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Witchcraft - Das Böse lebt

Originaltitel: Witchery

Herstellungsland:Italien, USA (1988)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Casa 4, La
Evil Encounters
Ghost House 2
Ghosthouse 5
Haunted House, The
Hexenbrut
Malefiche presenze
Witchcraft
Horror House
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,42 (12 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eigentlich wäre dieses alte, leerstehende Hotel auf der kleinen Insel vor der Küste Neu-Englands ein geeignetes Feriendomizil, das glauben auch die neuen Besitzer, die zur Besichtigung auf die Insel fahren. Dort überrascht sie Gary, dessen Freundin Leslie ohne Erlaubnis an diesem Ort parapsychologische Studient macht, doch sie sind nicht allein. Von unheimlichen Erscheinungen getrieben, wollen die Besucher die Insel verlassen. Das Boot kann sie nicht mehr zurückbringen. Schon nimmt das Ungeahnte seinen Lauf. In einer einzigen Nacht öffnet Satans Dienerin die Tore zur Hölle. Alle Anwesenden sind Teil eines satanischen Hexenrituals geworden, dessen Opfer Höllenqualen erleiden müssen. Satan selbst entreißt Leslie ihre Jungfräulichkeit. Die Dienerin Satans, eine alte Hexe, bringt bestialisch den Tod... (Laser Paradise DVD-Cover)

eine kritik von cecil b:

 

Endlich habe ich WITCHCRAFT gesehen. Der berüchtigte B-Film, der ziemlich blutig sein soll, mit der schon immer ein wenig überschätzten Linda Blair (die kotzende Rotzgöre aus dem Klassiker DER EXORZIST), und David Hasselhoff. Der aus dem eher in Fachkreisen bekannten Actiontriller TIGERMAN. Aber, nur wenige gehören diesen Kreisen an. Und deswegen widme ich diesem außergewöhnlichen Herren, der im Guinness Buch der Rekorde steht, weil kein anderer Star so oft im Fernsehen zu sehen war wie er, und die besagte Person den Rekord im Reverse Bungeespringen gebrochen hat, den nächsten Absatz aus anderen Gründen. WITCHCRAFT und Hasselhoff haben eine besondere Verbindung, das decke ich jetzt auf.

The Hoff, wie er heutzutage oft genannt wird, erlangte seinen Kultcharakter auch durch Popmusik, die Freiheit thematisierte, in Zeiten, in denen durch Deutschland eine große Mauer zwischen dem Osten und dem Westen stand. Seine Beiträge zu Fernsehserien sind legendär, als Schnüffler im sprechenden Auto (Knight Rider) oder halbnackter anständiger Rettungsschwimmer, der den Strand inspiziert (Baywatch). Es ist schon ominös, diesen Darsteller zieht es immer wieder hin zum Wasser. Schon lange weiß der Akteur und Sänger wohl nicht mehr so genau, ob er seine künstlerische Leistung ernst nehmen möchte. Hasselhoff zog durch Selbstironie Aufmerksamkeit auf sich, wie zum Beispiel im SPONGEBOB SCHWAMMKOPF -Film, der Kinofilm zur erfolgreichen Zeichentrickserie. Ein Cameo, als Rettungsschwimmer. Nach seinem Horrorfilmdebüt, DER SCHRECKEN DER LONDON BRIDGE, versuchte der Fernsehstar sich mit WITCHCRAFT ein zweites Mal im (gewollt) gruseligen Genre, und darin trägt er den Namen von Spongebobs Haustier, nämlich Gary. Um dem noch einen draufzusetzen, muss ich darüber berichten, dass eine Krustentierart von Wissenschaftlern den Spitznamen Hoff Crab bekam, denn dessen Borsten am Bauch wurden mit Hasselhoffs behaarter Brust assoziiert. Baywatch, ein lieber sprechender Schwamm, der zusammen mit seiner Haustier-Meeresschnecke Gary (Gerald B. Schneckerich) im Wasser lebt, die Hoff-Krabbe und eine verfluchte Insel in WITCHCRAFT: Der Zusammenhang ist nicht von der Hand zu weisen. Die Tendenz wurde von mir auch ermittelt. Was heute witzig sein soll, hatte damals ein anderes Ziel, die unfreiwillige Komik lief allerdings latent auf die humorvolle Entwicklung zu. 

