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Blutweihe

Originaltitel: The Initiation

Herstellungsland:USA (1984)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,85 (13 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Kelly Fairchild, die Tochter eines reichen Kaufhausbesitzers, wird seit ihrer Kindheit von einem schrecklichen Alptraum gequält, in dem ihr Vater von einem fremden Mann angegriffen wird. Beim Kampf kommt der Fremde mit dem Kaminfeuer in Berührung und wird zu einer schreienden, lebenden Fackel.

Als Collage-Studentin wird Kelly in eine Studentenverbindung aufgenommen, wenn sie die Weiheprüfung besteht. Sie soll mit anderen Aspirantinnen in den riesigen Gebäudekomplex des Kaufhauses ihres Vaters einbrechen und die Uniform eines Wachmanns stehlen.

Ein Psychologe, der Kelly wegen ihres Alptraums behandelt hatte, erkennt immer mehr Zusammenhänge zwischen ihrem Alptraum und ihrer Familie. Es wird ihm klar, dass Kellys Traum kein Hirngespinnst ist und dass sie in Lebensgefahr schwebt. Genau in dem Kaufhaus, in das die Mädchen eingebrochen sind... (HDMV DVD)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

Kaum ein Genre hat Anfang der glorreichen 80er so viele Subgenres und Variationen hervorgebracht und ist so tief in die Popkultur vorgedrungen wie der Slasher, der ja strengenommen selbst nur ein Subgenere des Horrors ist. Nach dem Überraschungserfolg von "Freitag der 13." gingen die Besucherzahlen der berüchtigten Schlitzer durch die Decke. Backwood-Slasher, Homeinvasion-Slasher, Party-Slasher, Horror-Slasher, Zombie-Slasher, Sorority-Slasher, es gab gefühlt nichts, wovor die meuchelnden und schlitzenden Maskenträger, übernatürlich oder ganz normale Psychos von nebenan, Halt machten. Im Ferienlager, auf dem Campus, in Kleinstädten oder sogar in Träumen wurde fröhlich gesoffen, gevögelt und gestorben, dass man schon mal schnell den Überblick verlieren konnte. Ein deswegen oft übersehener, aber eigentlich ganz gut geratener Sorority-Slasher ist "Blutweihe" aus dem Jahr 1984.

 

Kelly und ihre Verbindungsschwestern wollen ein nächtliches Einführungsritual für Studentinnen im Kaufhaus von Kellys Eltern durchführen. Ziel eines dazu erdachten Streichs ist es, dem Nachtwächter die Uniform zu stehlen, was sich allerdings als schwieriger herausstellt, als ursprünglich geplant, denn ein blutrünstiger Killer treibt sein Unwesen unter den, mitunter heißen und sexuell umtriebigen,Teens. Zu allem Überfluss wird Kelly auch noch von einem Kindheitstrauma eingeholt, das mit den Morden in Verbindung zu stehen scheint…

 

Das Drehbuch von TV Autor und Produzent Charles Pratt Jr. ("Melrose Place", "All my Children") weißt vordergründig natürlich klare Slasher-Strukturen auf, was den Aufbau und das Fortschreiten der Story eine eingegrenzte Marschrichtung vorgibt. Positiv fällt dabei ins Gewicht, dass hier der Fokus mehr auf Psychologie und Figurentiefe gelegt wird, was das Konstrukt nicht ganz so generisch und platt wirken lässt um einige Nuancen erweitert, die z.B. auch "Blood Rage" oder "Sleepaway Camp" aus der Masse haben hervorstechen lassen. Sympathische Charaktere die nicht einfach nur zum Abschlachten freigegeben werden, sondern dem Publikum ans Herz wachsen und es mitfiebern lässt, sind immer ein Gewinn für die Spannung und Atmosphäre eines solchen Schlitzers. Trotzdem gibt es auch die beinahe schon typischen Diskrepanzen zu bestaunen, mit denen sich das gesamte Subgenre ein Jahrzehnt lang herumschlagen musste. Vor allem im Mittelteil schleichen sich Längen ein, die Handlungen der Figuren sind nicht immer ganz logisch und natürlich folgt auf das behutsam aufgebaute und durchgehend thematisierte Trauma der Protagonistin auch hier eine große, aus dem Hut gezauberte, Überraschung, die trotz clever eingestreuter Hinweise über den ganzen Film hinweg und einem befriedigenden Finale am Ende doch noch zu viele Fragen offen lässt.

