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Paranormal Activity: Next Of Kin

Herstellungsland:USA (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Paranormal Activity 7
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,86 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine Dokumentarfilmerin folgt Margot (Emily Bader), die zu einer abgelegenen Amish-Gemeinschaft aufbricht in der Hoffnung, ihre lange verschollene Mutter und ihre erweiterte Familie zu treffen und etwas über sie zu erfahren. Nach einer Reihe seltsamer Vorkommnisse und Entdeckungen wird ihr bald klar, dass die Gemeinschaft, die sie in ihrem Haus willkommen geheißen hat, etwas Unheimliches verbergen könnte... (Paramount Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

Obwohl "The Blair Witch Project", "Man Bites Dog" und "The Last Broadcast" den Stein in den 90ern erst so richtig ins Rollen gebracht haben, waren sie bei weitem nicht die ersten Filme, die sich in Sachen Inszenierung und narrativer Umsetzung dem Stilmittel "Found-Footage" bedienten. In den 70er Jahren hielt bereits "Cannibal Holocaust" der Gesellschaft den Spiegel vor und auch die legendäre Mockumentary "Gesichter des Todes" bediente sich streckenweise dieser Variation. Ruggero Deodato sagte dazu, dass dieser Look, dieses Unmittelbare den Zuschauer noch näher an das Geschehen ranhole, noch mehr Realismus erzeuge und somit mehr Spannung. Unerfreulicherweise haben sich das im Laufe der Jahre auch Horror- und Actionregisseure von großen Blockbustern angenommen. Mitte der 2000er gab es eine regelrechte Flut an Wackelkamera-Filmen, die keine "Found-Footage" Aufnahmen zeigten. Die große Kunst darin war, Szenen, in denen der Kameramann offensichtlich einen Schlaganfall hatte, so zu arrangieren, dass man auch alles zeigen konnte, was der Zuschauer sehen sollte. Wie anstrengend und lästig das auf beiden Seiten des Ufers war, braucht hier keine Erwähnung zu finden. Es gab aber auch positive Ausnahmebeispiele wie z.B. "Cloverfield", der J.J. Abrams endgültig in Hollywood etablierte, der geniale spanische Schocker "[REC]", die Serienkiller POV-Gewaltorgie "August Underground" oder eben "Paranormal Activity" von Oren Peli, der für das heimische Grauen auf statische Bilder einer Überwachungskamera, statt auf hektisches Gewackel setzte. 2007 wurde somit der Grundstein für ein ganzes Franchise gelegt, das bis 2015 4 direkte Fortsetzungen, 2 Meta-Fortsetzungen und ein Spin-Off nach sich zog. Danach wurde es ruhig um die Reihe und auch die "Found-Footage" Welle flaute wieder ab. 2021 sollte es jedoch mit "Paranormal Activity: Next of Kin" weitergehen…

 

Die jungen Filmstudenten Margot und Chris begeben sich mit Hilfe des Tontechnikers Dale und dem Insider Samuel auf die Spuren von Margots Vergangenheit in einer isolierten amischen Gemeinde. Dabei decken sie, sehr zu ihrem Unmut, die Aktivitäten eines Kultes auf, der den Dämon Asmodeus in einem menschlichen Gefäß gefangen hält um den Untergang der Welt zu verhindern… Der Alptraum beginnt aber erst so richtig, als klar wird, dass das Gefäß brüchig geworden ist und Margot dem Übeltäter als neues Gefängnis dienen soll…

 

Der neueste paranormale Exkurs führt Regisseur William Eubank ("Underwater – Es ist erwacht", "The Signal") und Stammautor der Reihe Christopher Landon ("Scouts vs. Zombies", "Happy Deathday to U") ins Hinterland des US-Bundesstaates New York, wo die Hauptfigur in einer amischen Gemeinde auf Ahnenforschung geht. Das gestaltet sich zunächst entspannt, die Corona-Pandemie wird thematisiert und der Kontext zum aktuellen Zeitgeschehen somit hergestellt. Erst da fällt auf, dass Dr. Strange, Spiderman, James Bond & Co. Die ganze Zeit ohne Masken und Impfpass unterwegs waren. Auf der Farm angekommen gibt es weder Strom noch fließend Wasser, dafür aber einen hochinteressanten und authentischen Einblick in die Bräuche und das gesellschaftliche Zusammenleben der Glaubensgemeinde und jede Menge Folklore. Was manch einer wohl als langatmig empfinden könnte, ist hier aber für die Handlung wichtig, historisch faszinierend zugleich und eine der absoluten Stärken, die den Film vom generischen Einheitsbrei der Vorgänger abheben können. Es dauert dann aber auch nicht lange, bis ein zweiköpfiges Lamm geopfert wird und die ersten Geister auftauchen, welche die Protagonisten auf dem eingeschneiten Grundstück durch die wundervolle Szenerie scheuchen. Der Showdown kommt dann mit Schauwerten und dem Besessenheitszirkus um das Ende der Welt durch den Dämon Asmodeus daher, welches die amische Sekte eigentlich seit Jahrhunderten brav verhindert, und nimmt Ausmaße eines waschechten Creature-Features an. Das eigentliche Ende ist kryptisch, unheilvoll und selbstverständlich offen… Die Interpretationsgabe des Zuschauers ist gefragt, was auch irgendwie spannend ist und letztendlich gefällt, da es nicht faul wirkt wie in so vielen Dämoneneskapaden, sondern wirklich von den Machern clever aufgetischt wurde.