Da Italiener früher hinsichtlich des Horrorfilm-Genres durchaus gefragt waren, war es an Fabrizio Laurenti (The Immigrant), das Experiment zu wagen, etwas möglichst Gruseliges mit etwas prominenten Darstellern erfolgreich auf den Markt zu bringen. Einer der Großmeister des ausbeuterischen Films, Joe D'Amato (1936–1999), der als Produzent, Akteur, Drehbuchautor, Regisseur usw. etliche Porno- Kannibalen- Fantasy- Western- Splatter- und weiß nicht was Filme in Umlauf gebracht hatte, trug die Verantwortung für die Produktions dieses Streifens. Über die Qualität des Gesamtwerks dieses Sexploitation-Königs lässt sich streiten, aber eines kann ich mit Sicherheit sagen. WITCHCRAFT ist nicht so bescheuert und langweilig wie D'Amatos Porno Holocaust. Um für Laurentis Machwerk Interesse zu wecken, ging man getreu der Exploitation-Manier auch so vor, dass die Vermarktung leerer Versprechungen in die Welt gesetzt wurde. WITCHCRAFT, nicht zu verwechseln mit der 13-teiligen WITCHCRAFT-Reihe, oder WITCHCRAFT aus dem Jahre 1964, bekam dafür u. a. Titel wie Ghost House 2 und Ghosthouse 5. Ein imaginärer Teil einer Reihe, die eigentlich keine ist, und die ganz gewiss -anders als es einen Vertriebe glauben lassen wollten - rein gar nichts mit EVIL DEAD von Sam Raimi zu tun hat. Auch die qualitativen Unterschiede sind groß. Daniele Stroppa (Das unheimliche Auge) und Harry Spalding (1913–2008, Chosen Survivors) fiel für ihr Drehbuch nicht viel ein. 

                                                                                        HOCUS POCUS

Lang ists her. Mit einem unschuldigen weißen Kleid bekleidet versuchte die im Hexentum bewanderte Schauspielerin ihren schwarz-gekleideten Peinigern zu entkommen. Ohne Erfolg. Hexen waren zeitweise so unbeliebt, unabhängig davon, ob es sie in magischer Form gibt oder nicht, dass sie inquisitorisch durch Dezimierung auf den Pfad der Tugend gebracht werden sollten, das Prinzip wurde nie ganz aus der Welt geschafft. Rachegelüste verleiteten die Frau Jahre später dazu, schwarze Kleider zu tragen, und sich als Dienerin des Teufels der Grausamkeit hinzugeben. Einige Besucher des vermeintlich leerstehenden Hauses werden mithilfe der Hexerei am eigenen Leib erfahren, was sie für Schmerzen hatte. 

Leslie (Leslie Cumming, Killing Bird) ist noch Jungfrau, weswegen Gary seine Liebe ihr gegenüber um so deutlicher ausspricht: "Du musst doch zugeben, dass Jungfräulichkeit nicht normal ist!". Jungfrauen und Hexen, mir schwant Böses. Gary's Freundin hat aber noch insgesamt eine andere Seite. Sie beschäftigt sich intensiv mit Hexenkulten,  und ist fachkundig, in Sachen seltsame Schriften. Natürlich hat Leslie die Lunte gerochen, gefährlich wissbegierig. Grund genug für Gary, ihre Auffassungsgabe noch mehr infrage zu stellen. "Weibergewäsch!" Zwei Figuren sind ein bisschen wenig, wenn die Spannung nur durch Brutalitäten eine Chance bekommt. Die großkotzige Rose taucht mit ihrem nahezu kniefälligen Ehemann Freddy (Robert Champagne († 2007, Ghosthouse) auf, ihre schwangere Tochter Jane (Blair) und deren circa 8-jährigen Sohn Tommy (Michael Manchester) haben sie auch im Gepäck. Ein schmieriger Makler (Eintagsfliege) sowie eine hübsche Blondine (Catherine Hickland:Knightrider!), die das Haus renovieren soll, und, das ist ja klar, immer auf der Suche nach dem nächsten sexuellen Lustgewinn ist, machen den Zufall des Tête-à-têtes perfekt.

Sämtliche Akteure zogen unterdurchschnittlich an einem Strang, die Eintönigkeit der Figuren verhindert eine nähere Besprechung dieser. David Hasselhoff blieb sich schauspielerisch fast immer treu. Hölzern. Zumindest konnte er in WITCHCRAFT zu Hildegard Knef (1925–2002), Jeder stirbt für sich allein) als Hexe aufsehen. Er dürfte allerdings erkannt haben, dass diese Akteurin weitaus bessere Tage gesehen hatte, besonders künstlerisch. Bestimmt haben die beiden darüber gesprochen, dass The Hoff auch eine kleine Seitenwurzel in Deutschland hat. Und vermutlich bissen sie, Linda Blair, und Annie Ross (1930–2020, Short Cuts), die in diesem Spuk als Rose verwurstet wurde, gemeinschaftlich die Zähne zusammen. Autsch. Manchester spielte beeindruckend blass, es ist vorstellbar, dass ihn seine Eltern mehrmals irgendwo vergessen hatten, so unscheinbar ist der Junge gewesen. War sein einziger Auftritt in einem Film. Besser is es. Blair kriegte die besten und die schlechtesten Szenen hin. Was sie im Finale vollzog, ist aber nur mit einer guten Portion Humor auszuhalten. Abseits dessen gibt es ja noch andere Faktoren. 

