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Bloodparty

Originaltitel: Home Sweet Home

Herstellungsland:USA (1981)
Genre:Horror
Alternativtitel:Slasher in the House
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Es ist Thanksgiving und während überall der Festtagstruthahn zubereitet wird, flieht aus dem Hobart-Sanatorium der muskelbepackte Psychopath Jay Jones (Jake Steinfeld), der seinerzeit seine Eltern umgebracht hat. Rücksichtslos und brutal besorgt er sich ein Gefährt und flieht aus der Stadt, um in einer eher abgelegenen Gegend schließlich auf das Haus der Bradleys zu treffen, die ebenfalls gerade mit Freunden auf einen ausgelassenen Erntedank zusteuern. Schon bald meuchelt Jay auch hier die Bewohner und Besucher nieder, kann aber selbst kaum gestoppt werden, weil er sich zusätzlich noch PCP gespritzt hat, das seine Schmerzwahrnehmung praktisch aufgehoben hat.. (Maritim Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

Als Regisseur verdingte sich Don Edmonds in den 70er Jahren Low-Budget-Hits wie "Action Man – Ein Mann, ein Kämpfer", "Ilsa: She Wolf of the SS" oder "Wilder Honig". Da ihm auf diesem Feld aber offensichtlich langfristig nicht der gewünschte Erfolg zuteil wurde, versuchte er sich ab Ende der 1970er Jahre zusätzlich als Produzent ebensolcher Streifen. "Ilsa – Haremswächterin des Ölscheichs" oder "Rächer der Nacht" waren zwar auch keine Kassenschlager für die Bewerbungsmappe, aber irgendwie landete Edmonds 1992 trotzdem in der Position des Co-Produzenten zu "True Romance" (!). Irgendwo dazwischen, genauer gesagt 1981, ist ihm dann "Home Sweet Home" aka "Bloodparty" passiert, ein lässiger Beitrag zum Slasherkino, welches zu dieser Zeit aus allen Nähten platzte. Als Regisseurin dafür fand sich Nettie Peña, ihre einzigen Arbeiten in der Branche der bewegten Bilder blieben, vor und nach diesem Schluckauf, nur die Aufnahme des legendären "The Doors" Konzertes im ikonischen London Fog, der Schnitt bei "Dracula Sucks", eine Pornoparodie aus den 70er Jahren und die Produktion von "They are not Green", eine Anti-Windkraft Dokumentation über Windräder von 2009. Herzlichen Glückwunsch!

 

Der aus der Psychiatrie entflohene Mörder Jay Jones kapert auf seiner Flucht ein Fahrzeug und gelangt zu einer abgelegenen Farm, auf der sich die Familie Bradley mit ihren Kindern und ein paar Freunden auf das Thanksgiving Dinner freut. Diese Freude trübt aber ein plötzlicher Stromausfall und ein paar unschöne Morde…

 

Drehbuchautor Thomas Bush ("Es kam aus der Tiefe"), der eigentlich gar kein Autor ist, konstruiert seine Geschichte hier um den typischen Slasherkorpus herum. Psychopath büchst aus der Anstalt aus und meuchelt Pappnasen, die auf einer abgelegenen Farm sinnlose Dialoge herunterleiern bis sie dran sind. Diesmal zu einer sexlosen, prüden Thanksgivingfeier der amerikanischen Mittelschicht-Familie Bradley. Wenn Jay Jones in den ersten 5 Minuten mit seinen Wurstfingern einen arglosen Motoristen erwürgt, der ihm ein kühles Bier anbietet, und anschließend mit dessen Auto eine Oma breitfährt und sich darüber kaputtlacht, weiß man schon, ob man weiterschaut, oder ob man lieber abschaltet und eine etwas suffizientere Beschäftigung findet. Wenn man sich fürs Weiterschauen entschieden hat, bekommt man einen doch recht soliden Slasher mit standardmäßig dämlichen Charakteren, nervigen Kinderdarstellern und einem völlig überdrehten Killer, der auch ein Opfer mittels einer Motorhaube und einem Slamdunk zur Strecke bringt und bis zum blutrünstigen Finale in schöner Regelmäßigkeit schreiend aus dunklen Ecken springt. Lächerlich, übertrieben, unlogisch, hölzern aber dennoch irgendwie interessant, sympathisch und spannend. Komische Sache…

