SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 54,99 € bei gameware Vampire : The Masquerade - Swansong · Es gibt sie wirklich · ab 47,99 € bei gameware

Movie Killer

Originaltitel: Murder on Line One

Herstellungsland:Großbritannien, Schweden (1989)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Krimi, Thriller
Alternativtitel:Deadline
Helpline
Movie Killer - Eine Bestie dreht durch
Notting-Hill-Killer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Der schreckliche Nottinghill-Mörder, Jonathan Bird, befindet sich im Londoner Gefängnis. Trotzdem geschehen immer mehr Morde. Polizei und Presse erhalten Video-Bänder, auf denen die entsetzlichen Taten genauestens zu sehen sind. Susan Moore glaubt an die Unschuld von Jonathan Bird und nimmt die Suche nach dem wahren Mörder auf. Jeden Tag werden die grausamen Morde telefonisch angekündigt. Doch wer ruft täglich an, und vor allem, warum? Mit der Suche nach Lösungen zu diesen Fragen beginnt für Susan Moore ein Alptraum, der mit Leichenteilen und Blut übersät ist. Aber sie muss den Mörder finden. Susan muss den wahren Nottinghill-Mörder finden - doch sie findet viel, viel mehr... (Summit)

eine kritik von cecil b:

 

Im März 2022 gab KAISER SOZE kund, dass am 20.05.2022 MOVIE KILLER auf DVD neu veröffentlicht wird. Also heute. Meine Videokassette, auf der dieser Film in Deutschland das erste Mal erschien, erfüllte nun ihren Zweck.

Wäre es nötig, MOVIE KILLER zu kategorisieren, so würde ich diesen Film am ehesten dem GIALLO zuordnen. Den Psychothrillern mit psychosexuell motivierten Mördern, deren Taten gut und gerne ästhetisiert werden. Es spielt diesbezüglich keine Rolle, dass MOVIE KILLER in England gedreht wurde, und nicht in Italien, der Heimat des Giallo. Schwächen und Stärken, die dem benannten Subgenre innewohnen, zeichnen sich ebenfalls deutlich in MOVIE KILLER ab. Eine bestechende Inszenierung behext den Sehnerv, die Psyche wird an spannenden Stellen herausgekitzelt, aber die Wendungen überschlagen sich irgendwann so konstruiert, dass feststeht: Weniger wäre mehr gewesen. MOVIE KILLER gehört auch zu den vielen Filmen, die sich an Dario Argentos Debüt DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE bedienten. 

Anders Palm, der einige Filme produziert hat (The Letting Go), verfilmte drei seiner Drehbücher, die Ausbeute trägt die Titel MOVIE KILLER, Deine Zeit läuft ab und Unmasked Part 25, immer mit einem Faible für Serienkiller. Als Regisseur ist dieser Künstler ein Ass, seine verschriftlichte Kunst ist ambitioniert, schießt hingegen über das Ziel hinaus. Im selben Jahr, in dem MOVIE KILLER veröffentlicht wurde, kam auch HARDCOVER (Review vorhanden) auf die Leinwand, der ähnliche Ideen hatte, beide Filme scheinen vom ein Jahr zuvor erschienenen Roman DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER von Thomas Harris inspiriert worden zu sein. Diesen Impulsen der schöpferischen Kraft kann und sollte man impressionabel gegenüberstehen. Der Telefonterror erinnert ebenfalls an WHEN A STRANGER CALLS, sowie dass Prinzipien des Giallo gen Ende nur aufgezählt werden, die Mischung harmonisiert jedoch großenteils. 

Noch nie war eine Nacht so schwarz. Nur die Scheinwerfer eines Autos stechen da heraus, Großaufnahmen von verdächtigen schwarzen Handschuhen und eine schemenhafte Silhouette am Steuer, machen einen Menschen gespenstisch. Die folgende Halloween -P.O.V.- Perspektive ist schon seit Jahrzehnten ein Schatten von bedeutsamen Filmmördern, geht sie zu einer Handkamera über, die eine Bilderbuchfamilie festhält, bald auch Mordopfer vor den Augen von Susan, entfaltet sich die szenische Effizienz. Eine große Gestalt, deren Umriss durch das blaue Licht, das die Fenster durchdringt, lange Zeit nur als eine reine, traumhaft-unwirklich anmutende, Bedrohung wahrgenommen werden kann, bereitet ihren Wahnsinn in einem durchdringenden Rot vor, anwesend in einem Raum, der nur dafür gedacht ist. Der Killer hält uns vor Augen, was wir sehen wollen, schickt der Protagonisten Augen der Opfer, teilt ihr mit, was er getan hat, und ungefähr, was noch geschehen wird. Der Mann sendet ihr die Videos, auf denen er die Morde aufgezeichnet hat, damit ist auch sie involviert. Susan ist Reporterin und eine Seelsorgerin am Telefon, der Mörder konfrontiert sie damit, was ihre Aufgabe ist, zwingt die weibliche Haupfigur förmlich mit freundlicher Stimme am Telefon dazu, ihr Leben nach seinem zu richten. Die Zeugin dient für uns zur Identifikation, mit ihr versucht man, die Umstände zu erfassen. Die Vorstellung, möglicherweise über Leben und Tod zu entscheiden, ohne, dass die Situation wirklich greifbar werden kann, grauenvoll. Auf dieser Ebene hat der Film seine dramaturgische Traktion. Die Entscheidung, sich ebenda hineinzufühlen, offenbart den Strom der Dramatik. 

