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The Mule

Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Krimi, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,25 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Earl Stone's Geschäft steht kurz vor der Zwangsschließung. In diesem Moment wird dem fast 90-jähringen ein scheinbar einfacher Job als Fahrer angeboten – tatsächlich wird Earl damit aber zum Drogenkurier eines mexikanischen Kartells. Seine Arbeit macht er so gut, dass er danach eine noch größere Ladung transportieren soll – wofür er allerdings auch einen Aufpasser des Kartells zur Seite gestellt bekommt. Darüber hinaus ist der mysteriöse neue Drogenkurier auch auf dem Radar des kompromisslosen DEA-Agenten Colin Bates aufgetaucht. Und auch wenn Earls Geldprobleme nun Geschichte sind, lasten doch andere Fehler der Vergangenheit schwer auf ihm, und es ist ungewiss, ob ihm noch genug Zeit bleibt, um diese wiedergutzumachen, bevor die Hand des Gesetzes – oder die Auftragskiller des Kartells – ihn erwischen. (Warner Bros.)

eine kritik von argamae:

Während ich aus einem Jahrzehnt stamme, wo man sich seit dem Jahrtausendwechsel leider an das Ableben vieler jugendprägender Filmikonen gewöhnen muss, scheint Clint Eastwood das ultimative Memo noch nicht bekommen zu haben. Oder er ignoriert es einfach mit dem ihm eigenen Stoizismus. Dem Himmel sei’s gedankt.

Der Mann macht mit über 90 Jahren immer noch weiter und – wenngleich schon sichtbar gebrechlich – füttert weiter sein Image als Ikone zäher Männlichkeit. Dafür allein gebührt ihm größter Respekt. Doch dazu macht er auch Filme, die nicht selten zu absoluten Highlights von Filmkritikern und –liebhabern zählen. Fast wie guter Wein, der mit dem Alter reift, besitzen Eastwoods Werke – ob sie ihn nun vor oder hinter der Kamera (oder beides) zeigen – mannigfaltige und feine Geschmacksnoten, die dem Connoisseur nicht entgehen.

Nun bin ich kein solcher Connoisseur (und will auch nicht vorgeben, ein solcher zu sein), sondern nur ein schlichter Filmfreund, der jetzt im Begriff ist, einige von Eastwoods Arbeiten nachzuholen. Nach dem fantastischen Gran Torino von 2008, wo er sowohl Regisseur als auch Darsteller war, habe ich mir nun The Mule angeschaut, wo er nach zehn Jahren erstmals (soweit ich weiß) wieder in Personalunion auftritt.

Kurz zum Inhalt: Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte erzählt von Earl Stone, einem Mann in Eastwoods tatsächlichem Alter, der aufgrund finanzieller Probleme mit seiner Farm und Blumenzucht Kurierfahrten für ein mexikanisches Drogenkartell übernimmt – zunächst, ohne zu wissen, was er da transportiert, dann aber bewusst. Mit diesen verdient er sich schnell viel Geld, dass er dann ausgibt, um sich unbeschwerte Momente zu gönnen und seiner entfremdeten Familie sowie Freunden zu helfen. Insbesondere die Beziehung zu seiner Ehefrau und Tochter ist voller Bitterkeit – ein Umstand, der Earl mit der Zeit immer mehr zu schaffen macht. Doch sein Lebenswandel bleibt nicht unbemerkt und als er auch noch außerordentlich erfolgreich in seinem „Geschäft“ wird, gerät er schließlich als großer Unbekannter ins Visier der Agenten Bates (Bradley Cooper) und Trevino (Michael Pena) des DEA (Drogenfahnung), die unter dem Druck stehen, endlich eine Überführung und Verhaftung vorzuweisen.