Hauptdarstellerin Daphne Zuniga ("Spaceballs", "Die Fliege II") als Kelly spielt  ganz niedlich, sympathisch und überzeugend. "Blutweihe" war zwar ihre erste Hauptrolle, bereits 2 Jahre zuvor sammelte sie aber schon in "Todestrauma" aka "The Dorm That Dripped Blood" (Empfehlung zum Review von Dissection78 geht raus) Slasher-Erfahrung. An ihrer Seite spielen Clu Gulager ("Die letzte Vorstellung", "Return of the Living Dead") als ihr Vater Dwight und Vera Miles ("Psycho", "Der falsche Mann") als ihre Mutter Frances. Diese beiden Schwergewichte dürften einen großen Teil des Budgets verschlungen haben, machen ihre Sache auch routiniert, sind allerdings kaum zu sehen. Des öfteren zu sehen sind dafür die Brüste von Hunter Tylo, hier unter dem Pseudonym Deborah Morehart ("Final Cut", "Melrose Place") die in der Rolle der Alison eine doch recht ordentliche und sympathische Leistung erbringen kann. Dasselbe gilt für James Read ("Blue Thunder", "Natürlich Blond") als Peter, der Kelly versucht zur Seite zu stehen und ein Kindheitstrauma zu überwinden, netter Kerl!

Inszenatorisch kann sich der tschechische Kameramann George Tirl ("The Deep Sleep of Death", "1918", "Die Ruhe vor dem Sturm") überwiegend ungehemmt auf dem Campus sowie in der stimmig hergerichteten Fairchild-Mall austoben und unter der Regie von Peter Crane ("Knight Rider", "Ein Colt für alle Fälle") ein paar dramaturgisch und visuell wirklich ansprechende Szenen einfangen. Unglücklicherweise wurde Crane aufgrund seiner langsamen Arbeitsweise nach 10 Drehtagen gefeuert und das Zepter ging an Larry Steward ("Der unglaubliche Hulk", "Die sieben Millionen Dollar Frau") über, dessen Stil eher auf unspektakulären TV-Niveau dahindümpelt. Besser gestaltet sich dagegen die Arbeit von Gabriel Black und Lance Ong, deren wabernder und unheimlicher Wave-Synth-Score wie eine unheilvolle Dunstglocke über dem Treiben hängt und obwohl "Blutweihe" der einzige Eintrag in der Filmografie der beiden Herrschaften blieb, kann man hier sehr zufrieden sein. Das gilt auch für die Morde, die zwar keinem Tom Savini das Wasser reichen können, aber trotzdem mit viel Blut, Gekröse und einer hübschen Variation von Mordwaffen, darunter ein Bogen und eine Harpune, überzeugen. Besonders der ausgewalzte Mord an Alison bleibt im Gedächtnis, über ein oder zwei budgetbedingte Offscreen-Ableben kann man da schonmal hinwegsehen.

"Blutweihe" kam im Frühling 1984 mit einem R-Rating ungekürzt in die amerikanischen Kinos. In Deutschland erschien der Film direkt auf VHS von Columbia welche nicht nur gekürzt war, sondern zu allem Überfluss 1985 auch noch indiziert wurde. 2007 Wurde Blutweihe dann wieder in die Freiheit entlassen und bekam 2009 ein erstes DVD-Release spendiert, welches unverständlicherweise aber immer noch dieselben Schnitte der Columbia VHS aufwies, ähnlich wie die BBFC18 Version aus Großbritannien. Erstmalige Abhilfe für den europäischen Markt schuf dann 2016 Arrow Video, die eine ungekürzte 2K Blu-Ray herausbrachten. Dieser folgte dann auch eine Mediabook-Variante in Deutschland, allerdings erst 6 Jahre später Anfang 2022.

 

Fazit:

Solider, einigermaßen spannender Nostalgietrip für Slasherfreunde der frühen 80er mit guten Schauspielern und stellenweise recht gelungener Inszenierung, welcher sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss und in den Momenten, in denen er zu Höchstform aufläuft, einige eindrucksvolle Szenen Zustande bringt. Das psychologische Konzept kann etwas überambitioniert wirken und auch sonst schleichen sich die genretypischen Kinderkrankheiten ein, was man als Fan aber verschmerzen können sollte. Wer Filme wie "Sleepaway Camp", "Blood Rage", "Slumber Party Massace" oder "The House on Sorority Row" mag, wird hier definitv auf seine Kosten kommen.

7/10 Punkte

7/10
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Kommentare

20.06.2022 09:42 Uhr - McGuinness
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Sehr ansprechend verfasste Review mit einer tollen Einleitung und obwohl mir dieser Titel rein gar nichts sagt, bin ich jetzt doch ziemlich neugierig geworden, zum einen auf die Atmosphäre und den erwähnten Wave - Synth - Score, zum anderen auf die sympathischen Charaktere und die Oberweite von Hunter Tylo 😋

Sehr gut finde ich auch deine Zusatzinformation bezüglich der Veröffentlichung 👍🏻 da ich nun weiß, worauf ich beim Kauf achten muss 😉

20.06.2022 10:04 Uhr - CheesyAK47
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Top Vorgestellt von dir und ich hab sogar was gelernt. Den Begriff Sorority-Slasher kannte ich bis jetzt garnicht. :)
Ich bin zwar großer Slasher-Fan aber ich glaub der Streifen ist kein muss....

