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The Mother of Tears

Originaltitel: La terza madre

Herstellungsland:Italien, USA (2007)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Exhumed
Mother of Tears: The Third Mother
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,40 (72 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Vor den Toren Roms wird bei Grabungen eine alte Urne zu Tage gefördert und zur Untersuchung an ein Museum in Rom geschickt. Dort öffnet die junge, amerikanische Studentin Sarah die Urne - und entfesselt dabei eine Kraft, die nicht von dieser Welt ist: In Rom häufen sich mysteriöse Selbstmorde, auf den Straßen spielen sich grausame Menschenjagden ab und aus allen Teilen der Welt finden sich junge Hexen in der italienischen Metropole ein, um ihrer großen Meisterin, der Mater Lacrimarum (der "Mother of Tears"), zu dienen. Als auch Sarah übernatürliche Kräfte in sich entdeckt, scheint es, als wäre sie die Einzige, die Rom und den Rest der Welt vor dem Untergang bewahren kann... (Koch Media)

eine kritik von dicker hund:

"Warum sind es immer drei?"

Der originale Titel von "Mother of Tears" lautet "La terza madre", was "die dritte Mutter" bedeutet. Dario Argento brachte hiermit im Jahr 2007 seine Okkult-Trilogie um "Mütter" genannte Oberhexen zu einem späten Ende. Den Anfang hatte "Suspiria" (1977), den Mittelteil "Horror Infernal" (1980) gemacht. Vorliegend arbeitete ein gesetzter Regisseur sich an der von ihm selbst hinterlassenen Lücke ab, wobei er es sich nicht nehmen ließ, hin und wieder einen Höhepunkt seines bisherigen Schaffens zu zitieren. Seine Tochter Asia Argento ("Land of the Dead") übernimmt die Hauptrolle der mysteriösen Sarah, die es bald mit der unheiligen Anti-Nonne vom Cover (Moran Atias) zu tun bekommen soll. Besondere Kennzeichen?

"Die Mutter der Tränen verbreitet das Böse, wann immer sie kann."

Das erklärt den harten Auftakt, der einen Vorgeschmack auf die rüden Schübe splatteriger Gewalt (7/10) gibt, die eine Indizierung der ungekürzten Fassung nach sich zog. Sodann erweist sich eine Collage von Ereignissen, durch die der Wahnsinn in der Stadt Rom um sich greift, als ungeeignet für Zartbesaitete, wenn auch nur oberflächlich schockierend (Horror 5/10). Der Ton ist damit gesetzt, die Protagonistin ordnungsgemäß eingeschüchtert. Diese soll nunmehr von Father Johannes (Udo Kier, "BloodRayne") in konstruierter Sprache einem Vortrag über ihren Familienstammbaum lauschen. Das gerät ein wenig zäh. Ein Blick in die Geschichte der Kontrahentin gefällt mit seinen stillvollen Zeichnungen wesentlich besser; gleiches gilt für die verbal gehaltene Selbstdarstellung des Alchimisten de Witt (Philippe Leroy, "Nikita"), die kompakt und interessant zugleich gehalten wurde.

Zwischendurch staunt man nicht schlecht über trashig designte Jüngerinnen der fiesen Schleierfrau, die wie eine Tortenpunk-Band aussehen und auftreten. Zudem scheint der anstehende Weltuntergang ungeeignet, die Lust an einer Einlage mit lesbischem Sex (4/10) zu nehmen. Nicht minder müllig gerieten die dubiosen Geisterbegegnungen oder so manche Green-Screen-Umgebung gegen Ende, die ob ihres unecht wirkenden Antlitzes gelegentliche Schmunzler entlockt (Humor 3/10). Das zünftige Finale in höllischen Katakomben erweist sich dagegen zumindest phasenweise als schön abgründig. 

