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Daddy's Cadillac

Originaltitel: License to drive

Herstellungsland:USA (1988)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Komödie
Alternativtitel:Daddys Cadillac
Licenza di guida
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,25 (4 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Les (Corey Haim) steht kurz vor der Führerscheinprüfung, ebenso wie seine Schwester. Wenn er den Lappen erst einmal hat, dann möchte er seine große Liebe Mercedes groß ausführen. Leider hält Les es nicht für nötig, für die Prüfung zu lernen. Als es dann endlich soweit ist, versagt er und schaltet bei der letzten Frage das komplette EDV-System der Fahrschule lahm und kann somit die praktische Prüfung absolvieren und besteht mit Bravur. Doch als er wieder in der Fahrschule ist, liegen die Ergebnisse des Tests vor. Natürlich ist Les durchgefallen, verschweigt dies jedoch vor seinen Freunden und den Eltern. Diese wollen natürlich, dass Les sie am Wochenende mit in die Stadt nimmt. Les überlegt nicht lange und nimmt einfach das Auto seines Großvaters, der zu Besuch ist. Die Nacht verläuft nicht gerade problemlos, denn Les gerät mit seinen Freunden von der einen in die nächste Katastrophe und am nächsten Morgen ist das Auto nur noch Schrott wert....... (HanseSound DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von argamae:

Derzeit fische ich mir ein paar Kiemenatmer aus dem leicht abgestandenen Teenage-Romance-Komödien-Teich der 80er Jahre, um zu schauen, ob sie noch für den Grill taugen oder wieder in trübe Nass zurückgeworfen werden können. Mein erster Fang ist DADDY'S CADILLAC (OT: Licence to Drive) von 1988. Nach eingehender Betrachtung kann ich feststellen, dass hier der deutsche Titel ebenso gut ist wie das engl. Original, da es insbesondere in der zweiten Filmhälfte um das namensgebende Fahrzeugmodell geht.

Die damals aufstrebenden Jungstars Corey Haim ("The Lost Boys") und sein Namensvetter Corey Feldman ("The Goonies") mimen hier die typischen, pubertierenden Teenager, denen der Sinn nach Mädels und Partys steht. Eine blutjunge Heather Graham in der Rolle der "Mercedes Lane" [sic!] übernimmt die Rolle des Objekts der Begierde für Les Anderson (Haim), für den sie die Traumfrau ist. Zu gern würde er ihr beweisen, dass er ebenso cool ist wie ihr vermeintlicher, deutlich erwachsener wirkender Freund - der dunkeläugige Dreitagebart-Träger Paolo. Doch dafür muss Les endlich seine Führerscheinprüfung schaffen. In der für diese Kalifornia-Klamotten üblichen Art und Weise geht dies natürlich nicht ohne diverse Peinlichkeiten und leicht verpeilte, nervige Familienmitglieder - wie etwa sein gutmütiger, aber luschiger Dad und seine links-intellektuell-progressive Schwester. Als er sich am Ziel sieht, vermasselt er die Prüfung... doch kann er das vor Freunden und Familie zugeben?* Die Chance, endlich mit Mercedes auf ein Date zu gehen, wirft ihn in einen nächtlichen, teenage-angst-erfüllten Joyride.

*) Hint: NATÜRLICH NICHT!

Bühne frei für eine Aneinanderreihung haarsträubender Zufälle und Situationen, deren Absurdität sich kontinuierlich steigert und dennoch so unbekümmert präsentiert wird, dass man sich einfach denkt "ach, scheiß drauf - let's go for it". Und tatsächlich kann das Vehikel (hier: der Film) in einigen Szenen durchaus punkten. Da ist einmal Heather Graham, die zwar nur hübsche Nebenrolle sein darf, aber stellenweise durchaus komödiantisches Talent durchblitzen lässt, welches sie später dann u.a. in "Austin Powers" deutlicher zur Schau stellen darf. Während sie als die typisch blonde "hot prom queen" eingeführt wird, spielt sie dann unerwartet sympathisch das coole, selbstbewusste Mädel, dass weiß, was es will - um sich dann mit einer Flasche Sekt abzuschießen und den Rest des Films als komatöse Rücksitzbegleitung verbringt.

