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Convoy

Herstellungsland:USA, Großbritannien (1978)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,90 (24 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Bei einer Kneipenschlägerei eskaliert der andauernde Konflikt zwischen den Truckern von Louisiana und der Polizei. Um der Rache der Gesetzeshüter zu entkommen, schließen sich die Fernfahrer, angeführt von Rubber Duck, zusammen und kennen nur ein Ziel: Washington. Immer mehr Trucks schließen sich der tonnenschweren Kolonne an. Doch die Polizei versucht mit allen Mitteln, den Konvoi zu stoppen … (Kinowelt)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von draven273:

Eine verlassene Straße, ein Highway, um genauer zu sein, die Sonne brennt, der Asphalt dampft unter der Hitze. Wüstensand und Staub wird hin und wieder vom Wind über die Straße getragen und bleibt in Mustern wie sie nur die Natur bieten kann, liegen. Es muss so um die Mittagszeit sein und plötzlich am Horizont scheint sich etwas zu bewegen. Ja tatsächlich, da kommt etwas, da türmt sich langsam was auf und wenige Sekunden später sehe ich, es ist ein Truck. Ein Funkspruch ertönt: “Ah breaker one-nine this here`s the Rubber Duck…“ und dann startet ein Song, den ich nie wieder vergessen werde und der auch jetzt grade wo ich Euch diese Zeilen schreibe über meine Kopfhörer läuft…

Es war noch zu Zeiten wo Draven in seinem kleinen Zimmer zu Hause saß, einen kleinen 30cm schwarz/weiß Fernseher sein Eigen nennen konnte und ab diesem Zeitpunkt von einem Film fasziniert wurde, der für mich an seiner Faszination bis heute nichts eingebüßt hat. Die Rede ist von Sam Peckinpah`s (The Wild Bunch, Steiner- Das Eiserne Kreuz) Film “Convoy“ aus dem Jahre 1978. Das Drehbuch stammt von Bill L. Norton (Cisco Pike, Die Aufreißer der High School), Robert M. Sherman (Asphalt Blüten, Der tödliche Freund) war für die Produktion verantwortlich und Harry Stradling Jr. (Endstation Hölle, Schlacht um Midway) stand an der Kamera. Während der Soundtrack von Chip Davis stammt und C.W. Mc Call seinen genialen Titelsong Convoy beisteuert. Convoy ist eine amerikanische Produktion und hat eine Laufzeit von gut 106 Min. In Deutschland hat die FSK den Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren gelistet.

Martin Penwald besser bekannt unter seinem Rufnamen “Rubber Duck“ (Kris Kristoffersen/ A Star is Born, Blade) ist ein alter Hase im Truckerbuisiness. Auf dem besagten Highway macht er Bekanntschaft mit der Fotografin Melissa (Ali MacGraw/ Getaway, Der Feuersturm). Die gute Dame lenkt ihn ab und dabei kommt es fast zu einer Kollision mit einem Streifenwagen. Rubber Duck kann sich aber aus der Affäre ziehen, als er dem Polizisten erzählt das Melissa angeblich keinen Slip trägt. Doch das wird nicht das letzte Mal sein das er auf Melissa, sowie auf die Polizei trifft. Nur kurze Zeit später kreuzen sich die Wege wieder als Rubber Duck mit seinen Kollegen “Spider Mike“ (Franklyn Ajaye/ Meine teuflischen Nachbarn, The Jazz Singer) und “Love Machine“ (Burt Young/ Rocky, Es war einmal in Amerika) - später auch Pig Pen genannt, unterwegs ist und auf den alteingesessenen, Trucker hassenden Sheriff Lyle Wallace (Ernest Borgnine/ Airwolf, The Wild Bunch) trifft, die die Drei mit einem fingierten Funkspruch in eine Falle lockt. Wallace auch unter den Truckern besser bekannt als “Dirty Lyle“, trägt seinen Spitznamen nicht ohne Grund, zudem verbindet ihn und Rubber Duck eine gewisse Hassliebe. Denn auch Dirty Lyle ist wie Rubber Duck ein alter Hund- wie er auch gegenüber Rubber Duck äußert: “Leute wie uns gibt es nicht mehr.“ Lyle versucht nämlich kurze Zeit später Spider Mike in einer Kneipe festzunehmen wegen Landstreicherei. In dem Moment überschlagen sich die Ereignisse und Lyle wird niedergeschlagen. Ab diesem Zeitpunkt sind die Trucker auf der Flucht und was sie noch nicht wissen, aus der angefangenen Lappalie wird ein Fass ohne Boden…