Nun ja, die Story war schon bisher nicht gerade das Gelbe vom argentoesken Ei. Und die Nebenrollen von Daria Nicolodi ("Profondo Rosso"), Coralina Cataldi-Tassoni ("Terror in der Oper") und anderen rauschen schneller am Zuschauer vorbei als er sich auf sie einlassen kann. In Sachen Erotik, die ja nun nicht unbedingt inkompatibel zum Thema ist, hat sich dagegen einiges getan. Die erfreulich blutigen Effekte, an denen Sergio Stivaletti beteiligt war, sind teilweise um Längen besser gelungen. Und gegen den Score von Claudio Simonetti ist schon mal gar nichts zu erinnern. Dass die Dramaturgie eher holprig daherkommt und die Darstellerriege auch nicht gerade zu Höchstleistungen gelangt, muss wiederum hingenommen werden. Für Freunde der anrüchig-harten Kosten ist "Mother of Tears" aber aller Unkenrufe zum Trotz noch als kleine Filmperle (7/10 Punkten) einzuordnen. Die kruden Ideen folgen hier dicht aufeinander, hüpfen von Gore zu Gore, scheren sich wenig um moderne Konventionen. Wer es weniger altmodisch mag, ist natürlich bei "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" besser aufgehoben. So eine Mutter kann es eben nicht allen recht machen...

 

7/10
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Kommentare

26.05.2022 09:28 Uhr - Fulgento
2x
Gute Rezi.
Ich mag den auch sehr.
Grad wegen dem hohen (Edel) Trashfaktor.
Bei dem blitzt in einigen Szenen immer mal wieder das Genie vergangener Filme auf. Z.B. die lange Kamerafahrt durch die düstere Villa, oder Sarahs Taxifahrt. Mit 7,5-8 bin ich auch dabei.
Argentos bester 2000er nach Sleepless.

Bin mal auf Dark Glasses gespannt....

26.05.2022 09:52 Uhr - Insanity667
2x
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Ich fand den ein wenig enttäuschend... würde gut gemeinte 5/10 Punkte vergeben für Argento-Verhältnisse, sonst wäre ich vielleicht auch bei 7/10. Ich muss eben gestehen, dass ich mir, bis auf ein paar Fanservice-Momente, mehr "Suspiria" oder "Inferno" gewünscht hätte in Sachen Farben, Ausstattung, Stil und Kameraarbeit. Da wäre noch mehr gegangen! :) Gerade das ist bzw. war ja Argentos große Stärke, die ihm immer über die Lücken in seinen Storys hinweg geholfen hat, er hat einfach die Bilder sprechen lassen. Viel davon ist in vorliegendem Werk nicht mehr übrig geblieben, leider... Der gut gemachte Splatter und der hohe Grad an Nacktheit ist zwar schön anzusehen, aber kein besonders effektiver Kleber, um die Substanz zusammenzuhalten. Als Standalone-Horror sicher richtig gut aber als Abschluss dieser epischen Filmtrilogie? Nee... :(

Trotzdem mal wieder geniale Lektüre vom vierbeinigen Kenner! :)

26.05.2022 10:37 Uhr - cecil b
2x
Moderator
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Der Film polarisiert, und ich kann beide Seiten verstehen. Beim ersten Mal schauen bekam ich einen Schreck, und nicht, weil ich den gut fand.

Beim zweiten Mal dachte ich mir: Man, der macht Spaß, der Brutalo-Film! Sind auch ein paar Szenen drin, die ich gar nicht so dumm fand, Statement-Möglichkeit.

Schöne Vorstellung, mit dem Fazit komme ich bestens zurecht, sehe ich auch so.