Die Schauspieler und deren Leistungen sind fast nicht der Rede wert. Vor allen anderen sticht Muskelprotz Jake Steinfeld heraus, der eine total überdrehte Performance als schreiender und lachender Psycho abliefert. Wenn man den netten Herren heute nach seiner Rolle in diesem Murks fragt, bekommt man wahrscheinlich keine Antwort, oder eine geklatscht, oder beides. Interessant an Steinfeld ist, dass er nach dem Film eine Karriere als Personal Trainer startete, u.a. für Harrison Ford in den "Indiana Jones"-Fortsetzungen "Temple of Doom" und "The last Crusade", und eine eigene Sitcom namens "Big Brother Jake" bekam, in der er Waisenkinder hütet. Außerdem war er der Taxifahrer in "Der Prinz aus Zamunda", der Eddie Murphy am Flughafen abholt. Der nächste Name auf der Liste, der nach der "Bloodparty" nicht komplett in Vergessenheit geraten sollte, ist Vinessa Shaw ("Hocus Pocus", "Eyes Wide Shut") die hier aber eine Fünfjährige spielt und somit eigentlich auch keiner Bewertung standhält. Dies gilt aber nicht für ihren Bruder, gespielt von Peter de Paula ("Wonder Woman") der eigentlich ausgebildeter Magier ist. Hier spielt er einen Teenager mit dem Namen Fehler bzw. Mistake, der sich mit Kiss-Army-Makeup im Gesicht einen Verstärker auf den Rücken geschnallt hat und beinahe den ganzen Film seine Dialoge und Emotionen mit einer E-Gitarre ausdrückt. Ja, richtig gelesen! Allein wegen diesem Zirkus bleibt jetzt auch kaum noch Platz für Don Edmonds selbst als cholerisches Familienoberhaupt und Charles Hoyes, deren Charaktere ständig Bier saufen wollen , über irgendwelche Wetten und Geschäfte labern und Benzin klauen… Auch die Damen der Schöpfung haben nicht viel beizutragen, im wahrsten Sinne des Wortes. Lisa Rodríguez  als Maria bewegt zwar ihre Lippen, da sie jedoch des Englischen nicht mächtig zu sein scheint, lässt sie die schludrige Nachsynchronisierung außen vor.

Die Inszenierung im schnöden 4:3 auf grisseligem 16mm Film bewegt sich hier auf gehobenen TV-Niveau. Manchmal sieht "Home Sweet Home" aus, wie eine Folge "Die Straßen von San Francisco". Kameramann Don Stern ("Evils of the Night", "Creature") schafft es leider nur in wenigen Momenten, mit seiner Bildsprache Spannung zu erzeugen. Die meiste Zeit werden statische Kameraeinstellungen präsentiert, selten kommt dabei was überdurchschnittliches heraus, meistens ist es dunkel wie im Bärenarsch. Auf den Punkt bringen es zwei Protagonistinnen: "Sieht ganz anders aus als tagsüber!" Richtig, denn das Bild ist pechschwarz. Ein wenig besser ist das Machwerk in Sachen blutige Schauwete aufgestellt, Jay Jones macht hier nämlich keine Gefangenen und der rote Lebenssaft fließt von Anfang bis Ende kontinuierlich. Eine Kontinuität der anderen Art ist auch beim Score von Richard Tufo ("Claudine", "Goodnight", "Rache um jeden Preis") auszumachen. Seinen - vermutlich aus Archivmaterial zusammengebastelten - übertriebenen Hit-Sampler "Best of Slasher '81" hat man gefühlt schon tausendmal gehört, trotzdem penetriert er mit schrillem Getöse unnötig und dauerhaft das Trommelfell, obendrauf gibt es dann noch das schiefe Gitarrengewitter von Mistake. Entspannung bringen da nur zwischenzeitlich die Fuchs-, Dachs- und Vogelgeräusche aus der Konserve…

"Home Sweet Home"  lief 1981 in nur wenigen Kinos in den USA mit einem R-Rating und wurde von dort direkt in die Videotheken verfrachtet. In Deutschland erschien er ungeprüft erst 5 Jahre später direkt auf VHS unter dem Titel "Bloodparty" von Rainbow und wanderte auch noch im selben Jahr auf den Index. Nach den 25 Jahren Haft wurde er 2011 wieder entlassen und mit einer FSK 18 Freigabe von Maritim Pictures 2015 auf DVD veröffentlicht. 2020 folgte noch ein DVD-Mediabook von WMM, eine HD-Version existiert nicht.

 

Fazit:

Ein erschreckend billiger, aber irgendwie doch solider und unterhaltsamer Trasher, der trotz all seiner Probleme bezüglich der Inszenierung und der Charaktere, einiges zu bieten hat... außer Brüste. Einen abgefuckten Killer, strunzdumme Opfer, asynchrone Lippenbewegungen, gitarrenschreddernde Kiss-Pantomimen die Zaubertricks vorführen und jede Menge Blut wiegen eine Menge wieder auf! Wenn man sich also mal ordentlich über Logiklöcher und Kartoffelacting kaputtlachen möchte, kann man bedenkenlos auf diesen frühen 80er Slasher zurückgreifen, der so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist!

