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Dreizehn Leben

Originaltitel: Thirteen Lives

Herstellungsland:Großbritannien (2022)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Biographie, Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Basierend auf einer wahren Geschichte! Die Fußballmannschaft "Wildschweine" möchte mit ihrem Trainer bei einer Wanderung während der Monsunzeit einen Abstecher in die sogenannte Tham-Luang-Höhle machen. Dort werden sie allerdings vom Regen überrascht und in der Höhle eingesperrt. Als das Team nicht zu einer Feierlichkeit erscheint, befürchten die Eltern das Schlimmste. Die Jungs und der Trainer sind im Tunnelsystem gefangen und ihnen droht der Sauerstoff auszugehen, sollten sie nicht bald gerettet werden (Amazon Prime Video)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von draven273:

Ihr kennt das vielleicht, da verbringt man ein wenig Zeit auf einer seiner Lieblings- Streaming Seiten und plötzlich bekommt man einen Teaser vor die Nase gesetzt, von einem Film, vom dem man vorher noch nie gehört, gelesen, geschweige denn mal einen Ausschnitt, nen Trailer oder sonst irgendetwas gesehen hat. So ist es mir jetzt direkt am Wochenende ergangen. Und was meine Augen da sahen, erregte mein Interesse und vielleicht kann ich Euer Interesse auch wieder wecken.

Die Rede ist diesmal von Dreizehn Leben (Thirteen Lives). Dreizehn Leben ist eine englische Produktion aus dem Jahre 2022 unter der Regie von Ron Howard (Backdraft, Apollo 13, Illuminati). Das Drehbuch stammt in diesem Fall von William Nicholson (Gladiator, Everest), für die Produktion zeichnen sich unter anderem Ron Howard, Brian Grazer (A Beautiful Mind, Amercian Gangster), Karen Lunder, Gabrielle Tana (Minamata, Coriolanus) und William M. Connor verantwortlich. Die Musik steuerte Benjamin Wallfish (ES, Blade Runner 2049) bei. Dreizehn Leben ist mit einer FSK ab 12 Jahren freigegeben worden und läuft stolze 150 Min.

Der Film basiert auf den wahren Ereignissen, die im Jahr 2018 in Thailand vorgefallen sind. Am 23. Juni 2018 machen 12 Kinder und Ihr Trainer der Fußballmannschaft Moo Pah (Die Wildschweine) nach dem Training einen Fahrradausflug in die Tham-Luang Höhle. Bei dieser Höhle handelt es sich nicht einfach nur um eine Höhle, sondern um ein ganzes Höhlensystem in der Bergkette des Doi-Nang-Non Gebirges und liegt in einem gut 8km² großen Waldgebiet in der Provinz Chiang Rai. Bisher sind gut 10km des Höhlensystems bekannt, es soll jedoch noch viele unbekannte Bereiche darin geben.

Der Besuch der Höhle liegt unter keinem guten Stern. Die Kinder und ihr Trainer werden nach einiger Zeit von starken Regenfällen überrascht. Da es in diesem Gebiet zu sogenannten Monsun Regenfällen kommt, ist bereits nach kürzester Zeit der einzige Weg nach draußen überschwemmt. Da es sich hier um ein großes Areal handelt, kommt durch sämtliche Öffnungen das Wasser in die Höhlen geflossen. Und da den jungen Kindern die Kraft und Erfahrung fehlt durch die Höhlenabschnitte zu tauchen, bleibt ihnen keine Wahl als in einem Abschnitt, der noch nicht unter Wasser steht, Schutz zu suchen und darauf zu hoffen, dass jemand sie findet. Nach kurzer Zeit finden Teile des Höhlenpersonals und einige Polizisten die Fahrräder und einen Teil der Kleidung der Fußballmannschaft. Sofort werden sämtliche Behörden in Alarmbereitschaft versetzt, denn die Zeit drängt, der Regen nimmt nicht ab und droht entsprechend dadurch das ganze Höhlensystem unter Wasser zu setzen…

Die thailändische Regierung schickt ein Team der Navy Seals nach Tham- Luang. Doch die Mission gestaltet sich weitaus schwieriger als zu Anfang angenommen. Das Team der Seals schafft es in seinen Tauchgängen nicht einmal bis in die Höhle der Kinder vorzudringen. So entscheidet man sich nach 3 Tagen die britische Höhlenrettungs Organisation British Cave Rescue Council um Hilfe zu bitten. Die Höhlentauch- Spezialisten Richard Stanton (Viggo Mortensen/ Herr der Ringe, Green Book) und John Volanthen (Colin Farrell/ Swat, The Gentlemen) reisen sofort nach Thailand und schaffen etwas, womit niemand wirklich gerechnet hat…

