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Duell im Atlantik

Originaltitel: The Enemy Below

Herstellungsland:USA (1957)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Krieg, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,14 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Robert Mitchum und Curd Jürgens spielen die Hauptrollen in Dick Powells Kriegsdrama. Schauplatz ist der Südatlantik Anfang der vierziger Jahre. Ein amerikanischer Zerstörer wird von einem feindlichen U-Boot verfolgt. Es ist bei diesem Katz- und Maus-Spiel kaum zu unterscheiden, wer Jäger, wer Gejagter ist.

Die Geschichte entstand nach einem Erlebnisbericht des amerikanischen Kommandanten D.A. Rayner. Powell, zu diesem Zeitpunkt Schauspieler und erfolgreicher TV-Moderator, las die Geschichte und war so fasziniert, dass er beschloss, sie selbst für die Leinwand zu inszenieren. Dick Powells Regiedebüt, das auf aufwendige Materialschlachten weitestgehend verzichtet, bezieht seine Spannung vor allem aus den glänzend inszenierten Verfolgungsjagden auf hoher See. Die außergewöhnlichen Spezialeffekte dieses Filmes wurden 1957 mit dem Oscar „Beste Special-Effects“ ausgezeichnet. (20th Century Fox DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Der Mensch wird in Kriegen eingesetzt, im Kampf gegen einen Feind gehetzt, da kämpft er dann, o wie dumm und weiß nicht einmal warum.

'Monika Kühn'


Südpazifik, 2. Weltkrieg

Der Begleitzerstörer USS Haynes befindet sich auf Alleinfahrt unter neuem Kommando. Die Mannschaft an Bord ist gut gelaunt, jeder geht seiner Arbeit nach und scherzt miteinander. Nur der neue Captain hat sich bisher noch nicht bei seinen Leuten sehen lassen was sie zu Spekulationen hinreißt. Plötzlich meldet der diensthabende Offizier am Radar einen Kontakt der sich als deutsches U- Boot herausstellt. Captain Murrell befiehlt den Angriff ! Doch der Kommandant des feindlichen Schiffes erweist sich als zäher Brocken !

DUELL IM ATLANTIK

1957 inszenierte Regisseur Dick Powell, der als Schauspieler eher leichtere Rollen mit gesanglichen Einsprengseln bediente, mit vorliegendem Werk einen Kriegsfilm (basierend auf dem Roman von D.A. Rayner), der sich so gar nicht in das bekannte Schema einfügen wollte. Und es bis heute nicht tut. Denn auch wenn es die Thematik nicht hergeben möchte steht hier der Mensch im Vordergrund. 

Als Captain Murrell ist der grandiose Robert Mitchum (u.a. Die 5. Kolonne, Die Nacht des Jägers, Fluss ohne Wiederkehr) zu sehen. Ein alter Haudegen der hohen See, dem keiner so schnell etwas vormacht. Er besitzt diesen Instinkt den andere gerne hätten, führt seine Mannschaft streng aber stets mit Respekt. Und er weiß immer was er wann zu tun hat…bis er aber nun auf diesen…

…deutschen U- Boot Kapitän (ebenfalls genial Curt Jürgens; Der Kurier des Zaren, Des Teufels General; als Von Stolberg). Auch er ist nicht zum ersten Mal auf Mission unterwegs. Erfahren, väterlich, vorausblickend. Nichts scheint ihn mehr beeindrucken zu können. Bis heute…

"Ich hasse diesen Krieg. Es ist kein guter Krieg."

Man zeige mir bitte einen Krieg der gut war oder es aktuell ist. Niemand ? Eben. Kein Krieg hat nur einen Funken an Berechtigung geschweige denn Nutzen. Kein Krieg ist in irgendeiner Weise gerechtfertigt auch wenn man es unter gewissen Gesichtspunkten sehen möchte. Am Ende zahlen immer die Unschuldigen drauf. 

Dabei beginnt der Film beinahe schon beschaulich ruhig. Majestätisch zieht der Zerstörer Haynes seine Bahnen durch die strahlend blaue See. An Bord herrscht reges aber nicht hektisches Treiben. Die Kameraden unterhalten sich, witzeln, ziehen sich gegenseitig auf. Doch es klingt durch, dass manche offenbar über den Ersatz- Captain nicht glücklich sind. Seit dem Ablegen im Heimathafen hat dieser sich noch nicht aus seiner Kabine getraut. Das wirft seitens der Mannschaft kein gutes Licht auf ihn, munkelt sogar er sei nicht gemacht für den Job. Daß der Captain auch nur durch die Tür seines Domizils oder per Funk kommuniziert wirkt auch nicht gerade förderlich.

Erst als der genannte Radarkontakt auftritt wagt sich auch der Captain aus der Kabine. Dieser Moment wirkt fast schon befreiend, denn man dachte schon daß das Schiff mehr durch nen Geist befehligt als einem Menschen aus Fleisch und Blut. Nicht mal die Crew erkennt ihr beim ersten Mal. Doch man denkt sofort im ersten Moment es umgibt ihn eine Aura aus ergebende Ehrfurcht und Respekt. Was aber ebenfalls zu erkennen ist, ist der Fakt daß der Captain gewisse Zweifel über die Sinnhaftigkeit des Krieges hegt, stellt sich und  Lt. Ware (David Hedison) die Frage ob das richtig ist was geschieht.