6/10 Punkte

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Kommentare

23.06.2022 11:59 Uhr - leichenwurm
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Pah... na das liest sich doch irgendwie sehr spaßig. Und jetzt will ich unbedingt sehen, wie man jemanden zu Tode Slamdunken kann :-)) ! Ausserdem: "... der sich mit Kiss-Army-Makeup im Gesicht einen Verstärker auf den Rücken geschnallt hat und beinahe den ganzen Film seine Dialoge und Emotionen mit einer Gitarre ausdrückt"... WTF !? Will ich unbedingt sehen... :-))) ! Danke für den sehr unterhaltsam vorgestellten Tipp ;-) !

23.06.2022 16:24 Uhr - TheMovieStar
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Wie gewohnt bärenstark geschrieben und sehr aufschlussreich deine Kritik, insanity. Der Film hört sich trotz vieler Kritikpunkte interessant an! Und ja, es gibt auch Filme, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind und wenn diese dann meinen Nerv treffen, könnten die was für mich sein !

Danke für den Tipp!

23.06.2022 17:13 Uhr - dicker Hund
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Spaßig geschriebene Kritik. Angesichts der vielen Mängel bleibe ich aber wohl lieber bei meiner niveauvollen Ilsa-Box. Der Trilogie kann man sicher auch vieles vorwerfen, aber zumindest keinen Mangel an Brüsten.
;-))

23.06.2022 18:39 Uhr - Intofilms
1x
Ich habe schon genug gesündigt in den letzten Wochen und so muss ich mich hier vorerst zurückhalten. Meine Neugier und Abenteuerlust hast du aber geweckt. Eine geradezu absurd fundierte, äußerst unterhaltsame Review zu einem offenbar nicht sehr guten Slasher, der so viel Zuwendung vielleicht gar nicht verdient hat. Mir gefällt das natürlich! 😁

24.06.2022 02:00 Uhr - Dissection78
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Glückwunsch! Ich komme bei den ganzen Horror-, Todes-, Killer- und Murder Partys vielleicht ab und an mal durcheinander, doch hier weiß ich ganz genau, dass ich "Bloodparty" noch nie gesehen habe. Ungewöhnlich für einen 80er-Slasher, doch bei den mindestens tausenddrölfzig Filmen dieser Sparte passiert sowas schon mal. Den Titel kenne ich allerdings aus des SB-Forums 'Gurkenslasher'-Thread. Da wurde er qualitativ ähnlich wie von Dir eingeordnet. Hatte zwischenzeitlich komplett vergessen, dass ich die Blutparty mal antesten wollte. Manche der mir unbekannten Gurkenschlitzer hören sich nämlich ziemlich cool an. Offenbar ist das ja eine Stalk'n'Slash-Festtagsschlachterei, die zu Thanksgiving stattfindet.

Und wie klein Vinessa Shaw schauspielerisch anscheinend mal angefangen hat. Ich kenne sie hauptsächlich als junge Mutter aus Alexandre Ajas "The Hills Have Eyes"-Remake ;)

24.06.2022 07:11 Uhr - Insanity667
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Danke liebe Leute für das Feedback! :)

@leichenwurm
Ja, das muss man sehen, sonst glaubt man es nicht... Nerviger kleiner Scheißer mit seiner dämlichen Gitarre... ;) Ich bin mir sehr sicher, dass Du mit dem was anfangen kannst. Da Du ja auch "The Mutilator" schätzt und ich denke mal auch "Blood Rage" (ebenfalls Thanksgiving) nicht abgeneigt bist, kannst Du hier wohl nix verkehrt machen.

@MovieStar
Manchmal sind schlechte Filme auch gerade deswegen gut, ja! Der hier ist ein tolles Beispiel, muss man aber mögen. ;)

@dicker Hund
Ja, der Mangel an Brüsten ist ein klares Gegenargument, da gebe ich Dir vollkommen recht! Ich war auch ein bisschen enttäuscht, hat aber trotzdem Spaß gemacht. :) Nächstes mal guck ich aber auch lieber wieder "Ilsa" & Co. :))) Es ist eben immer ein Gewinn, mindestens die typischen, wenn auch primitiven, Klischees an meheren Fronten mit an Bord zu haben, wenn man schon nur ein C-Movie zustande bringt.

@Intofilms
Diese kleinen miesen Gurken brauchen halt auch Liebe. Und alleine dass Ihr die Review lest und Spaß hattet, war die Arbeit wert. Ob nun jemand den Film guckt oder nicht... ;)

@Dissection
Ich bin einigermaßen schockiert! Mein langjährigstererer Slasher- und Schlitzer-Mitstreiter für den schlechten Geschmack, und dem Spaß daran, kennt diesen üblen Schund nicht? :D
Nee, Du hast vollkommen recht, bei der Masse an Filmen, die da alleine von 80 bis 84 rausgerotzt wurden, kann man einfach nicht alle kennen. Soviel Festplattenspeicher hat der Mensch gar nicht... :)
Dafür muss man schon Christian Keßler heißen und eine blutige Nudel haben, oder so...

Ich werde auch noch regelmäßig überrascht, was ja irgendwie cool ist. :D

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