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Terrorgang

Originaltitel: Mas alla del Terror

Herstellungsland:Spanien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Horror, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Dieser Film zeigt die Geschichte von vier Jugendlichen, deren Weg gezeichnet ist von Brutalität und Gewalt. Ihr Leben besteht aus Verrücktheiten, die sie auf blutigste Art und Weise ausfüllen. Sie morden und rauben; BIS EIN FLUCH SIE STOPPT; nachdem sie ein Haus anzünden in dem sich alte Frau und ein Kind befinden. Die Rache für ihre vergangenen Verbrechen ist furchtbar.
TERROR IST UNSER LEBEN - UNS STOPPT NUR DER TOD. (Magic / AllVideo VHS-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von shharry2:

Mas alla del Terror“, in Deutschem Lande unter dem nicht minder spannend klingenden Titel „Terrorgang“ vermarktet, hat ein typisches, 80er-Jahre Videothekencover, dass einen geradezu anschreit „leih mich aus!“, jedenfalls das Cover B meines Mediabooks. Wie so oft bei solchen Fällen muss man da als Käufer eigentlich schon argwöhnen, denn nur selten konnte der Inhalt dem reißerischen Cover Rechnung tragen. War mir aber bei diesem Film hier, den ich zuvor Null kannte, egal, und daher war der auch schnell vorbestellt und trudelte gestern bei mir ein. Ob der Film nun halten konnte, was das Cover versprach, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.

Inhalt: Irgendwo im spanischen Ländle wird die junge Lola von einem deutlich älteren und leicht schmierig wirkenden Geschäftsmann wie verabredet im Auto abgeholt, um ein Schäferstündchen unter freiem Himmel zu führen. Als jedoch Lola eher an dessen Geldbörse interessiert ist, kommt es zu nem Handgemenge, dass die offensichtlich schon länger im kriminellen Milieu tätige Rabaukin mit einem gezückten Messer klar für sich entschieden kann. Der Typ ist tot, und Lola haut mit ein wenig Kohle sowie dessen KFZ schnell ab.

Kurz darauf trifft sie sich mit ihren ebenso im illegalen Bereich aktiven Freunden Nico, Chema und Jazz, kauft ein wenig Drogen, doch da Geld wohl generell knapp ist beschließt man kurzerhand, ein Pub zu überfallen. Das geht gründlich schief, und nachdem es einige Tote gab – darunter Jazz und 2 von der Policía hinzugeeilte Ordnungshüter – geht es mit den Geißeln Jorge (oder Juan?) und Linda auf und davon. Nachdem man aufgrund einer kleinen Meinungsverschiedenheit den Fluchtwagen fahruntüchtig gerammt hat, kommt unsere lustige Truppe an ein einsam gelegenes Haus, dass von einer alten Oma und ihrem Enkel, sowie einem beißwütigen Hund bewohnt wird.

Wie soll es anders sein, da bei unseren Rowdies der Revolver ebenso locker sitzt wie ihr Mundwerk, sind der Köter, der kleine Andras und die Oma alsbald tot, doch nicht, bevor die weißhaarige Alte einen recht fies klingenden Fluch gegen ihre Mörder ausspricht. Wenig später kommen die Mörder und ihre Geißeln an einer einsam gelegenen, alten Kirche/Kathedrale an, und beschließen, dort zu nächtigen. Schon bald beginnen jedoch unheimliche Geschehnisse und Sichtungen den Schlaf der Ungerechten empfindlich zu stören….

Meinung: Ich bin immer gerne auf der Suche nach Filmen aus den seligen 70er und 80ern, von denen ich zuvor wenig oder gar nichts gehört oder gelesen habe, und die mir oft einfach aufgrund ihres reißerischen Titels und/oder Covers sofort ins Auge springen und mich neugierig machen. Manchmal findet man dabei ne richtige Trash-Perle, manchmal ist es der bekannte Griff ins Klo, und oft ist es eben einfach ein Film, der weder besonders gut, noch besonders herausragend ist, und in die letzte Kategorie fällt zumindest meiner bescheidenen Meinung nach der hier besprochene „Terrorgang“.

