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Robin Hood, König der Vagabunden

Originaltitel: The Adventures Of Robin Hood

Herstellungsland:USA (1938)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Abenteuer, Action, Liebe/Romantik
Alternativtitel:Die Abenteuer des Robin Hood
Robin Hoods Abenteuer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,10 (10 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

England, Ende des 12. Jahrhunderts: Prinz John, der Bruder von Richard Löwenherz, herrscht mit eiserner Hand über das Land und schürt die Wut des Volkes. Sir Robin Longley, der besser unter dem Namen Robin Hood bekannt ist, schlägt sich auf die Seite der Armen, nimmt es den Reichen und kämpft gegen den unrechtmäßig herrschenden Verräter John. Der legendäre Held kann so Richard Löwenherz wieder auf den Thron verhelfen ... (Pidax Film- und Hörspielverlag)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Sherwood Forrest 12.00 Uhr, die Frisur hält.

 

England im Jahre des Herrn 1190. 

Da König Richard von Löwenherz auf dem Rückweg von den Kreuzzügen im heiligen Land von König Leopold von Österreich gefangen genommen wurde, reißt sein herrschsüchtiger Bruder Prinz John die Macht an sich. Ohne jegliche Rücksicht hebt er die Steuern an, eignet sich Ländereien an, quält das Volk, nimmt sich was er will. Und niemand ist da der dem Tyrannen etwas entgegenzusetzen hat. Doch halt ! In den Wäldern des Sherwood Forrest hält sich 1 Mann auf der nicht nur den Mut sondern auch eine große Portion Frechheit besitzt um Prinz John und dessen Schergen die Stirn zu bieten. Dies sind…

DIE ABENTEUER DES ROBIN HOOD 

(Robin Hood - König der Vagabunden)

1911 erschien der erste Film über den edlen Herren der zuerst an andere und dann vielleicht an sich dachte. Doch leider gilt dieses Werk bis heute als verschollen, aber wer weiß… 11 Jahre später trat dann ein gewisser Douglas Fairbanks in diese Spuren und rief als Produzent, Drehbuchautor und eben auch als Hauptdarsteller dem ersten offiziellen Kinofilm ins Leben des Stummfilmzeitalters. Es dauerte dann lange 16 Jahre bis ein weiterer Film über den Helden das Licht der Leinwand erblickte und dieser, hier besprochene, gilt als wohl der bekannteste Vertreter aus der alten Zeit. Für mich ganz nebenbei auch der Beste ! Doch warum ist das so ?

So ganz vertraut bin ich mit den Filmen die Hauptdarsteller Errol Flynn zuvor bediente leider nicht. Ich fürchte daß der vorliegende tatsächlich auch der einzige ist den ich mit ihm kenne. Schande über mich. Nichts desto trotz ist Flynn für mich der Robin Hood schlechthin. Charmant, humorvoll und einfach ein herzensguter Mensch. Doch wenn er etwas als unrecht erachtet oder Missstände zu klären versucht kann er auch mal neben Pfeil und Bogen zum Schwerte greifen. Jedoch kann ihm mit ersterem niemand das Wasser reichen ! 

Das muss auch der teuflische Guy von Gisbourne (genial Basil Rathbone) am eigenen Leibe erfahren ! Er hasst diesen Rebellen aus dem innersten heraus, will ihn lieber tot als lebendig sehen. Doch dagegen hat der von Machthunger besessene Prinz John (Claude Rains) etwas. Er liebt es mit dem kleinen Frechdachs aus dem Wäldchen zu spielen um ihm zu zeigen wer am längeren Hebel sitzt. Wenn er sich da nur nicht täuscht…

Die Anwesenheit des Mündels (veraltet für unmündige Person) Richard Löwenherz, Lady Marion Fitzwalter (Olivia de Havelland), macht die Angelegenheit nicht unbedingt einfacher. Denn Robin Hood raubt nicht nur des Prinzen Portokasse sondern auch ihr Herz. *schmacht*

"Jedesmal wenn unsere Männer versuchen die Steuern einzutreiben haben sie auch schon einen schwarzen Pfeil im Rücken !"

