SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
God of War 5: Ragnarök · Ragnarök is coming · ab 74,99 € bei gameware Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 64,99 € bei gameware

Das Kindermädchen

Originaltitel: The Guardian

Herstellungsland:USA (1990)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,79 (57 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Das Glück von Kate (Carey Lowell) und Phil (Dwier Brown) ist perfekt, sie haben endlich ein Baby. Nun begeben sie sich auf die Suche nach einem Kindermädchen, denn beide haben gute Jobs und wollen ihre Karrieren nicht wegen des Kindes aufgeben. Ihre erste Wahl ist eine Studentin, doch diese kommt plötzlich bei einem Unfall ums Leben, und so entscheidet sich das Paar für Camilla (Jenny Seagrove). Obwohl von ihr eine seltsame, unheilvolle Aura ausgeht, werden Kate und Phil erst misstrauisch, als sie von verschwundenen Kindern in der Gegend hören. Zu recht, denn Camilla opfert Babies einer unheimlichen Macht. Spät - fast zu spät - erkennt das Yuppie-Ehepaar was vor sich geht: Sie beobachten das Kindermädchen, als es mit ihrem Baby im Wald verschwindet. Schwer bewaffnet folgt Phil ihr. (Eurovideo)

eine kritik von themoviestar:

Mit dem Action-Thriller French Connection - Brennpunkt Brooklyn (Gene Hackman, Fernando Rey und Roy Schneider), der die Fachpresse überzeugte und ein finanzieller Erfolg war,  hatte Regisseur William Friedkin endgültig seinen Durchbruch in Hollywood geschafft. Der Streifen erhielt insgesamt 5 Oscars, unter anderem den Preis für den besten Film und die beste Regie. Mit dem nächsten Film, dem Horror Klassiker Der Exorzist (1973), konnte er den Erfolg von French Connection nochmals toppen: Der Exorzist ist mit seiner Handlung um ein vom Teufel besessenes Mädchen ein Paradebeispiel für unter die Haut gehenden, psychologischen Thrill, während Friedkin der erste Regisseur war, der mit einem Film ein Einspielergebnis von mehr als 100 Millionen Dollar weltweit erreichen konnte.  Deutlich negativer wurde der mir vorliegende , 1990 erschienene Horror Schocker Das Kindermädchen eingestuft, der viele negative Resonanzen erhielt und von Starkritiker Roger Ebert zu seiner Liste der "meist gehassten Filme" hinzugefügt wurde.  Obwohl Das Kindermädchen mit seiner Voraussehbarkeit alles andere als perfekt ist, konnte sich im Laufe der Jahre das meines Erachtens nach zu unrecht gescholtene Werk in Fankreisen einen gewissen Kultstatus erhaschen. Bei weitem nicht so packend wie Der Exorzist, aber immer noch ausreichend unterhaltsam und mit atmosphärischen bzw. nervenkitzelnden Phasen bestückt, weiß The Guardian, so der Originaltitel, mit seiner verstörenden Thematik, mit seinen paranormalen Versatzstücken und mit den vereinzelten, derben Gewaltspitzen durchaus zu gefallen. Der Streifen schlägt durch seinen mystischen, lebendig werdenden Baumgott und der blutrünstigen Problemlösung eine Brücke zum Genreklassiker Tanz der Teufel, ohne diesen dabei zu kopieren.

