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Bloody Christmas

Herstellungsland:USA (2012)
Genre:Horror, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 3,00 (1 Stimme) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von kokoloko:

Bloody Christmas

Meine Weihnachtshorrorpassion wäre nicht meine Weihnachtshorrorpassion, wenn ich nicht semi-regelmäßig in den Untiefen des Amateursektors fischen würde und auch letztes Jahr blieb es weder mir noch euch erspart, eine solche Erfahrung hier verewigt zu sehen. Wie fast immer aus den US of A stammend, trägt die heutige Indieerfahrung den Titel „Bloody Christmas“ und einzig meine durch andere Reviews gedrosselte Erwartungshaltung war es, die hier noch für erträgliche 90 Minuten gesorgt hat.

In der ersten Szene wird direkt sehr amateurig und langsam inszeniert wie eine Frau versucht sich umzubringen, nur damit direkt danach aber eine Reporterin von einer „Crime Scene“ spricht, an der sich wohl ein Mord zugetragen haben soll. Beides davon ist wohl am 24. Dezember geschehen, weiter geht es mit unserem Hauptdarsteller im Santakostüm, wie er bei den Dreharbeiten mit jungen Darstellerinnen und einem sehr nach Steven Spielberg aussehenden Regisseur Visionen davon kriegt, wie er alle Leute im Raum billig, aber blutig mit einer Pistole erschießt. Highlight dieser kurzen Sequenz, abseits der unerwarteten Rabianz direkt zu Beginn, ist ein Zuckerstangenkill. Das CGI ist dezent aber mies, viel irritierender aber die an Western/Grindhouse erinnernde Namenseinblendung: „The Gift Giver“. Als nächstes sehen wir einem Priester dabei zu, wie er am Podest eine lange Predigt vor fast leerem Publikum hält, bevor auch er eine mit Einschlaglöchern versehene Titeleinblendung erhält.

Als dritter „Storystrang“ präsentiert „Bloody Christmas“ zwei Jäger die scheinbar eine blutig zugerichtete Leiche entdeckt haben, last but not least werden umständlich und überlang zwei Cops vorgestellt („The Cops“), die ein paar Kleinkriminelle hochnehmen. Wurden die vier hauptsächlich wichtigen Charaktere etabliert, startet es mit einem fluchenden Santa und etwas Weihnachtsmusik auf dem Piano, der laut ins Mikrofon wehende Wind unterstreicht dabei sowohl den Winter- als auch Amateurfaktor der Produktion. Untermalt von einer süßen, schwarz-weißen Claymationanimation hält Santa ein kurzes Gespräch mit Meg, die ihm die Post vorbeibringt. Meg ist jedoch nicht nur mit unserem Protagonisten befreundet, sondern arbeitet auch in der Kirche mit Father Michael, dem Priester von vorher zusammen.

In einer Szene mit lauten Knarzgeräuschen bei jeder Kamerabewegung sagt Meg Father Michael jedenfalls ab, was die nächsten weihnachtlichen Aktivitäten der Kirche betrifft, worauf dieser sichtlich empört, durchaus ungehalten reagiert. Die unterirdische, unscharfe Bildqualität der folgenden Szene hat schon ihren ganz eigenen Charme, inhaltlich wird allerdings nur bestätigt dass die Jäger aufgrund ihres Leichenfunds die Cops geholt haben, da diese nun unbedarft in der verscheniten Umgebung umherlaufen und die Leiche inspizieren. Wir als Zuschauer sehen besagte Leiche übrigens immer nur in sehr kurzen Nahaufnahmen, wohl um die miese Effektarbeit zu kaschieren – dass während einer dieser Kamerafahrten eine offensichtlich Goblin-motivierte, liebliche kleine Giallomelodie läuft, ließe mich fast schon andere Unzugänglichkeiten übersehen, wäre besagtes Stück nicht DEUTLICH zu leise und unverständlich abgemischt. Die Mutter des Opfers rennt panisch zum Tatort und wird professionell beruhigt („We gon' find the guy who did this. Stay cool.“), dann geht es zurück zu unserem Protagonisten.

