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10 Cloverfield Lane

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Science-Fiction, Thriller,
Mystery
Alternativtitel:Cloverfield 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,54 (27 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Das man am Steuer nicht telefonieren oder in sonstiger Weise mit dem Handy hantieren soll, dürfte nun auch Michelle klar geworden sein, als ihr Wagen von der Straße abkommt und sich mehrfach überschlägt. Was ihr jedoch erst klar werden muss als sie erwacht, ist nicht, dass sie im Krankenhaus am Tropf angeschlossen ist, sondern sie sich in einem kargen Raum auf einer Matratze angekettet wiederfindet und der Eigentümer (John Goodman) ihr recht unsanft erklärt, dass es nichts mehr gäbe wohin sie flüchten könne, selbst wenn sie wollte... 10 Cloverfield Lane ist ein spannender Thriller mit John Goodman als Howard Stambler, in einer für ihn atypischen, aber grandiosen Rolle. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Sie hat sich entschlossen alles zurückzulassen, insbesondere ihre Vergangenheit…ihre Beziehung zu Ben. Die Sachen halbwegs gepackt verlässt Michelle die Wohnung in New Orleans und fährt aufs Land. Abgelenkt durch einen Telefonanruf ihres Ex- Freundes kollidiert sie mit einem anderen Wagen und erwacht etwas später in einem kahlen Raum. Gefesselt und mit einer Infusion im Arm. Von einem Mann der sich ihr als Howard vorstellt erfährt sie von ihrem Unfall und daß die Welt da draußen nicht mehr die ist die man kennt. Zusammen mit einem Kerl namens Emmett befindet sie sich in einem Bunker in…

10 CLOVERFIELD LANE

Da hat aber ein gewisser Dan Trachtenberg im Jahre 2016 ein wirklich beachtliches Langfilmdebüt hingelegt ! Der Herr der bis dato nur ein paar Kurzfilme inszenierte (u.a. -Portal: No Escape- zu dem ich vor Zeiten schon mal was ebenso Kurzes verfasste) und zwei Folgen einer Serie beisteuerte, wagt sich mit vorliegendem Film tief in den Wahnsinn eines beengten Raumes vor. Klingt komisch, trifft aber trotzdem zu…irgendwie. Schauen wir mal wie ich das erklären kann.

Mary Elizabeth Winstead (u.a. Stirb langsam 5, The Thing, Stirb langsam 4.0, Death Proof) schlüpft in die Rolle der Michelle die dabei ist die Zelte ihres Lebens abzubrechen. Nichts scheint sie mehr zu halten, der Ring der ihr wohl mal was bedeutete bleibt in der Wohnung zurück, sie hat nur das nötigste dabei. Doch scheinbar ist ihr Freund Ben nicht gewillt aufzugeben und ruft sie während der Fahrt an. Ein fataler Fehler der in einem furchtbaren Unfall resultiert…

…und sie verletzt erwachen lässt. In diesem Raum den schließlich ein korpulenter Mann betritt und sich ihr als Howard (genial John Goodman; u.a. Hangover 5, Flight, Argo, Death Sentence, Blues Brothers 2000) vorstellt. Wortkarg aber halbwegs freundlich. Versucht fürsorglich, aber bewaffnet. Und er hält sich mit Informationen zuerst bedeckt. Das was er sagt scheint sowieso keinerlei Sinn zu ergeben. 

Aber auch Emmett (Jonah Hex, Serie Law & Order) den Michelle kurz darauf kennenlernt scheint in ihren Augen nur Blödsinn zu erzählen. Sie hätte einfach nur gerne gewusst warum sie hier ist und noch viel mehr WO sie ist ! Doch diese Wahrheit hat sie dann doch nicht erwartet ! 

"Verrückt ist eine Arche zu bauen wenn die Flut schon begonnen hat."

Man nennt sie Prepper. Menschen die sich ihre eigenen Bunker bauen, mit allem nötigen Gedöns ausstatten um dann für den Fall daß irgendein Präsident auf den Knopf drückt gerüstet zu sein. Klingt schräg, isses vielleicht auch. Ob's was nützen würde…wer weiß. Hoffentlich kommt niemals der Tag an dem dies getestet werden müsste. Daß diese Thematik zum Aufhänger der Story dieses Films wird ist in den ersten Minuten noch nicht klar. 

