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Flesh Eater X

Herstellungsland:USA (2021)
Genre:Erotik/Sex, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Die Fotografin Robyn Kennedy arbeitet wegen ihren Projekten mit Modeln für freizügige Fotosessions zusammen, doch anschließend ermordet sie ihre Klienten immer wieder auf brutalste Weise, um ihren dunkelsten Wünschen nachzugehen... ()

eine kritik von jichi:

Flesh Eater X

Mit „Flesh Eater X“ aus dem Jahre 2021 hätten wir den ersten Langfilm des amerikanischen Regisseurs SamHel, und zu diesem Namen muss man erst mal weiter ausholen, denn er hat einen komplexen Hintergrund. „SamHel“ war ursprünglich ein Projekt mehrerer Leute, um extreme Kunst anonym veröffentlichen zu können, in erster Linie Filme. Jedoch existiert unter anderem auch ein Buch, welches Fotografie enthält, mit dem Titel „SamHel“. Seit einiger Zeit steckt jedoch nur noch ein einziger Mann, welcher sich vorher „Adrian Baez“ nannte, hinter dem Namen. Der jetzige SamHel ist außerdem Chef seines Labels „A Baroque House“ und veröffentlicht mit eben jenem Label seine Filme, welche stark von den japanischen Sicko – Klassikern wie „Tumbling Doll of Flesh“, „Muzan E“,“Terrible Meal“ oder der „Sadi Scream“ Reihe beeinflusst sind und die schon immer in einer seltsamen Mischung aus Gewalt, Pornographie und Fetisch daher kamen, welche nur die wenigsten Zuschauer ansprechen dürfte. Auch sein Label ist inspiriert von japanischen Kollegen wie Aroma Planning, Baroque oder KSS. Zuerst waren seine Filme immer Kurzfilme, und so ist „Flesh Eater X“ auch eigentlich nur die Langfassung von „LoveDump“, welcher genau dieselbe Thematik behandelt. Später arbeitete sich SamHel noch durch den Bereich der Dokumentation mit „I Cut your Flesh“, in der es um eine sehr extreme Art des BDSM Bereiches geht, dem sogenannten „Blood Play“. Bevor diese Review jedoch zum Aufsatz über SamHel wird, stürzen wir uns nun auf „Flesh Eater X“ !

Die trans Frau Robyn Kennedy (Wolvie Ironbear) arbeitet als Aktfotografin und lädt regelmäßig Models zu erotischen Fotosessions in ein Hotelzimmer ein. Schnell hat sie jedoch mit ihrem jeweiligen Gast Sex und ermordet die Opfer anschließen auf grausame Weise, um ihre nekrophilen, sadistischen und vor allem kannibalistischen Bedürfnisse befriedigen zu können…

Man kann schon bei der Handlung die Einflüsse des japanischen Extremkinos erkennen, denn auch dort gab es selten eine wirkliche Story, und hier ist es ähnlich. Entweder gibt es über die Laufzeit von 75 Minuten die meiste Zeit Pornographie oder ziemlich brutale Gewaltszenen zu sehen, einzig die letzten 10 Minuten bilden eine kurze Ausnahme, und viel Platz für die Handlung gibt es folglich nicht. Jedoch ist zumindest eine gewisse Grundstruktur vorhanden, welche schon mal mehr hergibt als die „Story“ so mancher „Fake Snuff“ Filme und welche meiner Meinung nach ausreicht, um ein gewisses mulmiges Gefühl zu vermitteln. Denn der ganze Film stellt eine Rückblende in Form eines Podcasts dar, in dem die Geschichte von Robyn erzählt wird. Somit hat man als Zuschauer immer wieder das „True Crime“ Gefühl, welches noch dadurch verstärkt wird, dass im ganzen Film bis auf die Stimme des Podcast – Hosts (Ossuary Angel), kein Wort gesprochen wird. Man sieht die Dialoge nur, man sieht wie sich die Lippen bewegen, jedoch steht man als Zuschauer ohnmächtig daneben und hat manchmal das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein, in dem man nichts tun kann, um das Leid der Opfer zu verhindern, und das ist clever gemacht.

