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Cold Ground

Herstellungsland:Frankreich (2017)
Genre:Horror, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,00 (1 Stimme) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

Bedenkt man die schwierige Entstehungsgeschichte des französischen Horrorfilms "Cold Ground" von 2017, ist es fast ein kleines Wunder, dass man diese kuriose Fusion aus Retrohorror, "Found-Footage" und Creature-Freature überhaupt bestaunen darf. So billig, trashig und inkohärent dieses Filmchen auch sein mag, der authentische und dreckige 8mm-Look, die deprimierende Grundstimmung und die dichte Atmosphäre nebst wunderschöner Landschaftsaufnahmen sollen eine gewisse Anziehungskraft haben, die zumindest auf Schundfreunde positiv einwirken könnte. Das war offensichtlich auch das Ziel des Regisseurs Fabien Delage, welcher mit seiner Affinität zum experimentellen Filmen auf Super-8 und einigen gelungenen Lang- und Kurzfilmbeiträgen unterschiedlichster Fasson, darunter die Dokumentation "Fury of the Demon" von 2016, auf sich aufmerksam machen konnte. Der dem Crowdfunding entsprungene "Cold Ground" leitet mit ein paar alten Logos und einer Texttafel ein, die angibt, dass die folgenden Aufnahmen über 40 Jahre lang verschollen waren und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen… "The Blair Witch Project" und "Cannibal Holocaust" lassen grüßen!

 

In der Alpenregion an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich kommt es zu mysteriösen Tiertötungen und ein Forscherteam, welches dieses Phänomen untersuchen soll, ist verschollen. Die Dokumentarfilmer Melissa und David sowie der Bergführer Blake und seine Gruppe machen sich auf, das Rätsel um das Verschwinden der Wissenschaftler zu lösen und geraten dabei in Lebensgefahr…

 

Nach dem Drehbuch von Delage selbst entstand mit "Cold Ground" ein relativ simpler Schocker, der seinen Reiz hauptsächlich aus der Isolation der mitteleuropäischen Gebirgswelt zieht. Der Mangel an modernem Equipment wie GPS, Smartphones oder anderen Trackinggeräten, die das Wandern heutzutage ungleich einfacher und ungefährlicher gestalten, sorgt dabei für eine gewisse Spannung und eine beinahe trostlos klaustrophobische Grundstimmung in der kalten Winterlandschaft, die man dem Werk nicht absprechen möchte. Der Kampf ums Überleben wird dann aber doch durch einige fragwürdige Storyentscheidungen überschattet, die freilich notwendig gewesen sein mögen, um überhaupt etwas auf die Leinwand zu bringen und die Geschichte in die richtigen Bahnen zu lenken, aber unterm Strich einfach nur klischeehaft dämlich sind. Von Gruppen, die sich aus unerfindlichen Gründen trennen, um einsam zu sterben bis hin zu Charakteren, die stundenlang in einem Höhlensystem herumirren, nur um dann spontan den Ausgang zu finden und Klippen in den Tod hinunterstürzen, ist alles Mögliche dabei, was die Intelligenz des Zuschauers beleidigt. Die Kreaturen, die für den ganzen Zirkus verantwortlich sind, spotten jeder Beschreibung, was sie aber auch wieder trashig-cool macht, denn hier treiben nicht etwa Bigfoots, Hexen oder andere wildgewordene Folklorewesen ihr tödliches Spiel, sondern eine bakteriell bedingte Mutation aus – festhalten – Wölfen, Fledermäusen und Scheehasen, stilecht wachstumsbeschleunigt durch den Einfluss einer alten Uranmine!

In Sachen Schauspielerleistungen kann man diese französische Horrormär durchaus im gehobenen Mittelfeld verorten. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Sprachbarrieren zu überwinden oder ziellos durch den alpinen Forst zu stolpern, überzeugen die beiden, von journalistischer Neugier – und später von blanker Panik – getriebenen Hauptdarsteller, Gala Besson ("Little Gay Boy", "Holy Thursday") als Melissa und Geoffrey Blandin ("Bikini Vertigo", "Zappa & Co") als David durchgehend. Auch Bergführer Doug Rand ("Valerian – Die Stadt der tausend Planeten", "The Transporter") und Wissenschaftler-Kollege Philip Schurer ("Twice", "The King’s Daughter") finden sich im unübersichtlichen Schneegestöber gut zurecht und brauchen, zumindest auf darstellerischer Ebene, keine Führungsleine oder Kletterwerkzeug.