Mehr brauche ich von der Handlung nicht verraten, es handelt sich hier um eine klassische Rettungs- Mission- Geschichte. Und das Ron Howard durchaus ein gutes Gespür für diese Art von Geschichten hat, hat er meiner Meinung nach mit Filmen wie Apollo 13, Backdraft- Männer, die durchs Feuer gehen (ja ich weiß, keine typischen Rettungsmissionen) etc. bestätigt. Eine lange Anlaufphase hat der Film trotz seiner 150 Min. Laufzeit nicht. Bereits nach gut 10- 15 Min. sitzen die Kinder in der Höhle fest und der Spaß fängt an. Das Setting ist großartig und sehr authentisch in Szene gesetzt, auch wenn es jetzt nicht viele verschiedene Bereiche zu sehen gibt. Denn der Großteil der Story spielt sich entweder direkt vor der Höhle ab, wo wir die wartenden Eltern, die Einsatzkräfte oder auch die Presse zu sehen bekommen und der andere Großteil bezieht sich auf die Höhle selbst. Freunde von Filmen wie The Descent werden hier vom Höhlendesign und der klaustrophobischen Atmosphäre begeistert sein, auch wenn wir hier nicht von einem Horrorfilm sprechen. Diese Atmosphäre ist in meinen Augen die größte Stärke an diesem Film. Wer auch nur ansatzweise Mitgefühl und Empathie besitzt und selbst vielleicht sogar noch privat am Tauchen ist, der wird nicht lange brauchen, um sich in diese Personen und Situationen rein versetzen zu können. Die Enge, die ausbleibende Luft, das Gefühl des eingeklemmt sein, sich nicht befreien können und unter Umständen qualvoll ersticken zu können ist allgegenwärtig.

Es ist auch schön zu sehen, dass man hier völlig auf unnötige und nicht dazu passende Action verzichtet hat. Gut, das mag für den einen oder anderen zu langweilig sein, jedoch trägt dieser Umstand extrem zum Realismus bei. Auch die riesige Menge an Statisten, die man hier aufgefahren hat, sorgt für ein passendes Feeling. Hinzu kommt die ständige Ungewissheit, wird man es schaffen? Und wenn ja wie viele? Oder werden wirklich alle sterben? Viggo Mortensen und Colin Farrell die sich vor und während der Dreharbeiten viel mit den echten Stanton und Volanthen getroffen und beschäftigt haben, füllen ihre Rollen gut aus. Sie sind einfach dabei, versuchen sich nicht in den Vordergrund zu spielen, sondern der jeweiligen Situation immer anzupassen. In weiteren Rollen sind später noch Joel Edgerton (Warrior, Black Mass), Tom Bateman (Hard Powder, Tod auf dem Nil) und Paul Gleeson (Der schmale Grat) zu sehen. Die Musik ist der Thematik angepasst, mal ist sie kaum zu vernehmen, so leise und ruhig ist sie und dann lässt sie einen wieder die Augen aufreißen. Doch wirkt der Sound nie übertrieben oder gar wild und unpassend. Sehr zu loben ist hier dann noch die Kamera, die ist so gesehen über allem erhaben. Kein Schnittgewitter, keine Wackelkamera, nein das alles gibt es hier nicht. Jede Situation wird aus teils verschiedenen Blickwinkeln gut eingefangen.

So schön sich das jetzt auch alles anhört und ja ich bin weit von einem Verriss entfernt, so muss ich doch auf einen großen Kritikpunkt hinweisen, der zumindest mich sehr gestört hat. Denn quasi alle Personen bleiben völlig ohne Gesicht und Hintergrund. Da ist keinerlei Substanz vorhanden. Warum hat man sich bitte bei einer Lauflänge von 150 Min. nicht mal ansatzweise die Zeit genommen, um die Personen, um die es geht, näher vorzustellen. Die Kinder bleiben alle völlig bleich, auch wird mir viel zu wenig in die Höhle geschaltet, um zu zeigen wie es den Kindern vor Ort geht, welche Dramatik sich dort abspielt etc. Auch unsere Stars wie Mortensen, Farrell und Edgerton haben keinerlei Hintergrundgeschichte, man erfährt, außer dass sie Experten auf ihrem Gebiet sind, nichts über sie. Zwar wird kurz gezeigt das Farrell einen Sohn hat, den er aufgrund der Rettungsaktion verlassen muss, doch dann bleibt alles kahl. Auch der Konflikt zwischen den Tauchern und den Einsatzkräften der Seals bleibt relativ blass. Da fehlen mir die Emotionen. Ein anderer Punkt ist auch, dass die freiwilligen Helfer keine Screentime bekommen. Auch hier wird maximal für wenige Sekunden angedeutet, dass auch Helfer versuchen oberhalb der Höhlen das Wasser ab- und umzuleiten. Ron Howard stürzt sich gleich in das Geschehen ok, und der Teil der Rettung ist super, doch wenn der ganze Rest ziemlich blass bleibt, kann ich das für meinen Geschmack in diesem Fall nicht ganz akzeptieren.

