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Der Kühlschrank

Originaltitel: The Refrigerator

Herstellungsland:USA (1991)
Genre:Horror, Komödie
Alternativtitel:Der Kühlschrank - Eiskalt-böse und gemein
Der Kühlschrank - Eiskalt-Mörderisch-Gefrässig
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (4 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eileen und Steve, zwei Landeier aus Ohio, beziehen ein billiges Apartment in New York. Ein echter Eyecatcher unter den wenigen, schäbigen Einrichtungsgegenständen ist ein dicker Old School -Kühlschrank. Doch was Eileen und Steve nicht wissen: Dieser Kühlschrank ist das Tor zur Hölle und hat die feste Absicht, jeden den er kriegen kann, genau dorthin zu schicken! Zunächst beginnt Steve, sich zu einem unausstehlichen Widerling zu verändern und Eileen wird von grausamen Alpträumen geplagt. Doch als der Kühlschrank den Klempner frisst, wird der Horror schließlich mehr als real! (SchröderMedia)

eine kritik von cecil b:

 

                                                                                      HALT, STOPP! 

 

Zu schnell wird bei einem Film, mit so einem Cover, und so einer Inhaltsangabe, ein Trashfilm vermutet, dem man Loyd Kaumfann (Toxic Avenger) zutraut, der die simpelste Splatter-Alberei fabriziert hat! 

DER KÜHLSCHRANK ist ein hervorragend inszenierter Film mit tollen Schauspielern, und ca. 5 Minuten erinnern an Trash-Splatter. 

Es handelt sich in erster Linie um ein erfrischend unkonventionelles, intelligentes Beziehungsdrama, das sich wunderbar dreist herausgenommen hat, gewollten Trash mit einzuflechten. Wer einen Horrorfilm erwartet, wird womöglich ganz flott die Stopptaste drücken. DER KÜHLSCHRANK polarisiert garantiert, weil er praktisch keine Erwartungen erfüllt, besser gesagt, mit allen spielt. Das verschriftlichte Produkt, die geistige Kollaboration mehrerer Personen, die wären Christopher Oldcorn (Mädchen für alles bei Freitag der 13te Teil 8), Philip Dolin (B Movie) und Jacobs höchstpersönlich, ist ein Konvolut verschiedener Strömungen, bizarr und für wenige genial gewöhnungsbedürftig wie die bekanntesten Alben von Faith no More. 

                                               EINE ECHTE ÜBERRASCHUNG, vom Anfang bis zum Ende! 

Los geht's, mitten ins Geschehen. Der Wechsel der Bilder hat ein frech hohes Tempo, Salsa animiert gefühlt direkt die Hüften. Eindrucksvoll, wie ein betrunkenes Pärchen mithilfe eines Autos durch ein Latino-Viertel rast, mit schnellen Füßen ein Treppenhaus hinauf, halbnahe Einstellungen etliche Bewohner und Besucher des dazugehörigen Hochhauses festhalten, innerhalb von Sekunden einen bleibenden aber ewig ungeklärten Eindruck hinterlassen, schneller Sex eine logische Konsequenz ist, und ein Kühlschrank verdächtig auffällt. Ein kleines inszenatorisches Meisterwerk der Kameraarbeit (Paul Gibson: Stranger than Paradise, Streetfighters) und von den 4 Künstlern, die für die Schnitte zuständig waren. Und natürlich das Werk des Regisseurs, Nicholas Jacobs (Weapon of Mass Destruction). Auf die Schnelle ist es kaum möglich, die zahlreichen, stimmungsvollen Kunststücke, von Schräglagen der Kamera bis hin zu gezielten, verwackelten Aufnahmen, den gewagtesten und kreativen Blickwinkeln, zu erfassen, die ankündigen, dass sich der Freund der Gewohnheit auf etwas gefasst machen muss. Und ein anderes Paar, um das es geht. 

