SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 54,99 € bei gameware Elden Ring · Erhebt Euch · ab 57,99 € bei gameware

Ambulance

Originaltitel: The Ambulance

Herstellungsland:USA (1990)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Horror, Krimi, Liebe/Romantik,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,06 (18 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Josh Baker (Eric Roberts) trifft Cheryl, eine ganz besondere Frau, in den Straßen von New York. Cheryl bricht plötzlich zusammen und wird in einem Krankenwagen abtransportiert. Als Josh sie im Krankenhaus besuchen möchte scheint es so als wäre Cheryl niemals eingeliefert worden. Daraufhin folgt Josh Cheryl´s Mitbewohnerin welche nach einer Fahrt mit dem selben Krankenwagen ebenfalls verschwindet. Es liegt nun an Josh das Geheimnis des mysteriösen Krankenwagens zu lösen. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von argamae:

Wo Rainer Erler sich des illegalen Organhandels bereits in seinem Streifen FLEISCH von 1979 angenommen hatte - mit einer blutjungen Jutta Speidel und einem ebenso jungen Herbert Herrmann - war Michael Crichton als aufstrebender Bestseller-Autor bereits ein Jahr zuvor mit einem ähnlich gelagerten Plot erfolgreicher: COMA wurde als Verschwörungsthriller mit Michael Douglas und Genevieve Bujold deutlich spannender als Erlers Fernsehproduktion verfilmt und malte ein albtraumhaftes Bild von der Entmenschlichung im Organgeschäft für ein gut zahlendes Klientel.

Hier nun haben wir es mit einem weiteren Vertreter des Themas zu tun: AMBULANCE von Larry Cohen aus dem Jahre 1990 spielt in New York und zeigt den ewigen B-Movie-Darsteller Eric Roberts in der Hauptrolle. Ich muss den Film vermutlich erst noch sehen, in dem ich Roberts ein schauspielerisches Talent zugestehe, denn dieser hier ist es ganz sicher nicht. Seine Figur - Josh Baker, ein Comiczeichner - ist ein irgendwie schmieriger Windbeutel, der ein Auge auf eine Dame (Janine Turner) geworfen hat, die ihm auf der Strasse begegnet ist. Diese will er seinem Kumpel Hal (in einer winzigen Nebenrolle: Michael O'Hare, bekannt als Commander Sinclair aus Babylon 5) zeigen. Mit den heutigen Sensibilitäten würde man Joshs Anmache wohl als glasklare Belästigung kategorisieren, denn ganz eindeutig weist ihn die Frau mehrmals zurück. Als sie aber plötzlich zusammenbricht, von einem altmodischen Krankenwagen eingesammelt  und in eine ominöse Unterkunft mit einem sonnengebräunten Schnauzbartträger (Eric Braeden) gebracht wird, der aussieht wie Magnum für Kassenpatienten, fragt man sich als Zuschauer, ob sie das ihr bevorstehende Martyrium nicht ohnehin einem Date mit Baker vorgezogen hätte.

Als Baker während des hastigen Abtransports nur ihren Vornamen aufschnappen kann und noch den Namen des Krankenhauses erfährt, macht er sich vor Sorge auf den Weg dorthin - nicht ohne sich vorher bei seinem Boss  Stanley (gespielt von niemand geringerem als Stan Lee) zu entschuldigen. Dabei darf man den wohl lustigsten Satz im gesamten Film hören:

Baker: "Hey Stanley, was dagegen, wenn ich heute früher gehe? Ich hab da ein Mädchen im Krankenhaus."
Stanley: "Tja, ich bevorzuge zwar eher gesunde Frauen, aber von mir aus - jedem das seine."

Natürlich ist Bakers Objekt der Begierde dort nie eingetroffen, niemand kann mit seiner (zugegebenermaßen recht dürftigen) Beschreibung etwas anfangen und weist ihn ab. Was ihn zur Polizei und im Anschluss daran auf eine ziemlich wirre Schnitzeljagd bringt, um die Verohnmächtigte wiederzufinden.

Spätestens nach seinem Besuch bei der Pozilei (und dem Gespräch mit Inspektor Spencer - schräger Auftritt von James Earl Jones) fragt man sich, ob Regisseur Cohen sein Werk als Komödie oder Drama verstanden wissen möchte. Denn die Handlungen und Dialoge seiner Protagonisten - wie auch die Szenen, die er ihnen verpasst - wirken oft so schräg und unglaubwürdig, dass sie mit den späteren Verfolgungsjagden und Action-Setpieces ineinander prasseln. Und dann stutzte ich, denn in einer Filmdatenbank fand ich für diesen Film die Bezeichnung "Comedy Thriller". Aha? Dann könnte der bisherige Klamauk anscheinend nicht ganz unbeabsichtigt sein. Beispiele?

So läuft Josh zur Polizei, um dem diensthabenden Detective eine selbstgefertigte Comic-Zeichnung der Verschwundenen als Phantombild anzubieten - diese ist so generisch skizziert, dass sie auf tausende Frauen zutreffen könnte. Als Baker das nicht wirklich weiterbringt, spricht er wahllos Passanten auf der Strasse an und fragt sie, ob sie die Frau auf der Zeichnung kennen. Und prompt erkennt eine andere Dame die Gesuchte als ihre Zimmergenossin. Huch, was ein Zufall! Spätestens als sich unserem Protagonisten dann ein renitenter Rentner aus seinem Krankenzimmer anschließt und man später die geheime Unterkunft der geraubten Patienten über einer von den kriminellen Ärtzen betriebenen Club-Disco findet, muss man sich an den Kopf fassen, weil alles kaum ernstzunehmen ist.

