attraktiven Virginie Efira, sticht dabei in jeder Szene hervor, dominiert diese, nimmt alles und jeden für sich ein. Stoisch unerschütterlich, dabei hin- und herwechselnd zwischen gütig und vom heiligen Geist besessen tobend. Benedettas Liebhaberin in Form der noch sehr jungen Nonne Bartolomea ist gespielt durch die noch sehr jungendhaft wirkende Daphne Patakia (Djam) ein angenehmer, wie teils unbeherrschter Gegenpart, zu der sonst alle anderen überragenden Lichtgestallt Benedettas.

Aber was ist jetzt mit dem Sex? Sehr stilvoll und langsam knisternd aufbauend über die erste Filmhälfte inszeniert. Neben dem ein oder anderen ganz klaren Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes, allerdings deutlich zurückhaltender und über einen zwei Stunden Film eher spärlich gesät, als man es bei so jemanden wie Paul „Showgirls“ Verhoeven erwarten würde. Also wer hier die große Provokation oder gar flutschtig-ferkelige-wichsvorlagen-Orgie erwartet, wird wohl eher enttäuscht werden. Der Film versteht sich da doch viel mehr als Kunst und (Historie)Drama Werk.

Die Bildsprache der Inszenierung bleibt den gesamten Film hindurch angenehm unaufgeregt, jede Szene wie aus Stein gemeißelt, von der Kamera für die Ewigkeit festgehalten. Die Musik dabei durchweg religiösen Gesängen gleichend den Film hindurchwabernd, wodurch der Zuschauer unmöglich sich dem Mittelalter Vibe entziehen kann. 

Das Pacing dabei immer wieder aufgelockert, durch die kauzigen Eigenarten der handelnden Charaktere und einfach der uns heute schräg erschienenen Zeit. Kann bisweilen schon Slapstickniveau haben, wenn Benedetta sich gerade eine Vision von ihrem Liebhaber Jesus zusammenträumt, in der er mit einem Schwert bewaffnet (klar!) wahlweise Schlangen oder anrückende Vergewaltiger niederschlägt, um seine Braut Benedetta zu verteidigen.

Unter dem Strich bleibt der Film aber in Summe eher ernsthafter und wandelt so mehr auf den Spuren von Verhoevens letztem (Kammerspiel)Drama „Elle“. Jeder Zuschauer wird dabei mit Sicherheit seine eigenen Lesarten und Interpretationen für diese wundersame Geschichte finden müssen, verwoben mit Religiosität, sexuellen Verlagen und dem unbedingten Streben nach Macht.

Wer wird am Ende oben und wer unten sein? Auf dem Scheiterhaufen stehen, oder daneben? Bis zum Ende spannend und teilweise nur schwer vorherzusehen. Analogien und Metaphern zu Benedetta als Jesus sind dabei gerne willkommen.

8/10 entblößte Bilderbuchbrüste

8/10
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Kommentare

19.01.2022 11:00 Uhr - Cinema(rkus)
3x
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He, was sehe ich denn hier ?
Meine Lieblings-Blondine hat wieder zugeschlagen.
Und wie ?
Fein gewobene Review, alle wesentlichen Aspekte abdeckende tolle Abhandlung, die Dir vorzüglich gelungen ist.
Meinen Beifall erntest Du hierfür.
Benedetta ? Necron, zu 4iert sind wir am Abend in der Vorstellung gesessen, waren dermaßen gespannt auf den neuesten Verhoeven-Film....und wurden nicht enttäuscht.
Ein Klasse Alterswerk.
Der Film ist eine französische Produktion, Verhoeven hätte bestimmt eine Provokation-Schippe drauf legen können, aber er verzichtete darauf...UND DAS ist gut so. Und, das, was er zeigt, befriedigt trotzdem. Evtl. schaltet er im Alter einen kleinen Gang im Provo-Modus zurück und forciert dafür die etwas tiefer gehende Geschichte, die Anklage hinsichtlich Machtmissbrauch der Kirche ? Phantastisch jedenfalls. Mir und meinen Begleitern hat der Film sehr gut gefallen, enttäuscht waren wir über den leeren Kino-Saal.
Hier im Forum gibt es soooooo viele Paule-Verehrer, die seine Filme regelmäßig in den Himmel loben. Nur, verdammt, warum hatte Benedetta dann so geringe Zuschauerzahlen hier ? Corona ? Nein, es ist der Umstand, dass wir mittlere Generation abgesackt zu Hause sitzen und das Kino in den Abgrund springen lassen. Für mich ein sonderbares Verhalten.
Da gibt es endlich, endlich Filme, die sich an ein erwachsenes Publikum richten (Benedetta, Last Night in Soho, Nightmare Alley.....undundund) und alles floppt finanziell. Schade, schade.