Sogleich eröffnet sich der zweite Schauplatz im Bauch des schwimmenden Stahlsarges. Oder um Murrell zu zitieren: "Tapfere Männer. Steigen in so ein Ding, wissend eventuell nie mehr das Tageslicht zu sehen." Und da steht er nun am Sonar. Von Stolberg und erfährt daß da oben etwas seine Bahnen zieht. Zieht seine Schlüsse daraus und zieht sich zurück. Sofort erkennt man seine Einstellung zur Situation und zum gesamten Krieg. Wirft fast schon angeekelt sein schmutziges Handtuch über einen Spruch der auf nem aufgehängten Brettchen, welches von den Rohren baumelt, dort prangt. "Befiehl Führer, Wir folgen". Scheiß drauf !  In dem nun folgenden Monolog (samt brummeliger Stimme), den er in Anwesenheit seines Freundes und langjährigen Kameraden Heinie (Theodore Bikel) über den Krieg hält, lässt erkennen welche Spuren, welche Narben dieser auf seiner Seele hinterlassen hat. Da war der 1. Weltkrieg besser. Ehrlicher, menschlicher. Tatsächlich ? Es läuft dir wirklich eiskalt den Rücken runter. 

Klar ist in jedem Fall daß beide Captains die Nase so ziemlich voll haben und, wie sie es selbst sagen, eigentlich nur nach Hause und Ruhe haben wollen. Doch es ist noch ein Job zu tun. Denn die anfängliche philosophisch angehauchte Atmosphäre weicht nun dem Wahnsinn der Befehle von oben. Dabei ist nicht der Kapitän des jeweiligen Schiffes gemeint ! Die folgende, im Film mehrere Stunden und Tage andauernde Jagd, ist an Intensität kaum zu toppen (wenn man das 1981 erschienene Meisterwerk -Das Boot- ausnimmt) ! Quasi im Sekundentakt ploppen Wasserbomben von Bord der Haynes, deren Explosionen jagen Wasserfontänen meterweit in die Höhe während das gegnerische U- Boot gnadenlos davon erschüttert wird. Der Lärm ist ohrenbetäubend, der Tod klopft an die Aussenhülle und erbittet Einlass. Fast schon erschreckend wie gelassen Von Stolberg agiert und reagiert. Er ist es gewohnt, Heinie lächelt die Gefahr einfach weg und die Mannschaft routiniert wie Roboter müht sich trotzdem ab ruhig zu bleiben. Sie haben tiefstes Vertrauen zu ihrem Skipper. Da wird schon mal ne Schallplatte angeworfen und mitgesungen. Der Ami soll verhöhnt werden ! Man reckt seinen Blick nach oben und grinst ihn durch die Stahlhülle an. 

Hat man sich an das Dauerbombardement langsam gewohnt kristallisieren sich langsam die kleinen Feinheiten des Films heraus. Es wird klar daß man es hier in keinster Weise nur mit einem Effektspektakel (L.B. Abbott hat da ganze Arbeit geleistet !) zu tun hat, sondern mit Psychoterror in Reinkultur ! Wer denn jetzt Jäger oder Gejagter ist kann kaum gesagt werden. Zwar sieht man den Zerstörer über Wasser irgendwie im Vorteil, aber unter Wasser hat man keine Augen nur Ohren. Möchten sie einem *Plinggggg* einfach so trauen, während vielleicht schon Torpedos auf einen zurasen und jene erst im letzten Moment erkennt ? Nicht verwunderlich daß die beiden Kapitäne sich immer mehr gegenseitig…bewundern. Schätzt sich, obwohl man sich noch nie Auge in Auge gegenüberstand. 

Dies wird schließlich im Finale eingebracht und jetzt passiert etwas was man gedacht, vielleicht gehofft aber kaum erwartet hätte. Der Showdown, so wuchtig er auch inszeniert ist, jagt einem eine Gänsehaut nach der anderen über den Körper. Wenn es nicht so traurig wäre möchte man applaudieren (ja ich tat und tu es noch heute), verdrückt sich eine Träne ! 

"Ich hätte schon so oft sterben sollen, Captain, aber ich hab immer überlebt. Diesmal war es Ihre Schuld."

"Gut zu wissen. Das nächste Mal werfe ich ihnen das Seil nicht zu."

"Sie werden es immer wieder tun."

Abschließend nun passende Worte zu finden ist schwierig. Den Film in Worte zu zerlegen und angemessen zu präsentieren ebenso. Die Story, so dünn sie auch sein mag, ist vielschichtiger als man annehmen möchte. Die kleinen Feinheiten zeigen sich erst langsam und es lohnt sich den Dialogen oder auch Monologen zu lauschen. Denn eines geht klar aus dem Film hervor: Die Menschlichkeit, auch wenn man sie auf dem Schlachtfeld vermisst, steht hier an erster Stelle. Selbst im Krieg…

 

ses

8/10
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Kommentare

04.09.2022 00:30 Uhr - Intofilms
1x
Den Film möchte ich sehen. Sehr gute Review, sony - danke! 😉

04.09.2022 19:56 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.814
Danke Into. Ist für einer der besseren...wenn ich es so ausdrücken möchte....Antikriegsfilme. Den kann man wirken lassen.

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