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Nope

Herstellungsland:USA (2022)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Science-Fiction, Thriller,
Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,22 (18 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Jill (Keke Palmer) und James (Daniel Kaluuya) sind die Eigentümer einer Farm für Hollywood-Filmpferde. Ihre kalifornische Haywood-Ranch, weitab von den ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation, ist bereits seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Eines Nachts beobachten sie auf ihrem Land schockierende Phänomene, für die es keinerlei Erklärung zu geben scheint. Dabei ahnen sie nicht, dass es sich nur um die Vorboten eines grauenerregenden Geheimnisses handelt... (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von phyliinx:

„Nope“, der neue Flm von Auteur Jordan Peele, erinnert mich in seinen Grundfesten an einen Stephen King-Roman und ließ mich in den anfänglichen Minuten eine herbe Enttäuschung erwarten. Zu träge schien der Plot voranzuschreiten und zu bruchstückhaft waren die Bänder zwischen den Figuren gespannt, wie sollte das die restliche Laufzeit bloß weitergehen?
Glücklicherweise findet der Film für dieses Problem eine Lösung, indem er seine Figuren nach einem wichtigen Event an einem Strang ziehen lässt: Daniel Kayulaas OJ Haywood möchte die Farm seines Vaters an Steven Yeuns Jupe verkaufen, während Keke Palmers Emerald Haywood das Familienerbstück gerne behalten würde.
Glücklicherweise treffen beide auf die Gelegenheit zum Geld machen schlechthin: ein UFO. Und so lernen sie Brandon Pareras Angel kennen, der ihnen Überwachungskameras installiert. Da diese alledings im Umfeld der Kreatur ausfallen, muss eine andere Figur zur Rate gezogen werden: Antlers Holst, gespielt von Michael Wincott.

Jepp, das sind ziemlich viele Leutchen mit ziemlich vielen Aufgaben für einen Science-Fiction-Horror-Thriller mit leichten, dezenten Comedyeinschlägen, doch glücklicherweise sind sie nach dem Fauxpas zu Anfang alle wirklich unterhaltsam geschrieben. OJ und Em sind ein Unterschied wie Tag und Nacht. Er ist ruhig, sieht den Fakten seiner finanziellen Krise ins Auge und lässt sich von dem Treiben, was seine soziale Umwelt ihm vorgibt. Em lotet ihre Möglichkeiten aus, schlägt auch die UFO-Jagd vor und trägt sich selbst mehr nach außen. Die goldene Mitte stellt meine Lieblingsfigur, Angel, dar, der als aufrichtige, clevere und äußerst nette Person eingeführt wird, die sich kompetent im Umgang mit allen Arten von Menschen beweist. Binnen der ersten Kapitel, in die Nope per Pferde-und Aliennamen unterteilt ist, könnte man dasselbe auch von Jupe behaupten. Ja, er scheint ein gewinnorientierter Geschäftsmann zu sein, aber das Herz auch an der richtigen Stelle zu tragen, was ihn allein wegen seines Angebotes, OJ und Em im Austausch für ihre Pferde die Ausstellung zu einer Sitcom, an der er als Kinderdarsteller mitgewirkt hat, kostenlos besichtigen zu dürfen, erkennbar wird. Diese Sitcom hat für Jupe eine spezielle Bedeutung.
Der Schimpanse, welcher in ihr vorkam, hat in einem Wutanfall den gesamten Cast der Sitcom schwer verletzt oder sogar getötet, außer Jupe. Jupe denkt deshalb, dass er in der Lage ist, Predatoren zu kontrollieren und er kauft den Haywoods ihre Pferde nur ab, um damit das Alien zu füttern, welches ihm als Hauptattraktion in seiner neuen Familienshow dienen soll. Das ist das zweite Gesicht seiner Figur, geformt durch ein bitteres Trauma, welches eine ehrliche Seele zerfrisst, die nicht wahnsinnig, sondern nur hoffnungslos fehlgeleitet scheint.
Zum Schluss sei noch Antlers Holst erwähnt. Antlers ist ein Raubein im Stile vom alten Quint, das sich durch Filmrollen von Tiersnuff-Aufnahmen werkelt, als es von den Geschwistern kontaktiert wird, fette Beute widmet und eine Chance auf die unmögliche Aufnahme, die reale Aufnahme einer außerirdischen Erscheinung, bekommt. Wie manisch er an der Kamerakurbel dreht, als sich das Biest aus seinem Versteck, einer Wolke, erhebt, um einen ahnungslosen Motorradfahrer zu verzehren, bringt diesen Punkt in seiner Charakterisierung nur allzu bedeutsam rüber. Dass ihn die Suche nach dem einmaligen Schnappschuss dann in den tödlichen Wahnsinn treibt, ist der zusätzliche Unterstrich.

