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Nackt und zerfleischt

Originaltitel: Cannibal Holocaust

Herstellungsland:Italien, Kolumbien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Nackt und Zerfleischt - Ruggero Deodato's Cannibal Holocaust
Ruggero Deodato's Cannibal Holocaust
Cannibal Massaker
Cannibale Omega
Holocausto Canibal
Jungle Holocaust
Letzten Kannibalen, Die
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,85 (183 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein TV-Reporterteam hat sich in die "Grüne Hölle" gewagt, um möglichst sensationelle Bilder von den dort lebenden Kannibalenstämmen einzufangen. Ihre Expedition wird zu einer Abfolge schreckerregender tödlicher Erlebnisse, in deren Verlauf die Team-Mitglieder sich zu Brutalitäten hinreißen lassen, die den Eingeborenen nicht nachstehen. Schließlich kommt es zu einer letzten Auseinandersetzung zwischen den Eindringlingen und den Indios... (XT-Video DVD Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jichi:

Cannibal Holocaust

Denkt man an frühe Klassiker des extremen Kinos, welche einen berühmt-berüchtigten Ruf genießen, dann kommt einem neben Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom“ wohl sofort Ruggero Deodatos „Cannibal Holocaust“ aus dem Jahre 1980 in den Sinn, welcher unter anderem durch seine realen Tiertötungszenen schon bei seiner Veröffentlichung einen Aufschrei provoziert hat, außerdem wurde Deodato wegen einer angeblich real gepfählten Leiche der Prozess gemacht, doch dieser Vorwurf erwies sich als haltlos, als er die lebende Schauspielerin präsentierte. Bis beute scheiden sich die Geister an diesem Film. Für die Einen ein sozialkritisches Meisterwerk, für die Anderen gewaltverherrlichender Schund. Beste Voraussetzungen also, um mal einen genaueren Blick auf „Cannibal Holocaust“ zu werfen !

Der Professor der Anthropologie Harold Monroe (Robert Kerman) wird mit einem Teams aus ortskundigen Soldaten in den Dschungel des Amazonas geschickt, um ein verschwundenes Team zu suchen, welches eine Dokumentation über die Eingeborenen im Dschungel drehen wollte. Relativ schnell stoßen sie auf Eingeborene des Stammes der Yanomami, und finden dort auch die Knochen des verspeisten Filmteams und deren Habseligkeiten, darunter auch die Filmkamera. Die Eingeborenen überlassen ihm schließlich die Kamera, und zurück in New York sichtet der Professor das Material, doch schnell stellt sich die Frage, wer eigentlich die wahren Monster im Dschungel waren, denn das Filmteam schreckte weder vor Mord und Brandschatzung, noch vor Vergewaltigung zurück, um ihre reißerische Doku zu bekommen...

Diese Handlung ist für einen Film aus dem Kannibalengenre ziemlich ausgeprägt und weist ein sehr interessantes Stilmittel auf: Der Film ist sozusagen in zwei Hälften geteilt, die erste Hälfte ist der „klassische“ Teil des Filmes, und handelt eben von der Suche nach dem verschwundenen Team. Ich muss gestehen, gegen Ende des ersten Teils zog sich der Film ganz schön in die Länge, denn minutenlang grölenden Eingeborenen bei Stammesritualen zuzusehen ist alles andere als spannend. Doch dann kam die zweite Hälfte. Die zweite Hälfte beginnt, als die Aufzeichnungen in New York gesichtet werden, und hier dürfte das Genre des „Found Footage“ gegründet worden sein, denn ab hier spielt sich der Horror im Dschungel nur auf den Filmbändern des toten Teams ab. Die erste Hälfte nimmt den Zuschauer mit in den Dschungel, und suggeriert fürs Erste, dass die Eingeborenen die brutalen Wilden sind, welche ohne Zivilisation und Moral sich gegenseitig bekriegen, archaische und menschenverachtende Bräuche pflegen und zum Mittagessen gerne mal einen Touristen verspeisen. Doch der Schein trügt.

