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Mukuro

Herstellungsland:Japan (2015)
Genre:Horror, Kurzfilm
Alternativtitel:Just Like a Mother
Sweet Home Inferno
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

APPARTMENT INFERNO
Wer kennt das Problem nicht? Man begeht gut gelaunt einen Mord, wird danach aber die Leiche nicht los? Kein Problem für
Yoshiki, der sich in seinem Apartment auf Entsorgungen aller Art spezialisiert hat. Eines Tages taucht dort jedoch eine
blutverschmierte Frau auf, die gerade selbst Leichenteile verschwinden lässt ...

SWEET HOME INFERNO
Die 18-jährige Nozomi, eine ganz normale Schülerin in einer ganz normalen Familie. Wegen ihrer Nackenschmerzen, heuert ihre
Mutter für fachkundige Hilfe den befreundeten Sektenmeister an: Dieser erkennt sofort, dass ein böser Geist dahintersteckt! Durch
elterliche Liebe getrieben beginnt für Nozomi ein grausames Exorzismus-Ritual …

JUST LIKE A MOTHER
Naomi hat ihre eigene Jugendzeit geopfert, um ihre Tochter Yuriko zu erziehen. Nach Yurikos Schulabschluss zieht Naomi
nochmal raus in die Welt. Irgendwann erhält Yuriko die Nachricht, dass ihrer Mutter etwas zugestoßen sei. Sie macht sich auf den
Weg und findet Naomi in den Fängen einer brutalen Vergewaltiger-Bande … (Midori-Impuls)

eine kritik von dr. kinski:

-Mukuro Trilogie-

Midori Impuls hat sich inzwischen unter Fans des japanischen Films einen Namen gemacht und richtet auch jährlich das Japan Filmfest in Hamburg aus. Auf eben diesem Festival lief im Jahr 2018 auch die Mukuro Trilogie des aufstrebenden japanischen Filmemachers Katsumi Sasaki, bevor Midori Impuls die Filme bei uns im Mediabook veröffentlicht hat. Obwohl seine drei Kurzfilme, die dann zusammen besagte Mukuro Trilogie bilden, bei der Kritik eigentlich immer recht gut abschneiden, haben sie doch nie eine größere Bekanntheit erlangt. Dies mag wiederum an dem limitierten Release liegen und so mancher wird sich wohl unsicher sein, ob er sein hart verdientes Geld in das Werk eines völlig unbekannten japanischen Filmemachers investieren soll. Herr Sasaki hat schon an kleineren Kurzfilmen gearbeitet, aber im Grunde zeigt die Mukuro Trilogie seine ersten wirklich relevanten Werke. Unterstützung hat der junge Filmemacher von dem Special-Effects-Künstler Yoshinari Dohi erhalten. Dieser konnte bereits über zwanzig Jahre in diesem Bereich Erfahrungen sammeln und hat auch bereits am Set von Helldriver mitgearbeitet. Darüber hinaus war er in der Lage durch seine Arbeit mit japanischen Filmgrößen wie Takashi Miike oder dem Violent-Pink-Filmer Daisuke Yamanouchi seine Fähigkeiten zu erweitern.

Die Mukuro Trilogie (was im Deutschen so viel wie „Leichnam“ bedeutet), besteht aus drei Werken, wovon wenigstens zwei sich mit dem Leidensweg einer jungen Frau befassen. Manche Kritiker wollen darin auch schon ein offenes Bekenntnis zum Feminismus erkannt haben, was aber wohl eher dem aktuellen Zeitgeist geschuldet ist. Jedenfalls war dies laut einem Interview mit Katsumi Sasaki nicht sein eigentliches Ziel. Jedoch wollte er starke Frauenrollen in seinen Filmen verarbeiten und zur damaligen Zeit sei er durch Filme wie The Woman oder The last House on the left inspiriert worden.

Nun aber mal zu den Filmen im Detail.

-Apartment Inferno-

Im ersten Teil der Trilogie geht es um einen Mann, der sich in einem heruntergekommenen Apartmentkomplex darauf spezialisiert hat, Leichen zu entsorgen. Später kommt eine Frau hinzu, die selbst einen Körper verschwinden lassen muss und Leichenreste in einer versifften Toilette hinunterspült.