Eine vertrackte Ausgsgangslage. Die Protagonistin bekommt einen Polizeibeamten zum Schutz, der sie begleitet. Keine unfähige hilfsbedürftige Frau, eine, die auf Vertrauen angewiesen ist, neue Wege. Männer, mit Positionen, die großenteils über den brisanten Modus entscheiden, aber auch andere, die Susan aus beruflichen Gründen treffen muss, sind so von ihrer Hybris geprägt, dass schon eine Parallelisierung von ihnen und dem Täter zu erkennen ist. Schwere Bedingungen, ein Pendel. Und, wie sollte es auch anders sein, Giallo-artig kommen sexuelle Intentionen männlicher Personen auf sie zu. Während die emotionale Aufmerksamkeit der weiblichen Figuren, darunter auch Susans Schwester, partiell realistische Befürchtungen hervorbringt, die unbedingt auffordern, halten viele männlichen Personen an einfachen, vermeintlich rationalen Begebenheiten fest, tun sogar das blutige Szenario als illusorische Spielerei eines Verrückten ab. Was Menschen dezisiv als Realität ansehen, kann auch von der Kriminalpolizei und dem Journalismus dezidiert werden. Der Movie Killer nutzt genau das, holt uns mit ins Boot, da wir wissen, und agnoszieren müssen, dass er recht hat. Geschickt, die Misere beginnt mit den Taten des Serienmörders, der greift nach Susan, anschließend entwickeln sich ihr selbstbestimmtes Handeln und ihre Abhängigkeit synchron mit dem Plan des Täters. Dieser Leitfaden füllt die Dramatik, und kompensiert die wenigen expliziten Morde, das Verborgene ist sinnig si­byl­li­nisch, unterstützt von den aufgefundenen Leichen, zum Teil zerstückelt, oder kunstvoll gestaltet. Trotz des Personenschutzes besteht ein Ausgeliefertsein, selbst die eigenen vier Wände schützen nicht. Der Mörder geht immer weiter, zeigt sein Gesicht, und verstärkt das Gefühl, dass eine Person die Hände binden kann. Kommt es zu den finalen Konfrontationen, sind die Ergebnisse allen Anschein nach viel zu leicht, dann ist es vorhersehbar, dass sich mehrere Wendungen nahezu lächerlich um Spannung bemühen.

Anders Palms Film hat seine Schwächen, das ist nicht zu übersehen, und dennoch ist vieles sehenswert. Denn Palms Regieanweisung an die durchweg guten Akteure, den Kameramann John de Borman (Auszeichnungen für An Education und Hideous Kinky) sowie Cutter Paul Endacott (Death Machine) bieten nur wenig Angriffsfläche. Die bereits angesprochene Arbeit mit verschiedenen Farbfiltern verfolgt die Protagonisten wie ein Alptraum, der wahr geworden ist. Ansprechend ist auch der Kontrast zwischen den grobkörnigen Videoaufnahmen und diesen extreme close-up- Einstellungen, die jede Falte zeigen. Endacotts Schnitte zwischen den unterschiedlichsten Szenenbildern und Perspektiven sind unauffällig, weil qualitativ hochwertig. Die Auswahl der Blickwinkel hält den männlichen Protagonisten geheimnisvoll, auch, wenn dieser unaufhaltsam manipulativ den Kontakt mit baldigen Opfern aufnimmt, oder in die Kamera lächelt. Brett Forrest († 2013), hatte es sonst fast 'nur' ins Fernsehen geschafft, wusste aber genau, wie er den aparten, intelligenten Wahnsinnigen, der Contenance bewahrt, gut gibt. Seine Kontrahentin trifft durch Emma Jacobs (Stolz und Vorurteil) die Mitte zwischen selbstbewusster, ebenfalls intelligenter, Frau, und dem Zug der zweischneidigen Eigeninitiative genau ins Schwarze. Halbtotale, halbnahe und nahe Einstellung zentrieren sie bei Gesprächen, oder dem Gang durch die Masse, Jacobs Körperhaltung und Gestik zeigen die Gefühlslagen gekonnt. Alle anderen Figuren funktionieren lediglich als Basis für Susan und den Mörder, eine weitere Beschreibung würde unnötig viel vorwegnehmen. Zufriedenstellend ist auch der düstere Pop-Industriel von Richard Derbyshire ( Deine Zeit läuft ab) und Charlie Mole (The Great Green Wall), der die dramaturgischen Schwerpunkte immer adäquat intensiviert.