Denn in der zweiten Hälfte schwenkt Deodato gänzlich um, und auf einmal stellt sich die Frage, ob wir, die „zivilisierten“ Menschen des Westens, nicht eigentlich die viel größeren Monster sind. Denn die Filmaufnahmen zeigen nichts andere als den brutalen Missbrauch einer anderen Kultur, Mord und Vergewaltigung aus reiner Sensationslust. Denn darauf springen die Zuschauer an. Das wusste das verstorbene Filmteam, und das wusste auch Deodato, als er „Cannibal Holocaust“ drehte. Später dazu aber noch mehr.

Die handwerkliche Arbeit sticht durch den ganzen Film hindurch positiv heraus, besonders die Kulissen des Dschungels sind der pure Wahnsinn. Gedreht wurde „Cannibal Holocaust“ in Kolumbien, und man wird somit direkt in die schwüle, drückende Hitze des Dschungels versetzt. Man spürt die Mücken und den Schweiß fast, riecht den verwesenden Geruch der Leichen, und eine solche Atmosphäre entsteht eben nur, wenn man wirklich vor Ort ist, und nicht im Studio dreht.

Auch die handgemachten Effekte bei den zahlreichen Ausweidungs- und Tötungsszenen sind ziemlich gut gelungen, exemplarisch genannt sei hier die berüchtigte Szene mit der Pfählung einer Eingeborenen, welche zuvor vom Filmteam vergewaltigt und aufgrund der verlorenen Jungfräulichkeit von dem Stamm getötet wurde. Der Gerichtsprozess sagt eigentlich schon alles über den grausamen Realismus der Szene aus. Bewerkstelligt wurde die „Pfählung“ übrigens, indem an dem unteren Teil des Pfahles ein Fahrradsattel angebracht war, auf dem die Schauspielerin saß, und der obere Teil des Pfahls war ein Stück Holz, welches in ihren Mund gesteckt wurde. Simpel, aber es wirkt. Auch die elendig lange Zerstückelung eines Mitgliedes des Teams, aufgenommen mit der eigenen Kamera, sieht einfach klasse aus, über 40 Jahre nach seinem Erscheinen hat „Cannibal Holocaust“ kaum etwas von seinem Realismus verloren.

Kommen wir nun zum schwierigsten Teil des Filmes: Dem leider realen Tiersnuff. Eine Schildkröte wird enthauptet, der Panzer aufgebrochen und die Gliedmaßen entfernt, ein Affe wird geköpft und einem Nasenbär der Bauch aufgeschlitzt, und hier sind es keine Effekte. Das ist ethisch verwerflich und kann auch nicht unter den Teppich gekehrt werden. Ich habe nichts dagegen, wenn man eine Schlachtung von einem professionellen Metzger mitfilmt und sie in einen Film einbaut, wie das Kaninchen in „Nekromantik“ oder das Schwein in „Melancholie der Engel“ denn das Tier wäre dort sowieso gestorben und ich kann mir sicher sein, dass es nicht leiden musste. Bei „Cannibal Holocaust“ ist das jedoch nicht gegeben. Besonders die regelrechte Zerstückelung der Schildkröte ist unnötig in die Länge gezogen, und entlarvt den Film auch noch auf einer weiteren Ebene:

Die Kritik an der Sensationslust der Medien, an der Bestie Mensch erledigt sich dadurch von selbst. Man prangert genau die Sachen an, welche man zuvor regelrecht zelebriert hat. Hätte der Film nur auf fiktive Gewalt gesetzt, hätte die Kritik besser funktioniert, denn man kann sehr wohl mit der Darstellung von fiktiver Gewalt reale Gewalt kritisieren. Denn der entscheidende Unterschied ist eben die Fiktion. Die Rechnung mit realen Gewaltszenen reale Gewalt zu kritisieren, geht nicht auf. Damit ist der Film nämlich kein Stück besser als die Medien, welche er kritisieren wollte.

