SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 64,99 € bei gameware Evil West · Erheb dich und werde zum Wildwest-Superhelden · ab 52,99 € bei gameware

Nur Tote überleben

Originaltitel: Sole Survivor

Herstellungsland:USA (1982)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,50 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Kurz nach dem Start fallen die Triebwerke der Linienmaschine aus. Wie ein Stein fällt das Flugzeug aus 2000 Meter Höhe zurück auf die Erde und zerschellt. Die Leichen- und Wrackteile liegen über einen Quadratkilometer verstreut. Keiner der Passagiere hat überlebt. Außer Denise (Anita Skinner). Wie durch ein Wunder wurde sie nahezu unverletzt gerettet.
Dennoch zeigt sich der Arzt im Krankenhaus sehr besorgt. Er warnt Denise eindringlich vor dem „Überlebens-Syndrom“. Viele Menschen, die als einzige eine Katastrophe überleben, werden von starken Depressionen befallen und kommen kurz darauf durch Unfälle ums Leben. Sie werden unvorsichtig, es scheint, als suchten sie geradezu den Tod. Aber Denise wird nicht depressiv. Sie wird nur von einem bislang unbekannten Gefühl befallen. Sie fühlt sich irgendwie fremd und beginnt, überall merkwürdig aussehenden Leuten zu begegnen, eigenartig blasse Menschen mit eingefallenen Augenhöhlen, die sie unentwegt anstarren. Nur Tote überleben... (RCA Columbia Pictures VHS-Cover)

eine kritik von cecil b:

 

NUR TOTE ÜBERLEBEN, aus dem Jahre 1983, ist das Remake von SURVIVOR, der ein Jahr zuvor erschienen war, und den ich nicht gesehen habe. Das Original soll ebenfalls schon Ideen eines älteren Films aufgegriffen haben. Im Remake sehe ich welche, die in Horrorfilmen unserer Zeit modernisiert worden sind. Davon nenne ich keinen, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Diese Ideen sind auch ohne weitere Informationen diesbezüglich interessant. Aber leider gelang es dem Drehbuchautor und Regisseur von SOLE SURVIVOR, Thom Eberhardt (Der Komet), meiner Meinung nach nicht gut, ein Drama, eine Romanze und den Horror im großen Ganzen spannend zu verbinden. Dabei ist die Ausgangsposition an und für sich vielversprechend. Kurz gesagt, SOLE SURVIVOR setzt die Schwerpunkte dramaturgisch ungeschickt.

Anfänglich wickelte dieser Film meine Stimmung um den Finger. Zeigte, dass dafür kein Budget nötig ist, das einen aufwendig inszenierten Flugzeugabsturz zulässt, sondern nur eine gewisse Kreativität. Der gepflegte Horror, den ich erwartete, blieb darauffolgend jedoch aus.

Anita Skinner (Girlfriends) gibt die energiegeladene Denise, die nicht auf den Mund gefallen ist, "Wollen wir uns mal näher kennenlernen?", "(lächelnd) Sie überschätzen sich.", keinesfalls schlecht, der Bruch mit der Lebensweise, resultierend durch das Trauma, löst in der Hauptfigur aber nicht die Angst aus, die mitreißend aussieht.

Die Protagonistin resümiert das alptraumhafte Erlebnis im Unterbewusstsein, die Inszenierung lässt uns erfolgreich daran teilhaben, und anschließend bringen sich Denise, kurz Didi, und der Arzt (O.K.: Kurt Johnson, † 1986, Zurück bleibt die Angst) durch ihre Gespräche ins Zwielicht. Dr. Richardson klärt seine Patientin über mögliche Folgen auf, und die weist stets leichtfüßig wie ein selbstbewusster Teenager in Partylaune Probleme von sich. Stattdessen macht sie dem Onkel Doktor schöne Augen und teilt dies noch ihrer sexuell stark motivierten Freundin Kristy mit. Didi und Richardson beginnen eifrig eine Liebesbeziehung, und tun es Kristy sowie ihrem ebenfalls von Sexualhormonen geleiteten Freundeskreis fast gleich. Eigentlich ist das psychologisch gesehen ein Ansporn für die geistige Anteilnahme. Haben die Beweggründe des Opfers, und des Menschen, der deutlich mehr als der durchschnittliche Bürger über dessen Leid Bescheid weiß, ihren Ursprung nur in der Liebe und der Sexualität? Eine rhetorische Frage. Das Interesse daran, was der katastrophale Vorfall in Denise ausgelöst hat, ist auf beiden Seiten anders ausgelegt groß. Der Doktor spricht davon, dass sich die traumatisierte Frau möglicherweise mit vielen Arbeitsstunden ablenken möchte, und die seltsamen Gestalten, die sie sieht, und das manchmal in Situationen, in denen Didi einer großen Gefahr ausgesetzt ist, eventuell einer unbewussten Rückkehr zum traumatischen Erlebnis entsprechen. Was hätte das werden können? Ein Konflikt, der davon ausgeht, wie zwiespältig die gegenseitige Wissbegier zwischen heilsam und kontraproduktiv pendelt. Was ist daraus geworden?

