SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Saints Row · Willkommen in Santo Ileso · ab 57,99 € bei gameware Horizon Forbidden West · Eine postapokalyptische Welt · ab 74,99 € bei gameware

Rosanna's Letzter Wille

Originaltitel: Roseanna's Grave

Herstellungsland:USA, Italien (1997)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Drama, Komödie
Alternativtitel:Rosannas letzter Wille
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Marcello will den letzten Wunsch seiner herzkranken Frau erfüllen: ein Platz auf dem Dorffriedhof. Dort sind allerdings nur noch drei Gräber frei. Damit die Grabstätten ausreichen, sorgt sich Marcello mit Übereifer ums Wohl seiner Mitbürger. Die vielen Krankenbesuche, Blutspenden und Verkehrskontrollen lassen ihm kaum noch Zeit für seine kleine Trattoria. Dann taucht auch noch der Bankier Rossi auf, der auf der Flucht vor dem Mafioso Iaccoponi aus einem fahrenden Auto springt und in Marcellos Armen stirbt. Aus Verzweiflung darüber bringt sich auch Iaccoponi um. Marcello gerät in Panik. Rosanna fühlt sich indes immer vitaler und erinnert sich an die glückliche Zeit mit Marcello, weswegen sie sich auch um seine Zukunft Sorgen macht. (ARD.de)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                     ROSANNAS LETZTER WILLE

In den Neunzigerjahren gelang dem französischen Schauspieler Jean Reno mit Leon – Der Profi (1994) der internationale Durchbruch und seitdem trudelten immer mehr Hollywood-Angebote ein, so dass Monsieur Reno bald u.a. in Mission Impossible (1996) und Godzilla (1998) Blockbuster-Luft schnuppern konnte. Zwischen diesen beiden Hollywoodspektakeln drehte Reno mit Rosannas Letzter Wille einen kleinen Film, der an den Kinokassen zwar kein großer Erfolg war, aber trotzdem etliche Vorzüge gegenüber Filmen wie den oben genannten hat oder denen, die Hollywoods aktuelle Franchise-Vermarktungsmaschinerie seit den letzten Jahren wie am Fließband produziert und auf die breite Masse loslässt.

Marcello (Jean Reno) ist verzweifelt. Seine Frau Rosanna (Mercedes Ruehl – König Der Fischer, 1991) ist schwer krank und ihr letzter Wille ist es, auf dem Friedhof ihres Heimatdorfes beigesetzt zu werden. Auf diesem Friedhof sind aber nur noch drei Gräber frei und es ist unmöglich, eines davon zu reservieren. Also versucht Marcello, dem die Bar in dem kleinen italienischen Dorf gehört, alles Mögliche, um die Bewohner am Leben zu erhalten. Keine leichte Aufgabe für den Gastronom, der den Zigarettenkonsum in seiner eigenen Trattoria beschränkt, Blut spendet und Krankenbesuche macht. Dass bald ein aus der Haft entlassener Gangster auftaucht, macht Marcellos Aufgabe nicht gerade leichter …

Rosannas Letzter Wille ist eine sehenswerte Mischung aus (teilweise schwarzer) Komödie und Drama, ohne jedoch in allzu alberne Plattheiten oder beschämenden Kitsch abzugleiten. Stattdessen hat der von Paul Weiland (City Slickers II, 1994) inszenierte Streifen etwas, was mit keinem Budget der Welt, und sei es noch so hoch, kaufen kann: Herz und Seele. In Weilands Bergdorf-Tragikomödie, die nach angenehmen anderthalb Stunden über die Zielgerade galoppiert, nach denen alles erzählt wurde, was es zu erzählen gibt, agieren hervorragend zu ihren Rollen passende Schauspieler in z.T. sehr warmherzigen, mitunter skurillen Rollen. Das beste Beispiel hierfür ist der glänzend spielende Jean Reno in der Rolle des Trattoria-Besitzers, der als eine Art Alltagsheld sein Möglichstes versucht, den Wunsch seiner Frau zu erfüllen und dabei in eine Reihe von grotesken Situationen schlittert. Wer Reno ausschließlich aus seinen Hollywoodstreifen kennt, wird überrascht sein, mit wieviel Liebenswürdigkeit, die dann und wann von einem Hauch Melancholie durchbrochen wird, er diese Rolle spielt.

