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Psycho II

Herstellungsland:USA (1983)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Psycho 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,29 (22 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nach 22 Jahren in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke kehrt Norman Bates in sein Motel zurück. Aber er ist nicht der Einzige. Die Schwester seines früheren Opfers glaubt nicht an dessen Genesung. Als das Morden von Neuem beginnt, scheint die Sachlage klar... (Universal Pictures-Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von bigpokerking:

Fortsetzungen haben es meist schwer. Erst recht, wenn es sich beim Ursprungsfilm um so ein großes Kaliber wie Psycho handelt. Trotzdem wagte sich der, leider viel zu früh verstorbene, Regisseur und Schüler von Alfred Hitchock, Richard Franklin, 23 Jahre nach dem Original und 3 Jahre nach Hitchs Tod an eine Fortsetzung. Den Segen holte er sich von Hitchs Tochter, welche im ersten Film Marions Arbeitskollegin mimte. Das Drehbuch für das Sequel schrieb „Childs Play“ Autor Tom Holland. Ursprünglich als TV Film geplant und mit Christopher Walken in der Rolle des Norman Bates. Nachdem Anthony Perkins jedoch ganz überraschend zusagte, da ihm das Drehbuch so gefiel, erkannte Universal die große Chance Geld zu machen, pushte das Budget und brachte Psycho II im Sommer 1983 in die Lichtspielhäuser. Und obwohl das, immernoch recht schmale, Budget von 5 Millionen Dollar fast versiebenfacht wurde, geriet der Film über die Jahre, vorallem außerhalb von Amerika, völlig zu unrecht in Vergessenheit. Deshalb zu unrecht, da PSYCHO II meine persönliche Lieblingsfortsetzung ist…

Bei meiner Review zum ersten Teil verzichtete ich bewusst auf eine detaillierte Inhaltsangabe, da die Handlung den meisten bekannt sein dürfte. Hier möchte ich jedoch genauer auf den Inhalt eingehen.