Rich, so scheinbar der Name unseres vom Schicksal geplagten und von Steve Montague teils durchaus überzeugend dargestellten Santa Claus' nämlich, geht als nächstes in die Mall, wo er allerdings direkt gefeuert wird und eine weitere kurze Vision der Selbstjustiz hat. Haben wir es hier etwa mit einem Indie-Amateur-Weihnachts-“Falling Down“-Type-Film zu tun, in dem ein ehrlicher, vom Pech geplagter, verbitterter Mann alles verliert? Auch den Kontakt zu seiner Tochter scheint er verloren zu haben, wie die nächste, leider zu leise und mies nachsynchronisierte Szene verrät. Doch ehe sich eine allzu geradlinige oder simpel zu durchschauende Story etabliert, schneidet der Film zurück in die Kirche, wo Father Michael gerade einer schluchzenden Mutter zuhört, die von ihrem trinkenden, schlagenden Mann erzählt. Was der Pater antwortet ergibt dabei durchaus Sinn und ist nicht schlecht geschrieben oder gespielt, nur wird dieses Gespräch leider MASSIV davon überschattet, dass sich gleichzeitig die aufreizend angezogene Meg an den ihr gegenüber sitzenden, kleinen Jungen ranmacht (!!!). Was diese pädophile Anspielung soll, erschließt sich mir nicht wirklich, aber der Film geht, soweit ich weiß, nie wieder darauf ein.

Wie dem auch sei, Father Michael trifft in der Mall auf auffallend unlustige, schlecht spielende Frauen und erhält eine Einladung zu einer Sex(?)-Party, Santas Plot hingegen bleibt bei der erwarteten Route des totalen Abstiegs, da er am Telefon von seinem Freund zurückgewiesen und angelogen wird, seinen Check nicht einlösen kann. Alternativlos und der Obdachlosigkeit ausgesetzt, ruft er Meg von vorher an und fragt, ob er bei ihr crashen kann – sie sagt ja, und ehe wir uns versehen befinden wir uns in einer Wohnung mit Filmsammlung und Skelett an der Wand und die junge Arschgeweihträgerin gibt unserem Protagonisten etwas zu trinken, was er - äußerst peinlich und schlecht gespielt - auch tut. Die Foley-Sounds sind fake und billig, auf der Linse ist Dreck, die Wohnung ist zu dunkel – wir befinden und schon wirklich am ziemlichen Bodensatz der Horrorfilminszenierung. Doch weil kurz vorher noch ein Weihnachtsbaum abgefilmt wurde und die Gialloscore noch einmal lief, nur dieses Mal deutlich lauter, wir zudem die Hälfte des Films überstanden haben, bin ich zuversichtlich auch den Rest noch zu schaffen.

Meg geht Duschen, ohne aber dass der Zuschauer dabei wäre, Santa schaut sich währenddessen die Wohnung an und findet eine Spritze inmitten der Filmsammlung, die er natürlich direkt fälschlicherweise mit Drogenmissbrauch assoziiert. „You wanna be a whore?“ fragt er die Diabetikerin und die nächste Wohnung wird aus Scham verlassen. Der mit Abstand unnötigste der drei Erzählstrange, in diesem ohnehin schon recht langsamen und nicht unbedingt nötigen Film, nämlich der der Cops, wird in einer weiteren kurzen, ungelenken Szene fortgeführt, in der sie in einer Rocker/Biker-Bar Wein trinken, einen Aktenkoffer öffnen und slangen dürfen. „I think we're dealing with a serial killer“, meint der Eine, „Possibly...possibly gang activity, that's a possibility“, der Andere. Danke auch.
Bald haben wir es geschafft, und zur Eine-Stunde-Marke gibt es auch tatsächlich Grund zur Freude: Ein Lloyd Kaufman-Cameo läuft auf dem Fernseher und bringt etwas Humor in den Film, gleichzeitig guckt Father Michael scheinbar abgefuckten Folterscheiß auf seinem Fernseher und hält eine Rede darüber, wie sehr er Santa Clause und das, was aus Weihnachten geworden ist, Kommerz etc., doch hasst. Last but not least stellt sich heraus, dass der angedeutete Suizid aus der allerersten Szene wohl doch nicht so random war, sondern es sich um die Mutter von Jamal, dem Todesopfer handelte.

In einem kuriosen Traum sieht sich Ritch gefesselt und zu Synthiemelodien von bewaffneten Santas verhöhnt, die Meg in einer Garage umkreisen. Die Qualität ist furchtbar und es gibt keinen Sound, aber immerhin etwas künstlerische Intention. Und hier nun also endlich die Schlüsselszene, die tatsächlich einen Unterschied macht und die Action starten lässt: Ritch betrinkt sich aus Frust etwas und liest die Wunschzettel der Kinder, die er vorher von Meg erhalten hat. (Jetzt, wo man weiß dass die Post von Meg aus Wunschzetteln von Kindern bestand und dass diese scheinbar kleine Jungs in der Kirche anflirtet, schon nochmal extra bedenklich.) Neben mehreren Erwähungen von Soul Calibur V, was den Film recht deutlich datieren lässt, ist nun auch ein Brief von Tyler dabei, dem Jungen aus der Kirche, der von seinem Alkivater geschlagen wird. Wütend entschließt Santa sich, da mal vorbeizufahren!