20.06.2022 10:08 Uhr - leichenwurm
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Jau... den fand ich damals auf VHS schon immer ziemlich cool (und das trotz der, von dir ebenfalls erwähnten, Zensuren). Die Arrow Blu ist übrigens sehr zu empfehlen ! Sehr schön das du wieder regelmäßig am Schreiben bist, mein Lieber... ;-) .

20.06.2022 10:29 Uhr - Insanity667
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Guten Morgen Ihr drei! Wow, Turbofeedback! Vielen Dank!

@McGuinness
Es gibt sicherlich mehr Slasher mit mehr Wave-Synth und Oberweiten, allerdings schadet es nicht, hier mal reinzuschauen, die Arrow VÖ ist recht preiswert und hat gutes Bonusmaterial! ;)

@CheesyAK47
Sorority-Slasher, Studenten-Slasher, Dorm-Slasher irgendwie sowas halt, da gibt es so viele... :)))
Und nein, kein Muss, aber auch nicht wirklich verkehrt, wenn einem die üblichen Verdächtigen ausgehen! ;)

@leichenwurm
Ja, macht schon Spaß, wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben, danke für Deinen Zuspruch! Erwähnenswert wäre in dem Zusammenhang vielleicht noch einmal (!), dass die 2009er DVD auf dem Columbia-Tape basiert und trotz "ungeprüft" Vermarktung NICHT "ungekürzt" ist. Und das ist schade, da eine der besten und heftigsten Szenen fehlt und wirklich erst 2016 auf der Arrow-Scheibe zu sehen ist.

PS: Die Werbung mitten auf der Seite nervt, ich sehe nicht, was ich schreibe! :(

20.06.2022 16:24 Uhr - TheMovieStar
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Eine wirklich sehr interessante Vorstellung mit einer tollen Einleitung! Der Film könnte was für mich sein, habe ihn bisher noch nicht gesehen. Für einen Oldschool Slasher bin ich immer zu haben!

20.06.2022 17:05 Uhr - Dissection78
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Frechheit! Ich hab doch dazu bereits was geschrieben!

Aber ja, das ist schon einer der besseren Slasher der 80er. Zustimmung. Bei den von Dir erwähnten Vergleichsbeispielen "Sleepaway Camp", "Blood Rage", "Slumber Party Massacre" und "The House on Sorority Row" (der ist doch bestimmt gemeint?) gehe ich ebenfalls mit, wobei "The House on Sorority Row" hier mein Favorit ist. Und "The Dorm That Dripped Blood" ist zwar teilweise echt fies und durchaus atmosphärisch, aber der hat ja auch richtig fette Mängel. Den fand ich deshalb schlussendlich eher durchschnittlich. Allerdings Ewigkeiten nicht gesehen. Besten Dank für die Nennung, Initianity ;)

20.06.2022 18:24 Uhr - Insanity667
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Danke, danke! :)

@MovieStar
Ich glaube, mit dem kannst Du nichts verkehrt machen! :)

20.06.2022 17:05 Uhr schrieb Dissection78
Frechheit! Ich hab doch dazu bereits was geschrieben!


Bitte nicht in den Keller, bitte bitte... da ist es kalt und dunkel und müffelt nach ollen abgeleiherten VHS Kassetten... :(

Ja, ich meinte "The House on Sorority Row" ;) Hab den Titel irgendwie verwurschtelt. Und ich stimme Dir zu, dass dieser qualitativ und vom Unterhaltungswert her die Nase vorn hat.
Wobei "Blood Rage", der einfach nur wüstester, wildester Trash ist, bei mir auch nicht weit hinten anstehen muss, den finde ich wirklich geil! ;)

Hey, ich meine, der Typ war so sauer, dass er eine Frau mit einem Machetenschwung durchgehackt hat...
Da ist selbst Jason im Kino das Glubschauge rausgeflogen, garantiert! ;)

"It's not Cranberry Sauce Dissection, no... it's not Cranberry Sauce..." :))))

20.06.2022 23:14 Uhr - Intofilms
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So sehe ich den Film auch. Es gibt viel schlechtere Slasher und 7 Punkte sind völlig in Ordnung. Wie immer hervorragend geschrieben! ;)

21.06.2022 14:51 Uhr - cecil b
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Wieder ein Leckerbissen von Review!

Ich habe schon vor vielen Jahren geschrieben, dass ich den mal gucken könnte. ;)

22.06.2022 22:41 Uhr - Insanity667
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Danke Euch beiden! :)

@Intofilms
Ja die gibt es, und einer davon ist demnächst auch dran! ;)

@cecil
Na dann wird es ja langsam mal Zeit! :)

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