Den Punkt, den Deodato zu seiner Verteidigung oft anführt, nämlich, dass die Tiere anschließend verspeist worden sind, lasse ich nur so halb gelten. Es macht die Szenen nur weniger schlimm, professioneller schlachten hätte man die Tiere dennoch können. Und nur, weil Tiersnuff in den alten Kannibalenfilmen eben „so üblich“ war, heißt es noch lange nicht, dass es auch zu entschuldigen ist.

Im Übrigen, einige Hinrichtungen in Afrika, welche auch auf den Filmen des verschollenen Teams zu sehen sind, sind auch echt. Deodato torpediert auch hier wieder die Absicht des eigenen Filmes, aber zumindest sind diese Menschen nicht FÜR den Film gestorben, die Kamera war eben „nur“ mit dabei. Sehr schade ist: „Cannibal Holocaust“ hätte die Verwendung all dieser Szenen gar nicht nötig. Der Film würde auch ohne diese fragwürdigen Szenen sehr gut funktionieren, denn an expliziter Gewalt und Sex mangelt es ansonsten ja auch nicht. Es wäre auch so noch genügend Schockpotential vorhanden, und Deodato erreicht mit dem Tiersnuff und den realen Hinrichtungen nichts, außer sich selbst und seinen Film ein Stück weit zu diskreditieren.

Lobend erwähnen muss ich auch noch den wahnsinnig starken Score von Riz Ortolani, welcher sich perfekt in das Ambiente der jeweiligen Szenen einfügt. Schon im Intro sind die schönen, ruhigen Streicher zu vernehmen, und immer wieder im Film liefern sie einen perversen Kontrast zum Inhalt von „Cannibal Holocaust“. Der Score vermittelt Beruhigung, obwohl nichts an der Szene auch nur im Ansatz beruhigend wäre. Jedoch schlägt auch die Musik des Öfteren einen aggressiveren Ton an, und auf einmal ist ein dröhnendes Getrommel zu hören, welches sich manisch steigert, meistens parallel zu den Gewaltexzessen.

So, was ist „Cannibal Holocaust“ nun ? Sozialkritisches Meisterwerk oder gewaltverherrlichender Schund ? Nun, ich kann die Ansichten beider Fraktionen verstehen, für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Auf der einen Seite haben wir eine interessant andersartige Geschichte für einen Kannibalenfilm, einen sozialkritischen Ansatz, gut gemachte Goreszenen, hervorragende Kulissen und grandiose Musik. Auf der anderen Seite kam bei mir, gerade in der ersten Hälfte, öfters Langweile auf und durch den Tiersnuff und die Hinrichtungen zerstört der Film sich für mich ein Stück weit selbst, besonders, da es nicht nötig gewesen wäre, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Ich verdamme nicht den ganzen Film dafür, aber kritisiere die Szenen, wie sie hier entstanden und eingesetzt sind. Somit lande ich am Ende mit 6 Punkten und einem fahlen Beigeschmack im oberen Mittelfeld und dem Wissen, dass mehr drin gewesen wäre, kann dem Film seine vorhandenen Stärken aber auch nicht absprechen.

 

„I wonder who the real cannibals are…“

 

 

6/10
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Kommentare

02.07.2022 18:18 Uhr - leichenwurm
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Es ist und bleibt ein kontroverses Filmmonstrum... ohne wenn und aber ! Der Tiersnuff ist verachtenswert und stellt dem Film und seiner Aussage selbst ein Bein, da geb ich dir zu 100% recht. Leider (und das mein ich wirklich ernst) ist der Film trotz dieses Undings viel zu eindrucksvoll um ihn deshalb zu verdammen... ! Vielleicht ist aber auch dieser Effekt teil der Aussage des Films... etwas verachtenswertes so verpacken das trotz Allem irgendwelche Heiopeis (und damit meine ich in diesem Fall mich selbst 😉 ) einen tieferen Sinn darin suchen bzw. sehen... ! Wie dem auch sei, ich finde du hast eine sehr differenzierte Kritik zu diesem... ja... leider sag ich es an dieser Stelle wieder (denn der Film ist mMn auf seine Weise eins) Meisterwerk abgeliefert... !