Die erste wirkliche Horror bzw. Slasher bzw. nicht nur als Vision inszenierte, „Bloody Christmas“-Szene folgt nun, nach geschlagenen 70 Minuten: Megs Freund, Ricky, verlässt ihre Wohnung und die Kamera offenbart, dass der scheinbar psychotisch durchgeknallte Father Michael bereits eingebrochen ist. Meg duscht erneut und dieses Mal sehen wir sie auch tatsächlich komplett nackt, bevor der Priester das Unumgängliche tut und sie mit einer Art Besen zu peinlichsten Postal 2-Stocksounds totkloppt. In dem Modus verbleibt der Film jetzt auch tatsächlich für restlichen 22 Minuten, da Michael als nächstes eine weitere Frau umbringen darf, nur diesmal mit atmosphärischen Synthiesounds, einem brauchbaren Effekt und halbwegs pasablem Jumpscare. Warum danach noch ihre Brüste entblößt werden und der Pater für eine Sekunde Feuer auf eben jenen ertzündet, entschließt sich mir nicht ganz, aber warum nicht. Als nächstes zieht es Michael zum Finale, das sich natürlich in dem Haus von Tyler und seinen Eltern abspielen muss.

Doch obwohl wir bereits im schnell gepaceten Slasher-Territorium unterwegs sind, werden Tempo und Ernsthaftigkeit kurz vorm Ende jetzt doch noch einmal ganz rausgenommen, um zu zeigen wie schwerfällig, überlang und slapstickartig Santa versucht, in das Haus zu klettern. Ist das geschafft, folgt zwar zugegebenermaßen der erste gewollte und klappende Lacher der ganzen 92 Minuten, doch pacingtechnisch hätte man hier einiges umstellen können.
Ein billiger, allenfalls mäßig choreographierter Kampf mit Weihnachtsstern in der Brust, unser Cops als ultimativer Deus-Ex-Machina, ein überraschend gut getrickster Kopfschuss, mehrere „Ah, jetzt ist es vorbei...doch nicht!“-Momente und dann, fast ohne Ending Credits, nach 89 Minuten, ist es wirklich endlich überlebt.

Was bleibt festzuhalten? Ich mag Filme, die sich Zeit nehmen um ihre individuellen Stränge und Charaktere vorzustellen und erst später zusammenzuführen, ich bin großer Fan von Indieproduktionen und gerade Weihnachtshorror und ja, auch der routiniert abgehandelte, auf dem Papier gar nicht mal schlechte „Falling Down“-Aspekt der Abwärtsspirale unseres alternden, übergewichtigen Santas inmitten der eigentlich „most wonderful time of the year“ hat definitiv was für sich. Doch so sehr ich einige Stellen nett geschrieben oder gefilmt finde, so sehr der Film das Herz am rechten Fleck hat und so sehr ich zumindest stellenweise die Visionen, Comedy oder Effekte genießen konnte, so reicht es auf diesem niedrigen Niveau schlußendlich leider einfach nicht, um ganze 90 Minuten lang zu unterhalten. Mit mehr Geld hätte das selbe Script wirklich wirken können, aber mit diesem Budget und Level an Schauspiel, Equipment etc. wäre nicht mehr als ein weihnachtlicher, witziger Kurzfilm drin gewesen. Es gibt deutlich unerträglichere, unsympathischere und anstrengendere Filme, diesen hier scheitern zu sehen macht nicht wirklich Spaß, aber eine Empfehlung fällt auch schwer auszusprechen. Und von der „Bloodiest Christmas Story Ever Told“, wie das Cover der mies aufgelösten, billigen US-DVD verspricht, ist dieser allzu zahme Streifen natürlich auch meilenweit entfernt. 3/10 & 2.5/5 Zuckerstangen.

3/10
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Kommentare

23.03.2022 06:34 Uhr - Belphegor1999
Kannte ich bis jetzt nicht. Deine gute Kritik sagt mir Finger weg. Danke für die Warnung.

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