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Das Gehirn

Originaltitel: The Brain

Herstellungsland:Kanada, USA (1988)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,17 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Aus dem Plüschteddy fließt Blut, aus dem Fernseher greift eine Monsterkralle, aus den Wänden wachsen Greifarme. Ist das alles nur eine Halluzination oder ist es Wirklichkeit? Seit Dr. Blake (David Gale) nach Meadowvale-Country kam, stieg die Anzahl der Selbstmorde und mysteriösen Unfälle erschreckend. Dr. Blake wird immer mächtiger. Seine TV-Sendung "Unabhängiges Denken" hat die höchste Einschaltquote der Region. Ein Junge wagt den Aufstand. Jim Majelewski entdeckt das Geheimnis des Doktors. Hinter der Fassade des seriösen Wissenschaftlers verbirgt sich ein außerirdisches Monster. Aber es ist bereits zu spät.. (Cargo Records)

eine kritik von cecil b:

 

Jede total metaphorische Pervertierung des Homo faber kann eine einfach durchdachte kritische Perspektive sein, wie John Carpenters SIE LEBEN, David Cronenberg hat diesbezüglich öfter einen draufgesetzt, an beispielsweise SCANNERS sowie VIDEODROME sieht man das, und, unter uns Pastorentöchtern, selbst TARANTULA war damals (1955) respektabel. Keiner dieser Filme ist mehr als eine nette Fiktion, und so eine Intention ist auch mit Trash umsetzbar, wie wär es mit THE BRAIN? Für diesen Film flossen einige Inspirationsquellen ineinander, ein paar davon erwähnte ich bereits, Carpenters Film erschien in demselben Jahr, in dem auch THE BRAIN veröffentlicht wurde. Obwohl, ich glaube, so ganz stimmt das nicht. 1988 wurde der Film mit dem bösen Bregen, der da oben abgebildet ist, in Kanada gedreht, nach der Fertigstellung geriet er dort offensichtlich postwendend in Vergessenheit. Bevor der Streifen gänzlich im Dunkel der Vergangenheit verschwand, erbarmten sich die Niederlande, Großbritannien, Spanien und Deutschland, sie schlachtetet das Monster-Hirn mithilfe von Videokassetten, Silberlingen und schließlich im Fernsehen aus. Laut der OFDB wurde THE BRAIN nur in Deutschland ausgestrahlt, und zwar als ein Teil der satirischen Filmreihe SchleFaZ , übersetzt: Die schlechtesten Filme aller Zeiten. Schinken, die - ob sie wollen oder nicht- so schlecht sind, dass sie Vergnügen bereiten, können unterhaltsam sein, keine Frage. Diese Attribute treffen auf THE BRAIN zu. Jedenfalls aus meiner Sicht. 

Mit jede Menge Tentakeln, Krallen, Klauen, Schleim und riesigen wackeligen Gummizähnen, stellt sich dieser Film von Ed Hunt (eine Auszeichnung für PLAGUE) erst einmal als Persiflage des uralten Gummi-Horrors vor, dann geht das Spektakel über zu der A NIGHTMARE ON ELMSTREET -Teenager -Variante, die daran appelliert den jungen Menschen etwas zuzutrauen, und sie nicht wie Spielbälle zu behandeln. Dieses Prinzip dockt brauchbar und ernst gemeint an Carpenters und Cronenbergs Gedankenwelt an, wodurch die Geisterbahn-Utensilien fast schon Fehl am Platz sind. Fast. Denn, unter den Monstern kann man eine angebrachte, humorvolle, selbstironische Hommage verstehen. Ich nehme das dankend an, fand die Unentschiedenheit weitestgehend reizvoll, und hieß die Kreaturen, denen CGI-Effekte nicht bekannt waren, willkommen. 

Ich beginne mit dem ärgerlichsten Minuspunkt. Denn das Oberalien, ein übergroßes Gehirn, fängt triumphal an, danach gibt es jedoch keine Szene, die an diesen wunderbaren Einstieg heranreicht. Der anfängliche Unterhaltungswert hat jedoch schon einen Fehlkauf vermieden. 

