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Lady Bloodfight - Fight for Your Life

Originaltitel: Lady Bloodfight

Herstellungsland:Hongkong (2016)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Martial Arts
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Als die amerikanische Backpackerin Jane (Amy Johnston) sich in Hongkong erfolgreich gegen drei Räuber zur Wehr setzt, erregt dies die Aufmerksamkeit von Shu (Muriel Hofmann), einer Kampfsportmeisterin. Beeindruckt von ihren Fähigkeiten, rekrutiert und trainiert sie die junge Frau, damit sie an einem harten Underground-Turnier teilnehmen kann. Nach Monaten kräftezehrenden Trainings ist Jane endlich bereit, sich den tödlichsten weiblichen Kämpferinnen der Welt zu stellen. Zu diesen gehört auch Ling (Jenny Wu), die Schülerin von Shus Erzfeindin Wai (Kathy Wu). Neben dem Wettkampf muss sich Jane auch anderen Gefahren stellen, die sie durch Hongkongs düstere Unterwelt führen ... (EuroVideo)

eine kritik von themoviestar:

Ich gebe es zu, wenn es um Fussball geht, war ich bis vor kurzem der Ansicht, dass dies eine klassische Männerdomäne ist. Damenfussball kann auf Hochleistungsniveau niemals so schnell, so athletisch und vor allem so attraktiv wirken wie bei den Männern, dache ich mir. Meine Meinung musste ich zumindest teilweise revidieren, als ich die begeisternden Spiele bei der Frauen Europameisterschaft in England sah. Eine ähnliche Meinung hatte ich auch vom Frauen Kampfsport und als ich kürzlich den Titel Lady Bloodfight (2016) entdeckte, musste ich schon ein wenig schmunzeln. Nach ein paar vielversprechenden Resonanzen im Internet gab ich dem Hong Kong Martial-Arts Streifen aus dem Jahr 2016 eine Chance und wurde mehr als positiv überrascht. Lady Bloodfight ist ein sehenswerter Turnier Klopper, der auf den Pfaden von Bloodsport (1988) jede Menge spektakuläre, blutige Fights liefert, mit überzeugenden Darstellerinnnen punkten kann und der vor allem auch von seiner Story her ein paar nette Einfälle zu bieten hat. Lady Bloodfight muss sich mit nichten vor der männlichen Konkurrenz verstecken und ist für Martial-Arts Fans, die Vorurteile außer acht lassen, auf jeden Fall einen Blick wert.

Der Inszenierung nahm sich Chris Nahon an, der mit dem Jet Li Action Kracher Kiss of the Dragon 2001 sein Regiedebut gegeben hatte und 2008 für den japanischen Vampir Actionfilm Blood: The Last Vampire verantwortlich war. Für die Kämpferauswahl bzw. das gelungene Casting war Temur Mamisashvili zuständig, während die Schriftsteller Bey Logan und Judd Bloch die Story schrieben, welche bewusst Inhalte vom berühmten Vorbild mit einbaut, sich aber auch nicht zu schade ist, eigene Ansätze zu etablieren. Hong Kong 2016: Die chinesischen Kampfkünstlerinnen Shu (Muriel Hofmann) und Wai (Kathy Wu) liefern sich einen erbitterten Finalkampf im Full Contact Turnier Kumite. Als nach über 8 Stunden kein Sieger feststeht, entscheidet die Jury auf unentschieden, sehr zum Unwohl der bis in die Haarspitzen motivierten Konkurrentinnen. Also wird eine Challenge ausgerufen: Jede muss im nächsten Jahr eine Schülerin ins Turnier bringen und der bessere Schützling entscheidet, wessen Meisterin die wahre Königin des Kumites ist. Während Shu sich für die amerikanische "Touristin" Jane (Amy Johnston) entscheidet und ihr ihren spirituellen Weg beibringt, lässt Wai die junge Straßenschlägerin Ling (Jenny Wu) eher Kraft und Schlagtechnik trainieren. Die neuen Teilnehmerinnen schlagen sich in der gnadenlosen und blutrünstigen Ausscheidung wacker und im weiteren Turnierverlauf müssen alle Beteiligten feststellen, dass ihre Vergangenheit und ihr Schicksal unmittelbar miteinander zusammenhängen...

