SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
The Last of Us Part I · Erlebe das geliebte Spiel, mit dem alles begann · ab 73,99 € bei gameware Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 64,99 € bei gameware

Last Man Down

Herstellungsland:Großbritannien, Schweden (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,60 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nach der Ermordung seiner Frau hat sich Elitesoldat John in die Wildnis zurückgezogen. Als die verletzte und von Söldnern gejagte Maria in seiner Hütte auftaucht, will er sich nicht einmischen. Doch nachdem er entdeckt, dass der Anführer der Söldner der Mörder seiner Frau ist, ändert er seine Meinung. Unter Einsatz seiner speziellen Fähigkeiten stellt sich John dem größten Kampf seines Lebens. (Tiberius Film)

eine kritik von themoviestar:

Das waren noch Zeiten, als Sylvester Stallone aká John Rambo muskelbepackt und Oberkörper frei durch den Dschungel rannte und dutzende von Feinden mit dem Maschinengewehr Blei- und bluthaltig in die ewigen Jagdgründe schickte, oder Arnold Schwarzenegger als John Matrix mit Kriegsbemalung und einem ganzen Arsenal an Waffen im Alleingang eine ganze Privatarmee ausgelöscht hat, während wie selbstverständlich die süffisanten One-Liner nicht fehlen durften. Filme mit jenen Inhaltsangaben und bärenstarken Einzelkämpfern gab es in den 80er Jahren zu Hauf. Doch mit den geänderten Sehgewohnheiten des Mainstreampublikums verschwand auch dieser Typ des Actionstars Ende der 1980er Jahre langsam aber sicher aus den Kinosälen und heut zu Tage wird derlei Unterhaltung wenn überhaupt direkt auf DVD / Blu-ray veröffentlicht. Der 2022 erschienene, mittelprächtige, schwedische B-Actioner Last Man Down möchte mit seinem Helden "john Wood" und seiner Einer gegen Alle Ausrichtung als Hommage an die glorreiche Zeit der Macho-Action verstanden werden, aber Regisseur Fansu Njie beging bei seiner durchwachsenen Inszenierung ein paar Fauxpässe, so das Fans von Stallone, Schwarzenegger, Lundgren & Co. zwar annehmbar unterhalten werden, letzten Endes aber nicht zu 100 % zufrieden sein dürften.

Neben der Inszenierung schrieb der preisgekrönte schwedische Werbe- und Kurzfilmdirektor Fansu Njie auch das Drehbuch gemeinsam mit Andreas Vashhaug und Hauptdarsteller Daniel Stilsen, der unter anderem auch eine erfolgreiche Bodybuilder Karriere hingelegt hat, wie man in vielen körperbetonten Szenen unschwer erkennen kann. Der Plot baut zum einen auf der momentanen epidemischen Lage auf, zum anderen ist dieser nahezu identisch zur Story vom nur kurz zuvor erschienenen Actionthriller  The Survivalist – Die Tage der Menschheit sind gezählt. In beiden Filmen hat ein Virus die halbe Menschheit dahin gerafft. In beiden Filmen ist das Heilmittel bzw. die letzte Hoffnung für unsere Spezies eine Frau. Und in beiden Filmen sucht diese Frau, die von Soldaten gejagt wird, Unterschlupf bei einem einsam lebenden, versierten Einzelkämpfer, der die Dame vor der Gegnerübermacht zu beschützen versucht. In Last Man Down heißt unserer Held John Wood (Daniel Stilsen) und ist rein zufällig auch noch Holzfäller. Natürlich hat man ihn klischeekonform mit einer tragischen, persönlichen Vergangenheit bestückt, die ihn wieder einholt, da die Jäger der hilfesuchenden Maria (Olga Klent) vor Jahren auch seine Gattin ermordet hatten. Glücklicherweise erweist sich die nicht ganz unattraktive Maria an der Waffe als relativ geschickt, so dass die Actionlast auf zweierlei Schultern verteilt wird, damit es nicht ganz so eintönig wird.