Das hört sich jetzt alles ziemlich einfach und einfältig an, doch Convoy bietet im Unterton so viel mehr, dass man es nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennen kann. Klar haben wir hier eine, ich sage mal typische Trucker gegen Polizisten Story, aber die Geschichte macht so einige Abstecher, die für die damalige Zeit durchaus kritisch waren. So verbirgt sich hier eine Anklage an die amerikanische Politik was den Umgang mit Fernfahrer, also den Truckern betrifft. Dazu kommt die ewige und heute auch immer noch aktuelle Thematik was den Umgang mit der afroamerikanischen Bevölkerung angeht und das nicht zu knapp. Convoy strotzt teils nur so von Rassismus. Es wird zwar nicht überzogen, doch ist die Geschichte von Spider Mike ein größerer Bestandteil der Geschichte. Auch ist der Ansatz um korrupte und rassistische Polizisten in Amerika auch heute noch aktueller denn je. Dann wären da noch die Politiker, die auch wie im wahren Leben, sich wieder eine Scheibe vom Kuchen abschneiden wollen, wenn es ihnen denn Vorteile bringt und zum Schluss bleibt noch die Presse, die ihren Teil dazu beiträgt das die Bevölkerung einerseits hinter dem Convoy steht, ihn teils aber doch gestoppt sehen will.- Ok, ok, also keine Panik, wir reden hier immer noch von einem hervorragenden Actionfilm, mit leichten komödiantischen Anteilen (in Form von Sprüchen und Situationskomik) und keiner Bibelverfilmung. Also wer den Film noch nicht kennt, bitte nicht abschrecken lassen. Doch Peckingpah wusste auch damals schon, wie man einen gesellschaftlich kritischen Unterton in so einem Film einbauen kann.

Kommen wir mal zur Action und die ist in diesem Film reichlich vorhanden. Und da kann man mal sehen, was man im Jahre 1978 mit einem Budget von nur 12 Millionen Dollar so zaubern konnte. Ja und vor allem, es gibt hier keinerlei CGI. Denn das gab es da noch nicht. Hier wird also alles noch so richtig verschrottet. Und was soll ich Euch sagen, ich bin immer noch begeistert, wenn ich Lyle mit einem Wagen durch ein Scheunendach fliegen sehe, er mit einem Kollegen zwischen zwei Trucks gerät und der Streifenwagen in bester Manier sprichwörtlich seine Einzelteile verliert und auseinandergenommen wird oder wenn man bei einer Rettungsaktion für Spider Mike eine halbe Kleinstadt in Schutt und Asche legt, man was geht mir da das Herz auf. Da müsst Ihr heutzutage aber lange danach suchen, wenn Ihr so etwas nochmal in aktuellen Filmen in dieser Machart überhaupt finden wollt. Ich mach es kurz, vergesst es, solche Filme gibt es nicht mehr. Was vor allem auch eine wahre Freude ist, und zwar für die Augen, ist die Erkenntnis das man jede Szene richtig gut eingefangen hat, kein Schnitt Wirrwarr, keine Hektik, hier wird voll draufgehalten, aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt und alles ist richtig gut erkennbar. Hier und da wird dann auch mal mit einer Zeitlupe gearbeitet. Die Musik ist jetzt sicher nicht abwechslungsreich, aber immer passend. Nichts woran man sich stören müsste. Was das Setting und das Design im Ganzen angeht, bin ich auch hier begeistert. Wenn hier jemand durch den Dreck gezogen wird, dann sieht die Person auch danach aus und nicht wie ne Hochglanz polierte Puppe. Und es gibt ne Menge Dreck und Staub in Convoy, da möchte ich doch gern noch die Szene erwähnen in denen die Trucks durch die Wüste fahren und man eine Art Sandballett mit Walzermusik zu sehen bekommt. Und genau diese vielen kleinen Abstecher machen Convoy zu dem was er ist. Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir hier auch noch die kleine Romanze zwischen Rubber Duck und Melissa haben, aber alles überschaubar und nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt. Ich könnte so einiges mehr aufzählen, aber ich möchte ja immer so wenig wie möglich spoilern. Die Schauspieler sind allesamt sympathisch und auch wenn die Dreharbeiten sicher kein Zuckerschlecken waren, sieht man jedem einzelnen den Spaß an. Daumen nach oben.