Der im Jahre 1980 in Spanien entstandene Streifen ist ein Mix, bestehend in der ersten Filmhälfte aus dem typischen „Terrorfilm“ der 70er Jahre (er erinnert mich leicht an Aldo Lados „Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien“, jedenfalls von der Atmosphäre her), um dann etwa zur Filmmitte in Richtung Horror-/Gruselschocker umzuschwenken. Das funktioniert erstaunlicherweise recht gut, was selten ist in solchen Filmen. Leider aber hat der Film so einige Durchhänger, da passiert praktisch Nichts auf dem Bildschirm, abgesehen von ausgewalzten Dialogen, die möglicherweise vor 40 Jahren aufgrund ihrer Blasphemie und vulgären Art – es fallen sehr oft Worte wie Ficken, Arschficker, du Arsch, Ficker auf der ganzen Welt - einen kleinen Aufschrei verursacht haben, heute aber lediglich aufgrund ihrer Länge den Zuschauer langweilen. Der Beginn zieht sich ähnlich lange, es dauert geschlagene 8 Minuten, bis Lola und ihr geiler – und natürlich glücklich verheiratete – Stecher höheren Alters endlich mal am Ort ihres geplanten Beischlafs ankommen. Davor sieht man Lola zu, wie sie in irgendeinem Cafe sitzt, raucht, auf die Uhr sieht und ihre Cola trinkt. Seeehr spannend.

Danach allerdings kommt Fahrt auf, Lola sticht den Kerl ziemlich kaltblütig ab, trifft sich mit ihren anderen Kumpanen, kauft Hasch/Koks, und schon wird der Pub überfallen, was nach dem Eintreffen der 2 Streifen-/Motorradpolizisten schnell in einem Blutbad endet. Darauf folgt eine kurze Fahrt mit den 2 Geißeln, um dann bei der auf den ersten Blick liebenswert wirkenden Großmutter erneut 2 Tote zu hinterlassen. Dann aber wird deutlich der Fuß vom Gaspedal genommen, sowohl im Film selbst von Nico, als auch vom Regisseur. Es wird sehr viel gelabert, man erkundet ein wenig die Kirche und das umliegende Gehöft, aber abgesehen von viel Dialog ist das Alles doch recht zäh.

Erst in den letzten ca. 20 Minuten kommt wieder Fahrt auf, aber selbst dann war ich doch etwas enttäuscht vom Gezeigten. Größtes Manko ist, dass beinahe alle Morde im Off geschehen. Chema beispielsweise steht auf dem Turm der Kirche, um nach dem ominösen Hund, der von mehreren der Protagonisten gesehen wurde, Ausschau zu halten. Als er sich umdreht, um die Treppe hinunterzugehen, steht besagter Hund vor ihm, und knurrt ihn an. Schnitt zu Linda und Lola in der Kirche. Linda macht sich dann auf die Suche nach Chema – dem hat sie sich im Verlauf der Handlung mehr oder weniger freiwillig an den Hals geschmissen - und entdeckt ihn kopfüber baumelnd im Treppengang des Turms, mit blutiger Wunde am Hals. Ziemlich enttäuschend. Einzig bei Lola, der letzten der fiesen Gang, welcher es an den Kragen geht, wird draufgehalten, bis schließlich, Achtung, ihr Schädel explodiert! Erwartet jetzt aber kein Effektfeuerwerk wie bei „Scanners“, bloß das nicht, noch nicht mal annähernd. Aber es ist zumindest mal positiv, dass man ihren Tod sozusagen live miterlebt und das Ganze dann auch der blutigste oder gorigste Effekt des Streifens ist.

Ein paar Szenen laden überdies zum Schmunzeln ein, so während Lindas Ableben etwa: Die Gute macht sich, nachdem sie den toten Chema gefunden hat, wie vom Affen gebissen auf in die Katakomben, und wird dort dann von so ner Art mumifizierter Leichen umstellt, die sie erst betatschen, als ob sie mit ihr ne Orgie feiern wollen und später steht sie dann, offenbar tot, zwischen den Mumien, umhüllt von Zentimeter dicken Spinnweben. Das Lustige dabei ist, dass während der Betatschungsorgie die Statisten unter den recht akzeptablen Mumienmasken mit ihren stinknormalen Griffeln an Linda herumfummeln, das sieht einfach nur lächerlich aus.

