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Naked Lunch - Nackter Rausch

Originaltitel: Naked Lunch

Herstellungsland:Kanada, Großbritannien, Japan (1991)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Fantasy, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,95 (20 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Schriftsteller Bill Lee ("Robocop" Peter Weller) ist ein Wrack. Meistens arbeitet er als Kammerjäger oder dröhnt sich mit Insektenmitteln zu. Als er im Rausch aus Versehen seine Frau erschießt, wird er vollkommen wahnsinnig und halluziniert von Riesenkakerlaken, sprechenden Schreibmaschinen und davon, dass er für "Interzone" spioniert... ()

eine kritik von dicker hund:

David Cronenberg drehte den cineastischen Drogenrausch "Naked Lunch" zwischen "Die Fliege" und "Crash", als er 1991 in der Hochphase seiner kreativen Schaffenskraft war. In der Hauptrolle des stets zugedröhnten Schriftstellers Bill bestaunt Peter Weller ("Robocop") engagiert getrickste Riesenkakerlaken und andere sonderbare Kreaturen, die mit bemerkenswertem Einfallsreichtum designed wurden. 

"Das ist vielleicht das erste Mal seit langem, dass du keine Halluzinationen hast."

Als Frau an seiner Seite namens Joan wirkt Judy Davis mindestens genauso heruntergekommen. Das Paar lebt seine Emotionen seltsam gedämpft, da betäubt aus. Selbst ein Seitensprung (Sex 3/10) ist da nicht mehr Kommunikation wert als ein aus wenigen Zeilen bestehendes informatorisches Nachgespräch. Allerdings sind die entspannt betonten Dialoge von hoher sprachlicher Finesse, selbst wenn sie bisweilen in allzu ermüdende Kleinteiligkeit ausarten. Dass dies nur geringfügig stört, ist vor allem dem meditativ-entschleunigenden Score geschuldet, der mit seinen Saxophon-Klängen gediegen einlullt.

"Es ist keine Zeit herumzudösen wie Huckleberry Finn auf dem Floß."

Dieser verschlummerte Zustand entsteht trotz einer abstoßenden Umwelt voller dominanter Brauntöne und vergilbtem Mobiliar. Bizarre Erscheinungen wie eine sprechende Schreibmaschine, deren ekelerregender Mund einen haarigen Schließmuskel assoziieren lässt, gesellen sich vor solch verkommenem Hintergrund zu metaphorischen Schreckensimpressionen von sexueller Ausbeutung und angedeuteter Folter, was ein teils schwer zu ertragender Anblick ist (Horror 6/10). Gleichwohl bleiben die Szenen mit grafischer Gewalt (3/10) weitgehend moderat, zumindest, solange diese gegen Menschen gerichtet ist.

Denn "Naked Lunch" gewinnt den Zuschauer mit unwirklicher Verwirrung stärker als mit vordergründiger Härte. Starke Beiträge hierzu erhält er von den Nebenrollen, in welchen Julian Sands ("Warlock") mit selbstbewusstem Auftreten den Nobelmann Yves mimt, Roy Schneider ("Der weiße Hai") einem seltsamen Arzt ein mehrdeutiges Gesicht gibt und Ian Holm ("Herr der Ringe") sich als Konkurrent Tom mit undurchsichtigem Hochstatus vorstellt. Das Setting wechselt gerne in den arabisch konnotierten Phantasie-Ort "Interzone", wo das Erdreich bisweilen wie eine verblasste Variante der Droge "Wanzenpulver" aussieht, die der Protagonist so gerne einnimmt, obwohl oder gerade weil ihre goldbraune Färbung Heroin assoziieren lässt.

Schade nur, dass sich das Finale in etwas selbstzweckhaft-kryptischen Bildfolgen verliert, die einen abrundenen Aha-Effekt vermissen lassen. So erfolgt eine wesentliche Teilauflösung der Ereignisse dieser großen Filmperle einfach so nebenbei im Verlauf des Mittelteils, was die mögliche dramaturgische Zuspitzung nicht so genial ausreizt, wie es im stimmungsmäßig recht ähnlichen "Angel Heart" gelungen ist (8/10 Punkten). Stattdessen steht die Zauberwelt aus schrillen Requisiten, seltsamen Charakteren, berauschenden Fabelwesen und kruden Allegorien für sich. Nun, auch das funktioniert auf seine spezielle Art. Mit eingeschränkter Jugendfreigabe der FSK ist das Werk seit jeher ohne Zensurprobleme erhältlich. Da oftmals nur insektenartige Tiere zermatscht werden, erscheint das folgerichtig.

8/10
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Kommentare

19.08.2022 08:03 Uhr - Film_Nerd.190
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Naked Lunch ist einer dieser Filme, die ich immer wieder mal bei Media Markt in den Händen hielt, aber mir bisher noch nicht zugelegt habe. Und das, obwohl ich David Cronenberg als Regisseur eigentlich tierisch abfeier 😁
Peter Weller und Roy Scheider sehe ich eigentlich auch immer mal gerne.

Deine Review hat mich jetzt doch neugierig gemacht. Vllt nehme ich mir den mal beim nächsten Abstecher bei Media Markt mit 😀

19.08.2022 10:53 Uhr - cecil b
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Moderator
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Wieder erstaunlich, wie du einen Eindruck von einem Film geben kannst!

23.08.2022 08:47 Uhr - Insanity667
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Ich finde immer noch, dass es Cronenberg nach "Die Fliege" und "Naked Lunch" recht schwer fiel, sich zu steigern oder zumindest das Niveau zu halten. "Crash" war schon meine erste Negativberührung mit dem Regisseur, fand den einfach nur extrem schnarchig. Somit hast Du wohl recht, dass sich der Regisseur mit Deinem hier besprochenen Streifen auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand... Dafür mögen jetzt einige Steine auf mich werfen, "Naked Lunch" ist für mich Cronenbergs letztes Meisterwerk, 10/10 Punkte von mir un 'nen großen, saftigen Knochen für unseren lieben dicken Hund! Feine Vorstellung! :)))

24.08.2022 06:40 Uhr - dicker Hund
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Auch hier danke für die freundlichen Worte. "Crash" kenne ich übrigens noch nicht.

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