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Willow Creek

Herstellungsland:USA (2013)
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

1967 sorgte ein Amateurfilm zweier Cowboys, die im kalifornischen Bluff Creek nach dem sagenumwobenen Bigfoot suchten, unter Zoologen weltweit für Aufsehen. Nach Spurenfunden in der Gegend, Augenzeugenberichten und anderen - von Experten als authentisch angesehenen - Beweisen machten sich Sasquatch-Enthusiast Roger Patterson und sein Freund Bob Gimlin daran, einen Dokumentarfilm über die Kreatur zu drehen, weniger um weitere Beweise zu sammeln, sondern vielmehr um Geschichten von Sichtungen aus Pattersons Buch aufzuarbeiten und teilweise nachzustellen bzw. zu rekonstruieren. Nachdem der Film mit einer Crew von 9 Mitgliedern bereits abgedreht war, machten sich die beiden am 20. Oktober 1967 nochmals auf, um ein paar Naturaufnahmen als Füllmaterial zu drehen. Dabei lief ihnen ein behaartes Wesen vor die Kamera, welches später in der Forschung und der Popkultur als "Patty" bekannt werden sollte und das nahegelegene Städtchen Willow Creek gelangte somit zu Weltruhm. Entgegen der verbreiteten Auffassung wurde der "Patterson-Gimlin-Film" nie als Betrug entlarvt. Trotz aller Anstrengungen, die Szene zu nachzustellen, reichten nicht mal die Künste der renommiertesten Hollywood Kostüm-Designier ("Planet der Affen") an die knapp einminütige Filmaufnahme heran. Auch eine Dokumentation der 2000er mit dem angeblichen Darsteller von "Patty" in einem Kostüm scheiterte auf lächerliche Art und Weise daran, den Gang, die Muskelbewegungen und die Proportionen darzustellen. Wer letztendlich was glaubt, sei jedem selbst überlassen. Ein Gläubiger war, damals wie heute, jedenfalls der amerikanische Comedian Bobcat Goldthwait, der den meisten wohl als schriller, kreischender Zed aus der "Police Academy" Reihe bekannt sein dürfte. 2013 übernahm er deswegen die Regie zum "Found-Footage"-Horror "Willow Creek".

 

Die beiden Naturliebhaber und Dokumentarfilmer Kelly und Jim besuchen auf ihrer Wandertour Willow Creek, ein Mekka für Bigfootanhänger, die jährlich zu tausenden in das verschlafene Nest pilgern. Auf den Spuren von Patterson und Gimlin durch den Wald hören sie unheimliches Brüllen und Knurren aus dem Unterholz, nachts schleicht eine Kreatur um ihr Zelt, verängstigt beschließen die beiden, ihren Ausflug abzubrechen, es ist jedoch schon zu spät…

 

Aus der Sage um den berühmten Affenmenschen entspringt, wie schon bei "Night of the Demon", "Evidence", "The Legend of Boggy Creek" oder "Abominable" eine Geschichte, die das Wesen als wenig duldsam, feindselig und ungesellig darstellt. Die hier eingearbeitete Grundidee von Drehbuchautor Goldthwait selbst, dass Bigfoot offensichtlich Männer tötet und deren Frauen entführt um sie als Sexsklavinnen zu halten, muss man dabei erstmal verdauen. Glücklicherweise wird diesem Ansatz insgesamt wenig Beachtung geschenkt. Hauptsächlich zeigt "Willow Creek" nämlich einen recht interessanten Naturfilm mit sehr vielen Interviews, Einblicken in den Alltag der Protagonisten und allerhand lokaler Folklore, der sich nur langsam zum wahren Horror entwickelt und gegen Ende einige Schockmomente bietet. Dabei wird aber auf konkrete Schauwerte verzichtet, denn die Ausmaße des wilden Treibens im trockenen Westküstengebüsch werden weitestgehend der Fantasie des Zuschauers überlassen, die klaustrophobische Stimmung und das Ausgeliefertsein an die Natur steht hier im Vordergrund. Das kann unter Umständen ein Pluspunkt sein, da man darauf verzichtet, ein armes Schwein in einem 40kg schweren Primatenanzug durch den Forst zu hetzen, man muss diese wesentlich subtilere, psychologische Herangehensweise aber auch einfach mögen, sonst geht man am Ende enttäuschter aus der Nummer heraus, als man sein müsste.

Die Hauptcharaktere Jim, gespielt von Bryce Johnson ("Pretty Little Liars", "Darkness Rising") und Kelly, gespielt von Alexie Gilmore ("World's Greatest Dad") geben als Pärchen, das sich im realen Leben auf der Fahrt zum Drehort kennenlernte, eine solide Darstellung zweier aufgeschlossener, lebensfreudiger junger Menschen. Ihre Motivationen unterscheiden sich allerdings ein wenig, denn Kelly ist nicht gerade eine Bigfoot-Gläubige, Jim hingegen regelrecht besessen davon, einen Beweis für die Existenz des Wesens zu finden. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und im Verlauf der Handlung entwickelt sich eine schöne, sympathiefördernde Dynamik. In einer Nebenrolle als wütender Hillbilly ist Bucky Sinister ("Paint it Black", "The Lisa Theory") zu sehen und auch die lokale Castingagentin Laura Montagna ("Über mir der Himmel") hat einen Auftritt als namenlose, vermisste Frau bekommen. Die übrigen - von Montagna - gecasteten Schauspieler für Interviews und ähnliches sind beinahe ausschließlich Extras, die man vor Ort vor die Kamera stellte und losplappern lies.

