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Ausnahmezustand

Originaltitel: The Siege

Herstellungsland:USA (1998)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Against All Enemies
Couvre Feu
Martial Law
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,43 (14 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Terroranschläge erschüttern New York. Doch trotz größter Anstrengungen, die Hintermänner zu ermitteln, tappen FBI-Agent Anthony Hubbard (Denzel Washington) und sein Partner Frank Haddad (Tony Shalhoub) völlig im Dunkeln. Auch die mysteriöse CIA-Agentin Elise Kraft (Annette Bening), die regelmäßig an den Tatorten auftaucht, will nicht kooperieren. Erst als Hubbards Männer den Arabistik-Dozenten Samir Nazhde (Sami Bouajila) zweifelsfrei als Mitwisser der Anschläge überführen, lenkt Elise ein: Samir sei ein verdeckter CIA-Ermittler, zusammen seien sie vier terroristischen Untergrundorganisationen auf der Spur, die einen fundamentalistischen Scheich aus dem Gewahrsam der US-Army freipressen wollen. General William Devereaux (Bruce Willis) bezichtigt Elise jedoch der Lüge und behauptet, sie sei eine Sympathisantin des palästinensischen Befreiungskampfes und als solche unglaubwürdig. Und dann geschieht das Unfassbare: Ein arabisches Selbstmord-Kommando sprengt das FBI-Gebäude in die Luft. 600 Menschen sterben, die Bevölkerung wird von Panik erfasst und der US-Präsident verhängt das Kriegsrecht über ganz New York City. Devereaux läuft zur Höchstform auf, alle demokratischen Grundsätze sind außer Kraft gesetzt... (20th Century Fox)

eine kritik von mcguinness:

" Man hetzt einen tollwütigen Hund nicht mit Tierschutzbestimmungen, sondern man hetzt seinen eigenen Hund auf ihn, der gemeiner und noch bissiger ist " 

 

 

Als am 11. September 2001 der Terror die USA erreichte, als in New York das World Trade Center brannte und in Virginia das Pentagon, als in wenigen Stunden fast 3000 Menschen starben, da war klar, dass Amerika sich verändert hatte. Nichts werde nach diesem Tag des Terrors jemals wieder so sein wie zuvor. Wie sollte ein Land, dem so eine entsetzliche Wunde zugefügt wurde, auch je zur Normalität zurückkehren ?! Der 11. September hat den USA ihre Verwundbarkeit vor Augen geführt und das Land hat darauf mit einer massiven Aufrüstung des gesamten staatlichen Sicherheitsapparats reagiert, vom Militär über die Geheimdienste bis hin zu lokalen Polizeibehörden. Terrorabwehr und nationale Sicherheit wurden auch zu Schlagworten, um politische Entscheidungen und Handlungen zu rechtfertigen, die bis zum 11. September 2001 als inakzeptabel oder sogar als illegal gegolten hätten. So führte der Sicherheitswahn zu großflächigen Überwachungsaktionen durch die National Security Agency (NSA) und er führte hinunter in die Folterkammern, welche die Central Intelligence Agency (CIA) in Guantanamo und in anderen Ländern einrichtete. Amerika, das Land der Freiheit und der Bürgerrechte, verlor in diesen Jahren ein Teil seiner Seele.

Regisseur Edward Zwick, der zuvor u. a. für die Werke " Glory " (1989) oder " Legenden der Leidenschaft " (1994) verantwortlich zeichnet, erschuf mit seinem nur drei Jahre vor den Anschlägen vom 11. September 2001 entstandenen Film " Ausnahmezustand " (1998) ein Werk, welches erschreckende Parallelen zu den späteren Auswirkungen nach 9/11 aufzeigt und gerade unter heutigen Gesichtspunkten dadurch umso authentischer, erschreckender und fesselnder wirkt als noch zu seiner Entstehungszeit.

Inhaltlich geht es dabei kurz gesagt um terroristische Anschläge in New York City, welche von arabischstämmigen Selbstmordattentätern begangen werden, in dessen Folge der Ausnahmezustand bzw. das Kriegsrecht über die Stadt verhängt wird. Arabisch aussehende Menschen werden vom Militär, unter der Leitung des befehlshabenden Generals Devereaux, festgenommen und in Lagern interniert, wo diese verhört und gefoltert werden. Als sein Gegenspieler tritt der FBI - Agent Hubbard auf, der ebenfalls die noch nicht gefundenen terroristischen Zellen aufspüren will, jedoch nicht zum Preis von Folter, Mord und dem außer kraft setzen der Bürgerrechte.

Denzel Washington, gesehen in " Ricochet - Der Aufprall " (1991) oder " Philadelphia " (1993), spielt hier besagten FBI - Agenten Anthony Hubbard, ein Mann des Gesetzes, der an Recht und Ordnung glaubt, sich zunehmender Gefahr durch terroristische Aktivitäten allerdings seiner eigenen Machtlosigkeit und die seiner Behörde bewusst wird. Hubbard behält gern den Überblick und vor allem die Zügel in der Hand, daher passt es ihm überhaupt nicht, dass sich eine Frau namens Elise Kraft, welche vorgibt vom Nationalen Sicherheitsrat zu sein, in seine Ermittlungen einmischt.