Bei den Kritikern kam Convoy nicht so gut weg. So attestierten viele dem Film das dieser mit zu viel Machismo und sehr den männlichen Klischees zusammengehalten wird. Und ja, hier wird mit dem damaligen Klischee gespielt, ohne Frage, in meinen Augen aber passend. Auch meinten viele Kritiker der Film könne sich nicht entscheiden, ob er eine Komödie oder ein Drama sein soll. Auch hier muss ich sagen, ja es gibt, wie ich erwähnte diverse Sprüche oder Situationen, den Film aber als Komödie zu sehen, halte ich für falsch. Ich würde den Film eher so in einem Satz beschreiben, wie die Cinema es damals tat: Ein rasant- packender Western auf Rädern. Der Film gewann im Jahr 1980 die Goldene Leinwand.

Was bleibt mir noch zum Abschluss zu sagen? Wie immer handelt es sich um meine persönliche Meinung, ich bin mit dem Film groß geworden und hab diesen über die letzten 40 Jahre sicher über 100mal gesehen. In meinen Augen haben wir hier einen gelungenen modernen Western der Neuzeit, ein unterhaltsames und teils packendes Erlebnis, mit großartigen Bildern und vielen schönen Momenten. Für mich ein Klassiker. Daher gebe ich auch mit einem Punkt Nostalgiebonus dem Film eine 10/10. Und ich möchte noch gerne unseren Kollegen Tom Cody grüßen, der mit seiner genialen Review zu diesem Film, es mir nicht leicht gemacht hat, einen neuen Text zu verfassen 😊

 

10/10
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Kommentare

04.09.2022 17:45 Uhr - sonyericssohn
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Hmhm... Für mich mittlerweile einer dieser Filme zu dem ich so ne Art Hassliebe aufgebaut hab. Einerseits gefällt mir diese respektlose Weise mit der hier vorgegangen wird / wurde, andererseits missfallen mir so leicht dümmliche Tendenzen. Ich bin etwas zwiegespalten. 😬

04.09.2022 18:58 Uhr - cecil b
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Moderator
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Den Film habe ich ehrlich gesagt kaum noch vor Augen, ich war zu jung.

Deine großartig geschriebene Review, die wirklich alle wesentlichen Punkte anspricht, und damit auch leider zeitlose Problematiken angereichert mit deiner persönlichen Not, ist famos!

04.09.2022 19:36 Uhr - McGuinness
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Da du die Höchstwertung so gut wie nie vergibst, schäme ich mich nun umso mehr, dass ich diesen Titel rein gar nicht kenne, geschweige denn überhaupt jemals von diesem gehört zu haben 🤔🤷‍♂️

Eine so fabelhaft verfasste Review wie deine hier verlangt natürlich dringend nach Nachholbedarf, aber du kennst ja selbst das Problem mit der To - Do Liste... Sie wird und wird einfach nicht kürzer, ganz im Gegenteil 😕

05.09.2022 00:11 Uhr - TheMovieStar
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Hab den schon ewig nicht mehr gesehen und mit damaligem Wissensstand, der knapp 30 Jahre her ist, würde ich die Wertung ungefähr unterschreiben. Wobei ich nicht sagen kann, wie er mir heute mit aktuellem Geschmacksempfinden gefällt. Danke für die lesenswerte Erinnerung!