Bei einer Länge von 20 Minuten und typisch für einen Kurzfilm kann natürlich keine Zeit verschwendet werden, um irgendwelche Hintergründe zu erklären und der Zuschauer findet sich direkt im Geschehen wieder. Die Effekte von Spezialeffekt-Künstler Yashinari Dori können erwartungsgemäß überzeugen, aber auch der Aufbau der Szenen hat einen nicht zu leugnenden künstlerischen Touch. Meist gehen alle Personen kalt ihrer Tätigkeit nach und bemühen sich nur wenig um zwischenmenschliche Interaktionen, auch Gespräche rücken dabei in den Hintergrund. Durch Lichterketten, die in den verschiedenen Räumen aufgehängt sind, entsteht allerdings ein eindringliches Spiel mit Farben. Die Szenerie erscheint verträumt und surreal und liefert einen Kontrast zu der Grausamkeit der Leichenentsorgung, die dadurch etwas von ihren Schrecken verliert. Die Protagonisten haben sich bereits an ihre schreckliche Tätigkeit gewöhnt. Unterstützt wird ihre Gefühlswelt durch musikalische Untermalungen, die von ruhigen Bässen und dem Klang eines Klaviers ausgehen. Langsam verlassen sie die Monotonie ihrer entmenschlichen Tätigkeit und finden wieder näher zueinander. Nun steigern sich auch die ruhigen Klänge bis hin zu einem japanischen Pop-Song der Fröhlichkeit verspricht. Leider ist mir sein Inhalt nicht verständlich geworden. Danach folgt unausweichlich die Katastrophe und nur ein kurzer Moment des Glücks leuchtet auf, bevor die Menschen in den Abgrund gezogen werden. Der Cut wird gesetzt durch ein stockendes Bild und dem Ausbrennen der Filmrolle. Möglicherweise ein nostalgischer Tribut an die alten Grindhouse Filme oder vielleicht einen Tarantino, dessen Werke doch ganz anders, als eben dieses aufgebaut sind.

Ein starker Einstieg, auch mit blutigen Effekten, die aber eher im Hintergrund stehen. Dies ist definitiv kein Splatter- oder Gore-Film. Der Schwerpunkt wird hier auf ein künstlerisches Spiel mit Farben und Musik gelegt, wodurch die Gefühle der Protagonisten zum Ausdruck gebracht werden sollen. Dies hat aus meiner Sicht auch gut funktioniert. 8 Punkte.

-Sweet Home Inferno-

Hier geht es um ein junges Mädchen, welches Nackenschmerzen hat und ihre religiös fanatische Familie interpretiert diese als Werk des Teufels und als Zeichen für dämonische Besessenheit. Ab sofort darf sie als einzige Nahrung nur noch eine ominöse weiße Flüssigkeit zu sich nehmen, da diese den Dämon schwächen soll. Zusammen mit einer Freundin futtert sie im Park aber trotzdem eine Nudelsuppe und so muss bald der örtliche Priester eingeschaltet werden, um einen Exorzismus durchzuführen. Diesen führt primär die Familie unter Anleitung des Geistlichen durch und hat dabei auch sichtlichen Spaß. Besonders ihre Schwester scheint sich sehr über das Leid, welches dem Mädchen zugefügt wird, zu freuen. Während ein Rock-Sound aus den Boxen kracht, prügelt die Mutter wie von Sinnen auf ihre Tochter ein.

„Weiter so. Das schwächt den Dämon garantiert.“

Geschwächt wurde er vielleicht aber noch lange nicht ausgetrieben und so wird die Gewaltschraube noch einmal angezogen. Bei weiteren Praktiken, die auch wieder blutige Requisiten fordern, rückt die Familie allerdings wieder näher zusammen. Auch hier ist es bemerkenswert, wie es mithilfe der musikalischen Untermalung vollbracht wird, eine familiäre Szenerie zu schaffen, obwohl das Bild so gar nicht dazu passen möchte. Hier ist das Set ebenfalls mit einer Lichterkette versehen, allerdings ist die Farbgebung dieses Mal wenig farbenfroh und hüllt den Ort des Exorzismus in ein klinisches Weiß. Gegen Ende wird die Episode noch etwas übernatürlich und schafft es noch gerade so nicht zu übertrieben und dämlich zu werden, sodass mir das Gesamtbild trotzdem noch gut gefällt.

Einige blutige Effekte und eine interessante Geschichte. Am Ende wurde zwar eine etwas überdrehte Story gezeigt, aber dennoch liegt hier ein guter Beitrag vor. 7 Punkte.

-Just like a Mother-

Der wohl härteste Teil der Trilogie dreht sich um ein Mädchen und ihre Mutter. Die Mutter wird von drei Junkies entführt und von diesen in einem verdreckten Raum wie ein Tier gefangen gehalten und regelmäßig missbraucht. Unter dem Vorwand, dass die Mutter einen Unfall gehabt hätte, wird auch die Tochter dorthin gelockt, um bald mit ihrer Mutter dasselbe Schicksal zu teilen. Ein Film, der in einer knappen halben Stunde eine Rape and Revenge Story erzählt, aber dabei ordentlich aufdreht. Hier konnte Yashinari Dori sein ganzes Talent entfalten. Körperteile werden mit Steinen zermatscht und fiese Vergewaltigungen reihen sich an brutale Morde. Beide Frauen machen ihre Sache gut und leiden glaubhaft, während die Bösewichte auf ihre perverse Art ebenfalls überzeugen können. Hier stehen aber ganz klar die Effekte und die kranke Story im Vordergrund. Die musikalische Untermalung rückt hier eher in den Hintergrund und alles ist darauf ausgelegt, die Szenerie möglichst krank und brutal zu gestalten.

