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Mondo Cannibale 3 - Die blonde Göttin der Kannibalen

Originaltitel: Mondo cannibale

Herstellungsland:Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Splatter, Trash
Alternativtitel:Barbarian Goddess
El Canibal
I Cannibali
The Cannibals
La Dea Cannibale
L'Emprise des cannibales
Inferno der Kannibalen
Jess Franco's Mondo Kannibalen
Mondo Cannibale
Mondo Cannibale 3 - Die blonde Göttin der Kannibalen
Mondo Cannibale 3. Teil - Die blonde Göttin der Kannibalen
Mondo Cannibale Massacre 3
Une fille pour les cannibales
White Cannibal Queen
Yamyamlar
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,06 (16 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine kleine Gruppe junger Leute auf Entdeckungsfahrt in den undurchdringlichen Tiefen des afrikanischen Urwalds. Unter ihnen: Anne, ein bildhübsches, blondes, junges Mädchen. Fröhlich beginnen sie, den schwarzen Kontinent auf eigene Faust zu entdecken. Doch die Fahrt zu den neuen Ufern wird zur Fahrt ins Grauen. Sie entdecken einen bisher von der Zivilisation abgeschnittenen Stamm von Ureinwohnern, die mit den Leuten aus der „anderen Welt“ nichts anfangen können. Sie foltern die Männer und opfern sie ihren Göttern. (84 Entertainment)

eine kritik von dicker hund:

Einen dritten Teil von "Mondo Cannibale" gibt es eigentlich nicht. Allerdings existiert ein Kannibalentrasher, der für den deutschen Verleih so getauft wurde - und das ist "Die blonde Göttin der Kannibalen", den Jesús Franco kurz vor seiner "Jungfrau unter Kannibalen" herunterkurbelte. Allerdings hatte er hier gewaltige Hilfe aus dem weiten Portfolio des grenzwertigen Geschmacks: Jean Rollin ("The Living Dead Girl") soll am Drehbuch mitgeschrieben haben; die Musik stammt von Roberto Pregadio ("SS Experiment Love Camp"). Im Cast sind Namen wie Al Cliver ("Woodoo"), Sabrina Siani ("Conquest"), Antonio Mayas ("H6 - Tagebuch eines Serienkillers") oder Olivier Mathot (aus "Diamonds of Kilimandjaro", dem angeblichen vierten Teil der Modo Cannibale-Reihe) enthalten. Bei einer solchen Truppe besteht weniger ein Charisma- als vielmehr ein Motivationsmangel.

"Kannibalen? Ach kommen Sie: Das nehme ich Ihnen nicht ab!"

Wie auch? Die "Kannibalen" sind eindeutig keine Indios, auch wenn sie mehrmals als wilder Stamm von einem abgelegenen Teil des afrikanischen Kontinents bezeichnet werden. Wir bekommen hier Personen mit unterschiedlicher Hautfarbe von ziemlich hell bis ganz dunkel präsentiert, die akzentfrei Deutsch sprechen, teilweise Kurzhaarschnitte mit kahlen Stellen vorweisen können sowie vereinzelt sogar über einen Wohlstandsbauch verfügen. Der vermeintliche Dschungel, in dem sie ihr Unwesen treiben, ist ein spanischer Park, in dem sich Palmen in arrangierter, erkennbar nicht natürlich gewachsener Aufstellung ebenso befinden wie frisch gestrichene Verwaltungsgebäude. Die Menschenfresser tragen knallbunte Clowns-Schminke, die sie schließlich auch der Blondine Lena (Sabrina Siani) auftragen, so dass sie mit den blauen Streifen im Gesicht gleich im nächsten Barbaren-Schinken auftreten könnte. Der Gipfel der unfreiwilligen Komik (Humor 3/10) ist erreicht, wenn der Regisseur in seinem Gastauftritt letztlich die Frage beantwortet, ob er wenigstens schauspielern kann.

"Nein, nein. In meiner Hosentasche kenne ich mich besser aus."

Doch selbst der rituelle Geschlechtsakt (Sex 3/10) zwischen dem Häuptling und der titelgebenden Hoheit geriet verkrampft, wobei Erotik gar nicht erst versucht wurde, was sich angesichts des Umstandes, dass die Darstellerin sonst meistens barbusig herumläuft, geradezu aufgedrängt hätte. Nicht einmal das Krokodil am Flussufer ist echt. Der Einsatz dieses Plastikmodells hat aber vielleicht vom Tier-Snuff abgehalten, dessen Verzicht sicherlich zu begrüßen ist. Vernünftige Effekte gibt es allerdings auch sonst nur ansatzweise zu sehen. Bereits in den ersten zehn Minuten starten zwei kannibalistische Attacken, bei denen das Gemampfe allerdings viel zu lange im Bild bleibt und durch einen übertriebenen Zoom versucht wird, die kaum vorhandenen Latexmaterialien zu kaschieren. Erst wenn Jeremy (Al Cliver) seinen Arm verliert, hat das eine gewisse technische Mindestqualität (Gewalt 6/10). Weitere Mahlzeiten der vorgeblichen Ureinwohner von Dingsbums lassen dann 45 Minuten auf sich warten, ohne dass irgendwelche neuen Ideen oder eine bessere und damit sehenswertere Umsetzung damit verbunden wären.

