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Sabotage

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Krimi, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Ten
Breacher
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,22 (70 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

John „Breacher“ Wharton (Arnold Schwarzenegger) ist Anführer eines Einsatzkommandos der Anti-Drogen-Behörde DEA. Nachdem die eingeschworene Truppe einen riskanten Angriff auf das Geheimversteck eines mächtigen Kartells ausgeführt hat, erscheint die Mission zunächst erfolgreich beendet. Jedoch fehlt nach dem Auftrag ein Geldbetrag in Millionenhöhe. Das Undercover-Team wird verdächtigt und kurz darauf werden die Teammitglieder nach und nach ebenso unerklärlich wie brutal eliminiert. Während die Verluste weiter steigen, gerät die Loyalität eines jeden unter Verdacht. (Splendid Film)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von argamae:

Angesichts des Umstandes, dass es zum Zeitpunkt dieses Niederschreibens bereits acht Reviews zu dem Film gibt, habe ich wirklich lange überlegt, ob ich meine Meinung hier auch noch kundtun soll. Aber vielleicht ist es ja doch für den einen oder anderen Leser von Interesse, zumal die Bewertungen der einzelnen Mitrezensenten die gesamte Skala in Anspruch nehmen - von pfui bis hui. Außerdem ist nach meiner 9. Kritik dann noch Platz für das "zehnte kleine Negerlein"*, um bei den Reviews der Filmvorlage gerecht zu werden.

Also dann: SABOTAGE klingt vielversprechend – Drehbuchschreiber Skip Woods („Passwort: Swordfish“) und Regisseur David Ayer („Training Day“, „End of Watch“) sind für die zitierten, guten Actionfilme bekannt, nicht minder solide liest sich die Riege der auftretenden Stars – allen voran Arnold Schwarzenegger. Doch auch mit etwa Sam Worthington oder Josh Holloway sind bekannte Gesichter vertreten. Damit sehen die Eckdaten für einen Actionstreifen recht amtlich aus.

Auch der Plot verspricht gutes Krawallkino: ein Sondereinsatzkommando der Drogenbekämpfung voller harter, bis an die Zähne bewaffneter Hunde (und einer Hündin) unter Leitung des alten Hasen „Breacher“ (Schwarzenegger), dem die tragische Backstory seiner vom Kartell zu Tode gefolterten Familie auf die tätowierte Haut geschrieben wurde, sowie ein mieses Drogenkartell, dem der Garaus gemacht werden muss. Passt.

AB HIER BEGINNEN DIE SPOILER!

Doch wenn ich schon mit so einer Auflistung beginne, mag der Leser argwöhnen, dass noch das große Aber kommt. Und das tut es – in Form einer extrem gestelzten und völlig unlogischen Handlung, die selbst dem abgefeimtesten Actionfreund einen Wedgie verpasst, durch den er ungläubig aus der restlichen Wäsche guckt. Denn da ist so gar nichts positiv überraschendes dran, welches man als „trickreiche Wendung“ anerkennend abnicken könnte. Im Gegenteil: es führt zu einem gar nicht unterhaltsamen WTF-Moment bei mir, der mich als Zuschauer für blöd verkauft, ohne mir dabei vorher mit viel Zucker und Entschädigungszahlungen den Arsch zu pudern – dazu dann am Ende des Reviews mehr.

Um mal kurz zur (einzigen) Stärke des Films zu kommen: Action und Gekröse sind (größtenteils) gut inszeniert, wobei insbesondere die Shootouts und Gebäudestürmungen, die ja für ein Sondereinsatzkommando Brot und Butter sind, in Schnitt und Kameraführung zwar hektisch, aber überwiegend überzeugend wirken. So wurde etwa mit Einstellungen gearbeitet, bei denen man sich mal wie in einem Egoshooter vorkommt; ein anderes Mal hat man die Kamera auf der Kimme einer Faustfeuerwaffe montiert, was für einen witzigen Perspektivwechsel inmitten eines Schusswechsels sorge. Der Gewaltgrad ist ordentlich hoch und entsprechende Effekte insgesamt gelungen: blutige Ein- und Durchschüsse, Kollateralschäden in amerikanischen Dünnbrettwänden, Staub und Gedärm... und dann noch die wirklich grausig inszenierten Morde, die den Ermittlungsbeamten der Polizei garantiert ein paar schlaflose Nächte und Therapiesitzungen bei der psychologischen Betreuung beschert haben dürften. Dabei werden die Szenen mit einem passenden „Score“ angemessen unterstützt, komponiert von Dave Sardy, der Ayer auch in „End of Watch“ und „Bright“ musikalisch begleitete.