Starten tut der Film mit der legendären Duschszene. VHS Kassetten fingen zu der Zeit zwar an zu boomen, aber ein Großteil des Publikums hatte Psycho das letzte mal vor 23 Jahren gesehen. Von daher ist es nachvollziehbar, dass die Fortsetzung mit der Szene beginnt, die Filmgeschichte schrieb. So ist man als Zuschauer wieder sofort voll dabei. Auch zeigt es einem nochmal eine von Normans grauenvollen Taten, was wichtig ist, da so in der ersten „richtigen“ Szene ein Konflikt entsteht. Die Frau ist tot. Die Dusche läuft. Die Kamera schwenkt zum Fenster, man sieht das legendäre Haus… Schwarzblende… und BOOM! Psycho II wird einem in blutig roten Buchstaben ins Blickfeld gehauen. Nun sehen wir allmählich wieder das Haus, diesmal jedoch in Farbe. Der Film setzt das Original zwar perfekt fort, Franklin fängt auch die gleiche Atmosphäre ein, aber sein Stil unterscheidet sich sehr von Hitchcocks. Nicht nur den Film in Farbe zu drehen war mutig, sondern auch Bernard Herrmanns ikonischen Score komplett zu ersetzen. Jerry Goldsmith, Komponist von „Das Omen“, „Alien“ und „Gremlins“, ging in eine völlig andere Richtung. Weg sind die bedrückend streichenden Klänge von Herrmann, Goldsmith setzt einmal auf melancholisch ruhige und extrem traurige Musik, wie etwa im Main Theme. Dann kann er allerdings auch Spannung und Grusel erzeugen, in den Mordszenen ähneln einige Klänge sehr dem Murder Theme des Vorgängers. Ich gehe sogar so weit und stelle den Score mit Herrmanns auf eine Stufe. Aber hört einfach selber mal rein, solltet ihr ihn nicht kennen! 
Auch die Kamera weiß zu begeistern: schöne und gleichzeitig einschüchterne Aufnahmen des Hauses, ein Vertigo Effekt und eine unglaubliche Kamerafahrt vom Dachbodenfenster in den Keller, sind da nur ein Paar Beispiele. Aber nun zur Handlung und ihrem Reiz. 
Der einfachste Weg eine Fortsetzung zu machen, wäre wohl gewesen, dass Norman aus der Anstalt ausbricht und eine Gruppe von Teenagern im Psycho Haus abschlachtet. So ungefähr verlief auch das Buch „Psycho II“, welches ein Jahr zuvor erschien. Robert Bloch war zwar wieder als Autor tätig, aber hatte scheinbar in den Jahren seit dem ersten Roman verlernt, spannend zu schreiben. Ich zumindest fand den Roman ,,Psycho II“ gähnend langweilig. So sahen das scheinbar auch die Leute bei Universal, die die Story für die Filmadaption komplett umschrieben ließen. Was dem Film nur zu gute kam. 22 Jahre nachdem Norman Bates in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde, wird er für geheilt erklärt und vor Gericht entlassen. Noch bevor wir Norman sehen, gestikuliert Vera Miles als wütende Zeugin im Gerichtssaal umher. Hier haben wir den ersten großen Twist: der Held des letzten Filmes ist nun der Schurke und der Schurke der Held. Auch wenn ihre Motive, Norman nicht freilassen zu wollen, verständlich sind (immerhin wurde ihre Schwester von ihm brutal ermordet), ist einem Vera Miles Charakter hier von Sekunde eins an unsympathisch. Umso verwunderlicher, da sie ja das Final Girl und die Quasi Heldin des Originals war. Norman, der einst geisteskranke Serienkiller, nimmt die Rolle des Opfers ein. Perkins brilliert abermals als der schüchterne, unscheinbare und diesmal noch mehr in sich gekehrte, nette Typ von nebenan. Norman wächst einem extrem ans Herz, er ist sich seiner Taten und Fehler bewusst, und versucht alles, um sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Trotz abraten seines Psychaters (Robert Loggia), zieht er in sein altes Heim zurück, und fängt an in einem Diner zu arbeiten. Schnell lernt er die junge Mary (Meg Tilly, Schwester von „Chuckys Braut“ Jennifer Tilly) kennen, und scheint sie sehr zu mögen. Tilly startete leider nie so richtig als Schauspielerin durch, so war sie dennoch 1985 für einen Oscar nominiert. Laut eigenen Aussagen war sie eine der wenigen Leute am Set, die sich gar nicht mit Perkins verstanden. Davon merkt man im Film nichts. Ihre Chemie mit Perkins ist einzigartig, die beiden umgibt ein Gefühl von Liebe, ohne dass es dabei romantisch wird. In einer der besten Szenen des Filmes, sitzen die beiden umklammert in Normans altem Kinderbett und Norman fleht sie an, dass sie, egal was passieren möge, nicht zulassen darf, dass er noch einmal in die Irrenanstalt muss. Norman hat scheinbar endlich jemanden gefunden, der ihn so akzeptiert wie er ist. 
Doch dann fängt es wieder an… Norman hört die Stimme seiner Mutter, kriegt mysteriöse Anrufe und Zettel mit verstörenden Botschaften. Als dann Leute auf mysteriöse Weise anfangen zu verschwinden, fragen sich der Zuschauer und Norman selber, ob er wieder verrückt geworden ist, oder ob jemand anderes die Morde begeht. Wie auch immer, Psycho II hält so manche Überraschung bereit…

Mehr möchte ich dann doch nicht erzählen, für alle die den Film noch nicht gesehen haben. Seit Ende 1983 hat zumindest auch der deutsche Zuschauer die Chance, sich ein eigenes Bild zu machen. Der Film ist seit jeher umgeschnitten ab 16 freigegeben, was mich persönlich sehr überrascht, immerhin ist der Gewaltgrad DEUTLICH höher als im ersten Teil, welcher zur Zeit des Release noch mit einem 18er Flatschen herumgeisterte. Psycho II hat einen besonders grausamen Mord, welcher sicher zur Indizierung geführt hätte, wenn auf dem Cover Freitag der 13. gestanden hätte. Auf Amazon Prime und in der Psycho DVD-Box mit den originalen 4 Teilen ist jedoch eine wirklich grausame Tonspur enthalten, bei der jedes „s“ wie das zischeln einer aggressiven Schlange klingt. Es war das allseits beliebte Label Turbine, welches 2019 mit der Psycho Bluray-Box erstmals eine normale Tonspur bot. Diese Box ist leider schon vergriffen, aber es gibt eine abgespeckte Version für kleineres Geld. Wer in den Genuss der remasterten Tonspur kommt, kann auch bezeugen, wie stark die deutsche Synchro ist. Eckart Dux (mit stolzen 95 Jahren gerade Deutschlands ältester amtierender Synchronsprecher) spricht, wie im ersten Teil, Norman Bates, und trifft den Nagel auf den Kopf. Er bringt alle Facetten von Perkins herüber: Angst, Verzweiflung, Trauer, Wut, aber auch Wahnsinn. Wie facettenreich Dux ist, hat er auch mit seiner Darbietung als Arthur in allen 9 Staffeln von King of Queens bewiesen. Auch Andreas Mannkopffs Stimme als der schmierige Mr. Toomey (Dennis Franz) möchte ich hier nochmal erwähnen. Die passt ebenfalls wie die Faust aufs Auge! Die deutsche Synchro kann sich auch sonst wirklich sehen lassen.