Denn zuerst erlebt man Michelle wie sie leicht hektisch dabei ist ihre Existenz in einen kleinen Koffer zu packen. Wenn man dies als Symbol sehen will kann der Koffer bereits für jenen Bunker stehen…? Jedenfalls scheint etwas vorgefallen zu sein was sie dazu bringt abzuhauen. Diverses Bilder zeigen sie neben einem Mann der ihr Freund zu sein scheint. Doch die bleiben unangetastet stehen. Es wird klar daß hier gerade eine einseitige Trennung im Gange ist. Wohin sie jetzt möchte, was sie vorhat bleibt unklar, aber ihre Hektik besteht weiterhin. Hat sie wohl Angst vor ihrem Ex ? Daß er ihr sogar auf den Fersen ist ? An der einsamen Tankstelle hat sie eine Begegnung mit einem anderen Fahrzeug dessen Fahrer nicht aussteigt… Es scheint klar was zuvor vorgefallen ist. Und dieser Ben gibt keine Ruhe, klingelt auf ihrem Handy durch. Wie jeder weiß sollte man während der Autofahrt nicht telefonieren, doch diesen Fehler macht Michelle leider, denn ein paar letzte Worte müssen sein. BAM ! Metall trifft auf Metall. Der Wagen schleudert, überschlägt sich. Das folgende Schwarzbild bleibt fast wie eine Mahnung einige Sekunden stehen welche dem Zuschauer die Möglichkeit gibt sich ein wenig zu sammeln und kurz einzuordnen was gerade geschah. Aber noch hat man kein Bild im Kopf was Michelle denn nun wirklich umtreibt und wohin sich der Film entwickeln will. Und das wird auch in dem was folgt auf Grund der kryptischen Erzählweise nicht unbedingt klarer. 

Daß das arme Mädel nun verletzt in diesem provisorisch wirkenden, aus kahlen Ziegeln gebastelten Raum erwacht, gefesselt ist und halbwegs ärztlich versorgt scheint verwirrt ein wenig. Denn mit einem Zimmer in einer Klinik hat diese Bruchbude wenig zu tun. Lahme Funzeln an den Wänden spenden zwar einigermaßen warmes Licht, welches sich aber kaum mit den kalten Wänden messen kann. Die Matratze auf der sie liegt scheint lieblos hingeworfen worden zu sein, so als hätte es schnell gehen müssen den Raum "einzurichten". Was zum Teufel ist hier los ? Die Fragen werden nicht weniger als Howard die monströse Stahltüre zu diesem Raum öffnet. Goodman erkennt man mit seinem leicht verfilzten Bart fast nicht. Was ihn zudem bedrohlich erscheinen lässt ! Er meint er habe sich um die Verletzte gekümmert als er sie draußen fand. Und daß sie nur hier in Sicherheit wäre weil außerhalb die Hölle los sei. Von Fallout ist die Rede, atomare Bedrohung durch den "Feind". Ja, als Zuschauer wird man nicht wirklich mit Informationen zugeschmissen. Sämtliche Andeutungen münden in halbgaren Erklärungen die nie zu Ende gebracht werden. Dieser Umstand verleiht dem Film eine Art von…wenn man das so sagen kann…Grundbedrohung. Diese geht nicht nur von Howards rätselhaften Ausführungen aus sondern auch von merkwürdigen Geräuschen welche von aussen kommen zu scheinen. Rumpeln, das knattern von Helikoptern, fahrende Autos ? Aber auch dafür gibt es eine Erklärung, nicht war ?

Hat man sich mit der Situation einigermaßen angefreundet schlägt auch der Film eine neue Richtung ein. Michelle (Winstead spielt einfach wunderbar !) macht mit Emmett Bekanntschaft. Noch etwas vorsichtig ihm gegenüber versucht sie mehr zu erfahren. Und natürlich möchte auch der Zuschauer langsam mal wissen woran man ist. Also Angst vor engen Räumen darf man hier wahrlich nicht haben. Auch wenn der Bunker, den Howard seiner Ansicht nach in weiser Voraussicht erbaute, recht ansprechend eingerichtet hat (3 Zimmer, Küche Bad ? Nicht mal annähernd !) liegt er doch mehrere Meter tief unter der Erde. Verriegelt, versiegelt und die Schlüssel stets am Mann. Und es gibt Regeln die jeder einzuhalten hat. Je länger man den drei Personen nun zusieht umso mehr stellt sich die Frage welche Gefahr denn nun größer sei. DA raus zu gehen um verstrahlt, verseucht oder was auch immer zu werden, oder da unten zu bleiben um einer unsichtbaren aber trotzdem unterbewusst vorhandenen Bedrohung ausgesetzt zu sein. Denn Howard scheint auch ein paar Leichen im Keller zu haben. Kaum zu erahnen welch Potential dieser so gemächlich beginnende Streifen so nach und nach entwickelt. Wie ein Luftballon dem man langsam immer mehr Luft zuführt bis dieser platzt. Spannungen bauen sich auf, Misstrauen wächst und der Gedanke zu fliehen wird zu einem Plan der zwar durchdacht aber nicht zu Ende...gedacht wird. 

Wer sich jetzt denkt (weil ich gerade bei dem Punkt bin) daß bei dem Filmtitel ja eine Verbindung zu dem überraschend gutem -Cloverfield- aus dem Jahre 2008 bestehen muss und jetzt endlich auch ein Monster auf der Bildfläche erscheint, der wird enttäuscht sein. Denn mit dem Vorgänger hat dieser Streifen rein gar nix zu tun. Hier bedient Trachtenberg fast ausschließlich den psychologischen Thrill, Ängste des eingesperrt seins, Isolation und dem undurchsichtigen Treiben Howards der sich nur wenig mitteilt. Bis auch er auftaut und "menschlich" wird. Doch auch dann wird das ungute Gefühl nicht weniger… Daß am Ende die Angelegenheit eskaliert sollte niemanden wundern, doch die Art wie dies geschieht dürfte gewiss so manchen erschüttern. 