Und das war es auch schon. Die Dialoge und Handlungen dieses SEK unterstreichen deutlich (will sagen: sie schlagen es dem Zuschauer mit der offenen Hand um die Ohren), dass man es hier nicht mit mustergültigen Schülern aus dem Gebäudekampftraining zu tun hat, sondern mit Sprüche klopfenden, saufenden, selbstherrlichen und streitlustigen Psychopathen – von denen gerade die Dame im Kartenblatt keine Ausnahme bildet. Man soll diesem Gung-Ho-Haufen aus veritablen Arschlöchern abnehmen, dass sie zu taktischem Vorgehen imstande sind, während z.B. Madame ständig unter den Drogen steht, die sie eigentlich bekämpfen soll. *Haare rauf* Sie setzen zwar ihr Leben aufs Spiel, sind aber alles andere als aufrechte Gesetzeshüter. Bei einem Einsatz zweigen sie 10 Millionen Dollar ab, die sie aus einem Drogengeldlager im wahrsten Sinne des Wortes in einer Toilette abseilen. Und obwohl sie danach den restlichen Haufen Kohle zu Asche verwandeln, weiß im Anschluss ihre Behörde, dass da genau 10 Millionen fehlen... Ja, is' klar. Gelohnt hat sich der Diebstahl ohnehin nicht, denn als die Bande später das hinterzogene Geld aus'm Versteck holen will -Schockschwerenot!- ist alles weg. Jemand hat die Diebe bestohlen!

Zunächst dachte ich noch, dass die eigenwillig präzise Summe, die die Behörde trotz vernichtetem Geldlager vermisst, darauf hindeuten soll, dass sie selbst diejenigen waren, die das Versteck unseres Pychopathenhaufens ausgeräumt haben und die Ermittlungen nun anstrengen, um den Verdacht auf Breachers Truppe zu lenken. Aber... äh, nee. Es bleibt ein Plotloch inmitten vieler Logikfehler. 

Nach monatelanger aber ultimativ erfolgloser Überwachung rehabilitiert man ihn und die Einheit darf wieder in den aktiven Dienst zurück. Dann beginnen die Morde, denn plötzlich werden die Mitglieder nacheinander äußerst unschön entlebt. Dies ruft zwei neue Charaktere auf den Plan, die ein wenig sympathischer daherkommen: Polizistin Caroline Brentwood und ihr Partner Darius Jackson. Sie ermitteln bei den grausigen Hinrichtungen von Breachers SEK-Team, laufen aber bei ihm und den seinen zunächst gegen eine Betonwand. Und bis hierhin schafft es der Film durchaus, eine Atmosphäre der Verwirrung zu schaffen (es kommt sogar fast Mystery-Thriller-Feeling auf), denn spätestens, als sich herausstellt, dass es nicht die zunächst vermuteten Kartell-Attentäter gewesen sein können, ist der Zweifel unter der zusammengeschweißten Truppe gesät und Paranoia hält Einzug.

Der Film stellt nun in ständigem Widerspruch einerseits die Anerkennung aller gegenüber ihrem Anführer Breacher als auch das wachsende Mißtrauen untereinander zur Schau. Dies steigert sich dann zu einem Wahn, in dem schließlich einzelne Mitglieder ihre Kameraden jagen und bekämpfen. Als die Schuldigen scheinbar gefunden sind, nehmen Breacher und Polizistin Brentwood – die zwischenzeitlich auf Tuchfühlung zu ihm gegangen ist (eine weitere Unglaubwürdigkeit im Film) – gemeinsam die rücksichtslose Verfolgung auf, bei der allen Beteiligten Collateralschäden an Mensch und Objekt völlig egal zu sein scheinen und die düstere Atmosphäre zu Beginn des Films weitgehend typischen Action-Tropes das Feld überlässt. Hier offenbart die Regiearbeit, dass es augenscheinlich kein durchgehendes Konzept gegeben hat, welche Art von Film man eigentlich machen möchte - jegliche Ansätze, etwa an Thriller, Cop-Movie oder Krimi, werden immer wieder wie im Rage-Quit vom Tisch gepfeffert.