Alles so schön bunt hier…

4 Jahre bevor der in Budapest geborene Michael Curtiz einen gewissen Humphrey Bogart dazu brachte den wohl berühmtesten Satz der Filmgeschichte zu hauchen ("Ich schau dir in die Augen Kleines."), inszenierte er mit seinem Regiekollegen William Knightley den vorliegenden Film. Mit einem für heutige Verhältnisse geradezu lächerlichen Budget von rund 2 Millionen Dollar war es zur damaligen Zeit der teuerste Streifen der Firma Warner Brothers. Aber man sieht es dem Film auch heute noch an mit welch Hingabe man die Geschichte anging. 

Als Intro dienen hier 2 Texttafeln in alter Schrift auf denen zu lesen ist was sich im Königreich seit der Abwesenheit Löwenherz zugetragen hat. Der Film selbst beginnt dann weniger lustig. Prinz John und Sir Guy stellt man als gewissenlose Herren dar die dabei sind einen genauen Plan zu schmieden wie man am besten das Volk versklaven kann. John fühlt sich in seiner Position unglaublich sicher und zeigt das auch nach außen hin. Die Bürger sollen spüren mit wem sie es zukünftig zu tun haben. Der ebenso gierige Sir Guy spielt da nur zu gerne mit. Sieht er doch in den kommenden Vorhaben seine eigenen Vorteile…

Die Umsetzung der neuen Gesetze werden dem Zuschauer sogleich in Form von drastischen (damalige Verhältnisse) Bildern dargebracht. Bürger verhaftet man einfach, nimmt sich deren Hab und Gut, hinterlässt Wut und Not. Alles wird unter Strafe gestellt was bis vor kurzem noch in Ordnung war. Und wer nicht gehorcht dem droht der Tod. Hier kommt nun Sir Robin von Locksley ins Spiel der im letzten Moment dem hungrig wildernden Much (Herbert Mundin) vor den Schergen des Prinzen rettet. Somit lernen sich Robin und Herr Gisbourne kennen und…nicht unbedingt schätzen. Nein, man mag sich wahrlich nicht. Waren es bis eben noch blitzende Rüstungen nötigen ab jetzt knallig- quietschbunte Klamotten der "Waldbewohner" das Auge des Betrachters. Rot, grün, gelb, aus allen erdenklichen Farben bestehen die liebevoll designten Kleidungsstücke der Akteure. Auch wenn diese fast durchgehend gleich aussehen (man hatte damals, also das damals damals offensichtlich einen guten Schneider) und wie Uniformen wirken, stört das in keinster Weise. Manch einer könnte noch über die leicht geschwollene Art der Dialoge stolpern die möglicherweise einer Eingewöhnung bedürfen. Dennoch ist zumindest mir diese Art zu sprechen um einiges lieber wie so manch aktuelle "Sprache"... Und das nicht nur in Filmen. 

Robin darf sich jetzt ausgiebig nach Mitgliedern für seine kleine Armee von Rebellen umsehen. Will Scarlett (Patric Knowless), der Barde, ist eh von Anfang an dabei, hinzu kommen der Hüne Little John (Alan Hale) und der rauflustige Mönch Bruder Tuck (Eugene Pallette). Bei den beiden holt sich Robin allerdings zuerst noch ein paar blaue Flecken ab. Tja, und wie gesagt sorgt er mit seinen frechen Taten dafür daß der anfänglich amüsierte Prinz John mit der Zeit reichlich säuerlich reagiert. Allerdings soll das erscheinen der holden Marion die aufschäumenden Wogen etwas glätten. Die eigentlich unter der Obhut Richard Löwenherz stehende junge Dame soll nach den Wünschen des Prinzen den Gisbourne ehelichen. Doch mit ihrem Ritt an der Seite Guys und diversen Rittersmännern durch den Sherwood samt den Habseligkeiten Johns soll auch ihre Zukunft ändern…

