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The Stylist

Herstellungsland:USA (2020)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,60 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Jeder träumt davon, jemand anderes zu sein... aber für Claire wird dieser Traum von einer Besessenheit zu einem lebenden Albtraum. Ihr Job als Friseurin erlaubt es ihr, sich in den Welten anderer Menschen zu bewegen, aber wenn das richtige Ziel auf ihrem Stuhl sitzt, tut sie mehr, als das Leben des Kunden zu beobachten - sie beendet es und behält ein dauerhaftes Andenken. Ihr einsames Leben, ihre akribische Methode und ihre schockierenden Geheimnisse werden plötzlich in Aufruhr versetzt, als ihre Stammkundin Olivia sie bittet, ihre Haare für ihre Hochzeit zu stylen. (Nameless Mediabook-Cover)

eine kritik von mcguinness:

" Man taucht in das Leben anderer Menschen ein, man hört Geschichten, man gibt Ratschläge. Ist fast wie in einer Familie ; deshalb bin ich Friseurin "

 

 

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er möchte geliebt werden, zur Gesellschaft gehören und anerkannt werden. Man möchte anderen Menschen gefallen, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Es ist keine Schande, wenn man gemocht werden will. Das ist, wie gesagt, menschlich und betrifft jeden von uns, doch es gibt Menschen, die wollen mehr gemocht werden und denken permanent, sie können die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, dabei würde selbst ein absoluter Individualist heutzutage ohne solch eine erstrebte Anerkennung überleben.

In dem Film " The Stylist " von 2020, entstanden unter der Regie von Jill Gevargizian, welche zuvor für mich gänzlich unbekannte Produktionen wie etwa " 42 Counts " (2018) oder " One Last Meal " (2019) verantwortlich zeichnet, geht es inhaltlich um eine junge Frau namens Claire, die als Friseurin tätig ist und krampfhaft versucht anderen Leuten in ihrem Umfeld zu gefallen und Freundschaften zu schließen. Je mehr sie sich jedoch anstrengt anderen zu gefallen, desto weniger gelingt es ihr, zumindest ihrer Meinung nach, und dieses zwanghafte Bestreben macht Claire sowohl körperlich als auch geistig abhängig. Den nun ausbleibenden Dopaminstoß, der eigentlich durch eine Bestätigung und Akzeptanz der eigenen Person ausgelöst wird, versucht sie dadurch zu kompensieren, indem ihr die Ermordung und das skalpieren junger Frauen einen Kick verschafft, der sie kurz aus ihrem seelischen Elend befreit und ihr durch das Tragen des jeweiligen Skalps die Möglichkeit gibt, eine ganz andere Person zu sein, die geliebt und akzeptiert wird.

Der wenig erfahrene Zuschauer dürfte hier eine recht spannende, vielleicht sogar vielschichtige Geschichte vermuten, die zudem überaus zeigefreudig in Sachen Brutalität inszeniert worden ist, dem geneigten Kenner jedoch, wozu ich Sie als aufmerksamen Leser zähle, schwant bereits jetzt schon nichts gutes, da vorliegende Inhaltsangabe prompt unleugbare Parallelen zu William Lustig's Meilenstein " Maniac " (1980) vermuten lässt. Was uns Regisseurin Jill Gevargizian hier allerdings kredenzt, ist gelinde gesagt als bodenlose Unverschämtheit zu bezeichnen, denn das derart dreist bei Genre - Größen geklaut worden ist, habe ich nur selten bzw. noch nicht erlebt.

Nicht nur ganze Szenen wurden komplett nachgestellt, wie etwa die Selbstbefriedigung von Marie in " High Tension " (2003), sondern es wurde nahezu noch die gleiche Kameraeinstellung gewählt als auch teilweise komplette Szenenbilder aus " The Texas Chainsaw Massacre " (1974) übernommen, wenn Claire z. B. in ihrem staubigen Keller, vollgestopft mit diversen Utensilien, bei schummrigen Licht vor dem Spiegel sitzt und sich in bester " Maniac " - Manier die verschiedenen Skalpe aufsetzt, wobei selbst ihr Faible für scharfe Scheren nicht bloß auf die Ausübung ihres Berufes zurückzuführen ist, sondern ebenfalls schamlos kopierte Elemente aus dem wirklich knüppelharten " Inside " (2007) bereit hält, die in ihrer Drastigkeit im Vergleich zum französischen Übervater allenfalls als lächerlich zahm zu bezeichnen sind. Regisseurin Gevargizian hoffte wohl auf ein recht junges Publikum zu stoßen, welches die erwähnten Genre - Highlights nicht kennt, doch uns alt - eingesessene Filmfreunde vermag sie nicht zu täuschen und zieht sich somit vollkommen zu Recht unseren Zorn für eine derartige Ideenlosigkeit zu.

