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Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel

Originaltitel: Top Gun

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Drama, Liebe/Romantik
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,72 (32 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Miramar Air Base in Südkalifornien. Hier ist "Fightertown" USA, hier schult die US Navy ihre besten Marineflieger. "Top Gun" heißt das harte Ausbildungsprogramm. Wer hier herkommt und durchhält, zählt zur Elite. Leutnant Pete "Maverick" Mitchell (Tom Cruise) und sein Freund, der Radaroffizier "Goose" (Anthony Edwards), wollen die Nr. 1 werden. Einer ihrer ernsthaften Rivalen ist "Iceman" Kazansky (Val Kilmer). Privat sammelt "Maverick" erheblich Punkte bei der schönen Charlotte (Kelly Mc Gillis), seine Ausbilderin in Astrophysik. Aber nicht alle Zeichen stehen für "Maverick" auf Sieg. Bei einem waghalsigen Scheinluftkampf gerät die F14-Tomcat außer Kontrolle. Die Besatzung kann sich nur noch durch Schleudersitz retten, doch "Goose" wird dabei tödlich verletzt. Jetzt will "Maverick" aufgeben. Charlotte und Commander Metcalf (Tom Skerritt) sind aber anderer Meinung und so bekommt er seinen große Chance. (Paramount)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von rullep:

 

TOP GUN - Sie fürchten weder Spott noch Mob

 

Im Zuge der lang „erwarteten“ Fortsetzung des Kinohits von 1986, wollte ich mal einen Rückblick wagen. Darüber hinaus möchte ich noch dringend ein >ACHTUNG< einfügen, da ich zwar nicht wirklich viel von der Handlung des Originals verrate, allerdings einige Anekdoten zur Fortsetzung Preis gebe, die für noch ausstehende Kinobesuche problematisch sein könnten!

 

VORWORT:

Ja, TOP GUN war seinerzeit die Blaupause für allerlei patriotische US-Produktionen, die seitdem gefühlte zehn Minuten pro Film die amerikanische Flagge präsentierten, daneben mit Werbeclip-Ästhetik hantierten um am Ende auszudrücken, das alleine die Amis ihre Hosen anbehielten…

Aus einem dieser Gründe war TOP GUN stets eine „zweischneidige“ Angelegenheit für mich. Erlegen war ich dennoch von Beginn an diesem Helden-Epos eines Navy-Piloten, der hemmungslos seine „Maverick“-Rolle (Außenseiter/Einzelgänger) auslebt, ehe er von Schicksalsschlägen und der Liebe aus der Bahn geworfen wird.

 

                          "Sie sind die Elite, die Besten der Besten - Wir machen Sie noch besser"

 

Für die Karriere von Strahlemann Tom Cruise war dieser Film mindestens so ein Katapult-Start wie für die F-14-Tomcat seines Filmcharakters. Neben Kelly McGillis (Der einzige Zeuge), Tom Skerritt (Alien, Knight Moves), Anthony Edwards (Gotcha, Emergency Room) und Val Kilmer (Batman Forever, The Doors) konnte er trotz (Original)-Gebiss bereits mit seinem Charme punkten und hinterließ einen überzeugenden Eindruck.

Das Tarantino TOP GUN mal als „schwulen Fantasyfilm“ getadelt hat, ist eine amüsante Randnotiz, weil diese These vor allem bei den Beachvolleyball-Sequenzen eine gewisse Berechtigung erhält! Ich habe ihn aber nie als solchen betrachtet sondern eher als typischen Vertreter der 80er-Blockbuster: Versehen mit Hits, cooler Optik und überzeichneten Typen.

 

STORY:

Ok, wer hier tiefgründige Dialoge oder realistische Charaktere erwartet ist fehl am Platz! Ich würde die Handlung wohl am ehesten mit dem Satz beschreiben können, daß es um einen jungen Heißsporn geht, der recht ungehobelt ist, ständig aneckt und letztlich durch eine Schwere Krise lernt, daß man auch Verantwortung für andere übernehmen muß...

Gerade dieser Maverick, welcher am Ende die Erkennungsmarke von Goose ins Meer schmeißt und ein kleines Lächeln auf den Lippen trägt, scheint gereift zu sein. Leider erkennt man in der 35 Jahre später spielenden Fortsetzung wenig von dieser Wandlung. Es scheint fast so, als hätte dieser Mann rein gar nichts dazu gelernt und auf dem Level von 1986 stehengeblieben zu sein. Er spricht nach wie vor mit Goose und im beruflichen scheint bis auf seine Zeit als Testpilot ebenfalls alles eingefroren zu sein…

 

STIL:

Ja, der Film hat trotz überschaubarer Handlung eine ganz eigene Handschrift, wegen der Ich ebenfalls sehr angetan bin: „MTV-Ästhetik“ lautet das Zauberwort. In den 80ern wurde diese Machart populär, was nicht zuletzt am gleichnamigen Musiksender und Serien wie Miami Vice lag. Tolle Szenerien in coolem Look (Motorrad/Landebahn, Barszene, Strandsequenz usw.) gesellten sich zu schnellen Schnitten. Allerdings funktionierte TOP GUN ebenso aufgrund des Soundtracks, der eine Reihe von Hits bereithielt: Ob nun der sehr gelungene Score von Harold Faltermeyer, welcher mich vor allem durch das Intro auf dem Flugzeugträger („Opening Theme“), die Trauerzeit Mavericks („Memories“) und dem von Steve Stevens (u.a. Gitarrist für Billy Idol, Michael Jackson) eingespielten „Top Gun Theme“ nachhaltig begeisterte. Daneben punkteten einige Chartbreaker wie „Danger Zone“ (Kenny Loggins), „Take my Breath Away“ (Berlin) neben Klassikern wie „Great Balls of Fire“ (Jerry Lee Lewis), „Sitting On The Dock of the Bay (Otis Redding) und dem tollen „You´ve Lost That Lovin Feeling“ der Righteous Brothers. Bryan Adams sollte ursprünglich den Titelsong beisteuern, sagte aber aufgrund der kriegsverherrlichenden Aussage des Films ab.