Jim Majelewski steht im Mittelpunkt. Seine Freundin Janet (Cynthia Preston: Jack Ryan), und alle anderen, mit denen er häufig verkehrt, sind austauschare Figuren, die mittelmäßig gespielt worden sind, dass die narrativ kaum beachtet werden, ist verzeihlich. Die Dramatik hält sich dementsprechend in Grenzen, Kurzweil wird geboten. Jim haut am laufenden Band die Pauker in die Pfanne, einfach, weil er sich gelangweilt fühlt, der aufgeweckte junge Mann ist unterfordert. Gute Idee, dass der Protagonist ein intelligenter Rebell ist, der sich nichts vorschreiben lassen möchte, und seine Feinde ein manipulativer Wissenschaftler mitsamt Fernsehpräsenz und ein mächtiges Riesen-Hirn sind. Aktueller denn je, die Medien können uns kirre machen. Tom Bresnahan (Mirror, Mirror) kommt als Protagonist auch über die Runden, das Verhältnis zwischen dieser Figur und den Eltern sowie Janet ist allerdings langweilig ausgelutscht. Während Jim eine halbwegs funktionelle Identifikationsfigur bietet, ist es also an den Bösewichten, dramaturgisch den Stein ins Rollen zu bringen. 

Die Besetzung mit David Gale († 1991) war eine richtige Entscheidung. Und ich meine damit nicht die Person aus Alan Parkers Das Leben des David Gale, sondern diesen Typen, der schon in Stuart Gordons Horror-Komödie RE-ANIMATOR einen so ulkigen Doktor gespielt hatte. Ein Pluspunkt, wie Gale verlogen das hirnlose Publikum durch seine Sprüche und Hirnwellen der Extraklasse manipuliert, köstlich, sein Blick, als sich ihm der Mastermind in seiner vollen Pracht präsentiert. Seit Mary Shelleys Roman FRANKENSTEIN ist es in Stein gemeißelt, die meisten verrückten Wissenschaftler brauchen einen Assistenten, der Gehilfe der Schriftstellerin trägt den Namen Igor, schon lange ein Synonym für diese Art von Figur. Barry Pearson (auch eine Auszeichnung für PLAGUE), der Drehbuchautor von THE BRAIN, nannte seinen Igor Verna. George Buza (X-Men) hat diesen Igor mit einer ausgewogenen Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit gegeben. Das Spiel mit seinen gewaltigen Augenbrauen kann dumpfe Skepsis wahrlich schön darstellen, und kommt seine stattlich füllige Statur erstaunlich entschieden in Bewegung, ist es nachvollziehbar, dass Jim das Weite sucht. Dessen Kampf vor den Augen Anderer, mit Wesen, die nur er sehen kann, gehört zu den besten Szenen. Eine zeitweise nackige und verführerische Assistentin kann auch nicht schaden, Christine Kossak (Die Zeit der bunten Vögel) hat als diese nicht viel zu tun. Der Endgegner sieht ein wenig so aus, als ob man einen Critter (CRITTERS) mit einer Killertomate (Angriff der Killertomaten) gekreuzt hätte, ein Vorbild war sicher auch der großartige UNGEHEUER OHNE GESICHT, aus dem Jahre 1958, in einer Szene ist das deutlich erkennbar. Direkte Angriffe des Hirns oder dessen Lakaien und Lakaiinnen sind amüsant, aber blutleer. Da helfen weder Äxte noch Kettensägen, unabhängig davon, dass etwas abgetrennt wird, das einst an einem Rumpf wuchs. Langeweile kommt in den circa. 88 Minuten kaum auf. 