Eigentlich kann man Last Man Down die einfältige Geschichte, die plumpen, minimalistischen Dialoge, die politisch unkorrekten, Bodycount zehrenden Shoot-Outs, das dümmliche Verhalten der Antagonisten und den verschwindend geringen Anspruch nicht einmal für übel nehmen, denn wenn man ehrlich ist, glänzten Last Man Down's Vorbilder aus den 1980er Jahren genau mit diesen "Vorzügen", von daher bekommt man genau das geliefert, was man erwarten darf, den berühmt berüchtigten Bierdeckel Plot. Von daher spreche ich die Defizite hier offen und ehrlich an, für mich persönlich sind sie aber kein Beinbruch, da ich genau so etwas in einem Streifen sehen will, der offensichtlich mehr als überdeutlich Rambo II - Der Auftrag und Phantom Kommando als Inspirationsquelle Nummer 1 gewählt hat. Wer pädagogisch wertvolle Unterhaltung sucht, braucht sich einen No Brainer wie Last Man Down ja nicht anzusehen und da die Handlung geradlinig und zweckdienlich voranschreitet, sind kaum Längen zu verzeichnen, auch wenn der finale Twist und der daraus resultierende Showdown meines Erachtens den Film etwas ins Lächerliche zieht.

Kriegsentscheidend sind für mich die Quantität und die Qualität der Action, was insgesamt betrachtet nur mittelprächtig zufriedenstellend ausgefallen ist. Fansu Njie steigert die Anzahl der anfangs eher spärlich stattfindenden Nahkampfduelle kontinuierlich bis zur Filmmitte, ehe Last Man Down nach der Halbzeitpause richtig in die vollen geht und ein wahrhaftiges Actiongewitter an zum größten Teil unblutigen Schusswechseln und Guerilla Action liefert. Nachdem der Schauplatz vom Dschungel in ein unterirdisches Tunnelsystem, bei dem man sich offensichtlich von Rambo - Last Blood hat leiten lassen, abschließend wechselt, verflacht Last Man Down nach der an den Haaren herbeigezogenen Hintergrundauflösung und enttäuscht mit  seinem präsentierten Finale auf ganzer Linie. Vom technischen Standpunkt her müssen auch Abstriche gemacht werden: Die Kameraführung ist viel zu hektisch und unübersichtlich, während viele Szenenfolgen zu schnell geschnitten sind. Durch die harmlose Inszenierung fallen viele Schussopfer wie von Geisterhand um und den wenigen blutigen Wundzeichnungen unterliegen teils grottige CGI Effekte, was offensichtlich auch mit dem wohl knapp bemessenen Budget zu tun hat, während die Choreografie der Fights eher unfiligran und sperrig als temporeich und stilisitsch ansprechend wirkt.

Punkten kann Last Man Down mt seiner typisch 80er Jahre Heldenglorifizierung, auch wenn es aus schauspielerischer Sicht doch eher mau aussieht. Als Bodybuilder bringt Daniel Stilsen genau die richtige Statur mit, um den hünenhaften Einzelkämpfer, der um keinen prägnanten One-Liner verlegen ist, glaubhaft zu verkörpern. Während er sich in den Actionszenen achtbar schlägt, ist er, wenn es darum geht, Gefühle zu zeigen, beispielsweise nach dem Tod seiner Frau, hoffnungslos überfordert. Olga Klent weiß als hübscher, kampferprobter, weiblicher Sidekick mit Schlüsselfunktion gut zu gefallen, ihre darstellerische Leistung geht durchaus in Ordnung. Völlig anders sind die Performances der zahlreichen Schurkendarsteller zu bewerten. Angeführt vom pseudo-intellektuellen Commander Stein, der von Daniel Nehme weder bedrohlich noch respektabel gespielt wird, bleibt auch dessen Gefolgschaft, die meist aus lustlos agierenden, primitiven C-Movie Mimen besteht, deutlich hinter akzeptablem Schauspiel zurück und die grauenhaften deutschen Synchronstimmen sind da nur die Spitze des Eisbergs.

Fazit: Wenn man schon einen auf 80er Jahre Retro-Action macht, sollte man  sich auch handwerklich an den Action-Flicks jener Zeit orientieren und nicht nur rein oberflächlich deren Klischees erfüllen. Sympathisanten von klassischer B-Action werden, wenn sie beide Augen zudrücken, trotz vieler Unzulänglichkeiten passabel unterhalten, so dass der lediglich im Genremittelfeld spielende Last Man Down dann seinen Zweck als anspruchslose Fastfood-Action für zwischendurch erfüllen kann. MovieStar Wertung: 5 von 10 Punkte.