Auf jeden Fall muss ich eine absolute Empfehlung für Fans des Originals aussprechen, die diesen Film noch nicht gesehen haben. Aber ebenso für Thriller, Horror oder Slasherfans. Auch wenn bei mir sicherlich ein gewisser Nostalgiefaktor mit hineinspielt, ist PSYCHO II meiner Meinung nach eine meisterhafte Fortsetzung, die dem Original fast ebenbürtig ist.

10/10
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Kommentare

06.08.2022 09:48 Uhr - Fulgento
1x
Sehr gute, informative Review.
Ich setz mich jetzt vermutlich ins Hornissennest, wenn ich sage, dass ich Teil 2 besser als das Original finde. Den ich natürlich auch sehr schätze.
Psycho 2 hat eine absolut geniale Atmosphäre und den typischen 80er Jahre Slasher Look, den ich sehr mag.
Aber der grosse Spannungsaufbau und die vielen Wendungen machen aus dem Film mehr, als nur einen weiteren Freitag, oder Halloween Klon.

Ich bin mit 9 Perücken auch dabei!
;-)

06.08.2022 11:26 Uhr - BigPokerKing
1x
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Vielen Dank für dein Lob Fulgento! Ob du’s glaubst oder nicht, aber wenn man sich im Internet umhört, vor allem auf YouTube, sind überraschend viele der Ansicht, dass der Zweite besser ist als der Erste!

06.08.2022 11:58 Uhr - Fulgento
1x
Gibt Fälle, wo es echt schwer ist, zu sagen:
Was ist jetzt besser? Original, oder Sequel.
Bsp.: Alien, Hellraiser oder, ja! Halloween.

Aber find eben bei Psycho 2 die Charakerisierung von Norman oder eben besonders auch Lila Loomis als deutlich ausgereifter.

Und der von dir schon angesprochene Score von Jerry Goldsmith ist natürlich auch über alle Zweifel erhaben.
Ebenso die Kamera von Carpenters Spezi Dean Cundey.
Bei der Kamerafahrt vom Dachboden zumKeller hat man wohl bei Tenebre geschielt.
;-)

Bin mal gespannt, wie Teil 3 bei Dir weg kommt..

06.08.2022 13:28 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Du hast es drauf, BigPokerKing!

Bitte mehr davon! :)

Film: sehr cooles Sequel. 8 Punkte bei mir.

06.08.2022 14:11 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
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Sehr gut besprochen, ich bin echt gespannt, was Du uns noch so servierst.

Besser oder schlechter ist ja immer auch ein bisschen subjektiv... Ich kann einem splattrigen Zombiereißer von Lucio Fulci in einem Anflug von Sympathie, Begeisterung und geistiger Umnachtung 10/10 Punkte geben und "Psycho" nur 9/10 Punkte.

"Psycho II" bekommt von mir auch 10/10 Punkte, diese sollen aber nicht die Qualitäten von Hitchcocks einflussreichem und zweifellos wegweisendem Original schmälern. Ich finde einfach nur, dass der Meister im direkten Vergleich bessere Filme gemacht hat, die ihre Höchtnote verdient haben und mir persönlich einfach besser gefallen. "Der unsichtbare Dritte", "Vertigo", "Rebecca", "Ich beichte", "Im Schatten des Zweifels", nur um ein paar zu nennen...

"Psycho II" hingegen ist Perkins in Höchstform und somit auch bedacht mit der Höchstwertung, die eigentlich nix mit Hitchcock zu tun hat, sondern fast ausschließlich auf der Performance des Hauptdarstellers beruht. :)))

11.08.2022 00:12 Uhr - Norris
1x
Gefällt mir auch besser als Teil 1. Schöne Slasher-Atmosphäre und ein genialer Anthony Perkins.

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