Was sich die Macher dann für das Finale haben einfallen lassen verleiht dem Film beinahe das Prädikat 'Genial' ! Manch einer wird vielleicht denken "Ich hab's doch gewusst verdammt !", ein anderer evtl. schlägt die Hände über dem Kopf zusammen während ihm ein "Verfluchte Scheiße !"....sorry…entfleucht. In jedem Fall sorgt das Ende für ebenso viele Frage- wie Ausrufezeichen. Oder auch bei dem ein oder anderen für nen gehörigen Wutausbruch weil er damit überhaupt nicht einverstanden ist. Aber gerade DAS Finale hat mich echt beeindruckt, auch wenn einen der Mainstream ICE rasant überholt. In meinen Augen aber das Tüpfelchen auf dem I ! 

"Ziel in meinem Leben war vorbereitet zu sein. Und ich war es."

Das gelang mir hierbei ned so gut. Eben weil der Film irgendwie so gar nicht in ein Schema passt. Zum einen funktioniert er als Drama um sich im selben Moment in einen Psychothriller zu wandeln. Dann existieren leise Zwischentöne, philosophisch angehauchte Zwiegespräche über das Sein um aber sofort wieder tragische Züge anzunehmen. Die 3 Hauptakteure wirken in ihrem unaufdringlichen Spiel nahbar aber auch distanziert, fast schon schüchtern. Was schließlich dazu führt daß emotionale Ausbrüche eine enorme Wucht besitzen und fast ansatzlos auf den Zuschauer einprügeln. Zudem sorgen diverse Wendungen für so einige Überraschungen… Ich sag nur Luftschacht… 

Fans des sonderbaren Films wagen einen Blick, Fans des Vorgängers selbstverständlich auch. Doch vorsicht, alles ist anders als man denkt. 

 

ses 

 

8/10
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Kommentare

29.06.2022 13:21 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Insanity667 1.781
Uiiii! Das ist tatsächlich einer meiner absoluten Lieblingsfilme!

Ein kleines, kammerspielhaftes Meisterwerk des modernen Psychothrillers, mit teilweise oscarreifen Darstellerleistungen von Goodman und Winstead, und als solchen sehe ich ihn auch tatsächlich. Vollgepackt mit liebevollen, genialen Details und Hinweisen auf dieses und andere Franchises ("Slusho", "Pretty in Pink", "Lost" etc.)

Das Ende ist nur das Sahnehäubchen, die Nuance und der Twist, der die Brücke zum Vorgängerfilm und auch zum Nachfolger schlägt (ja, alle 3 Teile sind verbunden aber das ist... kompliziert) und das voher Gezeigte sowohl bestätigt, als auch in Frage stellt!

Das mögen viele vielleicht berechtigterweise als plump empfinden, weil die Zusammenhänge zwischen "Cloverfield" und "The Cloverfield Paradox" in den Filmen selbst nicht erläutert werden, sondern in Verbindung mit Werbekampangen, Fake-Seiten zu fiktiven Firmen, News Artikel, Clips aus Sondersendungen, und kleinen Gimmicks, welche die Produzenten seit 2007 wie eine Art Schnitzeljagt im Netz verstreuen, erst wirklich Sinn ergeben. Oder auch nicht...

Aber das ist nur Nerd Gequatsche, sorry! :(

"10th Cloverfield Lane" stielt auch ohne seine geistigen Verwandten und den verschwurbelten Verbindungen und Querverweisen ganz eigenständig vielen anderen Genrefilmen mühelos die Show! 9/10 Punkte, weil mir Emmet ehrlich gesagt nicht so gefallen hat und die Hintergründe zum Lüftungsschachtproblem ein wenig zu spekulativ ausgefallen sind! Ansosnten, oberste Liga!

Vielen lieben Dank für die hervorragende sony'sche Vorstellung! :)))

29.06.2022 14:34 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.648
Oh, dann hab ich ja Glück gehabt ! 😁 Ja der Film ist echt was feines. Schon komisch und gut gelöst daß die Rädchen aller drei Filme ineinandergreifen ohne untereinander aber ne Verbindung einzugehen. Genial !
Danke fürs reinlesen !

29.06.2022 20:49 Uhr - cecil b
2x
Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.220
Sehr schöne Review!!!

Hut ab für das Fazit, das echt gut alles zusammenfasst!

Film: Die psychologischen Schwerpunkte locken mich an.

Prepper: Eve und der letzte Gentleman fand ich witzig. ;) Den könnte ich mal wieder wagen, vielleicht.

29.06.2022 20:54 Uhr - sonyericssohn
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.648
Vielen Dank Cecil.
Wenn's um psychologisches geht gehst du ja gerne mal mit wie man weiß ;-) Viel Spaß beim eventuellen antesten.

29.06.2022 21:46 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Insofern: Danke für den Tipp! :)

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