P.S.: ich glaube im 7. Absatz sollte es bestimmt "ethisch verwerflich" heißen, oder 😉 ?

02.07.2022 18:33 Uhr - Jichi
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Danke für dein Feedback und dein Lob, leichenwurm !

Mit dem "ethisch verwerflich" hast du natürlich recht. Da hat sich ein "n" zu viel eingeschlichen ;-)
Habe es verbessert, danke dir !

Zum Film: Ich verstehe was du meinst, das Gefühl kenne ich von vielen anderen Filmen auch. Nur hätte man hier eben auch ohne die toten Tiere genug "Verachtung" auffahren können, um eine starke Wirkung zu erzielen. Verdammen tue ich den ganzen Film deswegen zwar nicht, aber es ist einfach unnötig, und das zieht den Film für mich runter. Zustimmen würde ich dir insofern, dass ein tieferer Sinn vorhanden ist, nur wird der auch vom Tiersnuff wieder ein gutes Stück zerstört. Vorhanden ist er jedoch. Aber wie so oft, gerade bei extremen Vertretern, ist das schlicht Geschmackssache, von daher freut es mich, dass du dem Film so viel abgewinnen kannst !

02.07.2022 20:24 Uhr - cecil b
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Ich kann tatsächlich fast jede Perspektive auf diesen Film verstehen.

Nun, kürzlich konnte man ja mal hören, wie ich das sehe. ;)

Ich finde es einfach super, dass du mMn diese Mitte gefunden hast, Jichi.

Mich hat dieser Film zutiefst beeindruckt, das war ein Erlebnis, das nicht viele Filme bei mir erreicht haben. Doras FLESH LOVER vielleicht.

Aber, ich denke auch, dass das ohne den Snuff genauso gewesen wäre ( über die realen Hinrichtungs-Szenen wusste ich nicht Bescheid!)

Dieser Film ist für mich genial, bis auf die realen Tötungsszenen. Und da stimme ich dir vollkommen zu, das kann paradox genannt werden, zu kritisieren und sich an dem Schrecken real zu bedienen.

Mir ging es mit WILD BEASTS ähnlich. Ein guter Tierhorrorfilm, der den Umgang mit Tieren kritisiert, und diese dann wirklich aufeinander losließ! Hyänen bissen Schweine, die Kamera hält drauf. Na toll. So toll inszeniert, und dann das.

Ansonsten finde ich, dass du die ganzen relevanten filmgeschichtlichen, historischen Punkte angesprochen hast, und dazu einen deutlichen Eindruck von diesem 'Klassiker' gegeben hast. Über deine Sprache bräuchte ich eigentlich nichts mehr schreiben. Ich werde dessen aber nicht müde: TOP!

„I wonder who the real cannibals are…“

So simpel es auch ist, aber der Satz hatte bei mir gut funktioniert.

02.07.2022 21:44 Uhr - CHOLLO
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Schöne Vorstellung. War nach Erstsichtung ehrlicherweise enttäuscht wie wenig der mich mitgenommen hatte. Mit der Zeit und wiederholten Sichtungen lernt man dieses Werk aber meiner Meinung nach immer mehr zu schätzen. Vor allem der Score, der Found Footage Aspekt aber auch die konsequente Struktur des Handlungsverlaufs weiß mir mittlerweile sehr zu gefallen. Beim Tier Snuff geb ich dir aber vollkommen recht, ein No-Go! Aber ich glaube da sind sich die Kritiker, was diese Seite betrifft, einig.

02.07.2022 23:42 Uhr - Insanity667
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Eine wirklich hervorragende Kritik zu einem sozial- und gesellschaftskritischen Meisterwerk, dem ich auch sehr zwiegespalten gegenüberstehe.