Najarra Townsend, gesehen u. a. in " Supernova 2012 " (2009) und " Wolf Mother " (2016), mimt hier die schwer gestörte Friseurin Claire, die es zu keinem Zeitpunkt schafft, den Zuschauer auch nur annähernd zu fesseln. Dermaßen langweilig und blass bleibt ihr Charakter, dass man sich überhaupt nicht in ihre Figur hineinversetzen kann, zumal Townsend ziemlich hübsch ist, im realen Leben wie auch in ihrer Rolle hier, wodurch es vollkommen unerklärlich bleibt, weshalb diese keinerlei Freundschaften schließen kann, auch nicht mit Männern, die ihr hier keinerlei Avancen machen, obwohl es keinen Hinweis auf eine evtl. lesbische Veranlagung gibt.

Einen kleinen Wink, woher diese Störung kommen mag, erhalten wir zwar, doch ist dieser in seiner Darlegung genauso unausgereift und daher belanglos wie der gesamte Film. Belanglos ist da auch eine ihrer Kundinnen namens Olivia, dargestellt von Brenda Grant, die zuvor in wenig aufsehenerregenden Werken wie " Ice Road Terror " (2011) oder " Beyond the Gates " (2016) mitgewirkt hat, hier jedoch keinerlei Schwerpunkte zu setzen vermag und deren Auftritt als Ideen - und farblos zu bezeichnen ist, auch wenn Regisseurin Gevargizian uns was anderes glauben lassen möchte.

Bereits zu Anfang tritt zudem ein Merkmal in Erscheinung, dass sich durch den kompletten Film zieht und auf einer unglaublich schlechten deutschen Synchronisation beruht, die sich auf billigstem Porno - Niveau befindet und das ausnahmslos bei allen Beteiligten. Schaut man diesen nun zu, bekommt man gerade bei Claire und Olivia den Eindruck, als würden sich zwei pubertierende dreizehnjährige Teenager auf dem Schulhof unterhalten und derartige Banalitäten füllen den Film komplett aus und lassen die Augenlider des ermüdeten Zuschauers zunehmend schwerer und den Geduldsfaden, um auf die erlösende Off - Taste der Fernbedienung zu drücken, immer dünner werden.

Dabei sind die Kameraführung von Robert Patrick Stern (The Muck - 2014 und Skeletons in the Closet - 2018) als auch die musikalische Untermalung von Nicholas Elert (Grammy - 2015 und Gags - 2018) grundsolide, sogar als durchweg positiv zu bewerten, doch das hölzerne Schauspiel, die strunzdummen Dialoge, gepaart mit der verdammt miesen Synchronisation sowie die partout nicht aufkommen wollende Empathie zu Claire und Olivia, retten dieses zusammengeklaute Armutszeugnis von Film auch nicht mehr vor dem drohenden Untergang. Das skalpieren eines Opfers sieht zugegeben wirklich gut aus und deutet auf professionelle Maskenbildner hin, aber die Morde lassen sich an drei Fingern abzählen und sind nicht gerade zeigefreudig gestaltet worden.

Im Grunde genommen baut eigentlich alles von Anfang an auf die bevorstehende Hochzeit von Olivia auf, zu welcher sie Claire nur eingeladen hat, damit diese ihr die Haare macht. Bis es soweit ist, muss man eine beispiellose Tortur aus den vorhin genannten Kritikpunkten überstehen und anstatt der bis zum Wahnsinn gequälte Zuschauer dann im Finale mit einer besonders geistreichen Wendung oder ausufernden Brutalitäten entschädigt wird, bekommt dieser ein absolut vorhersehbares Ende spendiert, dass dieselbe leere Hülle zu bieten hat wie der Rest des Films. Jill Gevargizians Film bleibt somit eine unverschämte Raubkopie besagter Genre - Größen und darf nicht weniger als infame Beleidigung gegenüber Kennern und Genießern stilgebender Horrorfilme angesehen werden. Wer trotz dieser eindringlichen Warnung sich dennoch genötigt fühlt nun einen Blick zu riskieren, der soll dies gerne tun, möge mich aber hinterher für die mehr als nur verschwendete Lebenszeit bitte nicht verantwortlich machen. 

