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Septic

Herstellungsland:USA (2022)
Genre:Horror, Splatter, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (1 Stimme) Details
eine kritik von dr. kinski:

Wenn es um amerikanische Splatter- und Gore-Filme geht, gehört Brian Paulin mit Morbid Vision Films inzwischen zweifelsfrei zu der Top-Adresse. Angefangen zu Beginn der 2000er mit Filmen, wie At Dawn They Sleep oder Dead Girl on Film bis hin zu seinem bis dato besten Werk Fetus. Inzwischen blickt Paulin schon auf eine mehr als zwanzig Jahre lange Karriere im Extrem-Film Sektor zurück und konnte genügend Erfahrungen sammeln. Nicht nur im Bereich des Make-Ups und der Effekte, Paulin spielt auch in vielen Fällen selbst größere Rollen in seinen Filmen. Eine Entwicklung ist durchaus zu erkennen und Paulin hat inzwischen auch das Amateur-Niveau verlassen, allerdings muss dazu gesagt werden, dass selbst seine frühsten Werke effekttechnisch meistens überzeugen konnten. Eine qualitative Steigerung mag auch zu erkennen sein, aber da die Umsetzung der Effekte schon immer recht gut gelungen ist, ist die Steigerung hier eher quantitativer Natur. Während Dead Girl on Film eigentlich nur eine nennenswerte Splatter-Szene vorzuweisen hat und der 2005 erschienen Cryptic Plasm nur zu Beginn und am Ende blutige Effektarbeit bietet, hat Fetus diverse bluttriefende Szenen und ein furioses Finale, was mich als Indie-Film-Fan durchaus überzeugen konnte.

Da ich auf seinen neusten Film, aber sowieso schon seit seiner Ankündigung vor einigen Jahren sehnsüchtig warte, konnte ich natürlich nicht die Füße stillhalten und musste mir dann auch direkt ein Exemplar des Herstellers selbst sichern. Die Bilder von zerstückelten Effektleichen, die in den letzten Jahren immer mal wieder kommuniziert worden waren, konnten bei mir problemlos genügend Vorfreude wecken.

Sein neuster Streich, der hier zu besprechende Septic, ist am Freitag den 13. diesen Jahres in den USA durch Morbid Vision Films veröffentlicht worden. Wer es nicht so mit Bestellungen außerhalb der EU hat, braucht aber nicht verzweifeln, denn das österreichische Underground-Label Blacklava Entertainment hat bereits Interesse bekundet. Dieses Label hat auch schon in der Vergangenheit viele Filme Paulins auf die EU losgelassen und ist dem Kenner ohnehin als zuverlässiger Lieferant derber Filmkunst bekannt. Wann und ob es letztlich zum Release kommen wird, kann ich aber zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Hier ist dann schlicht Geduld gefragt.

Nun aber mal zum Film. Septic ist über 5 Jahre zum Teil in Paulins Garage entstanden, denn anders als bei großen Hollywood Studios ist das Budget stets sehr überschaubar und Paulin kann die Filme auch nicht in Vollzeit drehen, da er noch anderen Jobs nachgehen muss und gelegentlich durch seine Leidenschaft für den Black-Metal und von seinem Musikprojekt eingebunden wird.

Inhaltlich geht es um ein Pärchen, welches gerne ein Kind zusammen hätte und da es auf dem herkömmlichen Wege nicht funktionieren will, wenden die beiden sich an einen ominösen Typen (Brian Paulin), der verspricht ihnen ihren Wunsch zu erfüllen. Bei seinem Plan handelt es sich um einen experimentellen Eingriff, der gefilmt werden soll, um diesen dann live im Internet zu übertragen. Finanziert wird der Eingriff durch ein Publikum reicher Leute, welches sonst eher für Snuff-Filme zahlt, aber im Sinne der Abwechslung wohl auch für solche Filme zu haben ist.

Die Story hangelt sich dann an diesem Grundgerüst entlang und ursprünglich war der Film auch nur als Kurzfilm geplant. Im Laufe der Zeit kamen dann aber immer mehr Szenen hinzu und man entschied sich einen Langfilm zu produzieren. Die Geschichte wird so auch immer mal durch Snuff-Videos unterbrochen, die das Pärchen sich auf der Internetseite anschaut. Der Oscar für das beste Drehbuch geht in diesem Fall wohl leider nicht an Brian Paulin, aber die Effekte können sich mal wieder sehen lassen. Manchmal sind diese als Effekte zu erkennen, aber überwiegend sind sie gut umgesetzt worden. Brian weiß eben, wie man die Zerstörung des menschlichen Körpers realistisch darstellt. Die Menge an brutalen Effekten braucht sich hinter Fetus nicht zu verstecken und ähnlich, wie man bei Fetus schon keine Skrupel hatte, ein Baby zu zerstückeln, wird hier selbst ein kleines Kind durch unzählige Hammerschläge zermatscht. Wer Gore und Splatter sucht, wird hier also mal wieder voll bedient werden.