Mit einigermaßen soliden Schauspielkünsten kann hier Emily Bader ("Charmed", "Trust") als Margot überzeugen, die auch gleichzeitig zur Hauptsympathieträgerin avanciert. Ihr Filmstudentenfreund Chris wird von Roland Buck III ("Better call Saul", "Chicago Med") gespielt, der aber in den meisten Fällen nur hinter der Kamera steckt. Trotzdem mag man ihn von der ersten Minute an und weiß ihn im Verlauf der Handlung als Stimme der Vernunft zu schätzen. Weitere Highlights unter den Figuren sind Dale, der Tontechniker gespielt von Dan Lippert ("Brooklyn Nine-Nine", "The UCB Show") und Familienoberhaupt Jacob, dargestellt von Tom Nowicki ("Gegen jede Regel", "Punisher"). Ein bisschen mehr hat man sich wohl von Jay Ayres-Brown ("Monsterland", "Last Ferry", "The Blacklist") erhofft, der in seiner Rolle des Samuel als Katalysator für die Geschichte aufgebaut wurde, aber recht schnell von der Bildfläche verschwindet, nur um am Ende unvermittelt wieder aufzutauchen und den Twist des Films zu präsentieren. Insgesamt gibt es, bis auf solch kleinere Stolpersteine, an den Leistungen der Darsteller nichts weiter auszusetzen. Sie sind nahbar, geerdet und authentisch, das reicht völlig aus, um dem Anspruch eines solchen Horrorstreifens gerecht zu werden.

Da es sich ja um einen "Found-Footage" Film handelt, weist auch "Paranormal Activity: Next of Kin" inszenatorisch an manchen Stellen die gewissen Eigenarten und Schwächen des Genres auf, die man erwartet. Allerdings hält es sich gerade mit den Schwächen tatsächlich in Grenzen, wird man hier mit allem anderen als permanent verwackelten und unscharfen Bildern überschüttet. Mutig, anno 2021 überhaupt noch einen Film dieser Art zu drehen, aber auch logisch, in diesem dann den Fortschritt der Technik angemessen darzustellen, wo hier auch ganz klar die Stärken liegen. Atemberaubende Dronenaufnahmen, tolle Landschaften, liebevoll altbacken ausgestattete Farmhäuser, eine unheimliche Kirche und ein noch unheimlicher fotografierter Wald erstrahlen in knackscharfen, kaum verwackelten HD. Zudem wird die Werbetrommel für das IPhone 13 und dessen Funktionen gerührt, eine Go-Pro kommt zum Einsatz und ab und zu wagt man sich auch auf experimentelles Terrain wie zum Beispiel mit Zeitlupeneinstellungen oder der genialen Dinner-Szene. Man kann also sagen, dass sich hier an der althergebrachten Panik des Genres einiges getan hat, was glücklicherweise das Risiko für epileptische Anfälle im Heimkino erheblich mindert. Der Anteil an untermalender Musik ist dabei natürlich recht schmal, um dem angestrebten Realismus Tribut zu zollen. Dennoch sorgt die intelligente und stimmungsvolle Soundkulisse mit unheilvollem Dröhnen und Wabern dafür, dass die Ohren abseits des gesprochenen Wortes nicht ganz arbeitslos werden.

Obwohl bis zuletzt an einem Kinostart festgehalten wurde, verhinderten dies die Auflagen der COVID-19 Pandemie. "Paranormal Activity: Next of Kin" startete somit, passend zur Halloween Saison, in den USA am 29.10.2021 auf Paramount+ als VoD und in Deutschland am 24.02.2022 auf den hiesigen Streamingplattformen, zunächst exklusiv zum Kauf, später auch zum Leihen. Eine DVD und Blu-Ray Veröffentlichung des - von der FSK ab 16 freigegebenen - Films steht noch aus.

