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Lamb

Herstellungsland:Island, Schweden, Polen (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Mystery
Alternativtitel:Dýrið
Lamm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Weites Land, Bergketten, endloser Himmel, ein abgeschiedenes Haus: In der überwältigend schönen isländischen Landschaft züchten Maria und Ingvar Schafe. Sie führen ein einfaches, der Natur verbundenes Leben. Bis eines Nachts etwas Seltsames in ihrem Stall passiert: Ein Schaf gebärt ein mysteriöses Wesen, das die beiden wie ein eigenes Kind aufziehen und ihm den Namen Ada geben. Das mit inniger Freude begrüßte Familienglück wird jedoch schon bald auf die Probe gestellt – denn Mutter Natur steckt voller Überraschungen … (Koch Films)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.

-Charles Darwin-

 

In einem unwirtlichen Teil der Insel Island bewirtschaften Maria und ihr Mann Ingvar einen kleinen Landstrich. Dort bauen sie Gemüse an und züchten Schafe. Jeden Tag gehen die beiden dieser anstrengenden Arbeit nach, doch sie machen es gern. Kurz nach dem Weihnachtsfest beginnen die Schafe im Stall ihre Jungen zur Welt zu bringen wobei Maria und Ingvar helfend zur Seite stehen. Doch dann geschieht etwas seltsames. Eines der Tiere gebärt ein Junges daß so ganz anders ist. Und nun machen die beiden etwas das so gar nicht mit der Natur zu vereinbaren ist…

LAMB

Hm, na gut. Wofür is denn Island so berühmt ? Heisse Quellen, Vulkane, fußballverrückte, laut und euphorisch HUH ! brüllende Bewohner, Kälte… Ich kann es nicht sagen weil ich zu wenig darüber weiß. Und nun kommt da auch noch ein Film aus diesem Land der so gar nicht in ein Genre passen will und von einem gewissen Valdimir Jóhannsson inszeniert wurde. Der Herr der zuvor nur 2 Kurzfilme ablieferte und in Werken wie Oblivion, Rogue One: A Star Wars Story und The Tomorrow War für die Effekte zuständig war präsentiert uns hier sein Langfilmdebüt. Und ich möchte behaupten daß der Streifen für vielfältige Meinungen sorgen könnte. Eine dieser Meinungen soll das nun folgende sein. 

Hauptdarstellerin Noomi Rapace (u.a. Alien: Covenant, Rupture, Prometheus: Dunkle Zeichen) spielt Maria. Engagiert, agil, fleißig aber in ihrem Gesicht regt sich so gut wie nichts. Kein Lächeln, emotions- und freudlos wirkt sie auf den Betrachter. Ist es das Leben hier draußen oder kann man sie auch einfach nur nicht einschätzen ? 

Selbiges trifft auch auf ihren Gatten Ingvar (Hilmir Snær Guônason) zu. Zwar schafft er es zumindest mal zu lächeln, aber auch er gibt sich wortkarg und macht nur das was wirklich nötig ist. 

Aber jenes wunderbare doch zugleich auch wundersame Ereignis gibt dem tristen Leben der beiden neuen Schwung. 

Eines Tages taucht Ingvars Bruder Pétur (Björn Hlynur Haraldsson) bei ihnen Zuhause auf und kommt dort für eine Zeit unter. Und er ist so gar nicht begeistert von dem was in dem Haus abläuft…

"Es ist…ein Geschenk…"

Nö, also Freude kommt da echt nicht auf. Und um es gleich vorweg zu nehmen, das ändert sich auch ned. Der Film ist Kälte pur. Und dieser Umstand macht es dem Zuschauer auch nicht unbedingt leichter einen Zugang zu finden. Denn eins ist sicher, einfach ist das Werk in keinem Fall ! Bereits während der Einleitung macht sich eine gewisse Irritation breit, gepaart mit einem ziemlichen unangenehmen Gefühl in der Magengegend. Ein tiefes Schnauben, wie ein grunzendes Atmen durchdringt tiefhängenden Nebel über weißem Schnee. Etwas durchstreift die Landschaft. Nähert sich langsam einer Herde von Pferden die sogleich panisch die Flucht ergreifen. Schließlich erreicht dieses Etwas einem Haus, dringt in den Stall ein während die darin befindlichen Schafe voller Furcht durcheinanderlaufen. Und in der Stube bereitet Maria das Essen zu Weihnacht zu.   

