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Psycho III

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Psycho 3
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,25 (22 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Norman Bates ist zurück. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe ist der Serienmörder Norman BAtes wieder auf freiem Fuße. Als er die junge Maureen kennen lernt, scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden. Doch dann geschieht etwas schreckliches .... (DVD-Cover Universal)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von bigpokerking:

Nach dem Ende von Psycho II hätte, wie bereits beim Original, eigentlich Schluss sein können. Aufgrund des Erfolges an der Kasse und bei den Kritikern, ließ sich Universal nicht lumpen und gab fix einen dritten Teil in Auftrag. Sie waren sogar so optimistisch, dass sie Anthony Perkins einen großen Wunsch erfüllten: er durfte Regie führen. Schließlich kennt niemand Norman Bates besser als Norman Bates, stimmt’s? Ausgestattet mit einem Budget von 8,5 Millionen Dollar ging man mit PSYCHO III im Sommer 1986 optimistisch an den Markt… nur um mit einem Einspielergebnis von 14 Millionen zu floppen. Der Cast war enttäuscht, allen voran Perkins, der im Vorhinein die Werbetrommel ziemlich rührte. Es gab viele Trailer und TV-Spots, eine Doku über die Dreharbeiten und ein Musikvideo für den Song „Scream of Love“, welcher auch Teil des Soundtracks von Psycho III war. In besagtem Video sah man auch Perkins, das Psycho Haus und die legendäre Dusche. Die ganze Promo war scheinbar umsonst, das Publikum mochte Psycho III nicht. Doch ist der Film wirklich so schlecht? Meiner Meinung nach überhaupt nicht! Er kann sich sogar echt sehen lassen.

Die Inhaltsangabe enthält Spoiler zu Psycho II.

Einen Monat nach den Ereignissen des zweiten Teils, lebt Norman wieder ein ganz normales Leben. Scheinbar. Denn in Wirklichkeit sitzt oben am Fenster wieder die Leiche seiner Mutter. Emma Spool, welche sich am Ende des Vorgängers als diese zu erkennen gab, wird seit jeher vermisst. Eine penetrante Reporterin (Roberta Maxwell) ist aus diesem Grund in der Stadt, sie möchte Spool finden, und verdächtig Norman, welcher Unterstützung von einem jungen Musiker (Jeff Fahey) erhält. Zur gleichen Zeit kommt eine junge Nonne (Diana Scarwid) zum Bates Motel, die scheinbar den Glauben an Gott verloren hat, und in die sich Norman verguckt. Doch „Mutter“ wird schnell eifersüchtig, und so geht schon bald wieder das Morden los…

Inhaltlich hat Psycho III etwas weniger zu bieten als sein Vorläufer. Bis auf Norman haben wir einen komplett neuen Hauptcast und die Story ist weitestgehend nur eine Kopie des ersten Teils. Trotzdem schafft es der Film, von mir für gut befunden zu werden. Das liegt zum einen an den Darstellern: Anthony Perkins ist großartig wie immer, sowohl vor, als auch hinter der Kamera, aber dazu später mehr. Roberta Maxwell passt gut als zickige und hartnäckige Reporterin, die zwar eigentlich gute Absichten hat, aber dem Film als Schurkin dient, da sie ja gegen Norman, unseren Helden, arbeitet. Diana Scarwid als liebenswerte, naive Nonne funktioniert, ihr Charakter wird jedoch gegen Ende etwas nervig. Nichtsdestotrotz passt sie zu Norman, und die beiden haben eine gute Chemie (wenn auch nicht so gut wie Norman mit Mary in Teil Zwei). Jeff Fahey als hinterhältiger Musiker Dwayne Duke spielt richtig fies, wenn er zum Beispiel Norman erpresst, oder eine Dame abschleppt und sich mit ihr vergnügt, nur um sie letztendlich nackt vor die Tür zu werfen. Besagte Dame wird übrigens von Juliette Cummins verkörpert, also Robin aus Freitag der 13. Teil 5 und Sheila aus Slumber Party Massacre II. Perkins wollte offensichtlich an den Slasher-Hype der 80er anschließen. Von daher ist es selbstredend, das Cummins nicht nur ihre Oberweite präsentiert, sondern auch gekillt wird. Apropos Kills, diese sind hier wieder sehr blutig, eine Szene in der Telefonzelle spiegelt die Duschszene aus Hitchcocks Urfilm, auch gibt es ein Äquivalent zum Treppenmord. Einen richtig fiesen Kehlenschnitt gibts obendrein. Die FSK ist der Psycho-Reihe wohl sehr wohlgesinnt, wie sein Vorgänger bekam Psycho III damals eine FSK 16. Zwar mit kurzen Schnitten, wie hier auf dieser Seite nachzulesen, aber trotzdem krass, wenn man den manischen Indizierungswahn der 80er in Deutschland bedenkt. Auch wenn Psycho III eher ein typischer Slasher ist, hat die Story am Ende ein Paar Kniffe. So wird etwa das Ende des zweiten Teils beeinflusst, was mich aber überraschender Weise nicht gestört hat, da es gleichzeitig das Ende des ersten Teils wieder richtig stellt. Inhaltlich ähnelt er, wie gesagt, sehr dem Ersten, sowohl in der Story, als auch in den Morden. Das passt, da sich die Geschichte bei einem kranken Mann wie Norman nun mal immer wiederholen wird. 
Diana Scarwids Charakter Maureen erinnert Norman sehr an Marion Crane, sie hat sogar die gleichen Initialen, M.C., weshalb Norman an eine Art Reinkarnation von Marion glaubt. Das Thema Religion zieht sich allgemein durch den gesamten Film. Mutig ist auch, den Film nicht direkt beim Bates Motel zu beginnen, sondern mit der Nonne Maureen, und ihrem Ausruf „ES GIBT KEINEN GOTT!“. Die Frage des Glaubens beschäftigt Maureen sehr.