Ich möchte dieses Werk als Wohlfühlfilm bezeichnen. Keine überzogenen Brutalitäten des Zweckes wegen. Angenehme Dialoge in wie erwähnt gepflegter Sprache. Wenn mal Action angesagt ist geht es ganz ordentlich zur Sache, doch zu keiner Zeit wirkt diese aufgezwungen. Wenn man nach dem heutigen Standard geht lockt man damit zwar mit Sicherheit keinen neuen Filmfan mehr hinter dem Ofen vor, aber ich persönlich finde diese Art doch irgendwie ehrlicher (wenn ich das so sagen kann) als so manch modernes Gekloppe. Wenn Pfeile mit einem schneidenden Geräusch durch die Luft sausen, Schwerter klirrend aufeinander krachen und Erich Wolfgang Korngolds orchestrale Musik das Treiben bombastisch begleitet macht es einfach nur Freude ! Schade daß so manch humorige Einsprengsel nicht mehr so zünden und etwas slapstickhaft erscheinen. Vor allem der dusselige Sheriff von Nottingham (Melville Cooper) agiert ein wenig zu oft drüber, was aber wohl im allgemeinen dem damaligen theatralischen Stil geschuldet ist. Schadet es dem Film ? In keinster Weise ! Dazu ist er einfach zu gut und wartet mit vielen großen und kleinen Highlights auf. Wenn Robin gleich zu Beginn den gesamten Hofstaat aufmischt, mit lockeren Sprüchen Wegelagerei betreibt, den Adel auf eine völlig andere Ebene bringt (Bankett im Wald) und zu guter Letzt ein Bogenschützenturnier abgehalten wird erfreut es den Filmfan ! Nein früher war nicht alles besser aber vieles um einiges einfacher… 

"Was sagt ihr ? Seid ihr damit einverstanden ?"

Oh ja. Voll und ganz. Und das immer wieder aufs neue. Das ist einer dieser Werke welches ich im Laufe der Zeit mehrmals sah und jedes Mal wieder verzaubert war. So leicht, so elegant. Entspannen und genießen. Wie es der Film auch immer schafft, er wird auf eine fantastische Art nie alt. Was ich von mir leider nicht behaupten kann ;-)

8 Punkte für den Streifen und jeweils 1 Zähler für Charme und Ehrlichkeit. Macht zusammen unten stehende Wertung. 

 

ses

10/10
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Kommentare

11.05.2022 19:12 Uhr - Argamae
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Früher war auf jeden Fall vieles früher, um kurz Jochen Malmsheimer zu zitieren.
Danke für das erfrischende Review, dass mir gut gefallen hat. Zudem hat es wieder Lust gemacht, mir diesen und einige andere Klassiker der Ära (wie etwa "Der Hofnarr") nochmal reinzutun.

11.05.2022 20:16 Uhr - cecil b
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Was für eine Review! Und echt eine Überraschung! Hut ab! Das ist drei Ausrufezeichen wert. :)

Argamae: Jochen Malmsheimer!!!!!!! Eine lebende Legende.

11.05.2022 20:24 Uhr - sonyericssohn
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Danke euch beiden !
@Cecil
Ein Review meinerseits hierzu stand bereits. Nur war es dann in der damaligen Form nicht mehr zu gebrauchen und wurde nun quasi runderneuert :-D

11.05.2022 21:24 Uhr - Stoi
10/10? Ernsthaft? Für mich ein klassischer Fall für unreflektierte Vergangenheitsverklärung.
Klar, 1938 herrschte eine andere Filmsprache und damals fiel das sicherlich in die Rubrik "großes Kino" aber was du als "Wohlfühlfilm" bezeichnest, ist für mich grausamer Kitsch. Der Streifen steckt in seiner Zeitschleife fest und ist für mich heute unsehbar. Ich hab den mal irgendwann als Kind gesichtet und dann nochmal in den späten 90ern - extrem schlecht gealtert und heute unerträglich.
Errol Flynn war damals schon eine Karikatur von Robin Hood, seine beste Wiederbelebung war in HELD IN STRUMPFHOSEN.
Wenn schon eine dezent humorige Version, dann die von Kevin Costner. Meine Lieblingsinterpretation der Figur ist die von Ridley Scott. Errol Flynn war dagegen schon 1938 ein Hampelmann.

Bitte nicht persönlich nehmen, deine Meinung und Rezension sei dir gegönnt, meine ist es definitiv nicht.

11.05.2022 21:34 Uhr - sonyericssohn
2x
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Deine Meinung sei dir natürlich gegönnt. Doch ich kann diese wie nachzulesen ebenfalls nicht teilen. Aber so isses dann nunmal.