Wolvie Ironbear spielt die Hauptrolle allein durch ihre Mimik sehr souverän, und schafft es auch ohne Dialoge bedrohlich und unheimlich zu wirken, besonders, da man als Zuschauer immer wissen wird, auf was es letztendlich hinaus laufen wird. Ihre Pantomime wirkt zuerst freundlich zu den Opfern, nur, um dann sehr schnell in eiskalte Verachtung umzuschwenken. Die Opfer werden von Asmodeus, einer Frau, welche außer hier nur in einem einzigen Film aufgetreten ist, und Rebecca Vanguard und Kaiia Eve gespielt, ihres Zeichens Pornostars. Die beiden Letzteren dürfen mit Wolvie Ironbear über gut 50 Prozent des Filmes die Sache tun, die Pornostars eben am besten können, und dazu brauche ich wohl nicht viel sagen. Nur, dass es nicht nur die harmlose Erotik im klassischen Horrorfilm ist, sondern es geht im wahrsten Sinne des Wortes Hardcore zu. Wer sich jetzt aufregt, es war in vielen japanischen Extremfilmen auch nicht anders. Tumbling Doll of Flesh“ sei hier mal als Beispiel genannt.

Kommen wir nun zu dem Teil, welcher sowohl den Sickos aus dem Land der aufgehenden Sonne als auch SamHel einen guten Teil ihres bzw. seines Rufes eingebracht hat: Ausufernde Gewaltdarstellungen. Die Ironie bei „Flesh Eater X“ ist: Man sieht den Mord an sich nie on Screen, nur das blutige Ergebnis und die anschließend folgenden Perversionen. Mit einem Jagdmesser weidet Robyn ihre Opfer aus, schneidet die Brüste auf, und trennt Gliedmaßen ab, nur um sie anschließend zu kulinarischen oder sexuellen Zwecken zu verwenden. Eine der berüchtigsten Szenen des Filmes trägt den klangvollen Namen „chest fucking scene“, und der Name beschreibt den Inhalt perfekt. Übrigens wieder eine Anspielung auf „Tumbling Doll of Flesh“, nur, dass dort Gedärme herhalten mussten. Im Finale trägt Robyn eine Maske aus Menschenhaut, Parallelen zu „The Texas Chainsaw Massacre“ sind unübersehbar. Die handgemachten Effekte sehen hierbei ziemlich gut aus, und SamHel, welcher bei den Effekten Unterstützung von James Bell hatte, beweist hier auch eine ziemliche Cleverness, denn er weiß genau, wann er schneiden muss und wann nicht, sodass die Effekte immer sitzen und nie billig wirken.

Besonders hervorheben muss ich auch noch die Kameraführung und die Auswahl der Locations, denn „Flesh Eater X“ sieht mit seinem geschätzten Budget von 5000 $ sehr hochwertig aus. SamHels Film wirkt nie billig oder schlecht gemacht, was ich ziemlich beeindruckend finde. Die Kameraführung ist meistens sehr ruhig und versetzt den Zuschauer wieder in die Rolle des stummen Beobachters, und das düstere Hotelzimmer, in dem der Film die meiste Zeit spielt, fügt eine passend dreckige Optik in Sepia hinzu, welche den Film auch etwas schmuddelig wirken lässt, also die perfekte Atmosphäre für einen derartigen Undergroundfilm.

Richtig stark fand ich auch die Musik, welche tatsächlich ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer völlig unbekannter Leute war, doch jeden einzelnen Namen hier auf zu zählen würde zu weit führen. Ihren Job haben sie jedoch ziemlich gut gemacht, denn die Musik fängt zuerst mit ruhigen Klavierklängen an, steigert sich jedoch sehr schnell in einen bedrohlichen Schlagzeug Score, welcher unheilvoll anschwillt, wenn der Akt des Tötens vor sich geht. Auf jeden Fall sind viele Szenen immer passend unterlegt, was für eine derartige Art von Film definitiv ein Lob ist, denn schon oft vergriffen sich die Regisseure im Genre da mal schnell im Ton.