Diese wird von Annette Bening dargestellt, bekannt aus " Perfect Love Affair " (1994) und " Mars Attacks ! " (1996), die ein doppeltes Spiel spielt, Informationen zurückhält und nie mehr preisgibt als nötig. Dennoch ist sie gezwungen mit Hubbard zusammen zu arbeiten, da beide Parteien Informationen besitzen, die für den jeweils anderen äußerst relevant sind. Als es jedoch zu weiteren Anschlägen kommt und die Army in der Stadt Position bezieht, sieht sich Elise zunehmend in die Ecke gedrängt, zum einen von Hubbard, der ihr weiterhin misstraut, zum anderen von General William Devereaux, der seinen eisernen Griff um die Stadt, insbesondere um den Stadtteil Brooklyn, immer enger legt.

Wir alle kennen und lieben Bruce Willis für unvergessliche Klassiker wie " Stirb Langsam " (1988) oder etwa " Last Boy Scout - Das Ziel ist Überleben " (1991), doch in der Rolle des Generals Devereaux streift dieser das Image des strahlenden Helden einmal ab und zieht den Zorn und die Abscheu des Zuschauers auf sich. Da die Army nun in der Stadt die Macht hat, da das Kriegsrecht ausgerufen wurde, sieht sich Devereaux an keinerlei Konventionen mehr gebunden und lässt in der Folge nicht nur alle arabischstämmig aussehenden Menschen und Muslime verhaften, sondern diese zudem noch in Lager internieren, ohne Gerichtsverhandlung und ohne Prozess, in denen gnadenlos verhört und gefoltert wird.

Dabei weiß " Ausnahmezustand " auch ohne das Wissen um die Anschläge vom 11. September 2001 von Anfang an zu fesseln und die Spannungskurve stetig nach oben zu treiben. So ist beispielsweise die Sprengung eines Busses mit Geiseln oder aber der anschließende Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos in einem Unterschlupf einer terroristischen Zelle überaus eindrucksvoll in Szene gesetzt worden und kann den geneigten Actionfreund mit einem angenehm elektrisierenden Impuls erreichen. Hier zeigt sich auch das als hervorragend zu bezeichnende Zusammenspiel von Kameramann Roger Deakins (Air America - 1990 oder Die Verurteilten - 1994), dem Editor Steven Rosenblum (Braveheart - 1995 und Mut zur Wahrheit - 1996) und dem Score des neuseeländischen Komponisten Graeme Revell (Harte Ziele - 1993 oder aber Tank Girl - 1995), deren Einsatz zusammengenommen für atemlose Spannung und Nervenkitzel sorgen, ohne das zu irgendeinem Zeitpunkt unnötige Längen oder gar Langeweile aufkommt.

Wem kann man noch trauen, wer missbraucht seine Macht und ist es richtig zum Schutz vieler die Folter eines einzigen zu legitimieren ? Mit derlei Fragen sieht sich der Zuschauer unentwegt konfrontiert und kommt letzten Endes gar nicht drum herum hier Stellung zu beziehen, gerade unter dem Aspekt geschehener Ereignisse der jüngsten Vergangenheit.

Mit " Ausnahmezustand " ist Regisseur Edward Zwick jedenfalls ein ziemlich beeindruckender und erschreckend authentischer Film gelungen, dessen Mechanismen zur Aussetzung der freiheitlichen Grundrechte nur wenige Jahre später greifen sollten und gerade vor dem geschichtspolitischen Hintergrund der jüngsten Vergangenheit das Gesehene umso intensiver nachwirken lässt. 

Das tragischste Erbe des 11. September werden die Kriege bleiben, in die die USA gezogen sind - aus Angst und Rachsucht, vielleicht auch aus der naiven Überzeugung heraus, man könne den Terrorismus mit Bomben und Invasionen besiegen. Diese Kriege haben im Irak und in Afghanistan, aber auch in zig anderen Ländern rund um die Welt, Zehntausende Menschen das Leben gekostet. Vermutlich waren nur sehr wenige dieser Opfer tatsächlich Terroristen. Was bleibt, ist die zertrümmerte Seele Amerikas. 

9/10
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Kommentare

19.06.2022 16:08 Uhr - cecil b
1x
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Du hast angenehm straight to the Point den Film und seine bedeutende reale Thematik in Verbindung gebracht.

Liegt im positiven Sinne schon schwer im Magen, deine tolle Review zu lesen. Hut ab!

19.06.2022 16:24 Uhr - McGuinness
1x
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@cecil b

Die obige Inhaltsangabe gibt ja schon einiges preis und noch mehr wollte ich jetzt nicht verraten, damit sich Interessierte den Film auch noch anschauen möchten.

Ich freue mich sehr über dein Lob 🤗 und es ist immer wieder schön, wenn ich mit einer Review einen Leser begeistern kann.

19.06.2022 18:39 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Du hast vollkommen Recht, eine gute Entscheidung, finde ich!

Es gelingt dir mit jeder Review, Leser zu begeistern. Da bin ich mir sicher.

19.06.2022 22:03 Uhr - Lukas
1x
Sehr schöne Review zu einem Film, der mir auch echt gut gefallen hat, nur das pathetisch aufgeblasene Ende hat leider genervt.

20.06.2022 05:06 Uhr - McGuinness
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@Lukas

Danke für dein Lob und schön das wir den Film beide ziemlich mögen 😉

20.06.2022 05:23 Uhr - Insanity667
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Den fand ich auch echt spannend und ordentlich gemacht! Irgendwie auch unheimlich, wie weit Einzelne in so einem Fall bereit sind, zu gehen...

Tolle Vorstellung von Dir! :)))

20.06.2022 07:21 Uhr - McGuinness
DB-Co-Admin
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@Insanity667

Extreme Situationen schreien oftmals nach extremen Maßnahmen und die Grenzen zwischen Recht und Moral verschwinden zunehmend.

Danke sehr für dein Feedback 😉

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