Kommen wir nun also zum Elefanten im Raum: dem Alien, aus dem Trailer Nummer Eins noch so ein riesiges Geheimnis gemacht hat. Tatsächlich gibt es nämlich kein UFO. Das UFO ist selber eine jagende, fühlende, organische Kreatur am Himmel, die sich Dominanz auf der Erde erhofft und deren Ursprung komplett unergründet bleibt, auch weil Peele ihn wohl vor Fertigstellung von Nope aus dem Film schnitt. Es ist der Mittelpunkt sämtlicher Horroraspekte und erschafft mit seinem Dasein einige verstörende Sequenzen, die auch Stunden nach der Sichtung noch im Kopf bleiben, wie zum Beispiel das Verschlingen des gesamten Publikums von Jupes Show, welches wir dann im Inneren um sein Leben kämpfen sehen und von außen noch ewig schreien hören, bloß damit später Blut klaren Ursprungs gemeinsam mit unverwertbaren Gegenständen aus dem Wesen über die Haywood-Ranch regnet. Dies erwähnend, seien die gelungenen, visuellen Akzente des Werkes angesprochen, schon weil Christopher Nolans Stammkameramann hier die Zügel in der Hand hält und 130 Minuten an wahnsinnig hübschen Bildkompositionen auf die Leinwand brennt. Zusammen mit den meist sehr gelungenen Computeranimationen auf einem Budget von etwa 68 Millionen Dollar ergeben diese Eindrücke ein wahrhaftiges Gesamtkunstwerk, von dem man sich jede Impression in langen Einstellungen auf der Zunge zergehen lassen kann. Auch die Soundkulisse hält da fleißig mit. Jeder Sandsturm, jeder Windzug und jeder Schrei der studenlang gequälten Menschenseelen im Inneren des Monsters verursacht Gänsehaut, weil alles trotz der Fiktion sehr realistisch inszeniert wird. Wenn wir aus der Sicht von OJ, von unten, verfolgen, wie das Getier sich elegant durch den Himmel bewegt, bevor es dann zügig auf die Leinwand zuprescht, drückt es uns richtig in den Sitz, denn der Anblick ist, trotzdem er wiederholt wird, jedes Mal überwältigend, weil die Faktoren Bildsprache und Tonummantelung exzellent ineinander übergreifen.

Die Wurzel von „Nope“ wohnt übrigens in dem eingangs erwähnten Affen, der für eine Show missbraucht wird, was später noch einem Pferd und dem Alien selber passieren soll, womit wir hier Peeles primäres, sozialkritisches Thema im Skript entdecken, das er in eine sehr seltsame, aber gerade deswegen einzigartige Geschichte verpackt, mit der nicht jeder umgehen kann, wobei viele sie gesehen haben sollten, wenn ihnen am Kino als cineastisches Erlebnis etwas liegt. Ich für meinen Teil saß alleine im Saal und konnte jeden einzelnen Moment dieser Leistung vollends in mich aufnehmen, ein einmaliges Erlebnis.
Aber gerade wegen des tückischen Charakters dieses Films finde ich die FSK-Freigabe, nebst einiger blutiger Bilder, zu niedrig angesetzt. Zwölfjährige gehen da rein, um dieses Alien auf einer Mordserie zu erleben und mit dauerhafter Action gefüttert zu werden. Wer das von Nope erwartet, dem sei von dem Film abgeraten, denn das bekommt man hier absolut nicht, denn selbst das exzessiv absurde Finale ist von sehr ruhiger Hand zusammengebaut.
Die schauspielerischen Leistungen haben mich von A bis Z überzeugt. Ich fand alle oben genannten Darsteller sehr authentisch in ihren Rollen und habe mehrfach kleine Spiele mit der Mimik zur Addition feiner Emotionsdetails bemerkt.

Nope ist ein Film des Symbolismus, ein Science-Fiction-Thriller der besonderen Art, eine Art, die definitiv nicht bei allen Zuschauern andockt, aber mit eigener Identität glänzt und so im Horror-Genre, wie weitere Werke von diesem Ausnahmeregisseur, sehr willkommen ist.

9/10
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Kommentare

18.08.2022 11:33 Uhr - McGuinness
2x
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Da du bereits die Kerninhalte des Films verrätst, brauche ich mir diesen fast gar nicht mehr anzusehen, was allerdings im Nachhinein betrachtet nicht weiter schlimm ist, da ich mit den Werken Peeles sowieso nichts anfangen kann.
Dennoch, für jmd. der sich auf den Film freut, wären mir das etwas zu viele Informationen.