Ich finde, die Frage die der Film stellt, und das hat leichenwurm sehr schön zum Ausdruck gebracht, ist doch eigentlich, wie abartig und verroht unsere Gesellschaft ist bzw. damals schon war, dass sie sich mit solchen Grausamkeiten bei Laune halten lässt.

Ja, die Aussage, dass der Film auch so funktioniert hätte, ist schnell getätigt. Aber hätte er das wirklich? Die Wirkung, die hier erzielt werden sollte, hätte er diese erfüllt? Wie bequem ist es, Teil einer Gesellschaft zu sein, die zu solchen Grausamkeiten fähig ist, und nur am Rande zuzusehen und vom Fernsehsessel aus zu urteilen?

"Da hat er der Gesellschaft ja schön den Spiegel vorgehalten, der Deodato, alter Schwerenöter!"

Nein, Deodato wollte nicht zeigen, wie es aussieht von einem Logenplatz und einer moralisch überlegenen Position aus zu zu urteilen. Er wollte, und ja das ist fies, den Zuschauer da mit reinziehen, auf diese Ebene runter ziehen, ihn zum Hinterfragen und Reflektieren zwingen, warum er sich selbst ein Kinoticket gezogen hat. Warum er selbst einen Film anschaut, der die Grenzen der fiktiven Gewalt, die sonst meist schon auf dem Nachhauseweg wieder vergessen ist, überschreitet.

Ob Tiersnuff in Ordnung ist? Auf keinen Fall! Nicht in 1000 Jahren! :(

Ob der Film trotzdem ein Meisterwerk ist, weil er nach 40 Jahren immer noch Emotionen und Diskussionen entfacht und uns zum Nachdenken darüber anregt, wohin das alles geführt hat? (Rotten, Orgish, Dark Web etc.) Ja, auf jeden Fall!

8,5/10 Punkte!

03.07.2022 09:16 Uhr - CheesyAK47
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Klasse rezensiert und deckt sich komplett mit meiner Meinung. Vor wenigen Wochen ein weiteres Mal gesichtet, immer noch ein richtiges Brett und beim Tiersnuff guck ich immer weg. Ekelhaft, unnötig, verwerflich und für mich geht sowas nullkommanull. Aber da sind wir uns ja alle mit einig. Gab es da eigentlich irgendwelche Konsequenzen für die Filme Macher?

03.07.2022 11:33 Uhr - Roadie
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03.07.2022 09:16 Uhr schrieb CheesyAK47
Gab es da eigentlich irgendwelche Konsequenzen für die Filme Macher?


Wegen den Tiertötungen glaub ich nicht. Aber Deodato wurde Angeklagt, weil ihm vorgeworfen wurde er hätte echte Menschenleichen verwendet und sogar Menschen vor der Kamera töten lassen.
Daraufhin musste Deodato sich von den Schauspieler aktuelle Fotos ect geben lassen um zu beweisen dass diese noch am Leben sind.


03.07.2022 15:27 Uhr - CheesyAK47
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Danke für die Info.

03.07.2022 16:00 Uhr - Jichi
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Vielen Dank an euch alle für das Lesen der Review, euer Lob und das viele Feedback, freut mich !

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich überrascht wie positiv der Film von euch aufgenommen wird. Bis auf die Tierszenen, was ja selbstverständlich ist, scheint der Film ja echt klasse anzukommen. Wenn man über ähnliche Kandidaten wie "Die 120 Tage von Sodom" oder "A Serbian Film" diskutiert, kommt immer sehr viel mehr Gegenwind, obwohl diese Filme keine echten Szenen enthalten. So oder so, freut mich aber !

@cecil: Deine Meinung zu den Tierszenen und zu Tiersnuff allgemein teile ich. Nur kommt der Film bei mir aufgrund der oben genannten Kritikpunkte schlechter weg. Und ich muss dir auch zustimmen, der Film wäre auch ohne die Tiertötungen und die realen Hinrichtungen eine Erfahrung.