Der ursprüngliche Arbeitstitel hieß Lady Bloodsport und diesem Namen macht der Film alle Ehre. Es ist schon faszinierend, wie viele Anspielungen und wie viele Erinnerungen an Van Dammes Klassiker mit eingebaut wurden und Kenner der Materie werden auch einige nicht ganz so offensichtliche Parallelen erkennen. Das Turnier heißt wie bei Bloodsport Kumite, eine Kämpferin stiehlt von ihrer späteren Lehrerin ein seltenes Schwert, der Dimak (=Todesschlag) feiert sein Revival und die extrem feindselige und gnadenlose Russin Svietta wirft der Heldin eine "Du bist die Nächste" Chong Li Gedächtnis Ansage an den Kopf, nachdem sie ihre Freundin eliminiert hat. Natürlich werden auch bei der weiblichen Endausscheidung exotische Kämpfer mit unterschiedlichen Kampfstilen aus der ganzen Welt präsentiert und was den Blutgehalt angeht, steht Lady Bloodfight dem legendären Kampfsportfilm in nichts nach. Kritiker könnten von fantasieloser Kopiererei sprechen, ich sage, wir haben es hier eher mit einer ehrwürdigen Hommage zu tun und die eigenen Weiterführungen und Interpretationen können ebenfalls überzeugen. Vor allem ist es den Story Writern gelungen, eine stimmige Geschichte mit interessanten Figuren zu präsentieren, deren Zusammenhänge im weiteren Filmverlauf aufgedeckt werden und deren persönliche Vergangenheit eng miteinander verknüpft ist. Klar ist, der Plot wird beileibe keinen Innovationspreis gewinnen und gegen Ende gibt es sogar eine extra Portion mystischen Kitsch, für Kampfsportfilm Verhältnisse wirkt die Story aber trotzdem überraschend ausgeklügelt und durchdacht.

Ein paar Minuten länger und ausgiebiger hätten die motivierenden Trainingssequenzen ausfällen können, die mir persönlich ein bisschen zu kurz geraten sind. Dafür konzentriert sich Lady Bloodfight voll und ganz auf das Kampfturnier, dass abseits der etwas arg schlicht und billig geratenen Sets bzw. Kulissen mit sehenswerten, fein choreografierten, temporreichen, intensiven und brutalen Fights aufwarten kann. Dabei verfolgt die dynamische Kameraführung gefällig das Kampfgeschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und besonders druckvolle, blutige Treffer werden mit Nahaufnahmen und Zeitlupen in den Fokus gerückt, auch wenn in vereinzelten Szenen ein wenig der Überblick verloren geht, wenn Nahon es mit plötzlichen Zoom Attacken etwas zu gut gemeint hat. Die Duelle selbst sind zahlreich und mit der nötigen Abwechslung versehen, so gibt es viele unterschiedliche Athletinnen und Kampfstile, während am zweiten Turniertag sogar eine Waffenrunde eingeläutet wird, in welcher mit Äxten, Messern und Schwertern bis zum bitteren, tödlichen Ende gekämpft wird. Der hammerharte Showdown darf dann getrost als der Höhepunkt von Lady Bloodfight gesehen werden, wo abermals nochmal alle blutigen Geschütze aufgefahren wurden.

Und liebe Herren der Schöpfung: Das die Protagonisten hier Frauen sind, wirkt sich in keinster Weise nachteilig auf den Unterhaltungswert und auf die Qualität des Streifens aus. Die meist sehr attraktiven Darstellerinnen stellen sich im Ring jedenfalls alles andere als ungeschickt an und überzeugen durch die Bank mit beeindruckender Körperbeherrschung, fantastischen Moves und einer mitreißenden Kampfdarbietung. Schauspielerisch hat mir am besten die bildhübsche Amy Johnston gefallen, die im Ring Nehmerqualitäten beweisen muss und mit glaubwürdigem und transparentem Acting glänzt, wenn sie ihre persönliche, familäre Vergangenheitstragödie bewältigen muss. Muriel Hofmann und Kathy Wu gelingt es die notwendige Verbissenheit ihres Konkurrenzkampfes evident zu verkörpern und auch als Kampfsprtlehrerinnen können sie einen gefälligen Eindruck hinterlassen. Mit Mayling MG, welche die gemeingefährliche Russin Svietta spielt, hat man einen weiblichen "Chong Li" und exzellenten Bösewicht gefunden: Sie ist mindestens genauso fies und gewissenlos und richtet ihre Gegnerinnen im wahrsten Sinne des Wortes hin, während sie egozentrisch und charismatisch in die Kamera grinst und sarkastische One-Liner zum Besten gibt. 