Ein Kurzfilm, der mehr bietet als so mancher Langfilm und der die Reihe sehr gut abschließt. So muss ein krasser Kurzfilm aussehen. 9 Punkte.  

 


Während die erste Episode noch größeren Wert auf ein künstlerisches Design gelegt hat und trotz brutaler Effekte niemals wirklich heftig gewesen ist, bildet die zweite Episode gewissermaßen das Bindeglied, damit die dritte Episode alle Register eines harten Sickos ziehen konnte. Die Gesamtlänge von 72 Minuten ist angenehm kurz und schauspielerisch konnten alle Episoden überzeugen.

PsychoCinematography.com urteilt:

„Katsumi Sasaki has potential to become one of the best diretors of the genre!”

Und auch wenn solche Zitate auf Film-Covern häufig mit Vorsicht zu genießen sind, würde ich mich in diesem Fall anschließen. Katsumi Sasaki ist auf alle Fälle ein talentierter Filmemacher und ich werde diesen Mann mal im Auge behalten. Die Gesamtwertung für alle drei Filme beläuft sich dann auch auf verdiente 8 Punkte. Gerne mehr davon und weiter so!

8/10
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Kommentare

02.08.2022 15:50 Uhr - cecil b
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Moderator
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Ganz große Klasse, Kinski!

Wobei mir die dritte Episode etwas zu hart sein könnte. Wenn eine Revenge folgen würde, wäre mein Befinden leichter dafür zu haben. So einfach gestrickt bin ich manchmal. ;)

02.08.2022 16:09 Uhr - Dr. Kinski
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Hei Cecil, Danke dafür.

Bei der dritten Episode musst du dir denke ich keine Sorgen machen. Ist im Prinzip auch nicht härter als das Remake von i spit in your grave, wobei der natürlich auch nicht gerade harmlos ist. Der Rape Part fällt aber natürlich deutlich kürzer aus. Außerdem gibt es durchaus eine Revenge :)

02.08.2022 17:13 Uhr - cecil b
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Moderator
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Dann ist es um so besser. :)

03.08.2022 06:30 Uhr - Insanity667
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Sehr interessante und aufschlussreiche Vorstellung, vielen Dank! Ich persönlich bin auch ein großer Fan Antologien bzw. Kurzfilmen im Allgemeinen, und dann noch aus dem asiatischen Raum, perfekt. Gut gemacht können diese auch durchaus Langfilmen das Wasser reichen, wie es ja in der 3. Episode dieses Werkes der Fall zu sein scheint. "Mukuro" ist auf jeden Fall vorgemerkt! :)))

03.08.2022 15:35 Uhr - Dr. Kinski
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@Insanity667

Danke Dir! Freut mich, dass ich Interesse wecken konnte.

Anthologien bin ich auch durchaus nicht abgeneigt und teilweise kommen da auch wirklich gute Werke bei rum, leider aber auch all zu oft nur Mist. "Mukuro" ist aber zum Glück konsequent recht gut und bei einer Länge von um die 20 Minuten ist auch ein wenig Zeit um eine Geschichte zu erzählen.
Durch die Mediabook-Limitierung sind die zwar leider wieder mal nicht ganz so günstig, aber solltest du mal zu einer Sichtung kommen, gehe ich davon aus, dass du nicht enttäuscht sein wirst :)

04.08.2022 19:11 Uhr - Jichi
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Super Review zu einem für mich sehr interessant klingenden Titel. Das japanische Kino war sowieso mein Einstieg in das Extremkino und so liebe ich es bis heute, und dein positives Fazit macht es noch besser. Kurzfilme eignen sich sowieso ziemlich gut für Sickos, denn da kann man schnell zum Punkt kommen und den meist eh sinnlosen Aufbau gleich weglassen.

Wie immer gilt: Danke für die Vorstellung eines mir bis dato unbekannten Titels !

05.08.2022 12:46 Uhr - Dr. Kinski
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Danke Jichi.
Bei mir war es genau umgekehrt. Mit dem asiatischen Kino konnte ich eine Zeit lang nicht viel anfangen, inzwischen hat sich das aber geändert und ich habe so manchen Film zu schätzen gelernt.
Du sagst es, Kurzfilme sind in diesem Bereich wirklich nicht verkehrt. Vor allem da so kostengünstige Produktionen häufig Probleme haben Spannung aufzubauen und wirklich gute Schauspieler aufzutreiben. Bevor der Film dann nur langweilt, kann man sich manchmal lieber auf ein paar gute Effekte konzentrieren und das bisschen, was man zu erzählen hat in 15 Minuten erzählen.
Freut mich, dass ich Dir einen unbekannten Titel näher bringen konnte. Bei Dir gilt das gleiche wie bei Insanity, solltest du einmal zu einer Sichtung kommen, wird es Dir gefallen, denke ich ;)

05.08.2022 21:56 Uhr - Jichi
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Denke auch dass ich da gut bedient wäre. Ich halte die Augen offen !

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