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Stimme der Dunkelheit

Originaltitel: When a Stranger Calls Back

Herstellungsland:USA (1993)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,25 (4 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Julia bessert ihr Taschengeld als Babysitterin auf. Eines Nachts geschieht das Unglaubliche. Es gelingt einem Mann, in das Haus, in dem sie ihrer Arbeit nachgeht, einzudringen, und Schreckliches zu tun! Der Fall kann nicht aufgeklärt werden, und fünf Jahre später scheint der Täter die schwerst traumatisierte junge Frau ein weiters Mal aufzusuchen. Die Polizei ist wieder überfragt, aber Julia bekommt Hilfe von der Leitung der Frauenhilfe, Jill, die ähnliches erlebt, und gelernt hat, damit umzugehen, sowie sich notfalls zu wehren. Zudem ist Jill mit dem erfahrenden Ex-Polizisten John befreundet, der sie unterstützt. Durch ihre Recherche erfahren die beiden Stück für Stück mehr über den Täter, aber die Lage spitzt sich zu!  ()

eine kritik von cecil b:
                                                                               
                                                                                  UNFASSBARE VERBRECHEN
 
 
1950 arbeitete ein 13-jähriges Mädchen zu später Stunde in Columbia, Missouri als Babysitterin. Am selben Abend rief eine junge weibliche Person bei der Polizei an, da sie sich von einem Mann bedroht fühlte. Der Anruf wurde jedoch unterbrochen, sodass sie die Adresse nicht angeben konnte, und zu dieser Zeit war es noch nicht möglich, einen Anruf zurückverfolgen. Später fand man den Leichnam der Babysitterin, die vergewaltigt und ermordet worden war, das Kind war unversehrt. Man vermutete, dass sie angerufen hatte, und der Täter konnte nie aufgespürt werden. Es gab verschiedene Theorien bezüglich des Täters und Übereinstimmungen mit anderen Fällen, die voneinander abwichen. 
 
Dieser Vorfall ist die Basis der amerikanischen Sage The Babysitter and the Man Upstairs, die künstlerisch mehrfach verarbeitet wurde. Zum Beispiel von dem vorliegenden Film. 

 

                                                                        EIN KLEINES STÜCK FILMGESCHICHTE

Fred Waltons WHEN A STRANGER CALLS BACK, ist eine für das Fernsehen gedrehte Fortsetzung bzw. eher Modifikation, von seinem fiktiven Psychogramm eines Wahnsinnigen, WHEN A STRANGER CALLS (Review vorhanden), aus dem Jahre 1979. Walton wollte eigentlich kein Sequel drehen, da dies auch unlogisch erscheint, aber die Filmproduktionsfirma hoffte auf Teufel komm raus den Erfolg wiederholen zu können. Im Endeffekt ist WHEN A STRANGER CALLS BACK ein guter Film geworden, den Walton dem Schauspieler Tony Beckley (1927–1980) widmete, der den Täter im Vorgänger gespielt hatte. Aber einige Auftragsgeber funkten ärgerlicherweise hinein, und beeinflussten damit beispielsweise das Ende stark, sodass der Regisseur erzürnt war. Das Original begann als der Kurzfilm THE SITTER, und wurde inspiriert von den Slasher-Klassikern, John Carpenters HALLOWEEN und BLACK CHRISTMAS, zu einem Spielfilm im Stil eines Psychothillers, 2006 kam ein Remake in die Kinos. Walton verfasste zusammen mit Steve Feke die Drehbücher dieser Filme. 2004 wurde noch eine unabhängige Kurzfilm-Variante des Originals veröffentlicht, mit der weder Walton noch Feke etwas zu tun hatten. 

                                                                          KONFUSION DER WAHRNEHMUNG

Im Gegensatz zu den klassischen Serienmördern des Slashers, erzählen WHEN A STRANGER CALLS und STIMME DER DUNKELHEIT von einem psychisch kranken Mann, der es nicht schafft, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, und auch daher gefährlich handelt. Waltons Werke sind nur entfernt mit dem Horrorfilm verwandt, das Grauen wird in erster Linie über psychologische Motive dargestellt. STIMME DER DUNKELHEIT attackiert die Vertrautheit der Alltäglichkeit. 