Wenn ich jetzt einen Quervergleich mit dem im gleichen Jahr erschienenen Karate Tiger 3 Remake Kickboxer: Die Vergeltung ziehen müsste, in welchem die Herren Moussi & Bautista versuchen in Van Dammes bzw. Michel Qissi's Fussstapfen zu treten, dann hat zumindest für mich Lady Bloodfight, auch wenn die finale Punktewertung die selbe ist, leicht die Nase vorne. Die Kämpfe sind hier druckvoller, spektakulärer, besser in Szene gesetzt und blutiger und gegen das Feuer von Amy Johnston wirkt der brave Alain Moussi wie ein schüchterner Schuljunge, der noch grün hinter den Ohren ist. Klar ist auch bei Lady Bloodfight nicht alles Gold was glänzt: Die Kampfschauplätze sind trist und lieblos, mehr Trainingseinheiten wären bestimmt nicht schlecht gewesen und am Schluss wird etwas zu sehr auf die Tränendrüsen gedrückt. Alles in allem überwiegt aber das positive deutlich und wir bekommen einen sehenswerten Kampfsportfilm präsentiert: "Ich bat um einen Drachen und du schickst mir eine Barbie!" MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.

7/10
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Kommentare

07.08.2022 09:21 Uhr - Insanity667
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Wie auch schon beim letzten Martial-Arts-Review von Dir belasse ich es hier bei der Lesefreude, die natürlich wie immer vorhanden ist! :) Schön geschrieben und auch wirklich einen guten, bildhaften Eindruck vermittelt, coole Sache MovieStar! :)

07.08.2022 10:53 Uhr - Tom Cody
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Sehr schönes und lesenswertes Review zu einem Streifen, der mir trotz kleinerer (und von dir erwähnter) Schwächen recht gut gefallen hat.
Gerade von Amy Johnston würde ich mir mehr Filme wünschen, in denen sie nicht nur die Stunts macht, sondern auch als Schauspielerin einen größeren Part vor der Kamera hat. Das nötige Charisma dafür besitzt hat sie auf jeden Fall.
Nur ihr Film "Female Fight Squad" soll ja leider nicht so dolle sein.

Allen Fans kann ich hier nur den auf YouTube zu bewundernden, knapp achtminütigen Kurzfilm (bzw. das Conceptual Action Piece) mit dem Titel "Amy vs 7" empfehlen, in dem sie in gegen sieben Gegner unterschiedlichster Kampfstile antritt. Das Teil ist ziemlich heftig - Bloodsport im Kleinformat.
https://youtu.be/IbmlGYB0I8E

07.08.2022 14:39 Uhr - Draven273
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Den hab ich mir mal angeschaut an einem typischen verregneten Sonntag, weil ich auch wissen wollte was mich da so erwartet. Und ich war tatsächlich sehr zufrieden mit dem Dargebotenen. Die Darsteller*innen wissen alle zu überzeugen, die Action ist in meinen Augen völlig ok und der geht in einem Rutsch gut runter. Einzig und allein die von Dir beschriebenen teils sehr kargen und einfallslos gehaltenen Locations kann ich hier ankreiden. Ansonsten für mich ein durchaus solider Film.

07.08.2022 22:09 Uhr - TheMovieStar
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Hallo ihr drei, vielen Dank fürs lesen und fürs kommentieren. Freut mich, wenn euch das Review gefällt. 😊😊😊

08.08.2022 00:30 Uhr - Phyliinx
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Ab auf die Sichtungsliste wenn mal wieder B stuff her muss :)

01.09.2022 10:12 Uhr - TheMovieStar
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Danke auch dir Phyliinx fürs Lesen und fürs Kommentieren. Ich hoffe, dir gefällt der Film dann wenn Du ihn siehst :-)

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