Ursprünglich sollte kein geringerer als Evil Dead Schöpfer Sam Raimi die Geschicke leiten, doch er verließ das Projekt um Darkman (1990) zu drehen, so dass Friedkin selbst die Regie übernahm. Da das originale Drehbuch, dass der Autor Stephan Volk von Dan Greenbergs Ausgangsmaterial "The Nanny" inspiriert geschrieben hatte, auf Raimis Befindlichkeiten augenzwinkernd zugeschnitten war, nahm Friedkin gemeinsam mit Volk am Stoff umfangreiche Änderungen in Richtung unkomplizierten Psycho-Thriller um eine Kinder stehlende Frau vor, was von den Produzenten jedoch abgelehnt wurde. Da Friedkin mit dem übernatürlichen Der Exorzist Weltruhm erlangte, sollte der Plot von Das Kindermädchen ebenfalls mystische, unvorstellbare Inhalte erhalten. Die letzten Endes verfilmte Story handelt von einem hinterlistigen Täuschungsmanöver: Als sich die hübsche Babysitterin Camilla (Jenny Seagrove) bei den frischgebackenen Eltern Kate (Carey Lowell) und Phil (Dwier Brown) als Kindermädchen für ihr zweiwöchiges Baby vorstellen, scheinen die Eheleute die perfekte Wahl für die Kindesaufsicht gefunden zu haben. Doch die nach außen hin liebenswürdige Frau hat in Wahrheit ein dunkles Geheimnis. Sie opfert Säuglinge einem finsteren Baumwesen und als das Pärchen die Gefahr erkennt, ist es schon fast zu spät....

Der für sich separat betrachtet, atmosphärische Opener, in welchem ein Baby von seinem Kindermädchen einem bestialischen Baummonster als Opfer überlassen wird, hat trotz seiner düsteren Bebilderung und dem unheimlichen Score von Jack Hues einen entscheidenden Nachteil: Der Zuschauer weiß von Anfang an, was Sache ist, welche Identität die Übeltäterin hat und mit welchen drastischen Konsequenzen die auserwählten Familien zu rechnen haben, was die ganze weitere Handlung komplett voraussehbar erscheinen lässt. Es gibt somit keine Überraschungen und keinen Twist, der einen Richtungswechsel andeuten könnte, oder das Publikum auf eine falsche Fährte lockt. Auch wenn durch die Offenheit natürlich ein erster früher Schockmoment gesetzt wird, der durchaus neugierig auf mehr macht, wäre ein variantenreicheres Drehbuch mit einer langsamen, sukzessiven Täterentblätterung spannungsfördernder gewesen und hätte für deutlich mehr Reizpunkte gesorgt. Natürlich ist Das Kindermädchen auch wegen dem tabuisierenden Inhalt mit der Kinder bzw. Babyentführung alles andere als eine Schlaftablette, trotzdem wird hier auch eine Menge an Gruselpotenzial verschenkt.

Dafür punktet Das Kindermädchen mit dem okkulten, fantasiereichen Hintergrund und einer durch und durch dunklen, schaurigen Atmosphäre, die mit den eindeutig zweideutigen Anspielungen auf Grimms Märchen zusätzlich befeuert wird. Bei den mitreißend inszenierten, unheimlichen und düsteren Nachtsequenzen läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Neben der besagten Filmeröffnung bleiben vor allem die Jagdszenen mit aggressiven Wolfshunden und die Bluttaten der mit sehenswerter Tricktechnik realisierten Baumkreatur im Gedächtnis, was auch einen großen Teil des fesselnden Showdowns für sich beansprucht. Im Gegensatz zum Plotverlauf sind die teilweise rabiaten, graphischen Gewaltspitzen, welche partiell in Richtung Splatter tendieren, alles andere als zu erwarten und verfehlen ihre Wirkung nicht, wenn der lebendige Baum mit einem Ast beispielsweise eine Enthauptung durchführt oder ein Mann von einer Horde bissiger Wolfshunde regelrecht zerfleischt wird, auch wenn hier vielleicht etwas zu früh abgeblendet worden ist. Die bis März 2017 geltende Indizierung der ungekürzten FSK 18 Fassung ist also in Anbetracht des Gezeigten keine all zu große Überraschung,mittlerweile ist der Streifen ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben, was meiner Meinung nach schon etwas verwunderlich erscheint.

