SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Elden Ring · Erhebt Euch · ab 57,99 € bei gameware Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 64,99 € bei gameware

Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch

Originaltitel: Ultimo Mondo Cannibale

Herstellungsland:Italien (1977)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Abenteuer, Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,48 (39 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Drei Männer und eine Frau landen mitten in der malaysischen Wildnis. Grausame Kannibalen, die wie in der Steinzeit leben, lauern im Verborgenen. Mit ihrer brutalen Fressgier und ihren Tötungsritualen verbreiten sie Angst und Schrecken. Die folgenden Szenen lassen das Blut in den Adern gefrieren. Nervenzerreißende Spannung und schaurige Sensationen lassen ein flaues Gefühl im Magen hochsteigen. Denn was zivilisierte Menschen in dieser Dschungelhölle erleben, wirkt wie ein mörderischer Alptraum – doch es ist nackte Wirklichkeit! (84 Entertainment)

eine kritik von dicker hund:

Ruggero Deodato drehte 1977, drei Jahre vor seinem berüchtigten "Cannibal Holocaust", seinen "Ultimo Mondo Cannibale", der in Deutschland als zweiter Teil von Umberto Lenzis "Mondo Cannibale", in den USA zuweilen als "Jungle Holocaust" vermarktet worden ist. Inhaltlich handelt es sich jedenfalls nicht um eine Fortsetzung, sondern um einen eigenständigen Kannibalenschocker, in dem insbesondere Ivan Rassimov und Massimo Foschi als die "Zivilisierten" Rolf und Robert es mit dem Schrecken des Urwalds aufnehmen. Einfältige Dialoge, die bisweilen unfreiwillige Komik befördern (Humor 3/10), dürfen da nicht fehlen.

"Glaubst du, wir schaffen es?"

- "Das weiß ich nicht. Diese Frage dürfen wir uns gar nicht stellen."

"Ja, du hast Recht."

Aha; danke für das Gespräch. Im Vergleich zum Ugha-ugha der Steinzeitmenschen ist das aber natürlich noch gehobene Kommunikation. Diese leben in einer bizarren Höhle mit kärglich einfallender Sonnenlichteinstrahlung. Unter ihnen hüpft Me Me Lai als Pulan herum, die dem bärtig-geilen Robert natürlich gleich neugierig an sein Baumwoll-Höschen fasst. Na, wohin das wohl führt? (Sex 5/10)

"Ich kann sie nicht aufhalten. Ich habe sogar einen von ihnen gefressen."

Antropophage Mahlzeiten gibt es hin und wieder zu sehen. Die Rohheit der Wildnis wird durch sie ebenso wie durch die vorausgehende Leichenfledderei, gelegentliche Folter und Vergewaltigung ausgedrückt. Handwerklich ist die drastische Gewalt (7/10) respektabel umgesetzt worden. Besonders wertig wirken allerdings die Kulissen und ihre Fotografie. So versteckt sich die Kamera im hohen Gras, bietet kühne Panoramaperspektiven sowohl in Innenräumen, als auch von Aussichtspunkten mit schönem Weitblick auf die grüne Hölle. Der philippinische Drehort wirkt authentisch. Dort springen die vielleicht zotteligsten Indios der Filmgeschichte herum. Mit dicken Dreckklumpen in den unfrisierten langen schwarzen Haaren bedecken nur einfachste Lendenschurze und schlammverkrustete Stellen ihre bräunliche Haut.

An dem reißenden Fluss voller abtreibungsbeschleunigender Krokodile mögen sie sich offenbar nicht waschen, sondern bleiben lieber in dem undurchsichtigen Dickicht voller suspekter Flora und Fauna. Letztere muss öfter mal für billig durch Tiersnuff erzeugte Schocks herhalten (Horror 6/10). Schauspielerisch kommt die Verrohung und Verwahrlosung der beiden Weißbrote in der rauen Natur eigentlich ausreichend an, um auch ohne solche Einlagen die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Clevere Bildkompositionen wie das kuriose Ritual, mit dem die Neandertal-Epigonen verarbeiten, einen Gast aus der ersten Welt vor seiner Gefangenschaft fliegen gesehen zu haben, steuern eine anerkennenswerte Portion makaberer Phantasie bei.

Auch wenn diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) nicht wirklich spannend ist, gefällt sie mithin vor allem durch ihre optische Aufbereitung, in der sich ein erheblicher Aufwand wiederspiegelt, mit dem die Dreharbeiten offensichtlich verbunden gewesen sind. Der Freund der gepflegten Schund-Unterhaltung bekommt in gelassenem Tempo durchcollagierte Geschmacklosigkeiten von gehobener technischer Umsetzung an reichlich vorhandener Nacktheit kredenzt. Diese Form der Zerstreuung führte zu einer langjährigen Indizierung, mit der erst seit vier Jahren Schluss ist. Im Subgenre gehört sie unabhängig davon zur Elite.

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Mutilator,
dicker Hund
5/10
Murder-Set-Pieces
dicker Hund
6/10
Murderer
dicker Hund
5/10
die neuesten reviews
Coming
Ghostfacelooker
House
cecil b
7/10
neun
Kaiser Soze
8/10
Stylist,
Ghostfacelooker
Quarry,
Insanity667
9/10
Fast
Phyliinx
8/10

Kommentare

09.05.2022 20:49 Uhr - Argamae
2x
User-Level von Argamae 4
Erfahrungspunkte von Argamae 276
Also spätestens die "abtreibungsbeschleunigenden" Krokodile haben mir ein dickes Grinsen übers Gesicht gezogen. Wie ich heute schon zu einem anderen "Kannibalen"-Review von dir schrieb: nicht mein Genre, so gar nicht, aber dein Review-Stil ist absolut mein Ding. Danke dafür!

09.05.2022 21:16 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.061
Danke Argamae: Freut mich um so mehr, wenn Dir die Rezi Freude gemacht hat, obwohl Du mit den Urwaldhopsern eigentlich gar nicht warm wirst.

:-))

10.05.2022 18:18 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.098
DEINE Fortsetzung hat mal wieder Klasse. :)

12.05.2022 05:04 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.906
Auch hier Zustimmung. Ruggero Deodatos "Mondo Cannibale"-Film finde ich etwas würziger als das Original von Umberto Lenzi, und gemessen an so manchem Schund des Subgenres ist auch er handwerklich routiniert, ordentlich, solide. Leider beinhaltet er gleichfalls erneut gewisse Szenen auf die ich verzichten kann. Da sind etwaige UK-Cuts wie bei "Cannibal Ferox" und "Cannibal Holocaust" eine willkommene Alternative. Die letzte Sichtung ist zwar schon einige Jährchen her, doch zwischen 6 und 7 Punkte sind meinerseits auch heutzutage sicherlich noch drin :)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)