 

Fazit:

Für "Found-Footage" Verhältnisse überraschend sauber inszenierter, gutaussehender kleiner Horrorfilm mit soliden Darstellern und interssanter Grundthematik, eingebettet in eine recht spannende Handlung. Das kryptische Ende und einige fragwürdige Charakterentscheidungen trüben das Erlebnis nur gering, Schock und Grusel sind in angenehmen Maße vorhanden und ordentlich über die Laufzeit verteilt. Auf jeden Fall besser als so mancher Vorgänger der Reihe…

7,5/10 Punkte

7/10
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Kommentare

30.07.2022 10:18 Uhr - sonyericssohn
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Also den ersten Teil fand und find ich richtig gut ! Dann war ich allerdings raus aus der Thematik und verfolgte die weiteren Filme nicht weiter. Jetzt aber hätte ich tatsächlich Lust neu einzusteigen !

Danke !!!

30.07.2022 11:36 Uhr - Intofilms
1x
Von denen habe ich noch keinen einzigen gesehen. Irgendwie fühlte ich mich nie motiviert, hier einzusteigen, vielleicht auch deshalb, weil die Reihe so schnell anwuchs. Das erfüllt mich immer mit einer gewissen Skepsis. Deine Vorstellung hat mich natürlich trotzdem interessiert. ;)

30.07.2022 11:52 Uhr - Insanity667
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Vielen Dank Ihr beiden!

@Sony
Die ersten 2 Teile sowie diesen hier (der ein Standalone Horrorfilm ist und mit den anderen nix zu tun hat) kann ich empfehlen... Von den anderen würde ich eher die Finger lassen! :)

@Intofilms
Du hast absolut Recht, diese Kuh wurde in Lichtgeschwindigkeit gemolken, was ab Teil 3 dann doch zu eher mäßigen Ablegern geführt hat. Die ersten beiden Teile sowie den hier besprochenen kann man aber genießen, ohne den Faden zu verlieren und sich mal angenehm gruseln. :)))

30.07.2022 15:48 Uhr - leichenwurm
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Okay !? Ich hatte die Filmserie nach dem 2. Teil nicht mehr wirklich verfolgt. Hatte diesen hier also so gar nicht aufm Schirm. Aber was ich hier lese hört sich doch in Ordnung an... wird bei Gelegenheit mal nen Blick riskiert !
Edit: und meine Frage nach deiner Einschätzung der anderen Teile der Reihe hat sich mit obigem Kommentar ja schon erledigt 😉

30.07.2022 17:39 Uhr - Insanity667
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30.07.2022 15:48 Uhr schrieb leichenwurm
Okay !? Ich hatte die Filmserie nach dem 2. Teil nicht mehr wirklich verfolgt. Hatte diesen hier also so gar nicht aufm Schirm. Aber was ich hier lese hört sich doch in Ordnung an... wird bei Gelegenheit mal nen Blick riskiert !
Edit: und meine Frage nach deiner Einschätzung der anderen Teile der Reihe hat sich mit obigem Kommentar ja schon erledigt 😉


Denke mal, mit dem machst Du nichts verkehrt. Und man braucht auch keine Vorkenntnisse der Reihe, einfach gucken und gruseln! :)

Auch wenn die Frage schon beantwortet ist:

"Paranormal Activity" - 8/10
"Paranormal Activity 2" - 9/10
"Paranormal Activity 3" - 6/10
"Paranormal Activity 4" - 5/10
"Paranormal Activity: Die Gezeichneten" - 4/10
"Paranormal Activity: Ghost Dimension" - 6/10

Das Spin-Off kenne ich nicht! :P

31.07.2022 10:30 Uhr - leichenwurm
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Na dann nochmal besten Dank für die etwas detailliertere Rückmeldung...!

31.07.2022 13:57 Uhr - cecil b
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Man ahnt es nicht. Ich kann Jump-Scares nicht leiden, und fand die ersten Beiden trotzdem gut! Und jetzt das.

Super Review, wie immer. :) Danke dir!

31.07.2022 15:22 Uhr - Insanity667
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Ich habe zu danken fürs Lesen! :)

31.07.2022 16:25 Uhr - cecil b
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Ich habe zu danken fürs Schreiben! :)

31.07.2022 21:35 Uhr - tp_industries
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Hui, das klingt tatsächlich spannend.
Den ersten Teil finde ich (bis auf das bekloppte Ende der Kinofassung) super!
Der zweite Teil ist für mich ein Schnarcher. Werde mit dem einfach nicht warm.
Teil 3 hat dann wieder richtig gerockt (war da im Kino und es hat mich umgehauen).

Dennoch habe ich die Reihe dann aus irgendeinem Grund nicht mehr verfolgt.

Den hier werde ich, auch Dank deiner Vorstellung, aber definitiv mal sichten. Vielen Dank für den Text! :)

31.07.2022 23:22 Uhr - Insanity667
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Gern geschehen! :) Es freut mich, dass ich Dich ein bisschen anfixen konnte. Dazu sei gesagt, dass der eben nicht mehr viel mit der ursprünglichen Reihe zu tun hat, inhaltlich. In den 6 Vorgängern wurde ja immer wieder Bezug auf den Erstling genommen, "Next of Kin" schlägt ein neues Kapitel auf.

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