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Tattoo - Rette Deine Haut

Originaltitel: Tattoo

Herstellungsland:Deutschland (2002)
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Marc Schrader, frischgebackener Absolvent der Polizeischule, und der eigenwillige Hauptkommissar Minks stehen vor einem mysteriösen Fall. Die bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche einer jungen Frau führt die Ermittler auf die Spur einer Reihe weiterer Mordfälle. Alle Opfer haben eins gemein: Ihnen wurden große Stücke der Haut abgezogen. Bei ihren Nachforschungen geraten Marc und Minks immer tiefer in einen Strudel brutaler Gewalt und perverser Obsessionen, der sie zu verschlingen droht. Ihre grausigen Entdeckungen übersteigen jede menschliche Vorstellungskraft.
(universumfilm.de)

eine kritik von mcguinness:

" Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Statt Abstand zu schaffen zwischen uns, dem zivilisierten und dem primitiven, wird es reizvoll, das Primitive, das in uns allen schlummert, wieder zu erwecken. Einige erfolgreicher als andere "

 

 

Irezumi, was wörtlich übersetzt " Tinte einbringen " bedeutet, ist bis heute die gängigste Bezeichnung für Tattoos in Japan. Diese bedecken einen Teil oder den ganzen Körper mit Formen und Strichen, die eine bestimmte Bedeutung haben und können am Arm, am Rücken, auf der Brust oder an anderen Körperstellen liegen. Die traditionellen japanischen Tattoos wurden von den ersten Einwohnern Japans, den Ainu, eingeführt. Fischer, Jäger und Handwerker tätowierten sich, um sich vor bösen Geistern zu beschützen aber auch aus ästhetischen und sozialen Gründen. Tattoos sind in Japan seit tausenden von Jahren Teil der Kultur, wobei ab dem fünften Jahrhundert Tätowierungen auch zur Brandmarkung von Kriminellen genutzt wurden, wodurch so der Eindruck entstand, dass Kriminalität und Tattoos zusammengehören und auch wenn sich die japanische Welt mittlerweile dem Westen gegenüber geöffnet hat und eine freiere geworden ist, so bleibt das Stigma dennoch vielerorts, vor allem aber in den Köpfen vieler Japaner, bestehen, weshalb in den meisten öffentlichen Bädern und Fitnessstudios der Zutritt nicht gestattet ist, wenn man Tattoos trägt.

Regisseur Robert Schwentke, der hier auch das Drehbuch verfasste und später noch auf dem Regiestuhl für Titel wie " R. E. D. - Älter, Härter, Besser " (2010) oder " Der Hauptmann " (2017), Platz nehmen wird, präsentierte im Jahre 2002 mit " Tattoo " einen deutschen Thriller, in dem es inhaltlich um die Jagd auf einen Serienmörder geht, der sich der Tätowierungen seiner Opfer bemächtigt und diese vorzugsweise großflächig aus Rücken und Brust herausschneidet. Auf diesen Fall angesetzt werden dabei der frischgebackene junge Ermittler Marc Schrader und der alt - erfahrene Kommissar Minsk.

August Diehl, der mir zuvor schon in " 23 - Nichts ist so wie es scheint " (1998) und " Love the Hard Way " (2001) ziemlich gut gefallen hat, verkörpert hier besagten Ermittler Schrader, der sich vor allen Dingen in der Party - und Drogenszene nicht nur gut auszukennen scheint, sondern sich in dieser auch ein Stück beheimatet fühlt, weshalb es wenig verwunderlich erscheint, dass dieser seine Abschlussprüfung an der Polizeischule nur mit Ach und Krach geschafft hat. Schrader ist eine große und schmale Person mit wachen Augen und durch sein beinahe schon jugendliches Auftreten mit besonnener Art kaum als Ermittler auszumachen, ein Umstand, den sich vor allem der alte Hase im Geschäft namens Minsk zu nutze machen will.

Dieser wird von Christian Redl gespielt, gesehen beispielsweise in " Der Hammermörder " (1990) oder aber " St. Pauli Nacht " (1999), der hier eher das komplette Gegenteil von Schrader ist; schnell aufbrausend im Dialog, dennoch erfahren genug, um stets bedacht und analytisch vorzugehen, jedoch geplagt von inneren Dämonen und der Suche nach seiner verschwundenen jugendlichen Tochter.

Ein Erpressungsversuch seitens Minsk an Schrader führt die beiden angehenden Ermittler zusammen, wobei die Basis wohlgemerkt nicht gerade die beste sein dürfte und es dauert eine ganz Weile, bis Schrader und er zueinanderfinden. Mehrere Leichen haben die beiden zu begutachten, doch bis so richtig Bewegung in die Sache kommt, vergeht erstmal eine gewisse Zeit und wir begleiten Schrader bei seinen Recherchen in der Club - und Partyszene, auf der Suche nach Verbindungen zu einem der ersten Opfer sowie bei der Suche nach der Tochter von Minsk.

