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Bad Santa 2 - Scheiss auf Weihnachten

Originaltitel: Bad Santa 2

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Komödie
Alternativtitel:Bad Santa 2 - Noch wilder. Noch besoffener. Noch fieser.
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,20 (15 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Angetrieben von billigem Whisky und Gier möchte Willie mit seinem Kumpan Marcus (TONY COX) am Weihnachtsabend eine Wohltätigkeitsveranstaltung in Chicago ausrauben. Wieder mit von der Partie ist der mollige und drollige Thurman Merman (BRETT KELLY), ein 125 Kilo schwerer Sonnenschein, der es als einer der wenigen schafft, ein Stück Menschlichkeit in Willie hervorzubringen. Als sich Willies Mutter Sunny Soke (KATHY BATES), den beiden anschließt, beginnen die Probleme: Während Sunny versucht, die illegale Karriere der Bande anzukurbeln, steht sie deren kriminellen Fähigkeiten leider massiv im Weg. Auch Willies neustes Objekt der Begierde, die kurvige und eher prüde Wohltätigkeitsdirektorin Diane (CHRISTINA HENDRICKS) mit einem Herz aus Gold und einer Libido aus Stahl, sorgt für so manche Komplikation. (Universum Film)

eine kritik von kokoloko:

Bad Santa 2

Mit dem damaligen Überraschungshit "Bad Santa" konnte ich mich trotz des großartig aufspielenden Billy Bob Thornton ja erst beim zweiten Mal anfreunden und auch das noch ohne völlige Begeisterungsstürme, doch nun, Jahre später, den allgemein schlechter rezensierten, allem Anschein nach aber immer noch hochkarätig besetzten und rotzfrechen Nachfolger auszupacken, hat trotzdem ein wenig Vorfreude geschürt und gar richtig Laune gemacht - weder Regisseur Mark Waters, noch der Trailer dieses furchtbaren Kevin Spacey-Katzenfilms vor dem minimalistischen, aber entspannten sowie überraschend unweihnachtlichen Menüs sind dabei allzu gute oder einstimmende Vorzeichen; doch da der Film selber innerhalb der ersten Minute direkt mit Merry Christmas Time Baby-Soundtrack, HD-Aufnahmen von Willie (Thornton), der besoffen und fluchend im Cabriolet einen Unfall baut und sich zynisch im Voiceover auslässt, für wohlige Erinnerungen an die Stärken des ersten Teils sorgt und auch inszenatorisch von Anfang an überraschend hochkarätig wirkt, verfliegt jegliches Stirnrunzeln schneller als gedacht.

"Let's just say my whole life has been one fucking miserable nightmare"

Nachdem mit dem Vorgänger schonungslos abgerechnet wird und natürlich alles nach den Credits vor x Jahren den Bach runterging, trifft Willie nun schnell wieder auf seinen unfreiwilligen Adoptivsohn Thurman, der ihn bei seinem Selbstmordversuch unterbricht, sowie den Elfen Marcus (Tony Cox) aus Teil 1 - und Kathy Bates, die hier tatsächlich seine Mutter spielt! Beide sind dabei schonungslos rassistisch, sexistisch, politisch unkorrekt und immer wieder unangenehm zu ertragen, doch weil die Juxtaposition zwischen dem hochkarätigen Cast und Look, den regelmäßig eingestreuten Weihnachtssongs und hübsch geschmückten Impressionen der Stadt mit den Ödipuswitzen, Nekrophiliesprüchen und derben Gossenausdrücken eben so krass und respektlos durchgehalten wird, klappt sie meiner Meinung nach ganz gut. Über die alptraumhafte Kindheit voll Gewalt und verstörender Vorfälle wird bösartig gewitzelt und eine Spendenorganisation für Waisen soll überfallen werden, ein unschuldiger Santa Clause wird brutalst vermöbelt - doch dann sehen einige Setdesigns, Beleuchtungen und Einstellungen einfach immer wieder aus wie ein anspruchsvoller Arthousefilm, oder aber Dialoge wissen als Charakterisierung oder Screwball-Dramedy überraschend gut zu funktionieren.

"I always wanted to fuck a Santa."
"Well I always wanted to shit on a tattooed dick so we're perfect for each other!"


Obszöne Poesie, schmissige Sitcom-Attitüde, dicke Weihnachtsstimmung, Familiendrama und bildhübsch gerahmte Frames zum an die Wand hängen auf der einen Seite also, allzu abgenutzte Tropen, zu lang gezogene oder allzusehr auf Obszonitäten oder Sex beruhende Witze dafür auf der anderen - doch selbst über das Pacing oder die Scriptstruktur kann ich absolut nicht viel meckern, da mir planting und pay-off einiger wichtiger Themen oder Plotobjekte z.B. sehr gut gefallen haben, die ~90 MInuten höchst kurzweilig umgegangen sind und ich das Script als ganzes, wenn es dann später seine Fäden zusammenführt, doch gar relativ clever fand für "so eine Amicomedy". Octavia Spencer, Ryan Hansen und gerade Christina Hendricks haben in Nebenrollen sichtlichen Spaß, letzter kriegt gar mehrere (harmlos gefilmte, aber wild gespielte) Sexszenen spendiert. Ein paar der Sprüche gehen daneben oder sind nur witzig, weil sie so dermaßen dumm sind, ein paar kleinere Längen oder Ungereimtheiten sind gerade im zweiten Akt versteckt, dass dieser dauerfluchende R-Rated Film ohne jegliche Nacktheit auskommt ist auch verwunderlich - bis zum ebenfalls etwas zum Augenrollen anmutenden, letzten Gag, der Hangover hinterherhechelt und zu offensichtlich daherkommt.
Doch genau diese Fehler musste ich auch schon suchen und herauskristallisieren, um "Bad Santa 2" nicht vorbehaltlos für jeden Fan derber Comedies oder des Vorgängers empfehlen zu können - Welten schlechter oder unausgegorener ist dieser Film hier nämlich meiner Meinung nach keinesfalls.

"One time, I had too much turkey bacon and I could't poop for two weeks, for four weeks!"

Als Weihnachtsfan wird man fast von vorne bis hinten nur verwöhnt, obwohl jegliche Vorstellung von Besinnlichkeit natürlich im Dialog trotzdem bewusst mit Füßen getreten wird, der gesamte Cast hatte Spaß am Projekt und liefert witzige, charismatische und gute Performances ab, bei aller Edginess und Obszonität wird es nie unangenehm, problematisch oder glorifizierend, die Stereotypen und Klischees verlassen nie das Mundwerk unserer Protagonisten und treten nie auf der Bildfläche auf. Ein hochwertig produzierter, hübsch gedrehter, witziger bis selten kurz dramatischer oder trauriger, kurzweiliger Hollywood-(Anti)Weihnachtsfilm in dem DIE Kathy Bates die unflätigsten Dinge sagt. 7/10 & 4/5 Zuckerstangen

7/10
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Kommentare

20.02.2022 09:38 Uhr - cecil b
Moderator
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Lange nicht 'gesehen', kokoloko.

Danke für deine erfreulichen verspäteten Weihnachtsgeschenke!

Alle 3 Reviews geben jeweils einen guten Eindruck vom Film, und es macht Spaß, sie zu lesen, im positiven Sinne.

Bad Santa hatte mir damals auch gut gefallen, dieser könnte für mich auch interessant sein. Das Drama hinter dem Protagonisten, das hat was.

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