Im Grunde ist jede der relevanten Figuren eine weitere Interpretation der ursprünglichen Idee. Jill Johnson und John Clifford sind wie schon im Original tragende Figuren, und der Täter lebt abermals ein Leben abseits der Norm, sowie dass er zwanghaft die getarnte Konfrontation mit anderen Menschen sucht. Auch wenn die engagierte Jill ihr Trauma bewältigt hat, beeinflusst es ihr Leben nach wie vor, sie setzt die Energie beruflich positiv um. Mit Julia bekommt sie die Chance, das Schlimmste zu verhindern. Carol Kane (Oscar-Nominierung für Hester Sreet) hat bereits in WHEN A STRANGER CALLS überzeugt, und in der Fortsetzung Jills Zielstrebigkeit und Verletzlichkeit effektiv auf den Bildschirm gebracht. John hat ein vergleichbares Bestreben, und musste sich auch schon mit Jills schrecklichen Erfahrungen auseinandersetzen, seine Position ist eine gute rationale Ergänzung. Charles Durning (1923–2012, 2 Oscar-Nominierungen!) Fähigkeit, die Menschenkenntnis und das Feingefühl eines erfahrenden Polizisten so zu verkörpern, ist schon ein Grund, diesen Film zu sehen. Die weitere wichtige weibliche Figur, die nächste Generation, genau wie der neue Wahnsinnige, ist durch Jill Schoelen (The Stepfather) eine zutiefst verunsicherte, verstörte Frau, deren stark beanspruchte Wesensart parallel zu der ihres Peinigers näher beleuchtet wird. Jill, John und Julia versuchen in dieser Sache einen konstruktiven Neuanfang, nah an WHEN A STRANGER CALLS. Ihre zerstörerische Triebfeder, William Landis, wird von Gene Lythgow (Die Üblichen Verdächtigen) erschreckend glaubhaft dargestellt. Keine leichte Aufgabe. Ein innerlich zerrissener Mensch, der sich nicht greifbar und verstehbar zeigt. Landis spiegelt seine gestörte Wahrnehmung von der Außenwelt dadurch, dass er die von anderen Menschen irritiert und manipuliert, seine einzig mögliche emotionale Interaktion. Jill, sowie zuerst auch Julia, kümmern und kümmerten sich um die Schwächeren der Gesellschaft, und dieser Mann, der auf seine Art und Weise auch dazugehört, stöbert sie auf. Überall trifft er auf Ablehnung, und endlich ist Landis für jemand anderen wichtig, aufgrund seiner Fähigkeit, das Leben anderer zu beeinflussen. Seine Biographie ist unbekannt, allerdings wird Landis künstlerisches Schaffen, mit dem er sein Geld verdient, spannend in Szene gesetzt. Besonders am Anfang des Films kristallisiert sich heraus, dass der kranke Mann logisch versteht, wie normale Menschen denken und fühlen, und er dieses Wissen für seine psychische Gewalt nutzt. Diese Vorgehensweise setzt  dort an, wo auch der Zuschauer wirksam mitkommen kann. 

                                           "SIE KÖNNEN NICHT SAGEN, DASS SIE NICHT AN GEWALT GLAUBEN.

                                      ES SEI DENN, SIE SAGEN AUCH, DASS SIE NICHT AN DAS LEBEN GLAUBEN. "

Das erste Begegnis zwischen Täter und Opfer dürfte 10 Minuten andauern. Ein Klingeln an der Haustür, und eine Frage, reichen aus, um Hochspannung in den Gang zu setzen. Der Unbekannte appelliert an die Hilfsbereitschaft, der Dialog spricht zwischenmenschliche Bereiche der Courage an, und es ist nachvollziehbar, dass Julia sich in einer verzwickten Lage befindet. Letzten Endes ist das normale Gefühl von Sicherheit unwiederbringlich vernichtet worden, eine gute Voraussetzung, um jemanden mit Gaslighting anzugehen. Eine Form von psychischer Gewalt, bei der das Ziel ist, Menschen beispielsweise durch Lügen, Manipulationen und Veränderungen ihrer Umgebung in den seelischen Abgrund zu treiben. Die Bezeichnung basiert auf den Film GASLIGHT, der wiederum eine Verfilmung des Theaterstücks GAS LIGHT aus dem Jahre 1938 ist, das so ein Vorhaben dargeboten hat. Plötzlich hängen fremde Kleidungsstücke an Julias Kleiderbügel, und manche Dinge, sind nicht mehr dort, wo die junge Frau sie sonst aufbewahrt. Ihr Gefühl, schutzlos ausgeliefert, und nicht mehr bei Sinnen zu sein, steigert sich. Und kaum jemand geht zu Polizei, um von solchen Vorkommnissen zu berichten. Nicht auszudenken, wie belastend das ist, wenn die Beamten ratlos sind. Der Täter geht immer offensiver vor. Das geht unter die Haut, wenn er im Krankenhaus auftaucht. Oder als Bauchredner mit einem schwarz angemalten Gesicht und einer Puppe auf dem Schoß seinem Publikum davon erzählt, dass dieses aus Illusionisten bestehe. Ein Spiel mit der Identität, der Selbstzweifel wird projiziert. Wenn dieser Mann ohne entdeckt zu werden in die Privatsphäre eindringen kann, stellt sich die Frage, inwiefern es überhaupt möglich ist, sich gegen ihn zu schützen. Und Walton hat die Unsicherheit großartig in Szene gesetzt, mit der Hilfe von Könnern. 