Auffällig ist dabei, dass schwarz hier der dominante Ton ist, sowohl die jeweilige Szenerie als auch die Farbgebung der Kleidung von Schrader und Minsk betreffend. Die Kameraarbeit von Jan Fehse (Alaska. de - 2000 und Be. angeled - 2001), folgt dem ungleichen Duo dabei durch Nacht und Wind, hinein in schummrige Behausungen und triste Wohngegenden, gepaart mit dem undurchsichtigen Dickicht jener Schrecken, die sich aus zwielichtigen Gestalten und dem Eintauchen in eine andere Welt ergeben, in der die Grenzen des rechtlichen und der annehmbaren Ästhetik zunehmends verschoben werden. Nicht selten gesellt sich zur pechschwarzen Nacht dabei strömender Regen und dem geneigten Filmfreund kommen nun unwiderruflich Gedanken daran, dass alles doch schon mal in ganz ähnlicher Form in dem herausragenden Thriller " Sieben " (1995) gesehen zu haben und spätestens wenn sich unser ermittelndes Duo Sexfilmchen mit tätowierten Hauptdarstellern ansieht, um so Hinweise auf Opfer oder Täter zu bekommen, lassen sich auffällige Parallelen zu " 8mm - Acht Millimeter " (1999) nicht mehr von der Hand weisen.

Kurzzeitig Licht ins Dunkel bringt da die Erscheinung einer jungen Frau namens Maya, dargestellt von Nadeshda Brennicke, bekannt aus " Manta - Der Film " (1991) und " Kanak Attack " (2000), welche eine frühere Freundin des ersten Opfers ist, uns schön und geheimnisvoll präsentiert wird und die später noch eine tragende Rolle spielen soll. Auch Schrader hat bereits ein Auge auf sie geworfen, eine Tatsache, die Minsk nicht verborgen bleibt und die für ihn noch von besonderer Bedeutung sein wird.

Durch mal mehr, mal weniger sachdienliche Hinweise schreitet unser Duo nun weiter voran und stolpert dabei über mehrere teils gehäutete Leichen, an denen handwerklich ordentliche Arbeit seitens der Maskenbildner geleistet wurde und deren blutig - fleischliche Überbleibsel durchaus ansehnlich sind und nicht wenigen Zuschauern gefallen dürften. Dennoch weiß der Film nicht so recht Fahrt aufzunehmen, zumal sich zu viele und teils undurchsichtige Konstellationen ergeben, die mehr verwirrend als dem voranschreiten der Handlung dienlich erscheinen. So gestaltet sich die Suche nach der Tochter von Minsk überaus unspektakulär und diente wohl eher als Lückenfüller für den weiteren eher behäbigen Verlauf auf der Suche nach dem Täter. Die Töne des Komponisten Martin Todsharow (Die Unberührbare - 2000 oder Suck My Dick - 2001) können zwar eine gewisse Atmosphäre der Angst und des unergründbaren erzeugen, lassen den Puls aber alsbald wieder abflachen, zumal gesetzte Schockmomente nur von kurzer Dauer sind und beim erwartungsvollen Zuschauer ein Gefühl zurücklassen, dass da eigentlich noch hätte mehr passieren können bzw. müssen. 

Meines Erachtens nach wurde sich hier zu sehr an erwähnten Vorbildern orientiert, um am Ende etwas eigenständiges auf die Beine zu stellen, auch wenn das Schauspiel der Beteiligten, allen voran August Diehl, Christian Redl und Nadeshda Brennicke, als durchgängig positiv zu bewerten ist, was bleibt, ist eine Aufwärmung bereits bekannten Stoffes, dem der Mut zu eigenen Wegen fehlt, um hier längerfristig im Gedächtnis zu bleiben. 

5/10
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Kommentare

28.06.2022 05:25 Uhr - Insanity667
1x
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Huch... Der ist über die Jahre irgendwie komplett aus dem Hinterkopf verschwunden. Ich fand den ziemlich mies, glaube ich. Wie Du ja schon schreibst, stimmte die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren irgendwie nicht wirklich, was das ganze von Anfang an auf wackeligen Beinen hat stehen lassen. Das Konzept für den/die Serienmörder fand ich allerdings ganz nett.

Gibt schlimmeres, aber auch viel besseres, vor allem aus Deutschland. :)
Schön geschrieben, wie immer!

28.06.2022 10:35 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
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@Insanity667

Ich fühlte mich überdeutlich an genannte Werke erinnert, daher keinerlei Innovationen, mit denen dieser Titel aufwarten konnte 😒
Neulinge können zwar mal reinschauen, müssen es aber nicht unbedingt, sondern sollten lieber auf die US - amerikanischen Vertreter zurückgreifen.

Danke für dein Lob, mein Lieber 😉


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