11.05.2022 21:53 Uhr - cecil b
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Sony: Ich habe nicht immer alle Reviews auf dem Schirm, ein paar Tausend sind es ja bereits. ;)

Vielleicht hast du mich damals auch mit dieser Auswahl überrascht. Wenn nicht, ist es dir ja jetzt gelungen.

Und ich weiß, dass es mal gut tun kann, einen Film, den man zu schätzen weiß, mit mehr Übung eher gerecht zu werden. :)

11.05.2022 21:59 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Haha, der erste Versuch 2013 bestand aus ungefähr 7-8 Zeilen... A bisserl wenig vielleicht :-D

11.05.2022 22:20 Uhr - cecil b
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Es kommt immer darauf an, was man schreibt, und weniger darauf, wie viel. Sage ich aus einem langen weißen Bart heraus. ;)

Aber, wenn die Qualität stimmt, darf es logischerweise etwas mehr sein. :)

11.05.2022 22:45 Uhr - Intofilms
2x
Ja, sony, ganz meine Meinung, der beste und einzig wahre „Robin Hood“! Aber das ist natürlich Ansichtssache und andere bevorzugen eben Kevin Costner. Auch völlig legitim. Errol Flynn hat um 1940 etliche große Filme gedreht. Den einen oder anderen wirst du bestimmt noch sehen. Ich selbst habe auch nicht alle gesehen, aber doch die meisten und wurde immer hervorragend unterhalten. Danke für die charmante Review. Sehr gute Arbeit! ;)

12.05.2022 05:51 Uhr - Dissection78
2x
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Doch, doch, sony. Dein Review ist nachvollziehbar. Ich vergebe hier zwar 'nur' 7 bis 8 Punkte (mit Tendenz zur 8), aber "Robin Hood, König der Vagabunden" ist einfach ein sehenswertes, buntes Spektakel in wunderbarem Technicolor. Mag angestaubt und verkitscht erscheinen, doch der Film ist immerhin fast neunzig Jahre alt. Der läuft für mich außer Konkurrenz und darf gerne etwas stauben und kitschen. Alleine das Degenduell mit 'Sherlock Holmes' Basil Rathbone, der ja als bester Fechter in der Geschichte Hollywoods gilt, ist selbst heutzutage noch exzellent. Rathbone persiflierte seine hiesige Rolle im Übrigen in "Der Hofnarr" aus dem Jahr 1955, ebenfalls mit einer großartigen Fechtsequenz (mit 'Hofnarr' Danny Kaye). Tipp!

Den Costner-Hood finde ich da in der Tat richtig schlecht gealtert. Letztes oder vorletztes Jahr nach langer Zeit erneut geschaut... und meine Güte, wie aushilfscool. Sorry, anders kann ich's echt nicht ausdrücken. Ich war richtiggehend enttäuscht, und dabei kenne ich ihn seit er damals herauskam. Vielleicht trifft mich beim '91er "Robin Hood - König der Diebe" auch irgendwann mal die Nostalgie, vermutlich allerdings erst in zwei Jahrzehnten. Bis dahin finde ich ihn eher leicht peinlich (5 Punkte, vielleicht gerade noch sechse). Der gescholtene Patrick-Bergin-Hood ("Robin Hood - Ein Leben für Richard Löwenherz") aus demselben Zeitraum ist in meinen Augen besser. An Crowes Interpretation habe ich hingegen kaum noch Erinnerungen.

Flynn drehte übrigens einige coole Abenteuerstreifen, die ich bereits als Kind sehr gerne sah: "Unter Piratenflagge", "Die Attacke der Leichten Brigade" (von dem sind Ausschnitte im originalen "The Trooper"-Video von Iron Maiden zu sehen) und "Der Herr der sieben Meere". Bis auf den letzten Film war an Errol Flynns Seite immer seine "Robin Hood"-Partnerin Olivia de Havilland zu sehen, die vor knapp zwei Jahren mit 104 verstarb. Beide drehten in den 30er und 40ern zusammen etliche Werke. Ich muss aber auch gestehen, ich mag generell den eleganten Hollywood-Stil der 30er bis 60er.

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