Die Liebe von Eileen und Steven ist ansteckend. Lebensfroh rufen sie -ebenfalls im Auto sitzend - die Liebe zur Freiheit heraus, die Kameraführung legt eine ruhigere Gangart ein. Und dann kommen die junge Frau und der etwa gleichaltrige Mann dort an, wo sich gerade schon das besagte Ding bemerkbar gemacht hat. Ein schmieriger Hector vermietet ihnen die Bude zu einem sehr niedrigen Preis, er weiß, warum, denn eigentlich bezahlen sie einen sehr hohen Preis. Zwischen Eileen und Steven Bateman, bzw. Julia McNeal (Ein blutiges Erbe) und Dave Simonds (Fletchers Visionen), besteht eine Harmonie, das ist pure Energie. Sympathisch, begrüßenswert. Die Geborgenheit drückt sich auch durch goldene Sonnenstrahlen aus, die die Protagonisten einhüllen, oder Sexszenen, die äußerst geschmackvoll gespielt und inszeniert sind. Beide befinden sich aus ihrer Sicht, und für die vor dem Bildschirm, im Zentrum der Welt. Sie wollen nicht die Finger voneinander lassen, und mit einer rosaroten Brille auf der Nase suchen sie das große Glück, endlich unabhängig von den Eltern, selbstständig.

Steven möchte in allen Bereichen potent sein, auch im Beruf auftrumpfen. Köstlich, wie er sich aufplustert, glaubt, schlagfertig zu sein (Hector grinst), vor dem Chef zu imponieren (der Boss erwidert mit Hass auf Schleimer), überall auf jemanden stößt, der ihn auslacht, und vor Verunsicherung strotzt, wenn die Blicke der männlichen Umgebung seiner hübschen Freundin hinterherhecheln. Eileen mag das ein bisschen, und ist ein wenig blauäugig. Es ist auch schwer, nicht von den Großaufnahmen, die diese schönen großen Augen und diese emotionale Bandbreite verfolgen, in den Bann gezogen zu werden. Die zum Teil detaillierte Darstellung des Alltags wirkt vertraut, nimmt das ein Zuschauer an, gelingt es besser, dem psychologischen Prozess nachzukommen. Steven bringt das Geld rein, seine Machtposition sorgt dafür, dass eine Überheblichkeit Stück für Stück aus ihm herausquillt, Eileen findet keinen Job, die Monotonie in der unbekannten Stadt New York kitzelt in Zusammenarbeit mit dem teuflischen Kühlschrank zunehmend die Selbstunsicherheit heraus. Eine eigentlich ziemlich positiv gestimmte Natur, die da geknickt ist. Mit einem strahlenden Lächeln geht sie alleine durch die Metropole, Millionen Gesichter verschiedener Couleur, gigantische Gebäude, ganz viel Trubel, bringen sie zum Staunen. Das Zuhause ist jedoch meistens ein Ort der Einsamkeit, auch daher, weil die Bindung und das Vertrauen des Paares schwindet. Das, was die lebenswichtigen Lebensmittel notwendigerweise frisch hält, nutzt Alpträume und Halluzinationen, um die negativen Seiten von Steven herbeizuführen, und Eileens verdrängtes Kindheitstrauma aufzukochen, das für die erpichte Unabhängigkeit ein Stein im Weg ist.

Die Macht der Anonymität schwebt über allem, Steven und Eileen sind von sich selbst enttäuscht, die Situation wird vorrangig aus der Sicht der weiblichen Figur dargestellt. Merkwürdig, der Klempner des Hauses, der einfach auftaucht, einen Schlüssel für alle Wohnungen hat, und so gekleidet ist wie einer von den Village People (spitze nuanciert: Angel Caban (Spurwechsel)). Dazu verstärkt sein spontaner Flamenco-Tanz die Irritation, fast so, wie der zeitweilig verschwundene Haustürschlüssel, und das Verschwinden des Klempner-Gehilfen. Und dann noch dieses Orakel von der Straße, das das Böse prophezeit (nett: Phyllis Salaberrios erste und einzige Rolle). Rückblenden und das aufgeregte Unterbewusstsein von Eileen, das sich des nachts meldet, sowie der nachvollziehbar hektische Alltagsstress sind eine funktionstüchtige Symbiose, alles zerrt an den Nerven. Ihr Freund sieht klammheimlich winzige Personen im Kühlschrank, kleiner als Suppendosen, die bösartige Ratschläge geben, am nächsten Tag ist Steven kurz vor dem Amoklauf, als sein Auto einen Platten hat. Vollkommen überspannt fließen Existenzängste, Angst vor Verantwortung und die Ungewissheit in die Psyche. 

Und der Kühlschrank wird immer seltsamer wahrgenommen. 