Dreizehn Leben ist nach The Cave, The Rescue und 13 Lost bereits die 4.te Verfilmung um die Thematik der Tham- Luang Höhle. Die Dreharbeiten begannen im März 2021 und fanden an der Gold Coast, dem Springwood National Park und in den Roadshow Studios in Queensland statt. Ursprünglich sollte der Film sogar in die Kinos kommen. Seit dem 5. August ist der Film nun auf Amazon Prime verfügbar.

Was bleibt mir zum Abschluss zu sagen? Also ich fühlte mich gut unterhalten, doch stieß mir der Umstand das die Personen alle völlig blass bleiben ziemlich auf. Auch die Emotionen, die wenn nur kurz zum Tragen kommen, sind mir für diese Thematik zu wenig. Denn auch die wartenden Eltern kommen viel zu kurz… das kostet in diesem Fall leider ein paar Punkte. Eine wie ich finde, gerechte 7/10 gebe ich dem Film dennoch. Denkt immer daran, es handelt sich hier nur um meinen Eindruck vom Film. Ich wünsche Euch hierbei viel Spaß.

 

7/10
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Kommentare

08.08.2022 07:14 Uhr - McGuinness
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Katastrophen - / Rettungsfilme finde ich jetzt nur bedingt spannend, wie zuletzt beispielsweise " Der Sturm " (2000) oder " The Guardian - Jede Sekunde zählt " (2006), da ich solche Werke stets gerne mit einem gewissen Grad an Actionanteilen versehen haben möchte wie z. B. in " Daylight " (1996) und " Vertical Limit " (2000).

Der Fall rund um die Thang - Luang - Höhle ist mir durch deine aufschlussreiche und toll verfasste Review nun wieder präsent und die Stärken bzw. Schwächen des Films meißelst du dabei gekonnt aus dem Stein 😉 wobei ich es als besonders positiv gewichte, dass hier auf eine lange Anlaufzeit nahezu verzichtet wird und den geneigten Zuschauer hochwertige und dadurch authentisch wirkende Kulissen erwarten 👍🏻

Das von den hilflos eingeschlossenen Personen allerdings niemand heraussticht und auch die übrigen Beteiligten, bis auf die Retter selbst, blass bleiben, ist in der Tat etwas unschön gewählt worden 👎🏻

Diese Art der Unterhaltung zählt nicht unbedingt zu meinem bevorzugten Genre, was jedoch nicht für deine Reviews gilt, die ich immer gerne lese ☺️

08.08.2022 15:46 Uhr - cecil b
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Das muss ja EIGENTLICH ein Film sein, der einen packt. :(

Deine Review packte mich. Sehr schön beobachtet: "Es ist auch schön zu sehen, dass man hier völlig auf unnötige und nicht dazu passende Action verzichtet hat."

Liest sich nachvollziehbar. Daumen hoch. Beide davon. :)


08.08.2022 19:50 Uhr - Draven273
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Vielen Dank Ihr Beiden. Es ist doch immer wieder schön von Euch zu lesen :)

@McGuinness- da ich ja was deine Genres angeht gut auf dem Laufenden bin, kann ich deine Meinung verstehen :) Ich finde ihn sogar schlecht vergleichbar mit Filmen wie Der Sturm oder The Guardian. Beide lassen uns auch mehr an den einzelnen Personen teilhaben, man kann besser eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen etc. Das fehlt hier fast komplett.

@cecil b- vielen Dank für dein Lob :) und ja, der Film ist nicht langweilig und doch spart er unnötige Hollywood Mega Actionszenen komplett ein. Vor allem versucht man hier nicht die Retter als die Übergötter jeglicher Situation darzustellen. Das ist wirklich mal ganz angenehm.

14.08.2022 09:14 Uhr - Insanity667
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Dein Review macht mich dann doch neugierig muss ich zugeben. Das dicke Werbebanner bei Amazon springt mir ja schon seit Tagen quasi immer wieder ins Auge! :) Insofern danke für diesen Tipp, den ich wohl sonst links liegen gelassen hätte. Gute Katastrophenfilme (nicht despektierlich gemeint) außerhalb eines Emmerich-Mikrokosmos sind ja dieser Tage eher selten. Könnte aber auch daran liegen, dass ich mich auf dem Gebiet nicht so gut auskenne...

15.08.2022 09:09 Uhr - Draven273
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@Insanity667
Hallöchen, schön wieder von dir zu hören. :) Wenn du keinen knallbumm Katastrophenfilm möchtest, sondern eher etwas bodenständiges, dann bist du hier auf jeden Fall richtig und kannst eigentlich nichts verkehrt machen. Und da du ihn ja für lau bekommen kannst, riskiere ruhig mal einen Blick :)

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