Wie im Story-Part schon erwähnt verzichtet "Willow Creek" auf Blut, Gekröse und schlechte Affenkostüme, bietet dafür aber wahnsinnig tolle Naturaufnahmen und eine atemberaubende Klangkulisse, alles selbstverständlich im "Found-Footage" Look (und Klang), dabei aber nie aufdringlich oder unnötig hektisch. Der dokumentarische Stil mit Stativaufnahmen oder wundervollen Schwenks über die Wildnis des amerikanischen Westens schmeicheln dem Auge, die unheimlichen Geräusche in der Nacht sorgen für Gänsehaut. Ganz besonders ist die 18 minütige Szene gelungen, in der die Protagonisten in ihrem Zelt - welches eigens dafür spontan für 50,00 Dollar in einem Target um die Ecke gekauft wurde - vom Monster belagert und terrorisiert werden. Diese Aufnahme wurde in einem Take gedreht, auf dem Campingplatz, wo Patterson und Gimlin nächtigten, bevor sie ihre berühmte Aufnahme machten. Für die Schreie, das Grollen und das Werfen von Steinen zeichneten Goldthwait und Kameramann Evan Phelan ("The Valiant Monster Hunters") selbst verantwortlich. Das Motto war offensichtlich, mit dem kleinsten Aufwand die maximale Wirkung zu erzielen. "Willow Creek" entstand in nur 5 Drehtagen, das nächtliche Geschrei der Schlussszene sorgte für einen Polizeieinsatz, die Gesetzeshüter fanden die Filmcrew, inklusive einer - mit Ketchup und Erdnussbutter eingeschmierten - nackten Castingagentin vor und rückte amüsiert wieder ab. Die für den Film gelegten Bigfoot-Spuren sorgten einige Wochen später für Furore, als Wanderer diese als "echte" Kryptiden-Fußabdrücke interpretierten... 

"Willow Creek" startete am 29.04.2013 mit seiner Uraufführung auf dem "Boston Independent Film Festival" eine lange Festivaltour, die bis Mitte 2014 andauerte. Die meisten Kritikerstimmen fielen positiv aus, die recht unkonventionelle Herangehensweise wurde gelobt und brachte dem Werk 86% gammlige Tomaten ein. In Deutschland erschien der Film leider nicht, aus den USA gibt es die DVD und Blu-Ray von MPI Media, auch in den Niederlanden und Spanien gab es 2016 eine Veröffentlichung, die allerdings sehr rar ist. Ab und zu taucht "Willow Creek" im Angebot diverser Streamingplattformen auf.

 

Fazit:

Es ist schwer, zwischen den tollen Naturaufnahmen, den guten Schauspielern, den unheimlichen Schreien in der Nacht und der dichten, beklemmenden Atmosphäre, die fehlenden Schauwerte außer Acht zu lassen. Auch wenn "Willow Creek" auf seine suspenselastige, ruhige und langsame Art und Weise überzeugen kann, möchte man eigentlich mehr sehen, auch noch dann, wenn der Abspann bereits läuft. Gute Genrekost, die vieles richtig macht, auf der Zielgeraden aber ein bisschen mehr hätte tun können. Trotzdem sehenswert, wenn auch nicht für alle!

7/10 Punkte

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Kommentare

07.08.2022 14:44 Uhr - Draven273
1x
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Eine weitere tolle Vorstellung von Dir. Die Thematik finde ich interessant und vom Ding her sollte mir der Film gefallen. Anscheinend ist der komplett an mir in der Hülle und Fülle der filmischen Möglichkeiten vorbeigegangen. Bis zu deiner jetzigen Vorstellung kann ich mich auf jeden Fall nicht daran erinnern, jemals etwas von dem gehört zu haben. Wie gesagt mein Interesse ist geweckt, vielen Dank für diesen kleinen Tipp.

07.08.2022 20:54 Uhr - CheesyAK47
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Deine Review macht Lust auf den Film. Das Zed mal als Regisseur tätig war wusste ich garnicht, tolle Info. Aber ich habe das Richtig gelesen, den gibts nicht auf Deutsch?

08.08.2022 15:37 Uhr - cecil b
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Spitzenmäßige Review!!!!

Eigentlich mag ich Splatter und Affenkostüme. Wer hätte das gedacht, dass dieser Film mich trotzdem interessiert. ;) .:)

09.08.2022 23:47 Uhr - Insanity667
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Vielen Dank für Euer Feedback! :)
Und nein, den Film gibt es leider nicht auf deutsch, zumindest nicht als VOD oder DVD/Blu-Ray. :(

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