5/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Pets
TheMovieStar
6/10
John
TheMovieStar
9/10
Samaritan
TheMovieStar
7/10
Hunter
TheMovieStar
6/10
die neuesten reviews
Tanz
EvilCat
10/10
Pets
TheMovieStar
6/10
Born
Dr. Kinski
8/10
bewegte
McGuinness
7/10
Bad
cecil b
7/10
John
TheMovieStar
9/10
Dirty
sonyericssohn
9/10

Kommentare

23.09.2022 15:40 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.384
Sehr ehrliche, großartige Review!

Auch Bierdeckel-Story können gefallen, mal mehr, mal weniger. ;)

23.09.2022 16:15 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 12
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.486
Danke dir fürs Lesen und fürs Kommentieren Cecil: Da hast Du Recht, auch Bierdeckel Story's können mal mehr, mal weniger gefallen. Den Unterhaltungswert von Bierdeckel Story's kann man auch mit dem ein oder anderen Feierabendbierchen steigern 😉😀 Was ich mir jetzt genehmigen werde, endlich Wochenende! Dir natürlich auch ein schönes Wochenende!

Gruß
MovieStar

23.09.2022 18:08 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.384
Ja, da stimme ich dir zu. Slasher z. B. ...Hihi.

Ich muss dieses WE arbeiten. :(

Was nicht heißt, dass diese zwei Tage dann schlecht wären, außerdem habe ich heute frei. ;) :)

Danke, wünsche ich dir auch!

24.09.2022 07:24 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 12
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.486
Bitte gern geschehen kein Problem 😊

24.09.2022 15:48 Uhr - McGuinness
1x
User-Level von McGuinness 10
Erfahrungspunkte von McGuinness 1.453
Obwohl ich den Film nicht kenne und nach deiner tollen Review auch gar nicht erst sehen möchte, pflichte ich dir in den genannten Kritikpunkten vollkommen bei, denn in den 80er - Jahren gab es noch keine grottigen CGI - Effekte, sondern nur die guten - alten Blutbeutel, nach denen ich mich in der heutigen Zeit umso mehr sehne.

Wenn dann auch noch größtenteils unblutige Schusswechsel auf eine grauenhafte Synchronisation treffen, dann bin ich hier absolut raus und verharre lieber in der damaligen Zeit, auch wenn ich mir die Titel jener Epoche zum gefühlt 1000. Mal ansehe, langweilig werden mir diese nie und sind allesamt um ein vielfaches besser als der ganze neumodische Blödsinn 😒

25.09.2022 11:59 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 12
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.486
@McGuinness

Danke auch dir fürs Lesen und fürs Kommentieren. Bei dir könnte ich mir vorstellen, dass dir der Film zusagen könnte, wenn Du Abstriche in der Erwartungshaltung machst, da Du ja solche Actionstreifen eigentlich gerne siehst, genauso wie ich. Schlussendlich bekommst du durchschnittliche Actionkost serviert, die unterhalten kann, einen aber nicht vom Hocker reißt.

26.09.2022 16:05 Uhr - Draven273
1x
User-Level von Draven273 5
Erfahrungspunkte von Draven273 325
Also auf eine Art und Weise fand ich den ja unterhaltsam. Vor allem ist der Typ ja echt ein Hüne. Man was hätte man daraus feines machen können, aber die fehlende Gewalt bzw. Darstellung dieser, und das wäre in so einem Film einfach doch ein kleines Muss gewesen, ist ja komplett pippifax. Auch hapert es ja hier und da an der Umsetzung. Die Story passt auf einen Bierdeckel, das ist aber kein Problem, dass erwarte ich auch nicht. Aber das Ende geht in meinen Augen mal gar nicht. Das Ding hätte insgesamt einfach wuchtiger sein müssen, so wird hier ein Hüne von Typ für nen härten TV Film verhunzt. Schade. Ne 5-6 gebe ich dem aber auch.

27.09.2022 10:43 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 12
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.486
@ Draven: Danke auch dir fürs Lesen und fürs Kommentieren. Von Dir hatte ich ja den Tipp bekommen, den Film zu sehen. Freut mich, dass wir ihn fast deckungsgleich bewerten. Man hätte sicherlich einiges verbessern können, im Großen und Ganzen bekommt man aber durchschnittliche Actionkost geboten, die passabel unterhält. Wertung von 5 bis 6 Punkte ist somit folgerichtig.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)