Und dann kommt er – jener Moment, der der Story jegliche Restsubstanz aus den blutigen Fingerstümpfen saugt: als Breacher dem letzten Mitglied seines Teams die Herzkammer perforiert, darf er sich vor den Augen beider Polizisten (Brentwood und Jackson) sowie einem halben Dutzend weiterer, heranrückender Uniformierter in Luft auflösen – schwerstbewaffnet, mitten auf einer Straße nach einem schwerem Autounfall und gefühlt Dutzenden von Schaulustigen. Ninja?

Und *PUFF* wo taucht er wieder auf? In einem südamerikanischen Nest, wo er mit 10 Millionen Dollar einen Polizeichef besticht, um den Aufenthaltsort jenes Drogenbosses zu erfahren, der seine Familie auf dem Gewissen hat. Dort angekommen, schießt er in einer Bar im Arnie-Actionheld-Alleingang-Stil alles zu Klump, dass nicht schon vor zu viel Tequila unter den Tischen liegt, und exekutiert dann besagten Boss, um selber angeschossen bei Schnaps und Zigarre auf sein Ende zu warten. Roll credits.

Bitte, WAS?

Breacher hatte die 10 Millionen? Hat sein eingeschworenes Team nacheinander umgebracht und es so aussehen lassen, als wären es Kartellkiller gewesen? Leute, mit denen er jahrelang aufs Engste vertraut war und denen er sein (und sie ihm ihr) Leben anvertraut haben? Um seine Rache zu bekommen? Das ergibt irgendwie überhaupt keinen Sinn?! RICHTIG! Tut es NULL. Denn um darin eine Anmutung von Sinn zu begreifen, muss man die beiden auf der Kaufversion des Films enthaltenen alternativen Enden gucken. Kein Scherz! Darin gibt es noch eine Konfrontation zwischen ihm und Polizistin Caroline, die er in dem einen Ende erschießt, während sie ihn im anderen Ende durchlöchert. Es gibt ein bißchen Exposé, in welchem er davon erzählt, sein Team hätte ihn damals an der Rache gehindert, weswegen es alle verdient hätten zu sterben. *Hier bitte Stan-Laurel-Meme einsetzen, wo er sich mit verständnislosem Blick und zusammengekniffenem Mund am Scheitel kratzt*

Was wieder null Sinn ergibt.

Vielmehr ergäbe für mich Sinn, dass „kreative Differenzen“ oder unbefriedigende Testvorführungen den Drehbuchschreibern die Zügel entrissen haben und so ein unausgegorener Schnellschuss als Ende gereicht hat. Allein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass der Film am Ende wie ein Puzzle wirkt, dass vom Puzzlenden trotz fehlender Teile mit dem Hammer bezwungen worden ist: man kann nicht erkennen, wie das Bild genau ausgesehen hätte, aber es klemmen immerhin alle Stücke aneinander. Ein Film, der sich gewissermaßen selbst sabotiert und am Ende seinem Titel gerecht wird.

Für mich unverzeihlich. Ein Arschloch-Ende für Arschloch-Charaktere.

 

________________
*) Der Film basiert anscheinend auf Agatha Christies Kriminalroman "Und dann gabs keines mehr" (wie der Originaltitel
"Ten Little Niggers" mittlerweile politisch korrekt genannt wird).

4/10
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Kommentare

08.02.2022 16:41 Uhr - McGuinness
1x
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Eine gute und aussagekräftige Besprechung, die ich so nur unterschreiben kann 👍🏻

Absoluter Murks der hier geboten wird und was mich mitunter am meisten genervt hat, ist diese unerträgliche Fäkalsprache gewesen... " Ich f*#k dich ohne Gummi " und all so ein pubertärer Schwachsinn 😒👎🏻

Für mich mit Abstand Schwarzeneggers schlechtester Film überhaupt, neben " Maggie " (2015), den ich dermaßen sau - langweilig fand, dass ich irgendwann einfach ausgeschaltet habe !

09.02.2022 09:02 Uhr - Lukas
1x
Mein Gott, wenn sie sich vertrauen und ohne Gummi ranwollen, dann lass sie doch! :-D
Auf jeden Fall eine gelungene und angenehm zu lesende Review, die mich erneut darin bestätigt, dass ich nichts verpasst habe, wenn ich den Film nicht gesehen hab.

09.02.2022 09:31 Uhr - Argamae
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Schönen Dank für eure Zeit und Kommentare.

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