Und zum anderen sind immer mal wieder komische Situationen mit kauzigen Charakteren enthalten, die einem zumindest ein Schmunzeln abringen - etwa Les' Fahrlehrer (James Avery), der sein Checkboard aus dem Fenster schmeißt und Les knurrend zu verstehen gibt, dass er seine praktische Prüfung besteht, solange er keinen Kaffee aus dem Pappbecher auf der Ablage verschüttet. Auch Les' schwangere Mutter (Carol Kane) ist schrullig-charmant und kann den einen oder anderen Lacher für sich verbuchen.

Einer der Mittelpunkte des Film ist der namensgebende Cadillac Sedan de Ville, der Les' Opa gehört und derzeit von seinem Vater als Familienkutsche verwendet wird. Zweifelsfrei ein schönes, stylisches Automobil, wenn man auf amerikanische Benzinschlucker steht, welches sogar Großvater's Kassettensammlung amerikanischer Swing-Hits an Bord hat. Während der junge, führerscheinlose Delinquent permanent darum fürchtet, dass das Fahrzeug beschädigt werden könnte, kümmert dies seine beiden Freunde Charles und Dean wenig - sie überreden ihn (nicht ahnend, dass er gar keinen Führerschein hat), in dieser Nacht der große Chauffeur zu sein. Was dann noch an Ereignissen den illegal fahrenden Jungs auf die Fahrbahn geschmissen wird, ist so heiter-abstrus, wie es eben nur jene 80er Filme zusammenmixen können. Ständig biegen sie von einem Schlamassel auf den anderen ab, während ein Deus-Ex-Machina-Moment nach dem anderen sie da wieder herausholt. Ab der Hälfte ertappte ich mich dabei, zu raten, welche typischen Genre-Blaupausen wohl noch bedient werden. Um dann doch daneben zu liegen.

Handwerklich erleidet der Cadillac keinen Motorschaden. Schnitt, Pacing, Action - alles wirkt rund und ergibt ein solides Gesamtbild. Regisseur Greg Beeman liefert hier sein Kino-Debüt ab. Zuvor hatte er bereits Folgen für "Wunderbare Jahre" (OT: The Wonder Years) gedreht, sehr viel später dürfen wir ihm noch die Hit-Serien "JAG", "Smallville" und "Heroes" verdanken.

Aus heutiger Sicht ist auch beachtlich, wie erfrischend naiv und konsequenzlos hier z.B. alkoholisiertes Fahren und extreme Verkehrsgefährdung mit einem Pinselstrich Humorfarbe übertüncht werden, um die nächste Ausfahrt zu erreichen. Der Film hat ab der zweiten Hälfte im Grunde auch keine ruhigen Momente mehr, da die nächtliche Spritztour zunehmend außer Kontrolle gerät. Wie dies am Ende dann versöhnlich zusammengeführt wird, bedarf zwar einer letzten Unglaubwürdigkeit durch den plötzlich real auftauchenden Großvater, die man aber ebenso wegschmunzeln kann wie den Rest dieser hanebüchenen Teenager-Komödie, die nicht zuletzt zwei weltbekannte VW-Modelle in einem sehr positiven Licht darstellt. Das muss ich leider kurz als Mitarbeiter des Werkes anbringen. *zwinker*

DADDY'S CADILLAC kann ich für einen heiteren 80er-Jahre-Filmabend durchaus empfehlen. Wenngleich er in seiner Gesamtheit nicht das Zeug zu einem Genreklassiker mitbringt, ist er doch für einen nostalgischen Cruise mehr als ausreichend. Oder, um bei der eingangs benutzten Analogie zu bleiben: dieser Fisch ist noch frisch genug.

7/10
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Kommentare

22.05.2022 16:04 Uhr - cecil b
2x
Moderator
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Sympathisch und kreativ verfasst, sehr geehrter Katzenfreund!

23.05.2022 05:11 Uhr - Insanity667
2x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Insanity667 1.725
Schön geschrieben und vor allem informativ. Over the Top 80er Jahre Komödien finde ich ab und zu auch ganz angenehm... Ich mag die Atmosphäre solcher Filme und ihre oft, wie offensichtlich auch hier, abgefahrene Handlung. :)
Den hier kenne ich leider nicht, allerdings kann man das ja jetzt, dank des tollen Reviews, ändern. ;)

24.05.2022 19:09 Uhr - Argamae
User-Level von Argamae 4
Erfahrungspunkte von Argamae 276
Schönen Dank @cecil b @Insanity667,
freut mich sehr, dass ich euch unterhalten konnte.

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