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Veganer schmecken besser - Erst Killen, Dann Grillen!

Originaltitel: Barbaque

Herstellungsland:Frankreich (2021)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Komödie
Alternativtitel:Some Like It Rare
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,20 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Sophie und Vincent führen seit zehn Jahren einen kleinen Metzgereibetrieb, der zuletzt aber alles andere als gut lief: Sie stehen kurz vor dem Ruin und auch ihre Ehe hat schon bessere Tage gesehen. Im Gegensatz dazu läuft es bei der Metzgerei-Kette ihrer vermeintlich besten Freunde bestens. Nonstop prahlen die beiden ungeniert damit, wie profitabel ihre Geschäfte laufen und werten mit schnippischen Bemerkungen Sophie und Vincent bei jeder sich bietenden Gelegenheit ab. Als der frustrierte Vincent versehentlich einen radikalen Veganer mit seinem Auto überfährt, scheint endgültig alles verloren. Panisch vor Angst, wegen Mordes ins Gefängnis zu müssen, kommt ihm spätabends die rettende Idee, den Toten einfach zu "verwursten". Schließlich ist er Metzger! Gesagt, getan. Dummerweise beginnt seine unwissende Frau Sophie tags darauf das Fleisch zu verkaufen – mit ungeahntem Erfolg. Jetzt brauchen die beiden dringend Nachschub ... erst Killen, dann Grillen! (Media Markt.de)

eine kritik von themoviestar:

Wie hätten Sie den gern ihr Steak? Englisch, medium oder durch oder einfach nur blutig? Oder sind Sie ein Veganer, der jegliche Art von tierischer Ernährung strickt ablehnt? Egal, zu welchem Klientel Sie sich hingezogen fühlen mögen, wenn Sie zum lachen nicht unbedingt in den Keller gehen, Sinn für pechschwarzen, skurillen Humor haben und auch Ihnen eine kleine Prise Fun Splatter den Tag nicht versaut, dann sind Sie bei der franözischen Horror Komödie Barbarque (2021), die in Deutschland den ulkigen Titel Veganer schmecken besser - Erst killen, dann grillen verpasst bekam, genau richtig. Wobei der Fokus eher auf Komödie als auf Horror liegt, denn der Film nimmt die Vorurteile und die Klischees zwischen beiden Fraktionen derart ironisch aufs Korn, dass dem gezeigten Blut und den abgetrennten Körperteilen jeglicher Schrecken genommen wird, was meiner Meinung nach schon fast des Guten ein bisschen zu viel ist. Ich hätte mir einen Tick mehr Düsterkeit gewünscht, aber auch so weiß der Film in befriedigendem bis ausreichendem Maße zu unterhalten, dass man den Streifen durchaus als kleine, bekömmliche, nicht schwer im Magen liegende Zwischenmahlzeit genießen kann.

Auf welche Ernährungsweise Regisseur und Hauptdarsteller Fabrice Eboué zurückgreift, der mit Vincent Solignac gemeinsam das Drehbuch verfasste, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die erste Skriptversion der beiden aus Veganersicht geschrieben war und Eboué sich damit unzufrieden zeigte, was dazu führte, dass er die Geschichte aus dem Blickwinkel eines Fleischliebhabers komplett neu gestaltete. Dreh und Angelpunkt des Plots sind die Eheleute Sophie (Marina Fois) und Vincent Pascal (Fabrice Eboué), die seit 20 Jahren eine kleine Metzgerei betreiben und mit ihrem Laden kurz vor dem Ruin stehen. Da auch ihre Ehe auf gut deutsch gesagt eigentlich nur noch auf dem Papier besteht, ist dicke Luft angesagt, vor allem wenn sie die Sticheleien ihrer beiden besten Freunde ertragen müssen, da es bei ihrem Fleischerei Großbetrieb angeblich bestens läuft. Das Blatt sollte sich jedoch wenden, als der vom Leben gefrustetete Vincent einen Veganer versehentlich mit dem Auto totfährt. Um nicht erwischt zu werden, verwurstet der gelernte Metzger die Leiche, während er das "Frischfleisch" im Lager aufbewahrt. Doch seine unwissende Frau verkauft das Erzeugnis am nächsten Tag an die Kunden, die vom Geschmack der neuen Sorte hellauf begeistert sind. Plötzlich fällt es Sophie und Vincent wie Schuppen von den Augen: Um ihr Lebenswerk und ihre Ehe zu retten, muss neues leckeres Veganerfleisch her, koste es, was es wolle...