Hat jemand „unübersichtlich“ gesagt? Nicht nur budgetbedingt, sondern auch inszenatorisch im allgemeinen Sinne, krankt "Cold Ground" an den typischen Schwächen dieser Art des Filmemachens. "Found-Footage" oder auch Mockumentarys können mittlerweile von sich behaupten, einen gewissen Standard erreicht zu haben, bei dem man auf hektisches Herumwerfen der Kamera - dank besserer Technik - verzichten kann. Überhaupt geht der löbliche Ansatz, den Film als Relikt von 1976 zu präsentieren, um den Eindruck zu erwecken, es wäre wirklich eine verschollene Super-8 Aufnahme, durch das unsägliche Gezappel gegen Ende völlig krachen. Zudem ist es in den Alpen ständig dunkel wie im Bärenarsch... Dabei spendierte das Werk dem Zuschauer doch gerade in den ersten zwei Dritteln so eine schöne Zeitreise in die 70er Jahre, dass es fast schon zum Schreien ist, wie rapide und ungebremst der audiovisuelle Aspekt von „großartig“ in den Keller zu „ich brauch ne Kotztüte“ stürzt. Das Kreaturendesign sowie die zahlreichen Ekeleien könnte man durchaus als gelungen betrachten, wenn man denn was davon sehen würde. Dank der regelmäßigen Schüttelanfälle hinter der Kamera von Geoffrey Blandin passiert das aber nicht so häufig, schade eigentlich… Die Drohkulisse der mächtigen Alpen und die unheimlichen nächtlichen Schreie können da nur bedingt etwas retten.

"Cold Ground" lief auf mehrern Filmfestivals, darunter das HARDLINE Film Festival 2017, wo er mit Preisen überhäuft wurde, dass man sich fragen darf, ob die Anwesenden den selben Film gesehen haben. Hierzulande blieb das Werk jedenfalls einem breiteren Publikum mangels Veröffentlichung erspart, wer mutig ist, greift auf die französische oder kanadische Importversion von 2018 zurück, die Englisch/Französisch auf der Tonspur mit entsprechenden Untertiteln bietet, dies jedoch nur als DVD, klar... was soll man auch mit einer Blu-Ray, man sieht ja eh nichts.

 

Fazit:            

Allen die jetzt unken mögen, das "Found-Footage" Sujet sei ohnehin tot, denen sei gesagt, dass es auf diesem Sektor seit geraumer Zeit wieder lohnenden, wirksamen und mitunter toll gefilmten Horror zu bestaunen gibt. "Cold Ground" gehört aber nicht dazu und stellt wohl den Ausreißer nach unten dar… Dieses Werk ist genau das, was es sein will: Ein Relikt vergangener Zeiten, nach dem kein Hahn mehr kräht… Hätte auch noch weitere 40 Jahre im Schnee liegen bleiben können!

4/10 Werwolfschneehasen!

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Kommentare

16.08.2022 14:01 Uhr - Punisher77
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Ein famoses, lesenswertes Review.
Als ich das hier abgebildete Filmplakat gesehen habe, habe ich sofort gedacht, es handele sich bei dem Film um einen alten Klassiker... ich glaube zwar nicht, dass ich mir den Film nach Deiner Kritik ansehen werde, aber trotzdem ist Dein Review wirklich gut gelungen.

16.08.2022 17:02 Uhr - cecil b
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Deine Review ist wieder großartig!!!!!!

2017? Das Retro-Prinzip scheint zuweit gegangen zu sein. ;) Das Cover ist wunderbar, aber Beleidigungen der Intelligenz muss man nicht wieder aufwärmen. ;)

16.08.2022 17:59 Uhr - dicker Hund
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Den Typen auf dem Cover habe ich erst für einen Yeti gehalten. Aber mit dem Gedanken habe ich offenbar im Dunkeln getappt, bärenarschmäßig sozusagen. Feine Kritik, ohne dass ich da inhaltlich mitreden könnte.

16.08.2022 18:58 Uhr - Insanity667
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Vielen lieben Dank Ihr drei für Eure Kommentare!

Ja, das Cover ist mitunter sehr gelungen und schick, im Gegensatz zum Rest. Es zeigt außerdem eine der besten Szenen des Films... Bäh... :D

16.08.2022 20:59 Uhr - McGuinness
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Allein vom Cover her habe ich auf eine kleine Horror - Perle vergangener Zeiten getippt.
Da ich für nett illustrierte Motive schon immer empfänglich gewesen bin, auch wenn ich damit schon öfters mal aufgrund eines Blindkaufs ordentlich auf die Schnauze gefallen bin 😅 habe ich mir dennoch hier irgendwie ansatzweise ansprechende Unterhaltung gewünscht, bei der es mich auch in Form von Grusel mal frösteln darf 👻

Deine toll verfasste Kritik lässt mich dann aber doch einen gemütlichen Abend vor dem Kamin 🔥🥃🥴 verbringen, jetzt nicht unbedingt im Sommer, aber wohl doch lieber als mir mit diesem Werk Frostbeulen zu holen 🥶😒

17.08.2022 08:57 Uhr - Draven273
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Das Cover find ich ja sehr geil, sieht man viel zu selten. Da hätte ich auf ne alte Perle wie mein Kollege McGuinness getippt. Deiner Review nach, die wieder mal sehr fein geschrieben ist, lasse ich das Ding aber lieber liegen. Oder ich sag mal, der kommt nicht so schnell auf die Watchlist, die sowieso immer irgendwie zu lang ist. Wobei du mich schon neugierig gemacht hast. :)

18.08.2022 08:03 Uhr - Insanity667
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Danke auch Euch beiden!

Ich seh' schon, das Cover macht alle leicht wuschig... Wie schon erwähnt, schade, dass dieses noch mit das Beste am Film ist! :)

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