Tolerieren muss man zwar die Low-Budget Optik und Bildqualität, aber das kommt für Fans von Brian Paulins Werken ja nicht überraschend. In musikalischer Hinsicht beschränkt sich der Film meist auf statisches Rauschen, während der Mord-Szenen und nur einmal ballert Death-Metal durch die Boxen. Mithilfe einer besseren musikalischen Untermalung wäre vielleicht auch noch mehr im Bereich der Atmosphäre möglich gewesen. In Fetus oder Cryptic Plasm hat das aus meiner Sicht etwas besser funktioniert und das ganze Setting war dort etwas mysteriöser gehalten als in Septic. Hier sind die Fronten dafür aber klar geklärt und der Zuschauer kann sich an brutalen Morden und schönen handgemachten Effekten erfreuen. Langweilig wird es durch die kurze Laufzeit von 82 Minuten auch nicht. In diesem Fall geht es nach einer kurzen Einleitung relativ zügig los und genügend Zeit für brutale Morde ist trotzdem noch vorhanden.

Schauspielerisch gibt es nicht viel auszusetzen. Brian macht seine Sache gut und auch die anderen Hauptrollen spielen vernünftig, während die Nebenrollen entweder als maskierte Mörder oder Opfer auftreten und so keine große Möglichkeit haben Talent zu beweisen. Die schauspielerische Leistung bewegt sich aber dennoch nur auf gutem Indie-Niveau, was aber bei so einer Art von Film niemanden überraschen sollte. Die etwas niedrigeren Ansprüche, die ich an Low-Budget Produktionen stelle, können die Schauspieler hier zweifelsfrei erfüllen.

Summa summarum also wieder ein Splatter-Brett mit genügend fiesen Gore-Szenen. Viel mehr benötige ich als Fan solcher Werke sowieso nicht, um damit meinen Spaß zu haben, aber alles drum herum passt auch soweit. Mir hat dieses Werk auf alle Fälle wieder gut gefallen und der Gore-Fraktion kann ich diesen Streifen nur empfehlen. Wer mit Fetus schon etwas anfangen konnte, der wird hier auch nicht enttäuscht werden und dieser Film gehört auf alle Fälle zu Paulin's besten Arbeiten. Bisher liegt hier der blutigste Film des Jahres vor und so etwas behaupte ich, obwohl ich den berüchtigten The Sadness gesehen habe. Meine Beurteilung sollte hier aber als eine Wertung eines Gore- und Splatter Freundes für andere „Gorebauern“ verstanden werden. Wer Hochglanz-Filme mit ausgeklügelter Story benötigt, lässt besser die Finger davon oder zieht mal gut und gerne 3 Punkte von meiner Wertung ab. Viel mehr als stumpfe Gewaltausbrüche bietet dieses Werk nicht. Allen, denen das reicht, wünsche ich viel Spaß und blutige Unterhaltung. Der Eingriff ist beendet und "let your flesh go septic".

9 Punkte

9/10
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Kommentare

30.05.2022 15:51 Uhr - DriesVanHegen
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Habe mir das gute Teil auch Ende letzter Woche angeschaut (glücklicherweise: Ebay ging noch einer Lieferung um Pfingsten herum aus), bin allerdings noch relativ zwiegespalten. Ich muss ihn definitiv noch ein weiteres Mal sichten, da ich ihn mir nach der Nachtschicht reingeschoben habe und dann doch weniger aufmerksam war als gewollt.
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings ein ziemlich subjektiver: durch die Snuff-Thematik ist SEPTIC für einen Paulin recht realistisch und bodenständig. Ich hatte aber doch noch auf seine sonst so kreativen Monsterkreationen im Finale gehofft. Da die leider ausblieben, bin ich hier doch etwas enttäuscht. Diese Kritik kann man dem Film aber natürlich eigentlich nicht ankreiden.
Fernab davon waren die Effekte zwar auch immer als solche zu erkennen, aber da ich für Paulin und seine Independent-Attidüde große Sympathie hege, stört mich diese Offensichtlichkeit hier nicht im Geringsten. Es spritzt, schreddert und schneidet, dass es eine wahre Splatterwonne ist.