Eine leicht süßliche Romanze, die eine Entwicklung durchmacht, wie man sie mittlerweile deutlich besser gesehen hat. Kaum einer glaubt Didis Aussagen über ihre merkwürdigen Begegnungen und ihren Befürchtungen, die mit der Zeit immer lauter werden. Ein Auslöser der bewusstseinserweiternden Misere ist auch Karla, mit der die Protagonistin über ihren Beruf in Kontakt kommt, und die befriedigend von Caren L. Larkey (Get Out) gespielt wird. Eine dieser Figuren, die so etwas wie ein drittes Auge, und Visionen von schlimmen Ereignissen haben. Karla ist dem Alkohol verfallen, steht nur noch mit einem Bein im Leben, und hat eine Gabe, die sie aus der Sicht der meisten Menschen für verrückt erklärt. Didi und Klara fühlen sich miteinander verbunden, Doktor Richardson wird zum ruhmlosen Helden, recherchiert er doch im Sinne seiner Angebeteten auf eigene Faust, und deckt dabei im Stillen noch die Engstirnigkeit sowie Schludrigkeit des örtlichen Beamtentums auf. Hätte Eberhardt dem psychologischen Aspekt mehr Raum gegeben, sowie der etwas überbordenden Verspieltheit der Figuren weniger, und vor allem den Horror interessanter gestaltet, wäre das ein toller Film geworden. Zu lang turteln die Hauptfigur, der wichtigste männliche Nebendarsteller, und Kristy herum. Eberhardt wollte dadurch wohl Teenager ansprechen, die Anfang der Achtziger immer hungriger auf Slasher wie HALLOWEEN oder FREITAG DER 13te mitsamt ihrer sexgierigen jungen Opfer wurden, das psychologische Drama beißt sich jedoch damit, und der Grusel ist dafür zu zahm. Hat man die Pubertät schon seit geraumer Zeit erfolgreich verdrängt, ist es verdammt langweilig, sich Spielchen von belanglosen jungen Figuren anzuschauen, die durch jede Runde, die sie verlieren, auch ein Kleidungsstück weniger auf der Haut tragen. Ein nicht besonders reizvoller Autorenfilm. 

Gut, eine atmosphärische, halbwegs gruselige Situation nacheinander von entgegengesetzten Richtungen aus in Szene zu setzen, anhand einer gut geschnittenen (Eberhardt) Umsetzung, so etwas spricht für SOLE SURVIVOR. Aber solche Szenen sind eine Rarität, und die solide Kameraarbeit von Russell Carpenter (Oscar für TITANIC) ist nur die halbe Miete, Eberhardts Anweisungen waren hin und wieder denkfaul. Wandelt die Protagonistin ängstlich durch ihr großes Haus, aus der Sicht von geglückten halbnahen und halbtotalen Einstellungen, begleitet von lang gezogenen, dröhnenden Geräuschen, Xylophon und Flöten (David F. Anthony (TV-Doku: MediaWaves), gibt das immerhin alltäglichen Dingen etwas Unheimliches. Eine gute Basis für einen Geisterhausfilm, aber kompatibel ist auch das nicht wirklich. Bei Didis ersten Begegnung mit einem der komischen Verfolger, sind die Totale und halbtotale Sichtweisen in einer dunklen, gut ausgeleuchteten Tiefgarage, erfreulich, und dann kommt sie auch schnell spannend in die Bredouille, nichts­des­to­trotz wird der Dramatik sofort durch gedankenloses Teenager-Gehabe der Wind aus den Segeln genommen. Die psychologische, philosophisch angehauchte Dramatik, bleibt fast auf der Strecke. Da liegen einige Steine im Weg. Unkreativen Szenen, in denen pseudo-überraschend Personen hinter Didi auftauchen, um einen falsch interpretierten Schrecken zu hinterlassen. Oder die alte Leier, nach dem Motto: Ist da jemand hinter dem Vorhang? Da quatschen Figuren minutenlang das Gleiche, und es dauert eine halbe Ewigkeit, bis die vernachlässigte Dra­ma­ti­sie­rung die Schraube anzieht. Das unvorhersehbare Finale ist nicht unspannend, dennoch enttäuscht es, weil zum Teil ausgelutschte inszenatorische Muster zum Einsatz kommen, und das Grauen unter Blutarmut leidet. Spannung braucht kein Kunstblut, könnte es manchmal allerdings gut gebrauchen. 

