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Mean Machine - Die Kampfmaschine

Originaltitel: Mean Machine

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2001)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie, Sportfilm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,40 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Danny Meehan, gespielt von Vinnie Jones, ist ein Fußball-Star, der alles hat, was das Herz begehrt: Geld, die schnellsten Autos und ein Supermodel als Freundin. Seine Glückssträhne ist jedoch vorbei, als er einen Polizisten schlägt und dafür eingelocht wird. Im Knast steht er vor einer ganz neuen Herausforderung: Der fußballfanatische Gefängnisdirektor organisiert ein einmaliges Spiel - die Aufseher gegen die Gefangenen – und Danny muss nun aus einem faulen Haufen Schurken eine Gewinnermannschaft machen. Wenn er verliert, zieht er den Zorn der Gefangenen auf sich - gewinnt er, verspielt er seine Chance auf Bewährung. Eines ist sicher: Es wird ein Wahnsinnsspiel! (Paramount)

eine kritik von ivan_danko:

Im Jahr 1974 drehte Schnauzbartträger Burt Reynolds ("Malone", "City Heat", "Beim Sterben ist Jeder Der Erste") einen Actionfilm namens "Die Härteste Meile" (OT "The Longest Yard"), auch bekannt als "Die Kampfmaschine". Grob umrissen geht es um einen Footballstar, der aufgrund von Trunkenheit und Widerstand gegen die Staatsgewalt im Knast landet und dort nach längerem Zaudern beginnt, eine Sträflingstruppe für ein Football-Match gegen die Wärter zu trainieren. Natürlich sind der Ausgang bzw. der Verlauf des Films relativ vorhersehbar, unterhaltsam ist er allerdings allemal. Eine weitere Verfilmung entstand im Jahr 2005 unter dem Titel "Spiel Ohne Regeln" mit Adam Sandler, Burt Reynolds war hier in einer Nebenrolle zu sehen.

Was mir bis vor kurzer Zeit vollkommen entgangen war ist der Umstand, dass Ex-Sheffield, Chelsea und Leeds-United Profi Vinnie Jones ("Bube Dame König GrAS"), der auch bereits während seiner noch aktiven Fußballkarriere als Schauspieler tätig war, im Jahr 2001 unter der Regie von Barry Skolnick ein auf Fußball abgeändertes Remake drehte, das ich Euch hiermit gerne vorstellen möchte:

 

MEAN MACHINE - DIE KAMPFMASCHINE (2001)

 

Wem bei dem Namen Barry Skolnick kein Licht aufgeht, dem sei verziehen. Außer dem hier vorliegendem Titel inszenierte er tatsächlich nur eine Serienfolge und ist im Filmgeschäft auch sonst nie in Erscheinung getreten. Nicht weiter schlimm, dank einiger merklich gut gelaunter Schauspieler sieht man "Mean Machine" die fehlende Routine seines Regisseurs kaum an, gewisse Schwächen lassen sich zwar nicht wegleugnen, ebenso allerdings auch nicht einige Stärken.

Tatsächlich sind die Schauspieler eine davon, einige der bekannteren British-Actors geben sich ein Stelldichein, teilweise allerdings noch vor ihrem Durchbruch. Vinnie Jones wurde nicht zu Unrecht im Profifußball mit dem Spitznamen "Die Axt" ausgestattet, der beinharte Verteidiger war nicht gerade bekannt für Filigrantechnik, umso mehr aber für seine äußerst rüde Spielweise. Legendär sein Griff in die E..r von Paul Gascoigne, der dazugehörige Schnappschuss verhalf Jones zu ungewollter Prominenz. Nicht umsonst wird Jones heute gerne als Fiesling/Goon gecastet (zB in "The Midnight Meat Train"), seine raue, kantige Ausstrahlung lässt sich eben nicht abstreiten. Im hier vorliegenden Werk darf er als Amateurcoach wider Willen allerdings mal sein Talent für eine humordurchzogene Hauptrolle beweisen und löst diese Herausforderung ganz ordentlich.

"Wenn der Gegner am Boden liegt, greift ihm unter den Arm und zieht ihn beim Hochhelfen kräftig an den Achselhaaren".

Sinngemäß, sicher nicht wortwörtlich wiedergegeben, ist das die Art von Humor die man sich erwarten darf, rau aber herzlich. Dazu beitragen dürfen auch Danny Dyer, mittlerweile im Britischen Kino und TV durch Parts in Actionfilmen wie "Freerunner" oder dem eisenharten "Vendetta" fest verankert, sowie Jason Fleming ("The Last Kingdom") in mehr oder weniger wichtigen Nebenrollen. 

Den Vogel schießt allerdings Jason Statham ("Crank") ab. Jahre vor seinem endgültigen Durchbruch in Hollywood darf er hier als "Mönch von Broadhurst" mit ordentlicher Tendenz zum Overacting anständig die Sau rauslassen. Als kaum kommunizierender Massenmörder mit Aggressions- und Autoritätsproblemen wird er von Vinnie Jones Charakter Danny Meehan als Torwart angeworben, ständig abgelenkt durch Visionen von Gewalttaten, die er den Wärtern gerne antun würde, herrliche Mimik inklusive. Sowieso merkt man in jeder Phase des Films sämtlichen Schauspielern den Spaß an ihrer Arbeit an, ein großer Pluspunkt. So unbekannt der Regisseur auch ist, Produzent Matthew Vaughn ist dafür schon ein ganz anderes Kaliber, mit der Kingsman-Trilogie, Kick-Ass oder X-Men ist der Regisseur und Autor bereits im Blockbuster-Bereich Hollywoods voll angekommen.