Doras "Cannibal" liebe ich. Wie Dora allgemein ;-)
Dessen Filme sind für mich noch mal eine ganz andere Hausnummer als "Cannibal Holocaust", sowohl vom Inhalt, als auch von der Wirkung.

"Wild Beasts" kenne ich nicht, kann also nicht viel dazu sagen. Solange aber "nur" Hyänen Schweine anfallen, finde ich das weniger bedenklich als die Szenen in "Cannibal Holocaust", denn dort verursachen die Menschen den Tod der Tiere. Wenn ein Tier ein anderes Tier tötet ist es etwas Anderes als wenn ein Mensch ein Tier tötet. Aber auch Ersteres muss nicht unbedingt in einen Film gehören, da stimme ich dir zu. Kommt auch immer auf den Gesamtzusammenhang an, und hier kann ich eben nichts dazu sagen.

@Chollo: Ich glaube niemand würde den Tiersnuff aktiv befürworten, sondern eher nur im Werk akzeptieren. Ich bin aber auch ziemlich froh, dass hier wir hier uns einig sind, dass diese Szenen nicht in Ordnung sind.


@Insanity:

"Nein, Deodato wollte nicht zeigen, wie es aussieht von einem Logenplatz und einer moralisch überlegenen Position aus zu zu urteilen. Er wollte, und ja das ist fies, den Zuschauer da mit reinziehen, auf diese Ebene runter ziehen, ihn zum Hinterfragen und Reflektieren zwingen, warum er sich selbst ein Kinoticket gezogen hat. Warum er selbst einen Film anschaut, der die Grenzen der fiktiven Gewalt, die sonst meist schon auf dem Nachhauseweg wieder vergessen ist, überschreitet."

Das ist ein interessanter Punkt. Aber ich glaube zu viele Leute wollen gerade durch den Tiersnuff gar nicht mehr reflektieren, und ich finde, dass sich Deodato durch die realen Szenen noch eine Ebene tiefer sinken lässt als die von ihm kritisierten Medien. Die haben nämlich nur reale Gewaltszenen wiedergegeben, er ist hier aber der Verursacher. Ob man dann aus dieser Position noch würdig ist, andere Leute über die verrohte Gesellschaft aufzuklären, ist meiner Meinung nach fraglich.


Danke nochmals an alle für eure Kommentare !

03.07.2022 19:32 Uhr - cecil b
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Jichi: Ich habe den Wild Beast-Vergleich gemacht, weil der Widerspruch ähnlich ist wie in Cannibal Holocaust.

Natürlich ist das nicht die selbe Härte, ich schrieb dir ja schon mal, wie ich das sehe.

Die Schweine wurden den Hyänen zum Fraß vorgeworfen, das war nicht wie in einem Tierfilm. Es geht auch nur um den Widerspruch.

Und, eine Schlachtung, die ganz schnell abläuft, und sowieso passiert, so, wie in NEKROMANTIK, ist für mich auch was anderes. Ist es ja auch. Aber das weißt du ja. :)

Ob Cannibal Holocaust jetzt nicht so ein Kaliber ist, wie ein Film von Dora, und ob dieser Regisseur interessantere Filme dreht, auch inhaltlich, kann nur Geschmackssache sein. ;)

03.07.2022 21:17 Uhr - McGuinness
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Deine Ausführungen und Gedankengänge gefallen mir, auch wenn ich gestehen muss, dass ich mir dieses Werk einzig und allein aufgrund des Tiersnuffs bis heute nicht angesehen habe.
Ich weiß, dadurch werden die Tiere auch nicht wieder lebendig, aber einfach aus Prinzip, nämlich das ich solche Szenen partout nicht tolerieren kann, meide ich diesen Titel.
Ich denke mir, wenn doch schon bei der Pfählung der Eingeborenen einfach aber effektiv getrickst werden konnte, wieso dann nicht auch bei der Tötung der Tiere ?! 🤷‍♂️