Um eine kleine Warnung auszusprechen: Fabrice Eboué pfeift in Veganer schmecken besser auf die in der heutigen Zeit modern gewordene political correctness und zieht die Fehde Fleischfresser versus Pflanzenfresser mit bizarrstem Humor durch den Kakao, ohne an Tabus zu denken, während ihm auch kein Vorurteil bzw. keine Randgruppe zu schade ist, sich darüber lustig zu machen. Dabei artet der Klamauk aber nie in grenzenloser Blödelei aus, nein Eboué ist so clever, die Ironie augenzwinkernd, aber gleichzeitig auch pfurztrocken zu zelebrieren, so als wäre er davon überzeugt, dass alles tatsächlich der Realität entspricht. Einen großen Anteil, warum ihm wahrscheinlich trotz der einen oder anderen geschmacklosen Zote niemand böse sein dürfte, wäre das herrliche Schauspiel von ihm und Marina Fois, welche die Seitenhiebe auf das Veganertum und die Anspielungen bezüglich ihrer krieselnden Beziehung immer wieder geschickt und sympathisch mit herzerfrischender Situationskomik in ihre Darbietungen einbauen. Der Zuschauer wälzt sich zwar nicht unbedingt vor Lachen auf dem Boden, die Unterhaltung wirkt aber trotzdem seicht, erheiternd und charmant, vorausgesetzt, man kann sich mit dem speziellen Humor arrangieren und ist nicht schockiert, wenn alle Seiten schonungslos ihr Fett abbekommen.

Ein gewisser Horroranteil ist auch vorhanden, wenn das liebenswerte Duo, dessen Verhalten von Sophies Faible für Krimis und Massenmörder lustigerweise inspiriert wird, auf Veganerjagd geht und die Beute als Verkaufsschlager mit dem Slogan "Neues Fleisch aus dem Iran" vermarktet. Es werden Köpfe und Gliedmaßen abgetrennt. In einer Szene machen die beiden sogar mit einer Schrotflinte Jagd auf potenzielle Opfer, was mit zwei blutigen Bauchschüssen dokumentiert wird. Leider ist bei all der Ironie selbst der letzte Funke Ernsthaftigkeit vergessen worden, so dass Grusel oder Respekt vor dem Gezeigten quasi überhaupt nicht stattfindet und der Spagat zwischen wohldosiertem Splatter und beißender Ironie nicht immer gelingt. Hier verirrt sich Veganer schmecken besser in seiner humoristischen Ausrichtung und schafft es nicht, im richtigen Moment den Schalter umzulegen, was im übertragenen Sinne auch auf die FSK zutrifft: Die Spassbremsen hatten wohl keinen Sinn für Humor und straften den an sich harmlosen Veganer schmecken besser mit dem roten Flatschen ab.

So passiert es nicht von ungefähr, dass dem eigentlich unterhaltsamen Film irgendwann, wenn das Publikum sich an die Witze und Parodien gewöhnt hat, etwas die Puste ausgeht, was dazu führt, dass Veganer schmecken besser ein richtiger Showdown fehlt, beziehungsweise das Finale etwas dahingepfeffert und überhastet wirkt. Ein Gefühl von "hier wäre mehr drin gewesen" macht sich breit, auch wenn die knapp 90 Minuten wie im Schnelldurchlauf verfliegen und Langweile so gut wie keine entstehen will. So kurzweilig und erheiternd, wie der Streifen auch sein mag, ein paar richtige Höhepunkte habe zumindest ich bei meiner Erstsichtung vermisst. Nichtsdestotrotz überwiegt aber in summa summarum das Positive, denn Some Like it Rare, so ein Alternativtitel, schmeckt so gut, dass Fleischliebhaber und die persiflierten Veganer an einem Tisch sitzen können um gemeinsam über die Chose zu lachen. Guten Appetit. MovieStar Wertung: 6/10 Punkte.

 

6/10
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Kommentare

23.06.2022 19:01 Uhr - sonyericssohn
3x
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Der würd mich schon irgendwie interessieren. Aber dann doch wieder nicht. Es is ein Drama 😁 Na zumindest weiß ich jetzt auf was ich mich evtenuell einlassen müsste. Darauf ein Schdeg !

23.06.2022 21:44 Uhr - CheesyAK47
1x
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Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen. Cover, Titel und Inhaltsangabe reizten und schreckten mich irgendwie gleichermassen ab. Dank deiner Vorstellung weiss ich jetzt mehr und habe, glaube ich zumindest, eine gute Vorstellung von diesem Film. Thx

24.06.2022 11:07 Uhr - TheMovieStar
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@ Sony: Vielen Dank fürs Lesen und fürs Kommentieren: Da Du ja Komödien bekannterweise nicht so magst, weiß ich nicht, ob der Film dich ansprechen könnte. Vielleicht könnte dich aber der extrem schwarze Humor und der Horror/ Splatter Hintergrund packen. Ich würde sagen: Schau ihn dir an, denn Du hast nichts zu verlieren!

@CheesyAK47: Danke auch Dir fürs Lesen und fürs Kommentieren. Freut mich, wenn ich Dir einen guten Eindruck vom Film vermitteln konnte, genau das ist ja Sinn und Zweck einer ordentlichen Review! 😊

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