Stattdessen gibt es eine Expedition in das Reich des Industrienationen-Urvolks zu bestaunen, bei welcher diverse Gegenschnitte zwischen bogenschießenden Schmiergesichtern und getroffenen Besuchern zu unterschiedlichen Tageszeiten in inkompatiblen Lichtverhältnissen aneinandergereiht sind. Während die Getroffenen dann verzehrt werden, ertönt ein Sound, der von einer ausgeleierten Porno-VHS stammen könnte, so dass nicht mehr viel von dem an sich schockierenden Potential übrig bleibt (Horror 4/10). 

Um so erstaunlicher sind vereinzelte Momente, in denen sich eine unwirkliche Stimmung ihre Bahn bricht: Wenn Nebelschwaden den Quatsch umhüllen, Singsang zu Trommeln ertönt, um sich mit jazzig-lockeren Rhytmen und unheilvollem Dröhnen abzuwechseln, kommen tatsächlich Spuren von trashiger Atmosphäre auf. Diese hält Franco natürlich ebensowenig durch wie die an rarer Stelle aufblitzende Schauspielkunst der - zumindest für den Freak - gar nicht mal so unbekannten Mimen, die er hier zusammengeschart hat.

Damit hat "Mondo Cannibale 3" schon etwas für sich, nämlich dieses eindeutige "zu wenig" (4/10 Punkten). Bei dem füllhornweise dosierten Unvermögen ist der Ernst, mit dem für ihn zu Werke gegangen wurde, schon beachtlich. Für den spöttischen Schmunzler hat das einen versteckten Unterhaltungswert, wenn auch nicht den beabsichtigten: Der Mülljäger muss auf seinem Sofa spätestens beim Final-Kampf, wenn nicht schon bei dem gnadenlos overactenden Sohn des Stammesoberhaupts, aufpassen, dass er vor Lachen nicht sein Bier verschüttet. Hätte Ed Wood sich in dem Subgenre versucht, wäre vielleicht Ähnliches dabei herausgekommen. Zu allem Überfluss ist der Heuler auch noch beschlagnahmt. Kann man sich nicht ausdenken, so was.

4/10
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Kommentare

12.05.2022 05:12 Uhr - Dissection78
1x
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Chapeau! Du bist wieder gnädiger als ich. Das finde ich gemäß dem Motto 'in dubio pro film' irgendwie sympathisch, genauso wie ich vorliegendes Machwerk als absolut grauenhaft in Erinnerung habe. Seit meiner Rezi vor zehn Jahren nicht gesehen, und eigentlich habe ich auch gar nicht mehr vor, mir diesen Scheiß erneut zu geben. Da ist mir Sergio Martinos "Die weiße Göttin der Kannibalen", eine durchaus goutierbare Mischung aus Abenteuerfilm und Kannibalenterror, vergleichbar mit den ersten beiden "Mondo Cannibale"-Teilen, um Lichtjahr(hundert)e lieber als "Die blonde Göttin der Kannibalen". Ja, lieber sind mir sogar die Kannibalenschlocker von Joe D'Amato als jene von Jess Franco. Allerdings kitzelt mich die Neugierde in der Tat wieder. Verdammter Masochismus! ;)

12.05.2022 07:52 Uhr - dicker Hund
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Ich kann Deine Abneigung völlig verstehen. Allerdings fallen mir wirklich wenige Titel ein, die dermaßen hanebüchen sind und sich zugleich dermaßen bierernst nehmen. Zur "Weißen Göttin der Kannibalen" aka "Mountain of the Cannibal God" plane ich in den nächsten Wochen auch noch eine Kritik. Der hier ist aber am ehesten mit dem - noch einen Tacken mieseren - " Cannibal Terror" zu vergleichen, finde ich.

12.05.2022 08:49 Uhr - TheMovieStar
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Kannibalenfilme waren nie so mein Ding. Den einzigen Film den ich früher gesehen hatte, war Nackt und zerfleischt noch auf VHS von Marketing Video. Bin mit dem Genre nie warm geworden, wobei ich mich aber jetzt auch nicht so auskenne. Dein wie immer lesenswertes und auf den Punkt gebrachtes Review liefert einen
guten Eindruck vom besprochenen Film und ich glaube, dass ich deine Bewertung zumindest nicht überbieten würde, wenn ich mir den Film doch einmal anschauen sollte, was ich jetzt nicht unbedingt glaube :-)

13.05.2022 07:58 Uhr - dicker Hund
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Ja, lieber MovieStar, wenn es bei "Nackt und zerfleischt" nicht nur am Found-Footage-Look gelegen hat, dass Du das Subgenre seitdem meidest, wäre es schon kühn, ausgerechnet von einer Franco-Gurke einen Impuls zur Veränderung zu erwarten. In Sachen unfreiwillige Komik ist Deodatos bitter ernst gemeinter Beitrag allerdings kein Maßstab. Jedenfalls danke für Deinen netten Kommentar!
:-)

14.05.2022 19:51 Uhr - Dietmar1968
Der härteste Teil der Mondo Cannibale Reihe, weil beschlagnahmt.

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