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Bronx War

Originaltitel: The Bronx War

Herstellungsland:USA (1991)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krimi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Tito Sunshine (Joseph B. Vasquez), Besitzer eines Striplokals in der Bronx und Crack-Dealer, ist sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber als der Gangster Cesar (André D. Brown) bei ihm auftaucht, um nach abhandengekommenem Kokain zu suchen, kommt er trotzdem zu dem Schluss, dass ein Krieg auf den Straßen keine gute Lösung wäre. Dieser lässt sich allerdings nicht vermeiden, da es dummerweise Rachel (Charmaine Cruz), die Schwester von Tito Freundin war, die Cesar beklaut hat – und die wohnt jetzt bei Tito. ()

eine kritik von mcguinness:

" Spiel keine Spielchen mit mir, du halber Hahn, das mag ich nicht ! " 

 

 

Tipps, um New York glücklich (und vor allem lebend) wieder zu verlassen lauteten: Niemals in die U - Bahn, niemals nach 18.00 Uhr auf die Straße. Aufgrund der explodierenden Kriminalitätsrate verließen viele New Yorker fluchtartig die Stadt, sodass Ende der 70er - Jahre fast eine Million Bewohner weniger als noch im vorherigen Jahrzehnt in New York lebten. Doch mit den Achtzigern kam das Crack in die Metropole und schnell stritten sich Dealer um Territorien und Kundschaft, was nur allzu oft im tödlichen Kugelhagel endete. Das mörderischste Jahr des modernen New Yorks folgte jedoch 1990, an dessen Jahresende knapp 2250 Tote gezählt wurden, die meisten Morde, die es je gab in dieser Stadt. Stadtteile wie Brooklyn und die Bronx waren extrem gefährlich, und dies war weiß Gott keine übereifrige Warnung mehr bloß an Besucher gewesen, sondern blutiger Ernst.

Joseph B. Vasquez, der hier nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern zudem auch noch selbst die Hauptrolle spielte, schuf im Jahre 1991 mit " The Bronx War " einen Actionthriller, der sich New York Citys berühmt - berüchtigten Stadtteil, nämlich die Bronx, zum Schauplatz für einen offenen Krieg unter rivalisierenden Drogenbanden nimmt. Weitere Werke von Vasquez sind " Hangin' with the Homeboys " (1991) und der Film " Riot " (1997), denn weitreichendes filmisches schaffen war ihm nicht mehr gegönnt, da Vasquez mit gerade mal 33 Jahren 1995 an den Folgen einer AIDS - Erkrankung starb.

Inhaltlich geht es bei " The Bronx War " um den Dealer Tito Sunshine, gespielt von Vasquez selbst, der hier von der Szene - Größe ' Caesar ' beschuldigt wird, die Schwester seiner Lebenspartnerin Maria zu decken, die für den Diebstahl von Heroin im Wert von 40.000 Dollar verantwortlich ist und logischerweise will Caesar nun seinen Stoff wiederhaben. Was folgt, ist ein erbarmungsloser Krieg auf den Straßen der Bronx, bei dem es keine Gewinner zu geben scheint.

Joseph B. Vasquez stammt selbst aus zerrütteten Familienverhältnissen und wurde in der South - Bronx als Sohn zweier Heroinsüchtiger geboren, schaffte es dennoch sich irgendwie aus dem Sumpf zu begreifen und begann bereits mit 12 Jahren eigene Filme zu drehen, was ihm später einen Abschluss als Filmemacher am City College of New York bescherte, auch wenn dieser Werdegang ihn nicht vor seinem erwähnten Ende in viel zu jungen Jahren bewahren konnte. Daher ist das Fundament, auf welchem dieser Film steht, schon mal nicht verkehrt, kann Vasquez seine Erlebnisse und Eindrücke aus frühester Kindheit und Jugend doch authentisch in sein Werk einfließen lassen und das hier mitunter an Original - Schauplätzen gedreht wurde, unterstreicht noch einmal den Realismus und das dazugehörige Milieu, welches Vasquez uns hier näherbringen möchte.