Manch einer wird nun vielleicht aufhorchen, stutzig werden und sich eine Frage stellen. Stall, Maria, Weihnachten…war da nicht was ? Gut, ich möchte jetzt nicht die Bibel ins Spiel bringen, aber allein das Intro lässt so einigen Raum für Gedankenspiele. Doch da auch der Film nicht näher auf die Vorgänge eingeht, möchte ich es auch nicht vertiefen. Aber Gedanken sind frei. Die nächsten 10-15 Minuten heißt es dann Zähne zusammenbeißen, denn was folgt muss man packen können. Andererseits stellte ich mir die Frage Warum eigentlich ? während ich die Szenerie betrachtete. Ist es tatsächlich so schlimm zu beobachten wie ein Lämmchen zur Welt kommt ? Diese Dinge sind hier tatsächlich nicht gestellt und Noomi Rapace legte hier wirklich selbst Hand an. Kein Wunder, denn sie lebte einige Zeit eh auf nem Hof und arbeitete dort mit. Trotzdem ging es mir schon an die Nieren wenn so einem kleinen Geschöpf ne Marke ans Ohr geschossen wird… Ich bin einfach zu sensibel was Tiere angeht. Was halt einfach auffällt ist daß hier so gut wie nicht gesprochen wird und auch keinerlei Musik zu hören ist. Das gibt zwar dem ganzen eine Art Realismus, wirkte aber auf mich als Zuschauer fast schon fremd und unnahbar. Fast so als möchte man verhindern eine Nähe zu den Akteuren zuzulassen. Das macht's schwierig sich mit dem zu sehenden anzufreunden. Doch dadurch gelingt es Jóhannsson dem Film eine merkwürdige Art von Freiheit zu verleihen und zwängt ihn in keinen Rahmen. Um ehrlich zu sein würde eh keiner passen ! Klingt komisch…is auch so. Mit DIESER EINEN Geburt aber verändert sich Film. Plötzlich scheint es so als würde jenes Ereignis erklären weshalb sich die beiden zu Beginn über allerlei seltsam anmutende Dinge unterhalten haben. …und im Radio berichtet eine Stimme über einen Mythos… Zeitreisen wären theoretisch möglich entnimmt Ingvar einem Artikel der Zeitung. Maria denkt darüber nach wie es wäre in der Zeit zurückzureisen… Um das Vergangene neu…anders zu machen ? 

Jedenfalls nimmt man das neugeborene Lamm (darum der Titel) zu sich in die Wohnung. Holt ein altes Kinderbett und nen Laufstall aus der Garage und sucht alte Kinderklamotten zusammen. Was zum Teufel haben die beiden vor ? Das ist doch ein Tier !? Und während Maria und Josef, verzeihung, Ingvar die kleine Ada bemuttern schreit das Muttertier im Stall wütend und traurig zugleich nach ihrem Kind. Mein lieber Schwan, ging mir das nahe ! Da war er wieder der tierliebe Filmfreund, der zwar Splatter liebt, aber bei solchen Dingen heulen möchte. Von der Wut ganz zu schweigen. 

Denkt der Mensch doch meist nur an sich selbst und sieht die Natur als Nebensache. Aber wehe sie funktioniert nicht so wie er es sich vorstellt… Bevor ich jetzt aber wieder mit dem erhobenen Zeigefinger rumlaufe zurück zum Film. Mittlerweile präsentierte man dem Konsumenten nämlich was das Neugeborene denn nun wirklich ist. Und da formte sich das Gehirn zu nem kleinen Knoten. Gut man weiß ja was Mutter Natur so an Überraschungen bereithält, aber doch so etwas nicht ! Das schockiert auch den inzwischen angekommenen Pétur ziemlich der das natürlich nicht erwartet hat. Na schön, wer den Trailer sah ist sich im klaren darüber worum es geht. Für alle anderen schweige ich hierzu. Nur daß Pétur völlig anders als das Pärchen damit umgeht und auch eine schlimme Idee hat sei kurz erwähnt. Auch wenn der Streifen rein gar nicht in das Genre passt ist die Story tatsächlich Horror pur ! Zudem vermischt sich die…reale Realität mit der eigenen Realität des Paares. Was dazu führt daß Maria extrem eifersüchtig auf das Mutterschaf reagiert. Oder soll ich es egoistisch nennen ? Hinzu kommt daß der gesamte Film gänzlich ohne jegliche Härten auskommt (oder doch ?) und ausschließlich das Spiel der drei Personen im Vordergrund steht. Wobei man sich fragen darf wer nun Anwärter auf den Kältethron ist ? Island als Land oder der Mensch. Die Dialoge sind kurz und träge. Fast schon emotionslos. Musik kaum vorhanden, das schneidende Pfeifen des Windes dominiert den gesamten Film. Nur in einem kurzen Moment zeigt der Mensch daß er zu leben scheint in dem ein Handballspiel im TV anders läuft wie gewünscht und man sich neben viel Alk auch mal den fleischlichen Gelüsten hingibt. Doch nicht mal der Einsatz nackter, schwitzender Haut kann der Kälte trotzen. Währenddessen nähert sich immer wieder ein grausiges Wesen dem Haus… Denn auch wenn das Lamm (oder was auch immer) wohlbehütet aufwächst weiß etwas da draußen viel eher wo es hingehört. Wobei ich dann wie bei dem Intro wäre… 

"Stell nicht unsere Art zu leben in Frage."