Äußerst flott kommt es zur Sache, die vernachlässigte Figurenzeichnung ist angemessen. Verfolgungsjagden und Kämpfe sind aufgrund des geringen Budgets nicht besonders aufregend, aber auch nicht schlecht. Unerfreulich ist nur, wie dämlich die Polizei dabei ist. Immerhin ist es Hunt gelungen, eine angenehm spukhafte Atmosphäre zu inszenieren. Fährt Jim durch die trostlos monotone Architektur einer Reihenhaussiedlung, die ihn zum Gähnen bringt, und dann an dem bösen Institut vorbei, grenzt das schon an Brutalismus. Rast er durch die Gänge der Höhle des Löwen, und zieht damit einen Rattenschwanz nach sich, kann man mitfiebern. Schlägt das Grauen zu, ist der sich ständig wiederholende Zoom treffend für die Persiflage alter Monsterfilme. Gilles Corbeil, der für THE BRAIN die Kamera in die Hand genommen hat, enttäuscht nie, später durfte er zum Beispiel beim Remake von DAWN OF THE DEAD hilfreich sein. Die Perspektiven und die Handhabung sind professionell, und der Cutter David Nicholson ( A COOL SOUND OF HELL) konnte mithalten. Der Pop -Industriel von Paul Zaza (Mord an der Themse) passt sich auch gut an das Geschehen an. Wie bereits erwähnt, die Effekte sind mittelprächtig, aber das passt ebenfalls. 

Eine aufgewärmte kritische Perspektive, die sich selbst nicht ernst nimmt, ohne zu sehr in Albernheiten abzudriften. Gepaart mit einer akzeptablen Inszenierung, ebensolchen Akteuren, und Effekten, die bestimmt nicht gut, aber je nach Geschmack spaßig sind. Kurzweil inklusive etwas Hirn und einem hohen Tempo. 

7/10
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Kommentare

10.05.2022 17:51 Uhr - sonyericssohn
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"Gehüüürn...."
Also eigentlich hab ich ja irgendwie erwartet daß da ein Gehirn durch die Gegend hoppelt und irre Dinge macht. Doch scheinbar lag ich knapp daneben 😆 Interesse besteht aber trotzdem. Wohl gerade WEGEN dem Text hier !

10.05.2022 18:06 Uhr - cecil b
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Freut mich. :)

So schön wie ROTLD ist der aber nicht.

" Direkte Angriffe des Hirns oder dessen Lakaien und Lakaiinnen sind amüsant, aber blutleer."


So ganz falsch liegst du da nicht. Zwar ist die gefährliche Manipulation die Gefahr Nummer 1, aber das monströse Hirn darf auch direkt ran. Ich wollte das nur nicht zu deutlich beschreiben, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.

Wer unsicher ist, kann sich auf der IMDB eine der besten Szenen ansehen, ein direkter Angriff vom Hirn. Allerdings spoilert die Szene etwas.

10.05.2022 19:16 Uhr - sonyericssohn
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Ein Gehirn das Hand anlegt... Hinreißend ! 😁

10.05.2022 19:18 Uhr - dicker Hund
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Mit ersichtlich viel Hirnschmalz verfasste Kritik, auch wenn ich bei dem Titel gewisse Zweifel hege, ob ich mit ihm so ganz kompatibel wäre. Ich bin schon gespannt auf Review Nummer 600!

10.05.2022 19:36 Uhr - cecil b
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Danke dir! :)

600: Ist in der Mache. 'Nichts besonderes'.

Im nächsten Monat feier ich mein zehnjähriges Review-Bestehen. Da habe ich was Spezielles ausgesucht. :)

11.05.2022 07:50 Uhr - TheMovieStar
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Herr, lass Hirn regnen! Deine lesenswerte Kritik hat mich neugierig auf den Film gemacht. Gleich mal einen Trailer angesehen und der könnte was für mich sein :-)

Danke für die amüsante Vorstellung :-)

11.05.2022 10:24 Uhr - cecil b
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Vielen Dank für deinen erfreulichen Kommentar, Filmstar! :)

Wenn ich mich recht entsinne, kannst du Filmen wie Basket Case und Elmer etwas abgewinnen, daher denke ich auch, DAS GEHIRN könnte deinen Humor treffen!

11.05.2022 20:07 Uhr - Argamae
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Ich glaube, der könnte mir auch gefallen. Die Kritik weckt Interesse, danke dafür!
"Kurzweil mit etwas Hirn..." - Muahahaha. Pun-tastisch!

11.05.2022 20:32 Uhr - cecil b
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Das spricht für dich. ;)

Klar wie Kloßbrühe.

Herzlichen Dank. :)

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