Für mich ist Benedetta ein sehr starkes (Über-?????) Lebenszeichen von Verhoeven, der Typ hat es einfach noch drauf. Ehrfurchtsvolle Verneigung meinerseits vor über 80-jährigen, die so etwas noch auf die Leinwand stemmen.

Da hast Du Dir jedenfalls ein schmuckes Kunstwerk ausgesucht, Necron, und es sehr sauber in einer funkelnden Review-Vitrine ausgestellt, die mit Deinen Worten angetriebenen Scheinwerfer beleuchten es perfekt. Danke hierfür, mögen bitte noch viele Verhoeven-Verehrer - zumindest im nachhinein - diesen Film in eine Gewinnzone schupsen. Die Blu habe ich nach der Vorstellung jedenfalls gleich vorbestellt.

Thanks, Necron, wie ein sorgfältiger Museums-Direktor hast Du dieses Juwel in den Fokus gerückt.
I like....
Gruß C.M.

19.01.2022 15:05 Uhr - Necron
2x
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Cool, da sind wir ja auf einer Linie was Verhoeven allgemein und Benedetta im speziellen angeht ;)

Ich wäre gerne für Benedetta ins Kino gegangen, aber selbst Corona hin oder her, bei den Kinos in meiner Nähe werden solche Filme i.d.R. gar nicht erst gezeigt. Stattdessen lieber der xte 0815 Blockbuster Blödsinn für die ganze Familie, das läuft dafür dann gerne rauf und runter.

Ergo musste ich hier zähneknirschend auf die digitale Auswertung warten. Aber das Warten hatte sich ja zum Glück gelohnt :)


21.01.2022 00:24 Uhr - The Machinist
1x
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Ja, große Kino-Ketten werden sowas wohl (leider) kaum im Programm haben. Die wollen ja auch Umsatz machen und ihr in den letzten zwei Jahren ohnehin geschrumpftes Publikum nicht noch mit artsy fartsy Retro-Nunsploitation verscheuchen.
Leute wie ich müssen sich dann eben bis zur Heimkino-Veröffentlichung gedulden, die ich nach deiner tollen Schreibe nun umso mehr herbeisehne.

Ich selbst feiere Verhoevens zynische SF-Gewaltorgien. Den fiesen ''Elle'' hielt ich ebenfalls für ein ziemliches Meisterwerk.

21.01.2022 14:56 Uhr - Necron
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Fürs Heimkino kann ich noch den Tipp geben, das auf digital (z.B. bei Amazon) der Film schon seid einigen Tagen verfügbar ist...
Ich selber bin dadurch schon immer mehr von Scheiben weggegangen, weil die extra Monate warten auf Scheibe meistens nichts für mich ist ;)

21.01.2022 22:44 Uhr - The Machinist
1x
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21.01.2022 14:56 Uhr schrieb Necron
Fürs Heimkino kann ich noch den Tipp geben, das auf digital (z.B. bei Amazon) der Film schon seid einigen Tagen verfügbar ist...
Ich selber bin dadurch schon immer mehr von Scheiben weggegangen, weil die extra Monate warten auf Scheibe meistens nichts für mich ist ;)



Kann ich verstehen bzw. sehe ich ähnlich. Bin mittlerweile auch dazu übergegangen mir vieles nur noch digital zu kaufen/leihen, auch weil meine Film-Sammlung mittlerweile aus allen Nähten platzt. Gerade DEN will ich aber schon physisch besitzen, auf das Mediabook warte ich da gerne noch einen Monat. Genug Filme zum überbrücken bis dahin habe ich jedenfalls. ;-)

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