 

ACTION:

Im Gegensatz zu den fantastischen Flugszenen von „Top Gun: Maverick“, sind diese beim Original (natürlich) nicht ganz so beeindruckend anzuschauen. Für damalige Verhältnisse waren sie aber bereits sehr gelungen und mitreißend. Die viel zitierte MiG-28 war natürlich reine Fiktion und dennoch machen die Luftkämpfe in TOP GUN Spaß: Egal ob bei der Rettungsaktion am Anfang, während der Ausbildung oder dem packenden Finale im indischen Ozean. Dazwischen gibt es in Sachen Action nicht wirklich aufregendes zu sehen. Dort geht in erster Linie um coole Sprüche, tolle Körper, Balzrituale und Trauerbewältigung.

 

 

F A Z I T:

Diese Review habe ich bewusst mit Spoilerwarnung versehen, denn ich mußte auch einen kurzen Abstecher zur Fortsetzung machen. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal hörte, Cruise würde diese in Angriff nehmen, dachte ich: „Och nee, laß mal“. Schließlich verzögerte sich der Kinostart des bereits 2018 abgedrehten Films aufgrund der Corona-Pandemie bis zum Mai 2022, und doch saß ich am Ende bei der Preview-Vorstellung.

Während der Abspann lief dachte ich: „Naja, kann man mit leben, hätte aber nicht sein müssen“. Tolle Flugszenen gesellten sich zu einer mehr als konstruierten Story mit austauschbaren Milchbärten und, selbst für TOP GUN-Verhältnisse völlig deplatzierten Onelinern und flachen "Gags". Da konnte auch die fast identisch aussehende Eröffnungssequenz mit „gute Laune Gefühl“ nichts dran ändern. TOP GUN war ein Kind seiner Zeit und in dieser Welt der 80er Jahre hat er funktioniert. Im Jahr 2022 kann seine Fortsetzung nicht wirklich etwas Neues bieten, außer sich durch bahnbrechende Filmtechnik positiv abzuheben. Ein „Blade Runner“ wurde 1982 gedreht, spielte aber in einer fantastisch kreierten Ödnis der Zukunft, weshalb es Villeneuve nach langer Wartezeit mit „BR: 2049“ gelang, sowohl optisch als auch Storytechisch etwas Eigenes zu erschaffen.

Bei TOP GUN ist dies schon allein aufgrund des dürftigen Plots vom Original nicht möglich. Dessen Fortsetzung krankt daher an vielen Dingen, die dem Zeitgeist von heute geschuldet sind: Political Correctness, People of Color, platte Oneliner… Mit anderem Titel, Story und Figuren versehen, hätte diese Produktion ein wirkliches Brett werden können, aber leider hat man es sich leicht gemacht und sich eines Relikts einer längst vergangenen Epoche bedient. Nein, so gelungen ich die zahlreichen Luftkämpfe und Trainingsflüge auch fand – „Maverick“ war mit seiner Rahmenhandlung komplett überfordert und eine mehr als zähe Angelegenheit, die einfach nicht zu Potte kam, sich dafür aber ständig in der Vergangenheit suhlte (Rückblenden) um am Ende wieder mit Hochglanz im Sonnenuntergang Adieu zu sagen. Da wären für ein paar nette Nostalgiemomente und die Flugszenen bei mir nicht mehr als knappe fünf Punkte drin. Beim Original sind es da schon zwei mehr!  

Tony Scott hat 1985 einen wirklich fulminanten Actionfilm kreiert. So sehr dieser zwar ein ums andere Mal mit seinem Patriotismus nervt und durch den simplen Plot eher als reines Konsumprodukt anzusehen ist, kann ich mich dennoch bis heute an dem Vibe der Bilder und der passenden Musik ergötzen. Damals waren Männer noch Männer und merkwürdigerweise wirken selbst die Statisten in TOP GUN (u.a. Tim Robbins, Rick Rossovich) trotz ihrer Machosprüche wesentlich erwachsener und älter als die blassen Bubis aus der Fortsetzung. Dieser Film fiel ebenfalls durch auffällig wenig Frauenanteil aus, denn bis auf die wunderbare Kelly McGillis und den etwas peinlichen Auftritt von Meg Ryan sind hier eher glatzköpfige Vorgesetzte (James Tolkan) neben erfahrenen alten Hasen (Tom Skerritt, Michael Ironside) anzutreffen. Eine gute Figur macht der Film vor allem bei seiner MTV-Ästhetik, dem Schnitt sowie der passenden Hintergrundberieselung. Die Schauspieler haben zwar über weite Strecken ein mehr als undankbares Drehbuch, aber dennoch schaffen gerade sie es, so manch albernen Dialog nicht unfreiwillig komisch wirken zu lassen.    

Alles in allem ein Film der spaltet: entweder man liebt oder hasst ihn, dazwischen passt nicht viel...       

7/10
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Kommentare

31.05.2022 19:38 Uhr - ActionJackson77
1x
Rockig geschrieben der Text. Der Bewertung stimme ich auch zu. Ich bin auf den neuen Kinofilm gespannt.

01.06.2022 18:18 Uhr - Rullep
User-Level von Rullep 2
Erfahrungspunkte von Rullep 93
@ActionJackson77
Vielen Dank! Na dann viel Spaß und laß dich überraschen...

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