05.09.2022 09:28 Uhr - Draven273
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@sonyerissohn
Hey Sony schön von Dir zu lesen. Hey ist doch alles gut, ist nicht schlimm, dass geht mir mit einigen Filmen so. Da kann man nichts machen :)

@cecil b
Vielen lieben Dank, es ist immer wieder eine Wonne von Dir zu lesen. Ich versuche weiter meinen Level zu halten. :)

@McGuinness
Mein Lieber, wie Du siehst, gefällt der nicht jedem, aber da Du die Filme aus der Zeit magst, solltest Du definitiv zumindest einmal eine Sichtung riskieren :)

@TheMovieStar
Schön das er Dir damals zugesagt hat, Deine letzte Sichtung ist ja schon einige Zeit her, da kannst Du mal wieder einen Blick riskieren, wäre interessant zu hören wie Du den jetzt inzwischen findest. Vielen Dank auch Dir.

05.09.2022 21:32 Uhr - Tom Cody
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DB-Helfer
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Das Kompliment gebe ich gerne zurück.
Eine wirklich toll geschriebene Kritik, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Und bei der Wertung liegen wir ja auch sehr nahe beieinander.
Nur eine Bitte: Könntest du eventuell noch den falsch geschriebenen Namen "Peckingpah" ausbessern?? ;-)

Vom Song "Convoy" gibt es übrigens zwei Versionen. Die originale Version gibt schon mal die grobe Richtung des Films vor (Der Protestconvoy, Rubber Duck, Pig Pen, Hippies, Illinois National Guard etc..).
Die zweite Version (mit komplett neuem Text) geht dann genauer auf den Film ein und fügt weitere Details wie Dirty Lyle oder die Fahrt über die Brücke hinzu.
Es gibt sogar einen "Sequel Song" - "Around the World with Rubber Duck". Dessen Text kann man aber beim besten Willen nur als 'völlig beknackt' bezeichnen (Trucks, die über den Atlantik, die Themse und die Autobahn brettern!!).
"Convoy" ist (glaube ich) gerade mal einer von zwei Filmen, deren Drehbücher nach einem Song entstanden. Der andere müsste Arthur Penns "Alice's Restaurant" sein.

Als Teenager war ich damals laaaange auf der Suche nach einer Wiederaufführung des Films, auf dessen Song (und Thema) ich während meiner Country-Music Phase gestoßen war. Video war noch nicht so verbreitet und die Wiederaufführungen im "Sommerkino" natürlich auch immer nur ausgewählte, ältere Streifen. Irgendwann habe ich den Film aber doch gefunden (eine Aufführung in Essen), und das Erlebnis lässt sich einfach nur mit "großartig" beschreiben. Ich habe den Film gerade vor drei Wochen erneut gesehen, und er macht immer noch genau so viel Spaß wie früher.

06.09.2022 09:11 Uhr - Draven273
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@Tom Cody
Hey vielen lieben Dank für das Lob. Ich bin ja immer wieder fasziniert von Deinen zusätzlichen Kenntnissen, alleine was in diesem Fall den Soundtrack betrifft. Und ja, ich habe tatsächliche von der zweiten Version gewusst, dass es später aber sogar noch eine Version gab, war mir nicht bekannt. Für mich hört sich der Filmsoundtrack auch am Besten an.
Und entschuldige meinen groben Schnitzer was den Namen angeht... man man man, wie konnte sich der denn einschleichen? Nun ja, darüber lege ich mal den Mantel des Schweigens. Vielen Dank für den Tipp. Freut mich auf jeden Fall dass Dir die Review gefallen hat. Lass gerne wieder etwas von Dir hören.

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