18.08.2022 12:28 Uhr - Schwachkopf79
2x
18.08.2022 11:33 Uhr schrieb McGuinness
Da du bereits die Kerninhalte des Films verrätst, brauche ich mir diesen fast gar nicht mehr anzusehen, was allerdings im Nachhinein betrachtet nicht weiter schlimm ist, da ich mit den Werken Peeles sowieso nichts anfangen kann.
Dennoch, für jmd. der sich auf den Film freut, wären mir das etwas zu viele Informationen.


"Küchentuch frisst alle die es angucken" Das war das Fazit eines Filmkritikers auf einer Website letztens. Nachdem ich den Film geschaut habe, kann ich nur sagen... damit ist wirklich absolut alles über diesen Film gesagt was man wissen muss.

18.08.2022 12:55 Uhr - Phyliinx
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18.08.2022 11:33 Uhr schrieb McGuinness
Da du bereits die Kerninhalte des Films verrätst, brauche ich mir diesen fast gar nicht mehr anzusehen, was allerdings im Nachhinein betrachtet nicht weiter schlimm ist, da ich mit den Werken Peeles sowieso nichts anfangen kann.
Dennoch, für jmd. der sich auf den Film freut, wären mir das etwas zu viele Informationen.
dafür ist die spoiler Warnung da

18.08.2022 14:12 Uhr - Lukas
1x
18.08.2022 12:28 Uhr schrieb Schwachkopf79
18.08.2022 11:33 Uhr schrieb McGuinness
Da du bereits die Kerninhalte des Films verrätst, brauche ich mir diesen fast gar nicht mehr anzusehen, was allerdings im Nachhinein betrachtet nicht weiter schlimm ist, da ich mit den Werken Peeles sowieso nichts anfangen kann.
Dennoch, für jmd. der sich auf den Film freut, wären mir das etwas zu viele Informationen.


"Küchentuch frisst alle die es angucken" Das war das Fazit eines Filmkritikers auf einer Website letztens. Nachdem ich den Film geschaut habe, kann ich nur sagen... damit ist wirklich absolut alles über diesen Film gesagt was man wissen muss.

Hehe, sehr gutes Fazit! :-D Tatsächlich fand ich den Film so bis zur Hälfte bzw. dem zweiten Drittel richtig richtig klasse, aber auf der Zielgeraden geht ihm leider dermaßen die Luft aus, dass "Nope" somit zu Peeles schwächstem Werk wird, wobei ich wertungstechnisch immer noch mit ner 7 oder 7,5/10 dabei wäre.

19.08.2022 12:58 Uhr - Phyliinx
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18.08.2022 12:28 Uhr schrieb Schwachkopf79
18.08.2022 11:33 Uhr schrieb McGuinness
Da du bereits die Kerninhalte des Films verrätst, brauche ich mir diesen fast gar nicht mehr anzusehen, was allerdings im Nachhinein betrachtet nicht weiter schlimm ist, da ich mit den Werken Peeles sowieso nichts anfangen kann.
Dennoch, für jmd. der sich auf den Film freut, wären mir das etwas zu viele Informationen.


"Küchentuch frisst alle die es angucken" Das war das Fazit eines Filmkritikers auf einer Website letztens. Nachdem ich den Film geschaut habe, kann ich nur sagen... damit ist wirklich absolut alles über diesen Film gesagt was man wissen muss.
Nope

22.08.2022 15:36 Uhr - CrazySpaniokel79
ACHTUN SPOILER zu der Machart des Films! Also für mich der bis dato schlechteste Film 2022!! Hier wird der Influencer kritisiert im Film und der damit einhergehende Trend alles für „das Spektakel“ zu tun um es auf einem Bild oder einer Aufnahme zu festigen. Nur leider ist die Inszenierung (zwar so gewollt) aber alles andere als spektakulär, gar langweilig! Und die Stilmittel immer wieder eine halbwegs spannende Szene abrupt mit einem Rough Cut zu beenden empfand ich als Kontraproduktiv. Einzig Get Out hat mir gut gefallen von seinen Werken bislang. Gut gemeinte 4/10 Punkten weil hier auf Wackelkamera verzichtet wird

23.08.2022 23:23 Uhr - Man Behind The Sun
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Sehr schöne Rezi, ich hätte es interessant gefunden, wenn du noch etwas mehr über den Inhalt philosophiert hättest (was du ja auch gemacht hast, deswegen interessiert mich deine Meinung zu dem Film).

Ich war nach Get Out mit Peele auch eigentlich fertig, WIR z.B. fand ich absolut bescheuert (um es mal etwas ruppig auszudrücken) aber NOPE ist ein spannender Popcorn-Horror mit Tiefen geworden, der, wie du auch schon sagst, mit der 12er-Freigabe ganz schön an der Grenze knabbert.

Gerne mehr von deinen Gedanken zu dem Film!

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