Als Drogendealer Tito Sunshine jedenfalls, der unter gleichen Namen eine schäbige Bar bzw. Strip - Club betreibt und im Hinterzimmer seine Geschäfte abwickelt, verkörpert dieser seine Rolle durchweg solide und glaubwürdig, und schafft es dabei sogar noch seinem Charakter kleinere Sympathien anzudichten, indem er beispielsweise einem vernachlässigten und obdachlosen Jungen eine Unterkunft besorgt und diesem etwas Geld zusteckt. Tito gefällt sein Leben als Drogendealer offensichtlich und er gedenkt auch nicht dies zu ändern, sehr zum Missfallen seiner Freundin Maria, die sich ein anständiges, ehrliches und bürgerliches Leben wünscht.

Mit der Ruhe ist es allerdings jäh zu Ende, als der Big Boss ' Caesar ' in Titos Club auftaucht und seine Ware fordert, welche er bei der Schwester seiner Freundin Maria vermutet. Dumm nur, dass diese nach einem blutigen Überfallkommando auf ihren Gatten, der für Caesar Stoff verkauft hat, bei Tito und Maria untergetaucht ist, jedoch immer wieder beteuert, nichts mit Drogen oder den Geschäften ihres getöteten Mannes zu tun zu haben. Andre Brown, lediglich gesehen in " Der Tanz des Drachen " (1985), mimt hier das besagte Oberhaupt mit dem Namen des römischen Feldherrn und genau wie einst dieser, befehligt er einen mörderischen Haufen, der zu allem bereit ist und vor Mord keineswegs zurückschreckt.

Bereits der Auftakt gestaltet sich schon überaus brutal und blutig, wenn etwa die Jungs von Caesar bei dem Mann von Rachel (der Schwester von Maria) in dessen Behausung einfallen und das Feuer aus Schrotflinten und Revolvern eröffnen. Die Arbeit des Kameramanns Gordon Minard (The Sixth Sense - 1999) bringt uns das Gemetzel dabei mit ansehnlichen Bildern nahe, auch wenn durch den Schnitt des Editors Michael Schweitzer (The Toxic Avenger - 1989) auffällt, dass aus Kostengründen nicht immer auf die begehrten Blutbeutel zurückgegriffen werden konnte, sondern wir nach dem Schuss aus der Waffe und dem folgenden Schnitt, manche der Opfer nur umfallen oder am Boden liegen sehen, auch wenn diese dann glücklicherweise Einschusslöcher und blutige Oberteile aufweisen. Musikalisch unterlegt wird hier mit dem Score von Tasso Zapanti (Black Cougar - 2002), der als stimmig, keinesfalls jedoch als herausragend betrachtet werden kann.

Auf tiefsinnige oder ausgefeilte Dialoge darf ebenfalls nicht gehofft werden, wozu insbesondere Titos Bruder Tony, dargestellt von Julian Scott Urena, gesehen in " Mixed Blood - Die Ratten von Harlem " (1984) beiträgt, der großes, wenn auch primär rein körperliches Interesse an der Tänzerin Alicia, gespielt von Marlene Forte, hat, die man beispielsweise in der Neuauflage " Dallas " (2012 - 2014) zu sehen bekam. Ein halbstarkes Wiesel ist Tony, dennoch loyal und hartnäckig genug, um mit Alicia doch noch in den Federn landen zu können.

Die Story ist dünn, die Dialoge schwach und ein überragendes Schauspiel darf hier beileibe nicht erwartet werden, und dennoch punktet " The Bronx War " durch recht authentische Aufnahmen des Molochs jenes Stadtteils, der schon immer in Verruf gestanden hat, wobei die maroden Fassaden trotzdem ihren ganz eigenen Charme zu versprühen wissen. Dafür gibt es genügend Gewalt, auch wenn sich diese hauptsächlich aus Schießereien, die eigentlich mehr knappen Mordsequenzen gleichen, zusammensetzen, doch wissen diese in ihrer Radikalität und dem völligen fehlen jeglicher Empathie zu gefallen. Lediglich die etwas gekünstelte Familienfehde zwischen Tito und der Mutter von Maria und Rachel wirkt zuweilen etwas entschleunigend und sollte wohl eher als Lückenfüller dienen, bevor diverse Bandenmitglieder auf beiden Seiten erneut einer Bleivergiftung erliegen. Zusätzlich hätte ich gerne noch etwas pikantere Details als bloß den Busenblitzer von Alicia gesehen, denn gerade das Vergnügen mit Tony bot doch Anlass genug für eine Kissenschlacht der besonderen Art. 