Ich wollte die akzeptable Totale, die den atmosphärischen Anfang eingefangen hat, mögen, Kathleen Strattons (War Baby) mangelhafte Schnitte schränkten meine Erwartungshaltung ein. Die Geigenspiele sowie das Synthesizer-Geklimper, die Carlo Maria Cordio (Troll 2) und Randy Miller (Grenzenlos) auf ihre Kappe nehmen müssen, sind nie schlecht oder gut, sie fügen sich dem Anspruch der konstanten Inszenierung. Vorwiegend halbnahe Einstellungen, häufig in langen Gängen, auf denen schreckhafte Frauen etwas Unbekanntes spüren, wie in jedem zweiten Giallo. Die Figuren oft vom Kopf bis zur Hüfte festzuhalten, das ist kein großer Akt, aber ab und zu ein blamabler. Da Kameramann Gianlorenzo Battaglia (Insel der neuen Monster) und der Regisseur bestenfalls mittelmäßiges geschaffen haben, die Cutterin hat das nur leidlich hinbekommen, muss der Horror die schweren Augenlider aufrecht halten. 

Das Tor zur Hölle verfügt über eine Sogwirkung, für sexgierige, habsüchtige, angeberische und schwangere Menschen. Es entfesselt deren Dummheit endgültig, und schickt sie mit bizarr schlechten CGI-Farbgebungen zur schmerzhaften Sühne, die Antwort auf die vorbildliche Inquisition. Der Ort des Schreckens ist total ungemütlich, leere Keller, mit ein paar Latten als Trennwände, Nebel. Wahnsinnige, sehr alte Menschen, vermutlich verfluchte Seelen, Geister oder weiß Gott noch was, streiten sich dort um leckere Baby-Leichen, lachen irre mit verfaulten Zähnen, und foltern. Kreuzigungen und andere mittelalterliche Foltermethoden, die können Horror-Fans gefallen, aber, ich musste an Igor aus Frankenstein Jr. denken, die Ähnlichkeit mit den Schergen der Hexe ist ein Fakt. Vergewaltigungen, Foltereien, interessant, dass mich das so kaltlassen kann. Bis auf eine Szene. Das Cover gibt damit an. Sieht ja schon fies aus, aber, der zugenähte Mund ist nur das Erfordernis für eine wirklich beklatschenswert fiese Szene! Die ist jedoch schnell vergessen, wenn das lachhaft naive Ende den Vogel abschießt.  

Ein paar schön bösartige Szenen hat der Film. Alles in allem ist WITCHCRAFT dennoch nur mittelprächtig inszenierter Schund, mit einer schlechten schauspielerischen Leistung und einem einfallslosen Drehbuch, der nur als ungewolltes Trash- Amüsement genießbar ist. 

4/10
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Kommentare

11.09.2022 21:03 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.260
Lustiger Text zu einem Videothekenheuler, den ich vor einem Vierteljahrhundert mal auf VHS geliehen habe - geschnitten, wie ich gerade herausfinden durfte. Der Abgang des Hoffs blieb aber selbst in dieser Fassung noch im trashigsten Sinne denkwürdig.

12.09.2022 11:56 Uhr - Draven273
2x
User-Level von Draven273 5
Erfahrungspunkte von Draven273 325
Ein Film den ich mal gesehen habe und der mir nicht mehr in Erinnerung geblieben ist. Soweit dazu, wie Hund so schön sagt, ein Videothekenheuler, als diesen ich ihn auch bezeichnen möchte, also den Film natürlich. Dafür gefällt mir deine Einleitung mit und über The Hoff ganz gut und in meinen Aigen wertet dieser Text den Film ganz schön auf. Gut verfasst lieber cecil, ich habe mich amüsiert und fasziniert zugleich.

13.09.2022 16:40 Uhr - cecil b
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Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.504
Vielen Dank ihr beiden! :)

Hasselhoff kann einen Absatz bekommen, finde ich. ;) Ich hab auch nichts gegen den.


16.09.2022 17:54 Uhr - TheMovieStar
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User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.703
Wusste gar nicht, das Hasselhoff in einem Horrorfilm damals mitgespielt hat. Kenne von ihm neben seinen Erfolgsserien Knight Rider und Baywatch auch seinen Kurzauftritt in Piranha 2, als er sich gekonnt selbst persifliert.

Wenn ich deinem informativen und gut formulierten Review glauben darf, habe ich allerdings auch nicht viel verpasst. :-) Danke die Vorstellung, Cecil.


16.09.2022 21:06 Uhr - cecil b
Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.504
The Hoff ist irgendwie cool, finde ich. Aber einen guten Akteur würde ich den nicht nennen. ;)

Gern geschehen, danke für das Lob! :)

WITCHCRAFT kann für einen Trash-Abend ganz nett sein, mehr nicht, mMn.

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