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Midnight

Herstellungsland:Südkorea (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Krimi, Thriller
Alternativtitel:Mideunaiteu
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der gewissenlose Serienmörder Do-Sik macht mit seinem schwarzen Van die Nächte in Seoul unsicher. Die Leichen seiner Opfer landen in dunklen Gassen, während er durch seine verschlagene Art stets dem Zugriff der Polizei entkommt. Eines Abends stolpert die gehörlose Call-Center-Angestellte Kyung-Mi auf dem Heimweg zufällig über Do-Siks letztes, noch lebendes Opfer. Zur falschen Zeit am falschen Ort, gerät die unfreiwillige Augenzeugin nun mitsamt ihrer ebenfalls hörgeschädigten Mutter ins Visier des Killers. In einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel müssen sich Mutter und Tochter gegen den unberechenbaren Psychopathen mit allen Mitteln zur Wehr setzen. (Busch Media Group)

eine kritik von ghostfacelooker:

Wir hatten schon blinde, oder an Rollstuhl gefesselte „Opfer“ in Thrillern aber eine Taubstumme Protagonistin, ist mir seit Hush und besonders im koreanischen Film, welcher gern andere Wege als der Mainstream-Film geht, nicht wirklich begegnet.

Regisseur und Drehbuchautor Oh-seung Kwon, liefert hier ein spannend, eindringliches Debüt ab, dessen Serienkiller durchaus polarisiert aber gleichzeitig auf seine Art und in seinem Verständnis der Welt, welche der Regisseur, dem Zuschauer ebenfalls gut zu transportieren versteht, überzeugt.

Südkoreanische Psychopathen, respektive Serienmörder, unterscheiden sich von denen Hollywoods eindeutig, schwingt bei ihnen doch immer ein gesellschaftlich begründeter Aspekt oder totale Egomanie als Beweggrund ihrer Taten mit und somit ist es nicht verwunderlich, daß dieser Killer hier, einen sehr starken Geltungsdrang hat.

Dieser Aspekt wird auch in dessen Selbstsicherheit vermittelt, die ihm nicht nur ein leicht arrogantes Auftreten verleiht, sondern auch durch sein, erwähltes Territorium, den dunklen, verwinkelten Seitenstraßen, in denen er seine Opfer wählt, unterstrichen.

Sein Vorgehen zeugt gleichzeitig von hoher Risikobereitschaft, welche für ihn aber unwiderlegbar zum Katz und Maus-Spiel dazugehört und seinen Antrieb darstellt, der zum Beispiel perfekt in der Sequenz auf der Polizeistation dargestellt wird, in welcher er, in die Ecke getrieben im ersten Moment fast irrational zu handeln scheint, aber gerade dadurch wieder entkommen kann.

Natürlich darf man die koreanische Polizei, in Hinblick auf Umgangsform und Reaktion, ebensowenig mit dem Verhaltensmustern westlicher oder besonders amerikanischer Filmpolizisten gleichsetzten, welche erst schießen und dann fragen würden, insbesondere wenn sie attackiert oder in einer bedrohlichen Situation wären.

Wer die Netflix-Dokumentation, Der Regenmantelkiller gesehen hat, weiß, dass das Verhalten der Polizei im Film, durchaus auf realen Tatsachen basieren könnte, denn in einer Stadt wie Seoul beispielsweise spielen Zuständigkeit und Dienstgrad ebenso eine Rolle wie örtliche Strukturen, und da in Korea in autonomes Polizeisystem mit Polizeistationen und übergeordneten Polizeibehörden gibt, könnte also das Verhalten der zwei Polizisten im Film, der klein wirkenden Polizeistation durchaus reale Züge besitzen, zumal auch der menschliche Faktor einer spontanen Szenerie zu berücksichtigen ist, in der der Typ mit dem Messer nicht zeitgleich als Täter assoziiert werden würde.

Der Killer in diesem Film positioniert sich für mich im Hinblick auf Verschlagenheit und Intellekt auf koreanisch, zelluloidscher Ebene auf Platz zwei hinter dem Killer aus I Saw the Devil, welcher natürlich blutrünstiger und durchtriebener zu Werke geht, aber dem wiederum, abgesehen vom Blutzoll, durch beschriebene Attribute in Nichts nachsteht.

Die tragende Säule des Films aber, ist die, vom ersten Moment ihres Auftritts sympathisch und einnehmend zu nennende Hauptdarstellerin, Jin Ki-joo, die eine taubstumme Callcenter Mitarbeiterin spielt, welche wiederum mit ihrem Handicap zwar teilweise beruflich den Witzeleien der Kollegen ausgesetzt zu sein scheint, aber diesen mit Herz und Intellekt kontert.

Die anderen Figuren, sind zwar nicht wirklich blaß, spielen aber im Hinblick auf die Täter und Opfer Situation, bis auf die Mutter, dargestellt von Gil Hae-yeon, nicht wirklich eine herausragende Rolle.

Diese Charaktereigenschaften machen die Protagonistin, auch zum perfekten Pendant des Killers, denn ihr Herz, lässt sie in den teilweise aussichtslosen und fast schon surrealen Momenten des Films, mutig über sich hinauswachsen, ohne dabei jedoch zu übertrieben heroisch zu wirken. All ihre Emotionen bleiben menschlich nachvollziehbar und wirken nicht wie in amerikanischen Werken, dem eigentlichen Charakter völlig konträr.

