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Siegburg

Originaltitel: Stoic

Herstellungsland:Deutschland, Kanada (2009)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,28 (51 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Dieser erschütternde Psychothriller basiert auf den realen grausamen und brutalen Ereignissen, die hinter den Gittern eines berüchtigten Gefängnisses stattfanden. "SIEGBURG" erzählt die Story, wie es zu dem gewaltsamen Tod eines Häftlings durch drei rücksichtslose Hooligans kam. Mit "AMERICAN HISTORY X"-Star EDWARD FURLONG in der Hauptrolle ist "SIEGBURG" eine fesselnde und verstörende Geschichte über harte Männer, die an einem noch härteren Ort gefangen sind. Der Film wird auch bei Ihnen regelrechte Schmerzen auslösen und noch lange Nachwirkungen haben, selbst wenn die Gefängnistür schon längst wieder fest verschlossen sind. (KSM)

eine kritik von phyliinx:

Ich habe mich einmal mehr einem berüchtigten Bollwerk hingegeben. Das gute Stück hört auf den Namen Siegburg und behandelt einen brutalen Foltermord, der so, wie sollte es für Boll-Verhältnisse auch anders sein, natürlich real stattgefunden hat, weil der Hang zur Kontroverse sonst einfach nicht gegeben wäre und man Angehörigen des Opfers Respekt zollen würde.

Die Verfilmung der 2006 erfolgten und 2009 als Filmchen veröffentlichten Gewalttat spielt auf zwei Ebenen, auf denen die Täter jeweils angeblich Reue zeigen und die Tat begehen. Da auf Ebene 1 jedoch über das gequatscht wird, was wir auf Ebene 2 sowieso schon sehen und sonst fast keine Entwicklung stattfindet, die man als eindeutig bezeichnen könnte, ergibt sich schlussendlich nicht mehr, als ein Exzess in Spielfilmlänge.

Boll, das muss man ihm lassen, inszeniert dabei atmosphärisch dicht, nihilistisch und stellenweise packend, aber auf jeden Fall klaustrophobisch und natürlich, für sein Handwerk üblich, relativ hart, weswegen man den Gestank des Verbrechens fast schon riecht und ein Gefühl dafür erlangt, wie sich das Opfer als Ziel seiner Peiniger gefühlt haben muss. Der beinahe nonexistente Musikeinsatz und die improvisierten Dialoge fügen dem Realismus einen weiteren Grad hinzu, was Siegburg schlussendlich zur Authentizität verhilft. Das Budget, es muss ein schmaler Taler gewesen sein, schränkt ihn auf zwei Schauplätze ein, von denen die Zelle eben die Hauptrolle übernimmt -vielleicht gelingt ihm die filmische Umsetzung seines, naja, historischen Thrillers, der keine Aufarbeitung ist, weil er nur die finalen Minuten eines offensichtlich brodelnden, menschlichen Konfliktes zeigt, deswegen wesentlich besser, als noch beim aktuellen Reißer, dem unnötigen Hanau, mit seinem propagierenden Charakter, der hier, im Horrorknast, dem Versuch weicht, der Öffentlichkeit eine brutale Tat offenzulegen.

Somit, ihr ahnt es, ist Siegburg für mich ein sehr zweischneidiges Schwert. Ich hätte den Film und die Motivation zu seiner Produktion besser verdauen oder nachvollziehen können, wäre er nur von dem tatsächlichen Gräuel inspiriert gewesen. Nun ist Boll aber nicht der Mensch, der sich ein Post -it mit verweichlichter Meinung vor den Mund kleben lässt, sondern gern mal als Krawallregisseur seine Projekte unter die Öffentlichkeit bringt und dabei jeden Kritiker bespuckt, der Probleme mit seinem Handeln hat. Das gibt mir wieder Probleme bei der Punktevergabe. Merklich ist jedoch, zur Transparenz, dass mich die nur halb-professionelle Art Bolls auf eine sehr bestimmte Weise anspricht. Das wackelnde Bild, die Abstriche im Schnitt und diverse andere Qualitätslücken reihen sich an Skripte mit wertbefreiten Aussagen, doch der Gesamteindruck bleibt zumindest interessant genug, um mich eines Tages wieder an eine Boll-Kreativattacke zu wagen.

Was macht man da also? Meine Beziehung zu seinem Schaffen ist sehr schwierig. Genauso schwierig und dazu geradewegs schockierend empfinde ich eine zentrale Rolle in dem Film: Edward Furlong. Den Mann habe ich zuletzt bei Terminator 2 gesehen. Was ist in der Zwischenzeit passiert, dass er nun einem Uwe Boll-Streifen seinen Namen anbietet? Und wie kommt es dazu, dass ich ihn nicht auf Platz 1 des hiesigen Casts setzen würde? Dort verweilt nämlich Sam Levinson. Levinson ist ein ziemlich übler Zeitgenosse in diesem Film. Anfangs dachte ich, er wäre der, dem die Reue und das Mitleid ins Gesicht geschrieben stehen, am Ende entwickelt sich aus ihm aber der größte Mistkerl mit dem Fehlen jeder Empathie, bereit für jede noch so dreiste Lüge.

Unter dem Strich bin ich also sehr unentschlossen. In meinen Augen hätte es Siegburg nicht gebraucht, trotzdem ist der Film aber ansehbar. Deswegen verzichte ich hier auf die Punkte und überlasse dem Leser die Entscheidung, ob er sich dem grauen Werk, das nur rotes Blut als Farbkontrast kennt, stellen möchte.

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Kommentare

10.09.2022 20:58 Uhr - McGuinness
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User-Level von McGuinness 10
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Obwohl Boll um Authentizität bemüht ist, hakt es hier für mich vor allem daran, dass die Zelle mehr einem amerikanischen als dem deutschen Knast gleicht und schauspielerisch fand ich die Darbietung jetzt auch nicht so überragend.

Sehr empfehlenswert erachte ich hingegen den nahezu gleich gelagerten Film " Picco " (2010), den ich persönlich dramatischer, packender und besser gespielt finde.

Schön aber, dass du diesem Titel hier eine Review gewidmet hast 👍🏻

10.09.2022 21:52 Uhr - Phyliinx
1x
User-Level von Phyliinx 9
Erfahrungspunkte von Phyliinx 1.143
10.09.2022 20:58 Uhr schrieb McGuinness
Obwohl Boll um Authentizität bemüht ist, hakt es hier für mich vor allem daran, dass die Zelle mehr einem amerikanischen als dem deutschen Knast gleicht und schauspielerisch fand ich die Darbietung jetzt auch nicht so überragend.

Sehr empfehlenswert erachte ich hingegen den nahezu gleich gelagerten Film " Picco " (2010), den ich persönlich dramatischer, packender und besser gespielt finde.

Schön aber, dass du diesem Titel hier eine Review gewidmet hast 👍🏻
Und schön, dass neben deinem positiven Feedback auch einen Gucktipp gegeben hast 😉

11.09.2022 17:14 Uhr - Draven273
User-Level von Draven273 5
Erfahrungspunkte von Draven273 325
Ein Film von dem ich bisher viel gehört habe, mich aber nie dazu durchringen konnte den anzuschauen. Der gute Boll ist ja auch so eine Type für sich. Jedoch hab ich genug Filme von dem geschaut, da tut einer mehr oder weniger auch nichts. Deine Review, die mir wieder gut gefallen hat, wertet den Film sicher noch ne Runde auf. Heute sag ich einfach mal vielen Dank für deinen Tipp.

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