Schlimmer noch empfand ich, dass man Roberts Figur schlichtweg nicht abkaufen kann, was sie im Verlauf der ganzen Geschichte auf sich zu nehmen bereit ist, um eine ihm wildfremde Frau zu finden, die er zufällig getroffen hat. Spätestens als ihm eindeutig nach dem Leben getrachtet wird, fehlt mir als Zuschauer jegliche innerweltliche Verbindung, die meinen Unglauben über sein Verhalten aufzulösen in der Lage wäre.

Außerdem klingt er den halben Film so als wäre er Alkoholiker oder hätte verschreibungspflichtige Substanzen eingeworfen - er spricht sehr undeutlich und verschleppt oft seine Worte oder Sätze (Anmerkung: ich habe den Film im Original geguckt - könnte sein, dass die deutsche Synchro nicht so klingt). Die mit ihm interagierenden Figuren müssten ihn eigentlich als entweder hochverdächtig oder zugedröhnt betrachten, da Roberts auch nicht für 10 Sekunden das Charisma ausstrahlt, mit dem man erklären könnte, warum ihm von anderen Beteiligten so viel durchgelassen wird. Darunter auch die Polizistin Malloy (attraktiv und charmant: Megan Gallagher, bekannt als Frank Blacks Ehefrau aus der Mystery-Serie Millenium), die aber unverständlicherweise ein Auge auf ihn geworfen hat und im Laufe des Films äußerst hilfreich für Baker wird.

Der geneigte Leser merkt schon: bei mir zündet dieser "Comedy-Thriller" nicht und ich denke auch nicht, dass sich hier Thema und eine Thriller-Witz-Kombo gut vereinen lassen. Es ist, als würde man mit zwei Barbies "Doktorspiele" spielen und dabei hoffen, dass sie ineinander stecken bleiben, wenn man sie nur lange genug gegeneinander haut. Allein bei zwei Dosen und null Steckern ein eher aussichtsloses Unterfangen. Auch in Sachen Filmmusik bleibt AMBULANCE unauffällig, obschon Jay Chattaway als Komponist später durchaus  beliebte und bleibende Werke schuf: Star Trek: Deep Space Nine und auch Star Trek: Voyager etwa. Streicher- und Bläser-Ensemble unterstreichen Spannung oder Dramatik zwar routiniert, doch verlieren ultimativ wieder ihre Wirkung, da sie dem von Amateur-Chirurgen zusammengestückelten Film keinen eigenständigen Charakter geben können.

Und so schlingert das ganze Vehikel - und zwar buchstäblich, denn die Ambulanz taucht mehrmals auf, um dann der sprichwörtliche rote Faden in Verfolgungsjagden oder bei der Spurensuche zu sein - vor sich hin, um langsam dem schwachsinnig inszenierten "Höhepunkt" reinzurauschen. Die Abstrusität der bis dahin durchlittenen Szenen stählt jedoch, um diesen dann auch noch zu ertragen.

AMBULANCE fehlt für das dargebotene Genre eine vernünftige Erdung und Glaubwürdigkeit, und weiß selber nicht, welche Art von Film er sein will. Die Versatzstücke wirken hemdsärmelig zusammengenäht, das Drehbuch passte vermutlich in ein Comic-Panel. Auch tragen die Figuren die Handlung nicht, die Schurken wirken schablonenhaft und dümmlich. NIchts daran ist ernstzunehmen, ist aber leider auch nicht unfreiwillig so komisch, dass man daraus sein Filmvergnügen ziehen könnte.

Kurzum: Trash, der dank Ärztepfusch nie einen richtigen Lebenswillen entwickelt. 

3/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Daddy's
Argamae
7/10
Musketeer,
Argamae
8/10
Reacher
Argamae
7/10
Tödliche
Argamae
4/10
die neuesten reviews
Prey
Film_Nerd.190
5/10
Rosanna's
Punisher77
8/10
V/H/S/94
Insanity667
8/10
Flesh
Jichi
7/10
Bad
McGuinness
10/10
Nope
Draven273
7/10

Kommentare

17.02.2022 16:37 Uhr - Kaiser Soze
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 27
Erfahrungspunkte von Kaiser Soze 18.471
Gut verfasste Kritik, die einen gelungenen Eindruck erweckt. Schade, wenn dich der Film nicht packen und unterhalten konnte, aber klar, wenn man schon dem Hauptdarsteller nicht abkauft, was er dort anstellt... naja, ich kenne den Film selbst nicht. Irgendwann ändere ich das vllt mal.

22.02.2022 16:34 Uhr - Argamae
1x
User-Level von Argamae 4
Erfahrungspunkte von Argamae 276
Danke, Kaiser. Du verpasst nix, versprochen.

22.02.2022 16:34 Uhr - Argamae
User-Level von Argamae 4
Erfahrungspunkte von Argamae 276
*Doppelpost*

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)