Ähnlich ist es mit dem Burschen Andras, der immer kurz, bevor eines der Gangmitglieder und ihrer 2 Geißeln/Fluchtwilligen ins Gras beißt, auftaucht und den nahenden Tod signalisiert: Dieser Andras ist nämlich der Geist des Jungen, der im Haus verbrannte, und zumindest Chema müßte genau wissen, wie der aussieht, aber er macht im Film nicht den Geringsten Eindruck, also ob dem so wäre, sehr seltsam aus Sicht des Zuschauers…

Ziemlich gut ist der Titeltrack des Films, wird zu Beginn und vor allem gegen Ende, in den letzten 20 Minuten immer wieder mal angespielt, gefällt mir. Von den Darstellern kenne ich keine einzige Nase, weder vom Gesicht her, noch vom Namen, aber für einen Film diesen Kalibers sind sie alle durch die Bank weg in Ordnung, die Darstellerinnen der beiden Weiber Lola und Linda kratzen manchmal am Overacting, aber ansonsten hält es sich im Rahmen.

Auch die nihilistische Atmosphäre, die durch ein wenig Hintergrund zu Lola und Niko verdeutlicht wird, tut dem Film gut, wie auch die Location der verfallenen Kirche und darunter liegenden Katakomben.

Kleine Info am Rande: Unter dem Namen des Drehbuchautors verbirgt sich der alte iberische Haudegen Juan Piquer Simon, daher verwundert es mich nicht, dass man beim brennenden Haus der Großmutter ein Modelhäuschen bestaunen kann, welches abgefackelt wurde.

Fazit: Wie bereits oben angedeutet, ist „Terrorgang“ – leider – kein unbekannter Geheimtipp des Trash-/Eurohorrorkinos der seligen 80er, er ist allerdings auch keine totale Gurke, die das Zelluloid nicht wert ist, auf das sie gebannt wurde, sondern irgendwo dazwischen. Ich habe Reviews im Netz gelesen, die sprechen bei „Mas alla del Terror“ von einem wirklich räudig-netten Stück Horror-Celluloid oder davon: Der Film ist tatsächlich noch irrsinniger, niederträchtiger, asozialer, unglaublicher, aber auch besser, als ich das in Erinnerung hatte; ich weiß nicht, welchen Film die Autoren jener Reviews gesehen haben, aber entweder waren die bei der Sichtung noch mehr unter Drogen, als die Figuren in „Terrorgang“, oder es liegen hier wieder Welten zwischen deren Wahrnehmung des Films und meiner eigenen. Mir egal, ich fand den Film in Ordnung, ganz okay, Freunde des europäischen Schundkinos der späten 70er und 80er können mal einen Blick riskieren, aber mehr ist es am Ende dann doch nicht.

6 von 10 spanischen Todesflüchen.

 

PS: Die sichelschwingende Dämonenfrau auf dem geilen Cover taucht selbstverständlich NICHT im Film auf. ;-)

6/10
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Kommentare

12.03.2022 20:34 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.098
Aufgrund der Spoiler habe ich manche Absätze ab einem bestimmten Punkt nicht weitergelesen, aber 90 % blieben über.

Danke für den angenehm verfassten Eindruck von diesem Film, auf den ich eigentlich ganz heiß bin/war!

Dieser schöne Schund könnte mir echt gefallen, wobei mich Off-Szenen und Fäkal-Sprache jetzt nicht vom Hocker reißen. ;)

Das Cover reicht bei mir aber zumindest für ein Poster. ;)

17.03.2022 12:18 Uhr - shharry2
User-Level von shharry2 4
Erfahrungspunkte von shharry2 231
Danke für deinen Kommentar. ;-)

Das Cover ist echt gut, das andere (Cover A vom Mediabook) hingegen ziemlicher Käse....

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