Mit " The Bronx War " gab Vasquez sein Spielfilmdebüt und ich denke, dass mit mehr Erfahrung, vor allem aber mit mehr Geld in der Hand, dieser junge Geist, der selbst aus schwierigen Verhältnissen stammt, es sicherlich noch zu beachtlichen Produktionen hätte bringen können, wenn das Schicksal ihm nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht und der Leib der Erde diesen jungen Mann viel zu früh zu sich genommen hätte. 

5/10
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Kommentare

04.08.2022 19:10 Uhr - immi666
Diesen Film hatte ich nie auf dem Radar, umso interessanter ist Deine (sehr gut verfasste) Rezension. 👍🙂

04.08.2022 19:29 Uhr - McGuinness
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@immi666

Der ist auch über die Jahrzehnte ziemlich in der Versenkung verschwunden und dürfte wohl nie besonders große Aufmerksamkeit erregt haben.

Ich sah diesen vor gut 25 Jahren mal nachts zusammen mit einem Kumpel auf RTL 2 und damals hat der uns richtig begeistert, heute lockt der mich nicht mehr so wirklich, wobei man fairerweise sagen muss, dass mit schmalem Budget und nahezu keinerlei Erfahrung der Beteiligten sowohl vor als auch hinter der Kamera, ein recht respektabler Beitrag geleistet wurde.

Für deine Antwort bedanke ich mich und freue mich sehr über dein Lob 😉

04.08.2022 20:39 Uhr - immi666
1x
Du, nur gerade so eine Eingebung von mir, aber wenn Dich Gang-Filme generell interessieren, wäre DEADBEAT AT DAWN Deine Aufmerksamkeit wert. Ein ziemlich gnadenloses Brett von No Budget-Film.

04.08.2022 21:02 Uhr - McGuinness
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@immi666

Von dem habe ich noch nie zuvor gehört, doch der Trailer gefällt mir schon mal gut 👍🏻
Optisch scheint der zumindest in dieselbe Kerbe zu schlagen wie " The Bronx War ", Gewalt ist offenbar ausreichend vorhanden und Kung - Fu artige Einlagen gesellen sich auch noch hinzu... Danke dir für den Tipp 😁

05.08.2022 13:29 Uhr - Insanity667
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Deine, wie eigentlich immer interessante, fabelhafte Rezension genieße ich gerne, und auch das Vermächtnis von Joseph B. Vasquez in Ehren, aber den Film werde ich wohl nicht schauen. Da bleib ich doch lieber bei der "Gefahr für die Gesellschaft" von der Westküste... ;)

05.08.2022 14:23 Uhr - McGuinness
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@Insanity667

" Menace to Society " (1993) gilt für mich persönlich ohnehin als Referenzwerk, von daher kannst du " The Bronx War " ruhig weglassen, ohne hier irgendetwas großartig zu verpassen.

Habe ich schon erwähnt, dass mich dein Lob immer sehr freut ? 😉
Vielen lieben Dank für die Blumen 🤗

05.08.2022 14:42 Uhr - Insanity667
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Gerne doch! In diesem Sinne: "Will jemand 'nen Cheeseburger?!" :)

05.08.2022 17:44 Uhr - McGuinness
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@Insanity667

" Mein Großvater hat mich mal gefragt, ob es mir egal ist, dass ich lebe oder sterbe ?
Ist es nicht.
Jetzt ist es zu spät... "

Toll, dass du dieses Werk ebenfalls sehr zu schätzen weißt 👍🏻

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