Aber nun gut, deine Review ist toll und anschaulich verfasst worden und ich habe diese wirklich gerne gelesen 👍🏻

03.07.2022 21:26 Uhr - Jichi
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@Cecil: Verstehe, der Widerspruch ist absolut vorhanden, da hast du natürlich völlig recht. "Nekromantik" habe ich übrigens inzwischen dank deiner und Buttgereits Inspiration auch gesichtet, und er hat mir definitiv zugesagt. Die Schlachtung wurde clever verwendet, und ist, wenn die Schweine den Hyänen zum Fraß vorgeworfen wurden, natürlich definitiv unbedenklicher.

@McGuinness: Ich kann deine Sichtweise absolut nachvollziehen, und finde es total in Ordnung, wenn du hier deine persönlichen Grenzen ziehst. Bei den Effekten muss ich dir zustimmen. Eben da es ohne Weiteres möglich gewesen wäre die Tötungen fiktiv nachzustellen, macht die sie noch verwerflicher.
Dennoch vielen Dank für das Lesen meiner Review, auch, wenn du den Titel dir nicht ansehen wirst :)


03.07.2022 21:45 Uhr - cecil b
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Moderator
User-Level von cecil b 19
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Jichi: Freut mich! :)

04.07.2022 10:43 Uhr - Insanity667
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03.07.2022 16:00 Uhr schrieb Jichi
Ob man dann aus dieser Position noch würdig ist, andere Leute über die verrohte Gesellschaft aufzuklären, ist meiner Meinung nach fraglich.


Natürlich ist das fraglich und moralisch verwerflich, macht aber auch Sinn. Wie gesagt, ich halte Deodato für einen sehr intelligenten Filmemacher, der nichts dem Zufall überlassen hat. Diese Grausamkeiten nicht nur zu zeigen (Die Szenen aus Mondo Cane, welche eine Hommage an Jacopetti darstellen sollten) sondern sich auch selbst die Hände schmutzig zu machen, das gehört alles zum Trick des Zauberers, der sich vielleicht den Vorwurf gefallen lassen muss, ein Arschloch zu sein, aber das wird ihn herzlich wenig jucken.

Wie es letztendlich ausgegangen ist, oder heute wahrgenommen wird, war da sicher nicht abzusehen. Aber nochmal, allein die Tatsache, dass wir uns hier darüber so ausgiebig unterhalten, zeugt davon, wie der Film eben wirkt. Keiner der vielen 0815 Kannibalenschocker aus dieser Zeit (teilweise auch mit Tiersnuff) hat so ein Echo erzeugt...

Das ist das, was ich sagen wollte. Auf Deodato sei geschissen für die Sauerei, keine Frage, aber der Film ist noch da, seit 40 Jahren, und auch noch weitere 40 Jahre.

04.07.2022 14:57 Uhr - Jichi
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"Das ist das, was ich sagen wollte. Auf Deodato sei geschissen für die Sauerei, keine Frage, aber der Film ist noch da, seit 40 Jahren, und auch noch weitere 40 Jahre. "

Da hast du recht. Den Einfluss des Filmes kann man nicht abstreiten, und wenn das so von Deodato gewollt wurde, alles richtig, mit den falschen Mitteln (Tiersnuff), gemacht...

05.07.2022 08:50 Uhr - leichenwurm
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Richtig... Deodato wird sich auf immer und ewig vorwerfen lassen müssen, in der Wahl seiner Mittel weit... seeehr weit übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Und der (aufgeschlossene) Zuschauer wird auf immer und ewig dazu herausgefordert dieses Werk für sich moralisch einzuordnen. Und dabei kann ich jeden verstehen, der "Cannibal Holocaust" verabscheut... aber eben auch jeden, der mehr in dem Film sieht als nur exploitativen Schund... ! Kontrovers bleibt es aber auf jeden Fall...

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