Nun gibt ein solches Szenario natürlich genügend her für rasante Verfolgungsjagden, Feuergefechte und haarsträubende Situationen. Doch The Mule hat nichts davon im Gepäck. Vielmehr gerät der Stoff in Eastwoods Verfilmung zu einem Mix aus Drama, Charakterportrait und – ja – auch Familienfilm. Wie kein anderer schlüpft Eastwood in die für ihn zur zweiten Haut gewordene Rolle eines etwas kauzigen, störrischen Eigenbrötlers, die er auch hier gewohnt souverän rüberbringt. Seine Actiontage sind längst vorbei, hier geht alles sehr ruhig vonstatten, bisweilen zittrig und mit hinkendem Schritt. Eastwood ist als Earl Stone ein vom modernen Leben entrückter Senior, der Schwierigkeiten mit Technik hat und auch noch die sozialen Umgangsformen seiner einstigen Sturm- und Drangzeit pflegt. Und in diesem Spiel zwischen ihm und den misstrauischen, dauerparanoiden Kartellmitgliedern sowie seiner enttäuschten, ablehnenden Familie zieht der Film für mich seinen Reiz. Und ein nicht zu verhehlendes Guckvergnügen. Das Drama im Film schleicht sich langsam ein, nicht zuletzt durch die Familiensituationen, in denen Earl als Enttäuschung behandelt wird, während er im Kartell durch seine väterlich-naive Art langsam zu einem Sympathieträger reift.

Bradley Cooper und Michael Pena bedienen als DEA-Agenten zwar eine zweite Storyline, doch bleibt diese im Hintergrund und hält nur einen leichten Spannungsbogen aufrecht anstatt sich vor Eastwoods Spiel zu drängen. Dies machen beide Mimen auf solide Weise, ohne jedoch besonders hervorzustechen. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Nebenrollen von Dianne Wiest als Earls Ehefrau Mary und Allison Eastwood als seine Tochter Iris (auch im wahren Leben), die die wenigen gemeinsamen Szenen überzeugend und präsent spielen. Während sich zwar die Ereignisse gegen Ende etwas zuspitzen, verliert der Film nie den Fokus: der sympathisch-kauzige Earl Stone und sein Versuch, die Scharten auszuwetzen, die er in seinem und dem Leben seiner Familie hinterlassen hat.

Der Schluss weicht von der wahren Vorlage ab, bietet aber dadurch ein gelungenes und auch in Bezug auf die Figur des Earl Stone sehr passendes Ende. Es ist ein Film, der – was das Bildschirmgeschehen angeht – insgesamt leise tritt, aber sein Gewicht aus der Glaubwürdigkeit und Authentizität seiner Protagonisten gewinnt.

Fazit: kein einzelner Aspekt sticht hier heraus, aber insgesamt bereitete mir The Mule ein Vergnügen, dass größer war als die Summe seiner Teile. Empfehlenswert! 7/10

7/10
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Kommentare

20.01.2022 17:48 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Eastwoods Filme hab ich die letzten Jahre immer umschifft. Keine Ahnung warum. Deswegen ist mir auch der hier entgangen. Vielleicht weil es einfach zu viel gute andere Filme gibt....
Angenehme Vorstellung aber allemal Argamae !

20.01.2022 18:38 Uhr - Argamae
User-Level von Argamae 4
Erfahrungspunkte von Argamae 276
20.01.2022 17:48 Uhr schrieb sonyericssohn
Eastwoods Filme hab ich die letzten Jahre immer umschifft. Keine Ahnung warum. Deswegen ist mir auch der hier entgangen. Vielleicht weil es einfach zu viel gute andere Filme gibt....
Angenehme Vorstellung aber allemal Argamae !


Danke herzlichst für die Blumen. Wenn du von "umschiffst" schreibst, meinst du dann ein bewusstes Vermeiden seiner Werke?

20.01.2022 19:24 Uhr - sonyericssohn
Moderator
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Ein wenig desinteressiert vielleicht.

21.01.2022 09:20 Uhr - Stoi
1x
20.01.2022 19:24 Uhr schrieb sonyericssohn
Ein wenig desinteressiert vielleicht.

Die Spätwerke sind halt keine Dirty Harrys mehr aber trotzdem sehenswert.:)

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