Bei all dem verdienten Lob hat „Flesh Eater X“ nur ein großes Problem: Der Film ist extrem monoton und wenn man die ersten zehn Minuten gesehen hat, hat man im Prinzip den ganzen Film gesehen. Hierbei mag der Film zwar immer gut aussehen, aber nach der dritten Sexorgie mit anschließendem Mord fängt man sich schon langsam an zu fragen, ob man mit dem Kurzfilmformat nicht besser bedient worden wäre. Wirklich langweilig würde ich den Film nicht nennen, da man immer mit Dem bedient wird, was SamHel seit jeher anbietet, aber einen Spannungsbogen gibt es aufgrund der Monotonie auch nicht. Ob man sich wirklich die 75 Minuten letztendlich nur wegen purer, aber hochwertig gemachter Gewaltpornographie ansehen will, bleibt jedem selbst überlassen, jedoch sollte auch jedem klar sein, auf was man sich hier einlässt und dass SamHels Filme wenig mit klassischem Horror zu tun haben.

Somit war „Flesh Eater X“ für mich ein starker und vergleichsweiser überdurchschnittlicher Einstieg in die Filmografie von SamHel, und ich kann und will ihm sein Talent definitiv nicht absprechen, besonders, da er privat auch ein sehr entspannter und freundlicher Typ ist, der auch gerne mit seinen Zuschauern interagiert, trotz der Anonymität. Die Kameraarbeit und die Effekte sind gut gemacht, Wolvie Ironbear spielt die Hauptrolle sehr authentisch und die Idee des Filmes an sich weiß mir zu gefallen. Die Frage bleibt nur, ob 20 Minuten weniger es nicht auch getan hätten. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf die weiteren Filme von SamHel, und so gibt es für „Flesh Eater X“ verdiente 7 Punkte.

 

Hell is not a place, but a person.“

 

7/10
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Kommentare

12.08.2022 13:24 Uhr - Dr. Kinski
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Na da hast du Dir ja mal wieder einen interessanten Titel vorgenommen und wie gewohnt hervorragend besprochen. Inhaltlich liegen wir auch dicht beieinander und ich würde Dir in praktisch allen Punkten zustimmen und wohl auch 6 bis 7 Punkte vergeben.
Besonders die Monotonie, die du ja auch ansprichst stört mich bei diesem Werk aber schon sehr. Eigentlich macht SamHel ja vieles richtig. Die Kameraführung und Effekte, Musik und das Level an Perversion gefallen mir, aber allen seinen Werken fehlt es an Spannung und Atmosphäre. Deshalb befürchte ich, dass SamHel wohl auch keinen wirklich überragenden Film mehr auf die Beine stellen wird.
Allerdings arbeitet er wohl im Moment an einem Splatter-Film und wer weiß, was da sonst noch kommen wird :)

12.08.2022 21:13 Uhr - Jichi
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Vielen Dank dir !
Das Lustige mit der Monotonie ist: SamHel sieht die Monotonie bei seinen Filmen selbst kritisch. Ich hatte mit Wolvie Ironbear über "Flesh Eater X" geschrieben, da sie gefragt hatte, wie ich den Film fand. Daraufhin gab ich ihr die Kurzfassung des Reviews, und SamHel stimmte mir daraufhin bei der Sache mit der Eintönigkeit zu und schrieb, dass ihm seine Filme im Laufe der Zeit selbst zu repetitiv wurden und er beim Drehen immer das Gefühl hatte, das Gleiche zu tun. Verdammt ehrliche Antwort, hatte ich so nicht erwartet. Und: Sein nächster Film soll deswegen komplett anders werden. Deswegen bin ich irre gespannt auf "Seraphim", laut Sam soll es ein ziemlich düsteres, verrücktes Sci Fi Drama mit viel Splatter werden. Könnte also der große Wurf werden.

13.08.2022 14:58 Uhr - Dr. Kinski
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Hmm das klingt ja wirklich überraschend reflektiert. Dann möchte ich ihn mal nicht zu früh verurteilen. Mit "Let's Stop at the Morgue" hat er ja auch schon Ansätze einer Geschichte geliefert und wenn er es schafft, hier noch etwas mehr Spannung und gute Effekte einzubauen, mag das wirklich gut werden. Da mache ich mir nur noch Sorgen um die Finanzierung und wie das alles ablaufen soll, schließlich hat er bisher ja eher auf Gore Effekte gesetzt und handwerklich ist richtiger Splatter dann noch schwieriger umzusetzten. Aber man wird sehen und möglicherweise werden wir uns in nicht allzu ferner Zukunft noch über den fertigen Film austauschen, Sam ist ja meistens recht flott, was neue Filme angeht ;)

13.08.2022 15:41 Uhr - McGuinness
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Obwohl dies nicht zwingend mein Genre ist, bin ich jetzt aber doch irgendwie angefixt und würde beileibe gerne mal einen Ausflug in derart pervers gelagerte Gefilde wagen.