Tante Edith mal wieder: " Dass die Dramaturgie eher hoprig daherkommt..." ;)

26.05.2022 10:46 Uhr - Intofilms
2x
Anfänglich hatte ich noch eine gewisse Grundsympathie, aber mittlerweile, nein...! Neulich konnte ich den Film gar nicht mehr zu Ende schauen, so entsetzt war ich. Aber dafür wurde ich dann von "Tenebrae" und "Phenomena" reichlich entschädigt. Somit war meine Argento-Welt wieder in Ordnung und diese Travestie werde ich künftig einfach meiden. Die Review ist natürlich trotzdem hervorragend geschrieben und abweichende Meinungen/Sichtweisen sind ja meistens ein Gewinn. Hier auf jeden Fall! ;)

26.05.2022 11:49 Uhr - dicker Hund
1x
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Vielen Dank für die netten Worte und die rege Resonanz. Dafür, dass der Streifen die Gemüter erregen kann, ist er mit erst zwei weiteren Reviews hier noch eher zurückhaltend bedacht.

@Fulgento
"Dark Glasses" klingt für mich auch interessant. Allerdings lasse ich mir üblicherweise viel Zeit mit Neusichtungen.

@Insanity
Bei mir ist es tatsächlich "Horror Infernal", bei dem ich die langen Pausen im stilistischen Overkill als störend empfand. Dieser hat allerdings nicht einmal die hier gebotenen "primitiven" Schauwerte als Entschädigung parat gehabt. Vom Unterhaltungswert her rangiert "Mother of Tears" für mich knapp hinter "Suspiria", auch wenn der Vergleich trotz der vom Regisseur selbst gewählten Parallelen im Titel natürlich hinkt, wie Du meines Erachtens zu Recht schreibst.

@cecil b
Deine Erfahrung scheint mir ein typischer Fall der Magie der Erwartungshaltung zu sein.
;-)
Tante Ediths Rat habe ich gleich befolgt.

@Intofilms
Deine Wortwahl ist witzig, weil es ja in "Tenebrae" unter anderem um Travestie geht. Auch dieser gefällt mir ein wenig besser als "Mother of Tears", allerdings nur im "Nachkommabereich". Filmkunsthistorische Bedeutung und Spaß am Anschauen gehen bei mir eben nicht unbedingt konform.
;-)

26.05.2022 18:50 Uhr - Dissection78
1x
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Auch hier kann ich wiederum nur zustimmen... wie langweilig! ;) Das ist in meinen Augen einfach unterhaltsamer Splattertrash, der mir viel Spaß bereitet. Da finde ich spätere Argentos um einiges schwächer - besonders seine "Dracula"-Interpretation, die ich beim letzten versuchten Schauen nach etwa zwanzig Minuten aufgrund von Hirnschmelzschmerzen abbrechen musste. "La Terza Madre" hingegen ist ein Werk mit Ecken und Kanten, welches ich vielen aalglatten Horror-/Hexenfilmen, die es heutzutage teilweise sogar bis in die Kinos schaffen, vorziehe (darunter auch "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" und "The Last Witch Hunter", würgs, allerdings NICHT der grandiose "The VVitch"!). Leider ist gerade das "Mother of Tears"-Finale zu kurz und enttäuschend. Von einigen CGI-Effekten will ich gar nicht erst anfangen. Ich hänge hier immer zwischen 6 und 7 Punkten, also bei 6,66.

Bis vor ein paar Monaten war mir übrigens gar nicht bewusst, dass Daria Nicolodi bereits 2020 verstorben ist...

26.05.2022 19:27 Uhr - TheMovieStar
1x
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Für altmodischen Gore / Horror bin ich immer zu haben, kommt natürlich drauf an wie es gemacht ist :-)
Tolle, aufschlussreiche Vorstellung, die ein bisschen Lust auf den Film macht !

26.05.2022 21:42 Uhr - dicker Hund
1x
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Noch zweimal danke!

@Dissection
Argentos Dracula konnte mich jetzt auch nicht so recht abholen, "Hänsel & Gretel: Hexenjäger" aber schon. Reviews zu beiden habe ich hier schon mit 5 und 8 Punkten veröffentlicht. Das mit Nicolodi wusste ich auch noch nicht. Sie möge in Frieden ruhen.

@MovieStar
Es gibt sicher bedeutendere Filme als "Mother of Tears". Gefallen hat er mir aber allemal.

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