Passend zur depressiveren und trostloseren Grundstimmung, die dieser Film hat, stammt der Soundtrack von Carter Burwell, welcher für die meisten Filme der Coen Brüder den Score beisteuerte. Seine Klänge unterscheiden sich wieder komplett von denen der Vorgänger. Das Main Theme „Maureen in the Desert“ vermittelt Hilflosigkeit und Einsamkeit. „Warm As a Cry for Help“ ist das komplette Gegenstück, eine Synthesizer Version des Main Themes, welche aber ein viel fröhlicheres Gefühl vermittelt. Meine persönlichen Highlights sind „Mother?“ und „Bad Boys and Body Bags“, zwei sehr mystisch klingende, unheimliche Scores. Insgesamt würde ich Burwells Score knapp hinter denen der ersten beiden Teile ranken. Erst ist wirklich sehr stark. Nicht nur der Soundtrack, auch Perkins Regie war, laut eigenen Aussagen, von den Coen Brüdern beeinflusst. Sein Lieblingsfilm war Blood Simple, den er dem gesamten Cast vorführte. Diese Grundstimmung wollte er auch für seinen Film haben. Perkins Regie katapultiert den Film für mich noch einmal stark nach oben. Für sein Regiedebüt hat er hier echt klasse Arbeit geleistet. Der Film setzt Teil Zwei nahtlos fort, vermittelt die gleiche Atmosphäre, ist aber gleichzeitig wieder komplett anders. 
Perkins spielt sehr viel mit Farben. Braun für Tagesaufnahmen, um das Gefühl von Hitze zu erzeugen, grün und rot in der Nacht, im Büro und in einem der Zimmer. Besonders in der finalen Konfrontation wird sehr viel mit Licht und Schatten gespielt. Die ganzen verschiedenen Farben verleihen diesem Film einen ganz eigenen Look, der perfekt zu den 80ern passt. Auch die Kamerafahrten sind wirklich toll, besonders die Szene in der Norman, seine Mutter suchend, das Motel entlangläuft. Ein Lob an Bruce Surtees, den Kameramann. Zu all dem kommen einige geniale Regieeinfälle die Perkins hatte. Das Licht unter der Türspalte, das zur Reflexion auf einem Messer wird. Ein Zoom auf einen Fernseher, bei dem sich die Lokation wechselt. Norman, der aus einem Zimmer im Krankenhaus geht, die Tür schließt, und auf einmal in „Mutters“ Zimmer steht. All solche genialen Übergänge. Aber nicht nur das. Um Normans Wahnsinn greifbarer zu machen, gibt es einige Szenen, die nicht rational erklärbar sind. So setzt sich die Leiche von „Mutter“ zwischen zwei Shots auf einmal im Bett auf. In einer Szene bewegt sie sogar ihren Finger, um auf Jeff Faheys Charakter zu zeigen. Man weiß zwar, dass „Mutter“ tot ist, denn man sieht ja ihre verweste Leiche. Trotzdem lässt Perkins einen zumindest kurz darüber nachdenken, ob Norman wirklich hinter den Morden steckt. Immerhin sieht man das Gesicht des Killers bei seinen Taten nie. Bei dem Mord auf der Bürotoilette, bewegt sich das Auge eines ausgestopften Vogels an der Wand. Dieser Effekt wurde mit einem Draht umgesetzt. Er soll zeigen, dass Normans Wahnsinn mit der Realität verschwimmt. Die Vögel beobachten ihn. Der Zuschauer fragt sich, ob es eine optische Täuschung war, oder ob das Auge des Vogel gerade wirklich gezuckt hat. 
Auch Anspielungen auf Teil Zwei gibt es. Unten am Kellerfenster befinden sich immer noch die Fingerspuren des ermordeten Jungen aus Psycho II. Oder das Buch „In the Belly of the Beast“, welches Mary im Vorläufer las, und welches hier auf dem Gelände des Motels herumliegt. Perkins durchbricht einmal sogar die vierte Wand, indem er das Main Theme auf seinem Piano spielt. Auch der Dialog ist sehr gewitzt, es gibt häufig Anspielungen von Norman auf seine dunkle Seite. Einfälle wie diese machen den Film nicht nur viel unterhaltsamer, sondern erhöhen auch den Wiederanschauungswert. Ebenso wertig ist die deutsche Synchro. Eckart Dux spricht zum dritten Mal Norman Bates, und liefert meiner Meinung nach seine beste Sprechpeformance aller 4 Teile ab. Die grimmige und etwas geschaffte Note, die er Norman verleiht, passt perfekt. Thomas „Plankton“ Petruo ist eine wunderbare Wahl für Jeff Faheys Duke, die ihm die nötige schleimige, aber dennoch irgendwie charismatische Art verpasst. Der restliche Sprechercast ist ebenfalls wirklich gut, einzig Simone Brahmann als Maureen hat finde ich überhaupt nicht gepasst. Ich möchte ihr nicht zu nahe treten, aber ihre Stimme ist sehr nervig und zog den Charakter Maureen in der deutschen Synchro für mich enorm herunter. Mutter wird zum dritten Mal von einer neuen Synchronsprecherin vertont, im Originalton ist es in den ersten drei Teilen Virginia Gregg. Aber auch unsere Sprecherin, zu der ich leider keine genaueren Infos finden konnte, macht ihre Rolle echt gut. 