Klingt alles ganz hervorragend, der Film geht ohne besonderen Anspruch locker flockig dahin, die Gags zünden teilweise wirklich gut, die Fußballszenen sind durchaus ordentlich abgedreht, und auch wenn man mal aufs Klo muss, hält sich der Verlust des Versäumten in Grenzen. Der richtige Film für den Abend, an dem man sich nicht mehr zwingend komplizierte Handlungsstränge antun will, sondern eine einfach gestrickte, aber annehmbare Story mit gutem Unterhaltungswert sehen möchte.

Nur leider muss ich nun auch, und für alle Cineasten als Warnung, zur offensichtlichsten Schwäche kommen, der Film strotzt nur so vor Klischees. Ob es der schwache Häftling ist, der zum Opfer der korrupten Machenschaften der Wärter wird, der Untalentierte, der natürlich zum Helden des Spiels gemacht wird, der technisch überlegene Schwarze, dem erst Teamwork beigebracht werden muss oder ein Erpressungsversuch, der eine vorzeitige Entlassung des Hauptprotagonisten bei einem Sieg verhindern soll, leider wird hier alles bedient. Stereotypen soweit das Auge reicht, das schließt auch einige der Hauptfiguren nicht aus. Im Grunde genommen ist eben alles dem simplen Drehbuch geschuldet, dass kaum differenziertere Entwicklungen zulässt. 

Wer allerdings gerne eine leichte Komödie mit Action- und Sportanteil sehen möchte, die mit viel Herz und rauem Charme doch vieles richtig macht, ist hier bestens bedient. Die Rollen und ihre Schauspieler sind sympathisch (das schließt auch Vinnie Jones mit ein), auch an der Kameraarbeit des weitgehend unbekannten Alex Barber gibt es nichts auszusetzen, alles ist übersichtlich und nachvollziehbar abgedreht. Wurde das Original mit Burt Reynolds ursprünglich noch ab 18 Jahren freigegeben und erst im Jahre 2014 auf eine realistischere FSK 16 runtergestuft, hatte "Mean Machine" hier keine Probleme. Trotz einiger derberer Szenen, die sich aber hauptsächlich auf den Sport beziehen, wurde der Film ab 12 Jahren freigegeben, was auch absolut angemessen scheint. 

Die kostengünstige Produktion ging mit einem Budget von 2,5 Mio. Pfund und einem Einspiel von nur knapp über 7 Mio. US-Dollar nicht als Hit in die Kinogeschichte ein. Leider ging der Film auch beim englischen Publikum baden, obwohl er wohl für genau diese fußballverrückte Nation konzipiert wurde. Special-Effects, Explosionen oder dergleichen sucht man vergeblich und sind auch vollkommen unnotwendig, was den Film trotz des geringen Budgets nicht billig wirken lässt. Von meiner Seite aus eine eingeschränkte Empfehlung für Fans von Sportfilmen der anderen Art und all diejenigen, die nicht nur auf künstlerisch hochstehenden Anspruch Wert legen. 6-7 Punkte.

 

 

7/10
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Kommentare

02.08.2022 12:09 Uhr - TheMovieStar
1x
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Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.500
Vielen Dank für die interessante Vorstellung und für das überaus lesenswerte Review. Der Film könnte was für mich sein weil ich Sportfilme im Allgemeinen sehr interessant finde und darüber hinaus auch sehr an Fußball interessiert bin.

Und die brachiale Kraft von Vinnie Jones ist eh eine Klasse für sich.

02.08.2022 19:54 Uhr - Ivan_Danko
User-Level von Ivan_Danko 5
Erfahrungspunkte von Ivan_Danko 341
Danke fürs Lesen, den kannst Du sicher mal schauen, so schlecht ist der nicht, hat seine Momente. Verlorene Zeit ist es sicher keine.

02.08.2022 21:47 Uhr - tp_industries
1x
User-Level von tp_industries 6
Erfahrungspunkte von tp_industries 524
Da bin ich dabei. Sogar mit nem Pünktchen mehr!

Wie du schon geschrieben hast, ist der Film perfekt dafür geeignet um einfach mal herunterzufahren. Nicht komplex oder besonders künstlerisch, aber schwer unterhaltsam. Dazu zählen wirklich der hervorragende Cast mit sichtbarer Spielfreude, als auch der hervorragende und stimmige Soundtrack. Da sehe ich gerne mal über die Stereotypen hinweg. ;)

Eine Kleinigkeit: Dein Satzbau ist manchmal etwas ungünstig. So hast du hin und wieder viele Kommas gesetzt, obwohl du die Grundaussagen in 2-3 Sätze hättest packen können (besonders im 4. Absatz zu erkennen). Dadurch würde es sich flüssiger lesen.

Aber wie gesagt, ist nur eine Kleinigkeit. Ansonsten hast du ein super Review verfasst!
Good Job! :)

03.08.2022 07:25 Uhr - Insanity667
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DB-Helfer
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Fiesling ist eine leichte Untertreibung zu Jones Rolle in "The Midnight Meat Train"! :))))

Schöne Kritik zu einem, mir gänzlich unbekannten, aber scheinbar doch recht sehenswerten Film! Vielen Dank dafür! ;)

03.08.2022 10:54 Uhr - Ivan_Danko
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Erfahrungspunkte von Ivan_Danko 341
Danke fürs Lesen und das Lob. Sehenswert ist der allemal.

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