Neben Reno können auch weitere Darsteller in ihren Rollen überzeugen, wie z.B. seine (Film-)Frau Mercedes Ruehl als Rosanna, die prächtig mit Reno/Marcello harmoniert; man nimmt den beiden den ganzen Film über ab, wie sehr sie einander lieben und dass ihre Ehe schon lange Bestand hat. Aber auch Polly Walker (Die Stunde Der Patrioten, 1992) als Rosannas Schwester Cecilia, Luigi Diberty (Ludwig van B. - Meine Unsterbliche Geliebte (1994) als hartherziger Landbesitzer Capestro, Roberto Della Casa (Kein Mann Für Die Liebe, 1990) als Bankier und Trevor Peacock (1931-2021 / The Vicar Of Dibley, 1994) als aus dem Gefängnis entlassener Mafioso Iaccoponi bereichern Rosannas Letzter Wille mit ihren darstellerischen Leistungen.

Was Rosannas Letzter Wille neben der gut aufgelegten Besetzung so sehenswert macht, ist seine ausgewogene Balance aus Witz und Melancholie. Es dürfte sicherlich Komödien-Fans geben, die sich eine größere Anzahl an Gags gewünscht hätten, oder denen der Humor des Streifens nicht schwarz genug ist. Außerdem ist ein Nebenhandlungsstrang, der sich um eine komplizierte Liebesgeschichte dreht, da Mann und Frau aus quasi verfeindeten Lagern stammen, im Grunde schon cineastischer Standard, so dass dessen Verlauf keine großartigen Überraschungen bietet. Trotzdem sind das – wenn überhaupt – nur minimale Schwächen. Rosannas Letzter Wille bietet genügend witzige Szenen, um das Tempo anderthalb Stunden lang superb aufrechtzuerhalten, wobei hier nicht mehr verraten werden soll.

Die ernste Seite des Films beleuchtet universelle Themen, z.B. wie es im Leben weitergehen soll, wenn der Partner/die Partnerin nicht mehr ist, oder wie es ist, auf sein Leben zurückzublicken und festzustellen, dass man das, was man sich im Leben am meisten gewünscht hat, nicht bekommen hat und welche Konsequenzen das nach sich zieht.

Abgerundet wird Rosannas Letzter Wille von einem guten Schuss Lokalkolorit. Regisseur Weiland ist es gelungen, das Bergdorf mit seinen engen Gassen, den etwas verfallenen Gebäuden und dem Friedhof sowie dessen Bewohner ins rechte Licht zu rücken. Überhaupt hat Paul Weiland, den man hauptsächlich als Regisseur diverser Mr. Bean-Episoden und eines City Slickers-Sequels kennt, inszenatorisch gute Arbeit geleistet, so dass man das Gefühl bekommt, er habe hier ein Projekt gefunden, das nicht bloß eine reine Auftragsarbeit, sondern eher ein Herzensprojekt ist.

Rosannas Letzter Wille ist womöglich kein Anwärter darauf, in die Liste(n) der besten Filme aller Zeiten einzugehen. Trotzdem ist Paul Weiland ein unterhaltsamer, warmherziger Film gelungen, der sowohl unterhält als auch rührt, und den man bedenkenlos über den Bildschirm/die Leinwand flimmern lassen kann, wenn man mal keine Lust auf effektüberladene, seelenlose Hollywood-Blockbuster hat.

8/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Kramer
Punisher77
9/10
Ice
Punisher77
7/10
My
Punisher77
7/10
die neuesten reviews
Maya
cecil b
5/10
Kramer
Punisher77
9/10
Samaritan
TheMovieStar
7/10
Megalomaniac
Arelinchen
6/10
Parallel
Ghostfacelooker
Hunter
TheMovieStar
6/10
Mord
Ghostfacelooker
End
Ghostfacelooker
kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)