MOVIE KILLER ist zweifelsohne gut inszeniert, und verlässt einseitige Schemata, allerdings geht der Plan nicht ganz auf.  

 

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Ich
cecil b
8/10
Night
cecil b
6/10
die neuesten reviews
Stylist,
Ghostfacelooker
Quarry,
Insanity667
9/10
Fast
Phyliinx
8/10
Stirb
Sonnyblack745
10/10
Charlotte's
Dr. Kinski
9/10
Dredd
McGuinness
8/10
Bloodparty
Insanity667
6/10

Kommentare

20.05.2022 23:28 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 12
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.164
"Eine bestechende Inszenierung behext den Sehnerv, die Psyche wird an spannenden Stellen herausgekitzelt, aber die Wendungen überschlagen sich irgendwann so konstruiert, dass feststeht: Weniger wäre mehr gewesen."

Schöner Satz, der auch zu meinem kürzlich vorgestellten Mein Bruder Kain fast wie die Faust aufs Auge passen würde...

Der hier besprochene Film hört sich von deiner Beschreibung auch interessant an und weckt bei mir die Neugierde, den Streifen eventuell auch mal eine Chance zu geben. Danke für die lesenswerte Vorstellung!


21.05.2022 12:24 Uhr - cecil b
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.091
Gern geschehen, danke auch! :)

Ich vermute, die beiden Filme sind wirklich welche von denen, die sehenswert sind, aber so viel mehr hätten sein können.

21.05.2022 15:34 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.725
Ui! Na das ist ja cool cecil, dass du den vorstellst.

Eine wirklich wunderbare Rezension zu einem sehenswerten Spätgiallohybrid, der lange unter meinem Radar lief.
Hab den gefuhlt ewig nicht mehr gesehen...

Das kann ich ja jetzt bei Gelegenheit mal wieder auffrischen, vielen Dank! :)

21.05.2022 19:39 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.091
Vielen Dank, gern geschehen! :)

"Spätgiallohybrid." Trifft es meiner Ansicht nach gut.

Ich kaufe manchmal günstig rare VHS, um leichter entscheiden können, ob ich eine weitere VÖ haben sollte. Wenn der Film dann auf einen Silberling kommt, möchte ich die Entscheidungshilfe weitergeben. :)

22.05.2022 12:58 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.725
21.05.2022 19:39 Uhr schrieb cecil b
Ich kaufe manchmal günstig rare VHS, um leichter entscheiden können, ob ich eine weitere VÖ haben sollte. Wenn der Film dann auf einen Silberling kommt, möchte ich die Entscheidungshilfe weitergeben. :)


Ich war lange nicht mehr auf Märkten und Börsen (ja, warum nur? F**k COVID) aber ja, da hab ich auch schon die eine oder andere VHS abgestaubt, die mich dann zum Kauf der DVD/Blu-Ray bewogen hat.

22.05.2022 16:37 Uhr - cecil b
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.091
Ja, vermiss(t)e (?) die Börsen auch. Hatte sogar mal einen Verkäufern kennengelernt, der mit Buttgereit in einem Filmclub ist/war.

VHS: Ich habe für einige Filme um die 10 Piepen bezahlt, und dachte mir, gut, dass ich den gesehen habe, und keine 35 Euro für eine späteres Mediabook ausgegeben habe.

Die Books kritisiere ich nicht, aber da schlage ich selten zu, es geht mir um den Film. ;)

Zudem gibt es einige Filme über Jahrzehnte nur uncut auf VHS. Kommen sie neu raus, kann ich schnell darüber informieren.

Und ich habe auch viele Silberlinge

23.05.2022 05:31 Uhr - Insanity667
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.725
22.05.2022 16:37 Uhr schrieb cecil b
VHS: Ich habe für einige Filme um die 10 Piepen bezahlt, und dachte mir, gut, dass ich den gesehen habe, und keine 35 Euro für eine späteres Mediabook ausgegeben habe.


Da geht es mir ähnlich, wenn ich auch zugeben muss, dass ich auch über den eigentlichen Film hinaus gerne was zum angucken oder anfassen habe, wenn das Sinn macht. Nur kommt man da sicher schnell finaziell und platztechnisch an seine Grenzen. Deswegen ist 'ne billigere VHS oder DVD eine gute Alternative, sich vorher ein Bild zu machen, ;)


kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)