Bei SOLE SURVIVOR wurden interessante Motive oft ungeschickt kombiniert. Kein schlechter Film, aber ein durchschnittlich inszenierter, der hinter seinen Möglichkeiten bleibt. 

 

5/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Maya
cecil b
5/10
Zeit
cecil b
8/10
Unten
cecil b
8/10
die neuesten reviews
Maya
cecil b
5/10
Kramer
Punisher77
9/10
Samaritan
TheMovieStar
7/10
Megalomaniac
Arelinchen
6/10
Parallel
Ghostfacelooker
Hunter
TheMovieStar
6/10
Mord
Ghostfacelooker
End
Ghostfacelooker

Kommentare

16.08.2022 21:41 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
User-Level von McGuinness 10
Erfahrungspunkte von McGuinness 1.446
Klingt für mich so als wäre hier eine Menge an Potenzial mit dem Flugzeugabsturz gleichsam zu Bruch gegangen.
Schade, wenn eine an und für sich spannende Ausgangslage pubertärem Geschwafel und dem Drang sich der Kleidung zu entledigen, weichen muss.

Mit mehr Mut zur Eigeninitiative und der Erschließung neuer, noch nicht plattgetretener Pfade, hätte hier offensichtlich ein erinnerungswürdiges Werk entstehen können, so jedenfalls können mich deine Ausführungen nicht zu einer Sichtung bewegen, was jedoch nicht für deine Reviews gilt, die ausnahmslos immer eloquent verfasst werden und mich bei ansprechender Titelwahl jedesmal erneut zum lesen bewegen 😉

16.08.2022 21:50 Uhr - cecil b
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.366
Wie du eine Review inhaltlich zusammenfassen kannst, immer wieder beeindruckend.

Und danke für das Lob. :)

16.08.2022 22:23 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.819
Wunderbares Review zu einem ziemlich verqueren Streifen, dem ich aus der Erinnerung heraus auch nur bei maximal 5/10 Punkten sehe. Das haben andere Horrorfilme aus dieser Zeit wirklich schon besser hinbekommen, ich glaube (und Du bestätigst es ja), dass "Sole Survivor" ziemlich unausgeglichen zusammengeklopft wurde, ohne erkennbaren narrativen roten Faden. Gute Idee, schlecht gemacht... Naja, was soll's... Eine Neusichtung könnte ich wagen, allerdings nicht in besonders naher Zukunft! :)

Dass ich bei Deinen Rezis aber immer gerne reinschaue, weißt Du ja, zum Glück!

Übrigens, wen es interessiert! (Soll es ja geben!)
Horrorfilme der frühen 80er, die vielleicht nicht inhaltlich so geartet sind wie dieser hier, aber ähnliche Motive/Grundlagen für ihren Grusel nutzen und im etwa gleichen Gewässer fischen: "The Uninvited", "Dead & Buried", "Death Ship" oder "Das Grauen"! :))))

16.08.2022 22:42 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.366
Danke auch dir! :)

Ja, gut auf den Punkt gebracht!

Danke für die anderen Titel, ich bin ganz Ohr!

Dead & Buried: hab ich. Auch ein seltsamer Film, aber dem steht das gut! :)

The Uninvited: Welchen davon?

Death Ship: Ich hadere immer wieder damit, ob ich mir den zulege.

Das Grauen: 8 Punkte von TheRealAsh: ist auf meiner Liste. :)

17.08.2022 00:10 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.819
16.08.2022 22:42 Uhr schrieb cecil b
The Uninvited: Welchen davon?


Der mit der Katze und dem Schiff! :)

17.08.2022 10:40 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.366
Auf den bin ich ohnehin ganz heiß!

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)