Erinnerungen an HALLOWEEN werden wach, wenn sich eine P.O.V. - Perspektive anschleicht, wobei Waltons kreative Selbstständigkeit nicht zu bezweifeln ist, und von einer Hommage gesprochen werden kann. Die Figuren sind während ihrer Gespräche, und auch in Szenen, in denen sie es allein mit der Angst zu tun bekommen, immer so im Bild, dass ihre Bewegungen und Mienen superb Reaktionen auf die Situationen darstellen. Großaufnahmen von Gesichtern zeigen Angst, innere Dialoge und die Verwirrtheit dramaturgisch gut durchdacht. Dana Kaproffs (auch When a Stranger Calls) eingängigen Melodien, gespielt von klassischen Instrumenten, haben jegliche Melancholie, Ängste und das Geheimnisvolle bestens vertont. David Geddes (The Messengers) positionierte und bewegte seine Kamera in mehreren Szenen schlichtweg famos, beispielsweise in einer verregneten Nacht zwischen Häuserschluchten, wo sich Landis wie ein Chamäleon versteckt. Nicht nur dort ist Waltons Arbeit mit Licht und Schatten unbedingt einen Blick wert. Und, Cutter David Byron Lloyd (Black Magic) war allen Anforderungen gewachsen. 

Jeder, der STIMME DER DUNKELHEIT mitgestaltet hat, verwirklichte einen tollen Film. Das Problem ist nur, dass die Story zu konstruiert, und daher stellenweise unglaubwürdig ist. 

 

 

 

TRIVIA: William Landis tarnt sich in einer Szene, indem er seinen Körper anmalt. Die Idee hatte ihren Grundstein durch die kunstvolle Körperbemalung von Veruschka von Lehndorff, des ersten deutschen Supermodels, die auch als Fotografin, Schauspielerin (Blow up) und Malerin kreativ war. 

 

7/10
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Kommentare

19.08.2022 11:34 Uhr - Intofilms
1x
Sehr gute Fortsetzung, 7 bis 8 Punkte auch von mir. Und die Review ist natürlich auch wieder hervorragend. ;)

19.08.2022 12:17 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.384
Bei mir gefühlt stellenweise 9 Punkte. Aber, ich finde, manchmal wäre weniger mehr gewesen. Es gibt unlogische Szenen (wenn ich das richtig erkannt habe), und im Finale wird es unglaubwürdig, das kann ich mit Gewissheit sagen.

Ich liebe das Original und diese spezielle Fortsetzung aber sehr. Trotz der Parallelen zu anderen Filmen ganz was eigenständiges. Eine geniale Idee, wie ich finde.

Die Anfänge finde ich umwerfend. Bei der Fortsetzung sollte man dann über jeden Satz nachdenken, psychologische Hochspannung. Wenn man empfänglich ist. ;)

Bei der Krankenhaus-Szene war ich geschockt! Geht auch ohne Splatter und Gore. ;)

Und, was Charles Durning da geleistet hat: DAS nenne ich ein schauspielerisches Glanzstück!

Und, natürlich ein großes DANKESCHÖN! :)

19.08.2022 13:37 Uhr - Intofilms
Mich hat vor allen Dingen die Szene mit der Körperbemalung etwas befremdet, als der Hintergrund auf einmal lebendig wird. Da wähnte ich mich tatsächlich im falschen Film. An andere Unstimmigkeiten, Plot- und Plausibilitätsschwächen kann ich mich im Moment nicht erinnern. Ist allerdings schon länger her. Gut gelungen ist aus meiner Sicht der Anschluss an den ersten Film von 1979. Die müsste ich beide wieder einmal sehen. „The Sitter“ habe ich ja auch in der Sammlung. Also am besten alle drei. Charles Durning: großartiger Schauspieler. ;)

19.08.2022 21:15 Uhr - cecil b
1x
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User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.384
Das ist die Szene, die ich für unglaubwürdig halte!

THE SITTER: Muss ich nachholen. :)

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