Psycho III hat bei mir zwar nicht die Stellung eines Meisterwerks, wie seine beiden Vorgänger, aber ich behaupte, dass er dennoch wirklich gut ist. Eine Empfehlung für Horror und Slasherfans! Laut Perkins war dieser Film als letzter Teil, und Psycho als Trilogie geplant. Und man merkt es. Wäre es bei diesen drei Filmen geblieben, wäre PSYCHO wahrscheinlich meine Lieblingstrilogie. Die letzte Szene gleicht der Schlussszene des Originals, und sagt ultimativ aus, dass Norman geisteskrank ist, und es immer bleiben wird. Der Kreis ist geschlossen, die Trilogie vollendet… Nun ja, bis Psycho IV…

8/10
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Kommentare

07.08.2022 15:42 Uhr - Fulgento
1x
Wieder sehr gut ge-und beschrieben.
Ich bin bei Teil 3 in etwa Deiner Meinung und würd 7,5-8 Gitarren vergeben.

Als Slasher funktioniert der einwandfrei und wie Teil 2 hebt sich die Qualität vom damals grassierenden Slasher-Booms ab.
Aber Psycho 2 fehlt die enorme Spannung und Grusel-Atmo, die Teil 2 so extrem ausgemacht hatte.
Aber im Gegensatz zum wirklich schwachen Teil 4 (4-5 Teetassen), hat 3 noch einige Highlights zu bieten, darunter 'ne schicke Anspielung zu Beginn auf Vertigo.

Teil 3 gehört für mich auf jedenfall noch zur Reihe.

Werd mir Dank Dir die Trilogie mal wieder geben. Die Turbine Box ist da echt 'n Schätzchen.

07.08.2022 19:11 Uhr - BigPokerKing
1x
User-Level von BigPokerKing 2
Erfahrungspunkte von BigPokerKing 49
Danke für das Lob! Stimmt, die Vertigo Anspielung am Anfang habe ich doch glatt vergessen zu erwähnen! Ebenso die Szene mit der Gitarre, ein Highlight des Films. WATCH THE GUITAR!!!

07.08.2022 20:18 Uhr - Fulgento
Ups....
Hatte nen fetten Tippfehler!
Ich meinte, dass Psycho 3 die Spannung des 2ten fehlte.
Leider weiss man hier von Anfang an, wer wieder der Übeltäter ist. Und finds auch bisschen Traurig, dass

SPOILER!!!

die Spool Auflösung des 2ten ignoriert und eine völlig neue, weniger originellere serviert wird.....


Aber im Endeffekt immer noch eine sehr gute Fortsetzung.

Kann mich noch gut an eine uncut Ausstrahlung auf RTL Anfang der 90er erinnern. Kannte den damals noch nicht. Fand den aber so gut, dass ich mir gleich paar Tage später die CIC Kassette holen musste. Enttäuschung war groß, als mir der fehlende Kehlenschnitt auf dem Klo aufgefallen ist. Die anderen Cuts waren noch vertretbar.

Kommt zu Teil 4 auch noch ein Review?


07.08.2022 23:33 Uhr - BigPokerKing
User-Level von BigPokerKing 2
Erfahrungspunkte von BigPokerKing 49
Ja, Teil 4 kommt auch noch, allerdings erst etwas anderes :)

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