Jenny Seagrove (Rendezvous mit einer Leiche) erfüllt die Anforderungen an die Schlüsselrolle des wahnsinnigen Kindermädchens Camilla stets zur vollsten Zufriedenheit. Ihr gelingt es, den Zuschauer mit einer Mischung aus geheimnisvoller Ausstrahlung und erotischer Anziehungskraft in ihren Bann zu ziehen. Dabei ändert sich ihre Gemütslage situativ von fürsorglich und liebevoll zu zielstrebig, bösartig und rücksichtslos immer wieder glaubhaft. Die weiteren Akteure können mit ihrer ausgezeichneten Performance nur bedingt mithalten. Vor allem von den Darstellern der Eltern hätte ich mir mehr erwartet. Obwohl Dwier Brown dem Familienvater Phil impulsive Züge verleiht, wirkt sein oft unbeholfenes Schauspiel nicht immer überzeugend und wenn es dann in Richtung Entscheidung geht, hat man phasenweise sogar das Gefühl, dass er ein wenig überfordert ist. Von Carrey Lowell hätte ich mir persönlich eine etwas emotionalere Interpretation Ihrer Figur gewünscht. Sie verkörpert mir die Mutter viel zu kalt und unbesorgt, wenn es um das Leben ihres Kindes geht. 

Wie man den insgesamt unterhaltsam ausgefallenen und atmosphärischen The Guardian also nun auf seine Liste der meistgehasstesten Filme setzten kann, ist mir imho ein Rätsel. Die Voraussehbarkeit ist ein Manko, welches aber durch die grandiose Atmosphäre und die eingestreuten Splattermomente weitgehendst ausgemerzt wird, so dass Das Kindermädchen alles andere als langweilig ist. Schauspielerisch gehört der Film unmissverständlich Jenny Seagrove, die neben ihrer, fiesen, durchtriebenen Darbietung auch auf Grund ihrer unbestrittenen Attraktivität ein paar Gelegenheiten erhält, ihre nackte Haut zu zeigen, während der Rest vom Schützenfest über solides Acting nicht hinauskommt. "Nimm die Finger weg von meinem Baby!" MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Mad
TheMovieStar
6/10
From
TheMovieStar
9/10
Born
TheMovieStar
6/10
die neuesten reviews
Fall
sonyericssohn
8/10
Ghost
Randolph Carter
6/10
Profi
Ghostfacelooker
London
Phyliinx
8/10
Mein
Ghostfacelooker

Kommentare

03.10.2022 19:31 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.504
Wie gewohnt eine schöne Review!

Mich freut, dass du den auch besser findest als viele andere, und du in der Review ebenfalls erwähnst hast, dass grimmschen Märchen zum Teil erkennbar sind. :) Eindeutig zweideutig, schön formuliert.

03.10.2022 21:11 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.814
Aaaah ja, danke für die Erinnerung ! Den wollte ich mir schon länger mal zulegen. Is schon ewig her der letzte Kontakt. Keine Ahnung ob der mir heute noch gefällt, aber damals fand ich den recht gelungen.

04.10.2022 16:04 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.710
@ Cecil: Danke fürs Lesen und für dein Lob. Ja war selbst überrascht wie gut der ist, da ich von anderen eher schlechtere Kritiken gelesen habe. Die Anspielungen mit den Märchen tragen zu der tollen Atmosphäre bei. Schade, dass vieles voraussehbar ist, sonst wäre eventuell noch eine höhere Wertung drinnen gewesen.

@Sony: Danke auch dir fürs Lesen und fürs Kommentieren. Den Film gibt es mittlerweile ungeschnitten ab 16 Jahre überall zu kaufen. Hab den für 10 Euro letztens mitgenommen. Also meine Empfehlung hat er!

07.10.2022 17:17 Uhr - JasonXtreme
1x
DB-Co-Admin
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.545
Na der gute Rezi kann man sich nur vorbehaltlos anschließen. Als er rauskam fand ich ihn gut, und daran hat sich auch nichts geändert. Allgemein hab ich vom ollen William aber seit French Connection auch nichts SCHLECHTES gesehen, im Gegenteil. Ich hoffe ja immer noch auf ne Scheibe von RAMPAGE von ihm...

10.10.2022 13:26 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.710
Danke auch dir fürs lesen und für deinen Kommentar Jason. Freut mich, wenn wir den Film ähnlich bewerten :-)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)