Humor und Horror halten sich die Waage, Beobachtungsgabe sowie psychologische Finesse reichen sich die Hand. Zum Mitlachen und Wiedererkennen, sind Szenen, in denen die Verbundenheit des Paares das höchste Gut sein soll, und äußere Einflüsse daran rütteln. Toll kommen Brüche angeschlichen, anfänglich in dunklen Räumen, in denen beispielsweise ein bestimmter schweißnasser Vermieter im Dunst seiner garantiert sehr stinkigen Zigarre seine Spielchen treibt. Treibende Musik integriert auch Oldies treffend, um den rabenschwarzen Synthesizer-Sounds zum richtigem Zeitpunkt ihre kontrastierte Wirksamkeit zu verleihen. Die ertönen, wenn blauschwarze Lichter in der billigen Wohnung Einzug halten, ab und zu düstere Ruinen mitbringen, Zombies, sprechende traumatische Ereignisse, einfache Vorgänge vom Nahen, die surreal anmuten, und letztendlich einen mordenden Kühlschrank. Den kann man nicht anzeigen. Schläge tun nur den Fäusten weh. Courage ist ein eher weniger zu erwartender Kraftakt. Erst im Finale spritzt das Blut samt brauchbarer Effekte, das Ende zeigt der üblichen Filmwelt lachend den Mittelfinger. Wenn etwas als albern empfunden wird, liegt meistens eine Verwechslung vor. DER KÜHLSCHRANK nimmt sich nicht ernst, und schafft es trotzdem, das Leiden des Liebespaares dramaturgisch gut abgestimmt zu präsentieren. 

Ein äußerst kurioser Film, den man einfach zulassen sollte, und für den keine Schublade existiert. Witzig, traurig, komisch und ein klein wenig gruselig. Für manche möglicherweise nur ein ungenießbares, filmisches Fragezeichen. 

 

7/10
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Kommentare

05.10.2022 21:04 Uhr - sonyericssohn
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Heiliges Gefrierfach ! Den hab ich damals vorsorglich aus meinem Gedächtnis verbannt :-D Fand den wirklich furchtbar ! Also damals...

05.10.2022 21:11 Uhr - cecil b
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Wenn man versucht den einzuordnen, drückt man auf die Stopptaste. Der könnte auf arte laufen, oder auf RTL 2. ;)

Es gibt etliche Szenen, bei denen man sich fragen kann: Was soll das?

Ist bei Lynch auch so, muss also nicht für schlechte Qualität sprechen.

Rubber fand ich genial, andere beschissen.

Ich finde es gut, dass es solche Filme gibt, die auf Konventionen scheißen.

Und qualitativ eigentlich gut sind.

Schlock, das Bananenmonster (Review vorhanden), Der Kühlschrank, für mich eine ähnliche Richtung.

05.10.2022 21:15 Uhr - sonyericssohn
1x
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Da hast du schon recht... Vielleicht würde der heute bei mir auch punkten, doch da ist diese Erinnerung an die erste Sichtung ;-)

05.10.2022 21:24 Uhr - cecil b
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Vielleicht musst du deinen Ängsten begegnen, um sie vertreiben. Aber ich kann nichts versprechen. ;)

Komödie, Beziehungsdrama, Splatter-Trash...das ist schon eigensinnig. Aber gut gemacht!

05.10.2022 21:27 Uhr - Kaiser Soze
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Als nächstes kommt Tupperware - Die Rache. Der Kühlschrank wurde recycelt und kehrt tödlicher denn je zurück. Schöne Bescherung, auch wenn ich beim Film selbst passe ;-)

05.10.2022 21:32 Uhr - cecil b
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THANX!

Dass du da passt, ist nur verständlich. :)

Ist auch für mich schon gewöhnungsbedürftig. RUBBER und SCHLOCK sind glaube ich keine schlechten Vergleiche.
BAD TASTE. ;)

05.10.2022 23:18 Uhr - TheMovieStar
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Hört sich doch interessant an! Leider habe ich den noch nicht gesehen. Aber deine Beschreibung macht mich schon neugierig. Lesenswert und toll geschrieben. Danke für die Vorstellung!


10.10.2022 12:41 Uhr - cecil b
Moderator
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Danke dir, gern geschehen! :)

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