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Kommentare

09.03.2022 14:06 Uhr - sonyericssohn
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Okay danke, bin raus :-D
Klingt ja furchtbar ! Den Film verbuche ich dann wohl auf meiner Liste ganz weit hinten...

09.03.2022 14:55 Uhr - McGuinness
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@sonyericssohn

Am besten du streichst diesen Titel ganz von deiner Liste 😉

09.03.2022 14:57 Uhr - sonyericssohn
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Hah, das macht die Sache natürlich noch leichter :-D
👍

09.03.2022 17:55 Uhr - Intofilms
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Das war deutlich, danke! (Einfach abhaken. ;)

09.03.2022 18:05 Uhr - Dr. Kinski
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Klingt ja unheimlich schlecht. Gelegentlich nehme ich auf Börsen mal die Mediabooks von solchen Streifen, die keiner kaufen wollte, für einen Zehner mit aber da scheint ja jeder Cent zu schade zu sein. Danke für die, übrigens wieder toll formulierte, Warnung :)

09.03.2022 19:33 Uhr - cecil b
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Ein Exploitationfilm, der deinen ersten Absätzen nach echt interessant sein könnte.

Aber du hast wirklich vortrefflich dargelegt, warum der dreiste Diebstahl und die fehlende eigene Innovation samt grottiger Synchro nicht in meinen Player gehört.

Schade, definitiv ein Ding, das meine Neugierde geweckt hätte. Glück gehabt. Danke!

09.03.2022 19:52 Uhr - McGuinness
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@Intofilms, Dr. Kinski und cecil b

Liebe Kollegen, als versierte Filmkenner und Freunde der gepflegten Unterhaltung kann ich euch nur dringend raten, euer Geld und eure Lebenszeit anderweitig sinnvoll zu investieren 😉
Nicht weniger als eine absolute Frechheit und dreiste Mogelpackung wird hier geboten und nach erfolgter Sichtung brauchte ich zwingend erstmal einen doppelten auf Eis 🥃🥴

09.03.2022 20:51 Uhr - TheMovieStar
1x
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Hallo MCGuinness:

Wieder einmal eine hervorragende und sprachlich ansprechend formulierte Review, die ich gerne gelesen habe und die eine eindeutige Warnung ausspricht, welcher ich folgen werde und diesen Film gekonnt ignorieren werde.

Gruss Moviestar

09.03.2022 20:59 Uhr - McGuinness
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@TheMovieStar

Der Bogen, den du um diesen Energiefresser machen solltest, kann gar nicht groß genug sein 😉
Freut mich, wenn meine Warnung dich von einer Sichtung abhält.

10.03.2022 09:13 Uhr - Draven273
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Klingt ja nach deinen Worten zu urteilen, nach einem absoluten Hammer. :)))) Den muss ich mir dann doch auf jeden Fall mal anschauen... oder vielleicht doch nicht.... ich denke ich belasse es bei deiner gut geschriebenen Review und der Film kann von mir aus im Keller bleiben :)))

10.03.2022 09:50 Uhr - McGuinness
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@Draven273

Der Hammer ist dieser filmische Totalausfall definitiv ; ganz großes Kino, dass vor Innovationen nur so strotzt 😉

Diese erschaffene Scheußlichkeit gehört nicht bloß in den Keller verbannt, sondern am besten direkt in Säure aufgelöst 🤪

11.03.2022 07:24 Uhr - Boris die Bestie
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Kann mich McGuinness nur anschließen... Unglaublicher Schnarcher, ohne Schauwerte, billiger Synchro und saudämlichen Dialogen... musste mich regelrecht durchquälen und die letzten Minuten bis zum Finale, gingen nur im Vorlauf... den hab ich das letzte mal bei Texas Chainsaw Massacre-Die Rückkehr benutzt...

11.03.2022 08:42 Uhr - McGuinness
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@Boris die Bestie

Ah, ein Leidensgenosse 😃

Auch dir wurde somit wertvolle Lebenszeit gestohlen, mein Beileid 😔
Schön ist es aber, dass du diese Vollnarkose genauso schlecht vertragen hast wie ich 😉

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