Der emotionalste, ergreifendste Moment des Films hierbei, dürfte Kyeong-mi´s Flehen an den Killer sein, in dem sie, für westliche Sehgewohnheiten eine durch die Übersetzung einerseits kitschig anmutende aber im Grunde nur sehr verletzliche Seite des Opfers zeigt. Auch darin unterscheidet sich das Werk von Regisseur, Oh-seung Kwon vom westlichen Genrefilm und stellt gleichzeitig, Jin Ki-joo´s schauspielerisches Talent unter Beweis.

All diese Ingredienzen, lassen mit der teilweise Blutdruck peitschend, musikalischen Untermalung einiger Szenen nur auf ein ebenso rasantes Finale vermuten, welches sich wiederum ebenso unvermutet wie im Hinblick auf die Handlung jedoch als absolut konsequent logisch interpretieren lässt und diese Film meiner Meinung nach insgesamt zu einem Geheimtipp werden lassen, der immer mal wieder anzusehen ist.  

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Kommentare

03.07.2022 11:30 Uhr - beebop251
Schön geschriebene Review. Mir gefällt der Film auch sehr gut. Die 2 Hauptdarsteller spielen ausgezeichnet. Ich finde es auch gut, dass du auf die koreanischen "Eigenheiten" in Bezug auf Verhalten eingehst. Das sollte man beim Schauen immer etwas berücksichtigen. Der treibend pulsierende Score hat für ordentlich Spannung gesorgt. Und auch die deutsche Synchro ist für Busch Verhältnisse brauchbar. Da hab ich schon schlimmeres gehört. Ich kann den Film auch nur empfehlen.

03.07.2022 11:34 Uhr - Ghostfacelooker
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03.07.2022 11:30 Uhr schrieb beebop251Schön geschriebene Review. Mir gefällt der Film auch sehr gut. Die 2 Hauptdarsteller spielen ausgezeichnet. Ich finde es auch gut, dass du auf die koreanischen "Eigenheiten" in Bezug auf Verhalten eingehst. Das sollte man beim Schauen immer etwas berücksichtigen. Der treibend pulsierende Score hat für ordentlich Spannung gesorgt. Und auch die deutsche Synchro ist für Busch Verhältnisse brauchbar. Da hab ich schon schlimmeres gehört. Ich kann den Film auch nur empfehlen.


Liest man gern. Danke

03.07.2022 12:40 Uhr - TheMovieStar
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Danke für den lesenswerten und informativen Tipp Ghost. Du hast mich überzeugt ich werde mir den Film auch demnächst mal anschauen. Mit Taubstummen fällt mir noch ein Film ein den ich vor kurzem geguckt habe savaged da ist die Hauptdarstellerin auch taubstumm falls du den Film kennst.

Lg MovieStar😊

03.07.2022 14:04 Uhr - Ghostfacelooker
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03.07.2022 12:40 Uhr schrieb TheMovieStarDanke für den lesenswerten und informativen Tipp Ghost. Du hast mich überzeugt ich werde mir den Film auch demnächst mal anschauen. Mit Taubstummen fällt mir noch ein Film ein den ich vor kurzem geguckt habe savaged da ist die Hauptdarstellerin auch taubstumm falls du den Film kennst.

Lg MovieStar😊


Servus Movie. Ja aber das Genre ist dort Horror und hier doch mehr Thriller, ohne Übernatürlichem. Ansonsten Danke dir, freut mich

03.07.2022 21:33 Uhr - McGuinness
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Stutzig machte mich lediglich, wieso eine gehörlose Frau in einem Call - Center arbeitet ??? 🤔 aber vermutlich entsteht gerade hierdurch ja die Besonderheit der Ausgangssituation.
Der Vergleich zu " I Saw the Devil " (2010) drängte sich mir gleich nach deinen ersten Ausführungen auf, welchen du nur wenig später ja auch bestätigst, auch wenn hier augenscheinlich ein weitaus geringerer Blutzoll zu erwarten ist, wovon ich bereits aufgrund der Jugendfreigabe ausgegangen bin.

Dennoch bin ich interessiert, denn trotz dem ausbleiben ausufernder Brutalitäten, klingt deine solide Vorstellung nach durchweg spannender Unterhaltung und auch wenn ich dir jetzt eine Sichtung meinerseits nicht garantieren möchte, so bedanke ich mich dennoch für diese anregende Vorstellung 😁👍🏻

03.07.2022 22:12 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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03.07.2022 21:33 Uhr schrieb McGuinnessStutzig machte mich lediglich, wieso eine gehörlose Frau in einem Call - Center arbeitet ??? 🤔 aber vermutlich entsteht gerade hierdurch ja die Besonderheit der Ausgangssituation.
Der Vergleich zu " I Saw the Devil " (2010) drängte sich mir gleich nach deinen ersten Ausführungen auf, welchen du nur wenig später ja auch bestätigst, auch wenn hier augenscheinlich ein weitaus geringerer Blutzoll zu erwarten ist, wovon ich bereits aufgrund der Jugendfreigabe ausgegangen bin.

Dennoch bin ich interessiert, denn trotz dem ausbleiben ausufernder Brutalitäten, klingt deine solide Vorstellung nach durchweg spannender Unterhaltung und auch wenn ich dir jetzt eine Sichtung meinerseits nicht garantieren möchte, so bedanke ich mich dennoch für diese anregende Vorstellung 😁👍🏻

Als ich vor Äonen im Callcenter arbeitete gab es sogar einen blinden Kollegen dessen Arbeitsplatz auf ihn zugeschnitten war. Hatte eine Tastatur für Blinde. In diesem Fall ist es einfach sie kommunizieren über den Bildschirm in Gebärdensprache

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