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Reise ins Grauen

Originaltitel: Twisted Nightmare

Herstellungsland:USA (1987)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Alternativtitel:Ancient Evil
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,83 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Einige junge Pärchen finden sich auf einer abgelegenen Farm ein, denn diese dient auch als ein Feriencamp. Sie sind in Partylaune und nutzen jede Gelegenheit, um ihre sexuellen Sehnsüchte zu befriedigen. Allerdings können ein paar von ihnen nicht vergessen, dass sie dort vor zwei Jahren etwas Grauenhaftes und Unerklärliches erleben mussten. Als einer nach dem anderen wie vom Erdboden verschluckt ist, steht die verstreute Gruppe vor einem weiteren Rätsel. Ein grantiger Einwohner und der alte Sheriff sind kaum hilfreich, und bald realisieren die Teenager, dass sie einem Überlebenskampf ausgeliefert sind. ()

eine kritik von cecil b:

 

Ich kenne den Tod.

Tief in den Wäldern ist meine Existenz unerbittlich. Da kommen sie wieder, diese verkommenden Subjekte. Schallendes Gelächter, stumpfsinnige Geilheit. Manche von ihnen sprechen noch über das, was vor zwei Jahren geschah, andere wissen nichts davon. Sie alle sind schuldig. Gehören zu den verabscheuungswürdigen Menschen, die es schon vor Ewigkeiten gab, und die es immer geben wird. Aber ich werde jeden von ihnen, den ich in die Finger bekomme, bestrafen. Dieser widerliche Egoismus, der führte zu dem grauenhaften Schicksal, und das sollen sie jetzt auch spüren, das Grauen. Schwer zu ertragen, wie die sich in ihrer Oberflächlichkeit suhlen- Ein Typ muskulöser als der andere, lechzend nach den willigen, sportlichen Weibsstücken, die es kaum erwarten können, die Hüllen fallen zu lassen, um die prallen Brüste zu präsentieren, damit die ständige Rammelei beginnen kann. Keiner von denen zeigt Charakter, die Hormone haben das Kollektiv verdummt. Nur einer, ein aggressives Arschloch, grenzt sich mal ab, dabei ist auch dieser Kerl nur Abschaum. Ihre Gespräche, sie sind lächerlich. Da! Das war ja absehbar, schon geht das erste Paar sabbernd vor Lust in die Scheune. Sie sehen mich nicht, aber meinen Augen entgehen die beiden nicht. Zwischen den Zaunlatten ist ein Spalt, und sie wissen nicht, dass ich eine Etage über ihnen sein kann. Wie einfach es doch ist. Manche wollen jagen gehen, zum Vögeln suchen sich welche ein lauschiges Plätzchen, und die Scheune scheint ihnen besonders zu gefallen. Ein leichtes Spiel. Wenn ich das schon höre, "Hast du das gehört?" "Da ist nichts.", "Ich geh mal schnell das Eis holen.", meine Opfer sind alle gleich. Am laufenden Band bestaunen die ihre Brüste und Muskeln, bis ich ihnen meine Fratze zeige, mein monströses Brüllen geht durch Mark und Bein. Die Muskelmänner glauben, dass sie stark sind. In der Dunkelheit entblößt meine Kraft ihre Unfähigkeit, und mich durchströmt die pure Stimulanz, ich reiße Körperteile ab. Ich bin die Macht, das wissen die Sterbenden. Mein Hass ist mehr. Die Frauen. Es ist wunderschön, ihre schönen, langen, nackten Beine zu sehen, wenn sie vor Angst strampeln und schreien. Ihre Weiblichkeit blieb mir immer verwehrt, auch deswegen treibt mich der Hass, deshalb liebe ich es, in sie einzudringen, das Aufspießen. Mmh, ja, auf das Hirschgeweih, das ist so gut, unglaublich. Die Benommenheit der Todesangst dominiert das Blondchen, die zittrigen Hände wissen nicht mehr, wie eine Tür zu öffnen ist. Diese Dummheit, sie haben nichts Anderes verdient. Da sitzt eine blutverschmiert wimmernd neben einer Leiche, und ein Macker fragt sie dann, ob alles in Ordnung sei. Niemand von denen hält mich auf.  

So in etwa dürfte es im maroden Oberstübchen des Bösewichts rumoren, der in ANCIENT EVIL die Teenager abmurkst. Das ist ein Slasher, da läuft das meistens so ähnlich ab, in der Regel trägt der Mörder eine Maske, in diesem Film sorgen das Nachtschwarz und ein stark angeschlagenes Antlitz für die geheimnisvolle Entfremdung von der Menschheit. Dieser Abklatsch, der am 18. November 2022 erstmals in deutscher Sprache ungeschnitten veröffentlicht wird, wie KAISER SOZE berichtete, schwamm im Fahrtwasser der Erfolgswelle des durch John Carpenters Klassiker HALLOWEEN ins Rollen gebrachte Subgenre. Und im Grunde ist das fast ein Teil der FREITAG DER 13 te-Reihe. Der Wiedererkennungswert ist auch daher gegeben, weil die kalifornische Farm des Grauens im deutlich besseren Teil 3 dieser Reihe bereits der Schauplatz war, und ein 3 D-Effekt als Hommage fungiert. ANCIENT EVIL verfügt nur nicht über den berühmten Serienkiller, spinnt noch etwas dazu, und das Feriencamp heißt furchtbar witzig "Paradise" statt Crystal Lake. Mal was anderes. Kernstück des Bösen ist wieder ein Trauma, aber diesmal wird wie gesagt noch etwas aus der Mottenkiste an das Drehbuch geheftet, das amüsant abgehalftert ist. Paul Hunt († 2011, Clones -Labor des Grauens), der Regisseur dieses Slashers, und Charles Philip Moore (Regie und Buch: Tanz der Dämonen), grübelten gemeinsam, um das Schriftstück zu verfassen. Das beginnt mit einer Erklärung, versucht sich umgehend an einem unterhaltsamen Zusammenwirken von Sex und Gewalt, gibt in der Mitte des Films das nächste Häppchen der ausgelutschten Dramatik, und das Ende kommt, wie es kommen muss. 