Ich war aufgrund der Infohäppchen die Paulin gestreut hat, zum Ende hin tatsächlich sehr gehyped, aber leider muss ich wieder mal feststellen: Hype und eine gewisse Erwartungshaltung sind in den meisten Fällen doch bloß Gift. Nach FETUS hatte ich einfach noch mehr von allem erwartet: Brutalitäten, Bösartigkeiten und ausufernde Grenzüberschreitung. Die bietet SEPTIC, aber inszenatorisch und atmosphärisch ist FETUS der für mich rundere und auch bessere Film.
Aber: eine Zweitsichtung in wacherem Zustand lässt mich (hoffentlich!) zufriedener zurück. Eigentlich sorgte eher meine persönliche Erwartungshaltung für die relative Ernüchterung, selbst wenn diese Bezeichnung noch immer zu derb ausfällt.

30.05.2022 17:57 Uhr - Jichi
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Juhu, da haben wir ja deine klasse Vorstellung zu Paulins neuem Werk ! Respekt, ging fix !

Oh Mann, ich hoffe der Deal mit Blacklava wird klappen, dann werde ich mir den sicher Film zulegen. Das hier Beschriebene verspricht ja schon viel, und mehr als einen sehr brutalen Splatterfilm (wie du ja auch schreibst), erwarte ich bei Paulin auch nicht. Und den kriegt man bei "Septic" ja anscheinend auch auf voller Breitseite serviert, sehr schön !

30.05.2022 20:27 Uhr - Dr. Kinski
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@DriesVanHegen
Ja, ein schönes Monster wäre noch nett gewesen, aber mir persönlich hat es nicht gefehlt. Tatsächlich halte ich Fetus aber auch für den besseren Film, da die Geschicht einfach runder erzählt wird und etwas mehr Atmosphäre aufgebaut werden kann. Septic merkt man teilweise an, dass er über einen längeren Zeitraum zusammengeschustert worden ist. Für mich persönlich ist das zwar ein kleiner Minuspunkt, weshalb ich auch nicht die Höchstpunktzahl vergebe aber insgesamt arbeitet Paulin in Anbetracht seiner Möglichkeiten schon auf wirklich hohem Niveau.

Eine zu hohe Erwartungshaltung zerstört bei vielen Produktionen schon einmal den Filmgenuss. Ich versuche nach Möglichkeit unvoreingenommen an die Sache heran zu gehen, aber ich muss zugeben, dass ich in diesem Fall auch Probleme hatte und etwas gehyped war, besonders da Fetus mir auch schon wirklich gut gefallen hat. Septic hat ja auch lange auf sich warten lassen und der Vergleich mit Fetus drängt sich auf, weil man erwartet, dass dieser noch überboten wird, was ja leider nicht geklappt hat. Wenn man aber ausschließlich Septic betrachtet, ist das aus meiner Sicht ein guter Film. Vielleicht gefällt er Dir ja bei der Zweitsichtung besser, jetzt weißt du ja, was dich erwartet :)

@Jichi
Schön, Dich auch wieder hier zu sehen.

Blacklava hat ja schon viele Paulin's veröffentlicht insofern wäre ich zuversichtlich und Septic wird Dir bestimmt auch Freude bereiten :)

30.05.2022 20:50 Uhr - Jichi
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Blacklava ist einfach eine top Adresse, ich bin da auch sehr zuversichtlich. Und noch zuversichtlicher bin ich, dass mir "Septic" zusagen wird ;-)

30.05.2022 22:38 Uhr - Insanity667
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DB-Helfer
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Sehr schön! :)

Ich werde dann wohl auch auf die österreichischen Gorefreunde warten, freue mich aber nach Deiner Besprechung jetzt schon drauf. Hin und wieder habe ich auch so meine Phasen, wo ich mir der alten Zeiten Willen mal ein paar primitive und stumpfe Gorekeulen reinziehe. Paulins Werke wie "Bone Sickness" oder "Fetus" haben mich dahingehend schon immer sehr zufrieden gestellt. Ich glaube "Septic" passt da auch gut rein. ;)

31.05.2022 09:12 Uhr - Dr. Kinski
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@Insanity667
Septic wird deine Gore-Gelüste wohl zufriedenstellen :)

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