Natürlich macht man das ! Das aber dann wohl erst wenn man den Film hat sacken lassen. Denn eines sollte jedem klar sein: Einfach mal schnell laufen lassen und Spass haben wird mit dem Werk schwierig. Er will sich nicht erklären, ist fernab jeglicher Realität, sehr langsam erzählt (warum aber 3 Kapitel nötig waren…?), dialogarm und deckt nur seine kleinen Geheimnisse auf wenn man zuhört...zusieht. Also schnell mal zwischendurch auf die Toilette oder an den Kühlschrank… ;-) Auf Grund dieser Dinge tat ich mich mit der Bewertung etwas schwer. Wegen der mangelnden Zugänglichkeit war ich eigentlich bei einer nett gemeinten 7. Doch jetzt wurde es dann doch unten stehende Wertung. Mehr geht für mich nicht. Irgendwie hat es in meinen Augen den Anschein als weigere sich der Streifen dagegen zu gefallen, möchte unangenehm sein. Und das ist ihm in jedem Fall gelungen ! 

 

ses


 

8/10
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Kommentare

20.05.2022 20:49 Uhr - tp_industries
1x
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Da hat mich der Trailer, aufgrund seiner Andersartigkeit, schon angefixt.

Und Sätze wie

"Und dieser Umstand macht es dem Zuschauer auch nicht unbedingt leichter einen Zugang zu finden."

oder

"Irgendwie hat es in meinen Augen den Anschein als weigere sich der Streifen dagegen zu gefallen, möchte unangenehm sein. "

sind da Musik in meinen Ohren!


Vielen Dank für deine Meinung zu diesem Streifen. Meine Vorfreude ist ungebrochen! ;)

21.05.2022 12:19 Uhr - cecil b
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Ach du grüne Neune. Wasn das fürn Film?

Einer, den du sehr gut rüber gebracht hast.

Wie deine Sprache zwischen tief und lässig pendelt, sehr cool.

Ich finde, dass du toll einige nachvollziehbare Schlussfolgerungen mit einfügst, ohne diese in Stein zu meißeln.

Eine hochinteressante Vorstellung.

Den werde ich wohl auch mal gucken. Oder auch kucken.

Danke dir!

P.S.: Ich war (wirklich) mal dabei, als eine Kuh ein Kleines bekommen hat, und musste diesem kleinen Wesen mit Wasser und Stroh unmittelbar auf die Beine helfen.

Ich flüsterte dem Kälbchen ins Ohr, dass es sich bei jeder Gelegenheit die frischeste Milch besorgen sollte. Wie es dann grob an Mamas Euter stieß, ich hatte fast ein schlechtes Gewissen. ;)


21.05.2022 12:55 Uhr - sonyericssohn
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Danke euch beiden.
Also für einen locker, fröhlichen Fernsehabend taugt der Film nur bedingt ;-) Ich möchte ihn unter stimmungsabhängig einsortieren.

21.05.2022 15:25 Uhr - Insanity667
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Filme, die man wirklich nicht schauen sollte, wenn es draußen regnet, sind irgendwie sympathisch. Klingt so ein bisschen wie der minimalistische aber effektive "The Lighthouse", nur mit Lamm in Island. :) Sehr interessant!

Danke für die gekonnte und absolut lesenswerte Vorstellung sony! ;)

21.05.2022 17:40 Uhr - sonyericssohn
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Ja wen seh ich denn da ? Insanity.... Hast du auf unseren Planeten zurückgefunden ?😅 Schön wieder von dir zu lesen !

Danke vielmals und gerne.

22.05.2022 13:00 Uhr - Insanity667
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21.05.2022 17:40 Uhr schrieb sonyericssohn
Hast du auf unseren Planeten zurückgefunden ?


Ehrlich gesagt nein, die Telekom hat es nur nach 3 Jahren endlich geschafft, Glasfaser-Internet auf dem Mars zu verlegen! :D Aber die Freude ist ganz meinerseits, wieder ein bisschen mitzumachen, das kannst du mir glauben! :)

22.05.2022 14:09 Uhr - sonyericssohn
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Mars....teuer da... 😁

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