Vermutlich hat Paul Hunt etwas geschafft, von dem massenweise Jugendliche geträumt haben, er beteiligte sich am vertraulichen Gemetzel, bei dem der absolute Außenseiter als Übermensch kulminiert. Offenbar war es für ihn ein Leichtes, das System des Slashers zu bedienen. Die dramaturgische Hartnäckigkeit ist doch die reine Dominanz des Bösen, will man meinen, die ihre pornösen Höhepunkte durch ein bisschen Splatter definiert, und doch aufgrund ihrer Trivialität die Augenglieder schwer macht. Eine ehrenwerte Aufrichtigkeit, dass Laura, Mathew, Kane, Cheri, und wie sie alle heißen, nur Öl im Getriebe sind, so wie alle ebenfalls belanglosen, bestenfalls mittelprächtigen Akteure, oft Eintagsfliegen. Einen gewissen Reiz möchte ich gar nicht absprechen, die Einstellungen von der blutigen Großaufnahme bis hin zur Totalen im Wald, wo die Nebelmaschine sich um Atmosphäre bemüht, und die Kameraarbeit von Gary Graver († 2006, Amanda by Night) sowie Hunt persönlich, reichten aus. Außerdem drängt sich gelegentlich überraschend etwas Abwechslung auf, im Zuge von Allen Persselins (Roar -Die Löwen sind los) Schnitten, die manchmal die Finesse einer Ohrfeige haben. Komponist Bruce Wallenstein, der dem Drehbuch-Gespann durchaus bekannt war, fügte dem ganzen Schund noch einen aufgeregten Mischmasch aus allerlei Instrumenten hinzu, gruselig ist das schon. Hunt glaubte wohl fest daran, dass nackte junge Menschen und ein paar unsanfte Effekte (so lala), geschmückt von undurchsichtigen Wäldern, kurzweilig den Abend füllen. Hätte er manche Szenen mehr wirken lassen, ihrer Grausamkeit den nötigen Raum gegeben, dann wäre das vielleicht auch so. Quantität, das sollte reichen, noch mehr Tote als im Vorbild. 

TWISTED NIGHTMARE ist hervorragend, für eingefleischte Slasher -Fans, die von der guten alten Zeit kaum genug bekommen können, und Teens, die darauf hoffen, dass ihre "Perle" darin einen Anlass sehen will, sich angeblich verschreckt umarmen zu lassen. Ansonsten ist das ein Streifen, der durch seine vorhersehbare Simplizität schon einen naiven Spaß hergibt, gut für einen verkaterten Sonntagmittag, oder eine Alternative zum Schäfchen zählen. 

4/10
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Kommentare

07.11.2022 21:55 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
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Die Einleitung des Reviews ist anscheinend um ein Vielfaches kreativer als der Plot dieses Films...

08.11.2022 09:28 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 13
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Obwohl du dieses Mal von der Wertung her kritischer bist Cecil, konnte mich dein Text zumindest neugierig machen. Ich mag die guten alten 80er Jahre Videotheken Slasher einfach, auch wenn da natürlich nicht alles Gold war was glänzte. Wenn ich den Film irgendwo mal auf Amazon und Co. kostenlos erspähe, werde ich mir eventuell meine eigene Meinung bilden. Danke für die erneut lesenswerte Vorstellung!

08.11.2022 16:21 Uhr - Punisher77
1x
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Den Film kann ich mir getrost sparen, aber die Kritik ist toll - insbesondere die Einleitung, die zeigt, wie es im Oberstübchen des Schurken aussehen könnte. Toll geschrieben!

08.11.2022 18:21 Uhr - cecil b
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- dicker Hund: Ist relativ. Die sogenannte Einleitung gibt wieder, was der Film bietet. Ich habe nur mal die Perspektive gewechselt. ;)

TheMovieStar. Volltreffer! :) Ich wollte es auch jedem selbst überlassen, was er daraus macht. Die Einfallslosigkeit und die schlichte Machart bedeuten nicht, dass der Film keinen Spaß machen kann! Da geht es schon ganz gut zur Sache, und es ist 'originalgetreu. ' Ein oller Slasher nach dem Handbuch. ;)

Punisher77. Freut mich, was du geschrieben hast! Hat viel Spaß gemacht, die so zu schreiben!

Allgemein: Danke für die Kommentare! :)

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