Deine Review ist top verfasst 👍🏻 und es gibt genügend positives für mich hervorzuheben wie eben Kameraführung, musikalische Untermalung oder die deftigen Gewaltausbrüche.
Lediglich die fehlende Spannung könnte den Sehgenuss etwas trüben, aber da ich wie gesagt mit derlei Werken im Grunde genommen gar nicht vertraut bin, möchte ich mich mal so richtig durchschütteln lassen 🤪

Eine Frage noch: Meine Gattin schaut ganz gerne abends mal mit... Wohl lieber doch ohne sie, oder ?! 😉

13.08.2022 18:01 Uhr - Lukas
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Auch ohne den Film gesehen zu haben würde ich dir stark empfehlen, die Gattin da außen vor zu lassen. :-D

13.08.2022 20:52 Uhr - McGuinness
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@Lukas

" Inside " (2007) war okay für die Dame, auch wenn das Ende schon recht derbe gestaltet wurde.
" Martyrs " (2008) gefiel ihr sogar richtig gut, doch bei dem hier vorgestellten Werk spare ich mir lieber ungläubige Blicke, energisches Kopfschütteln und anschließende Diskussion 🤭

13.08.2022 21:08 Uhr - Dr. Kinski
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@McGuinness
Das ist denke ich eine gute Entscheidung, die Frau raus zu halten. Flesh Eater X und die meisten anderen SamHel Filme haben neben der Perversion und den Gore-Effekten durchaus pornografische Inhalte. Damit meine ich auch nicht die Erotik "normaler" Spielfilme, sondern hier bekommt man durchaus Geschlechtsteile zu sehen. Zusammen mit den Gore-Effekten kommt das bei den meisten Frauen wohl nicht so gut an. Meine Freundin bekommt jedenfalls keinen SamHel Film zu sehen :D

13.08.2022 21:34 Uhr - Jichi
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Danke an euch alle für das Lesen der Review, das Lob und die Kommentare ! Freut mich sehr :)

@Dr. Kinski: Ich hatte auch nicht mit einer derartigen Reaktion SamHels gerechnet. Ich rechne ihm hoch an dass er da so ehrlich war und sich nicht raus redet oder gar nicht erst drauf reagiert hat. Die Finanzierung läuft bereits für "Seraphim" auf Hochtouren und ich hoffe auf das Beste.

@McGuinness: "Schatz, ich hätte da einen ganz tollen Film für einen tollen Abend. Ja ja, "Flesh Eater X""... ;-)
Spaß beiseite, wie Kinski schon schreibt, ich glaube auch da würden eher sehr skeptische Blicke kommen. Der Begriff "Gewaltpornographie" passt hier einfach wie die Faust auf`s Auge. SamHel bietet viele seiner Filme übrigens auf Vimeo zum Leihen oder Kaufen an, da kannst du einen Blick riskieren. Mit oder ohne Frau bleibt dir überlassen ;-)

13.08.2022 21:51 Uhr - McGuinness
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@Dr. Kinski und Jichi

Dann nehme ich mir euren Rat mal lieber zu Herzen und halte die holde Weiblichkeit da raus... Ist vermutlich besser so 😅😉

13.08.2022 22:08 Uhr - Jichi
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"Happy wife happy life", sagte mal ein weiser Mann. Da will man nichts riskieren ;-)
Wenn es zu einer Sichtung kommt, lass gerne hören wie der Film dir gefallen hat. Viel Spaß auf jeden Fall !

14.08.2022 16:04 Uhr - cecil b
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Mal wieder erfrischend gewöhnungsbedürftig, Jichi! Top! :)

14.08.2022 21:16 Uhr - Jichi
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Die Formulierung gefällt mir ziemlich gut :)
Vielen Dank dir, Cecil !

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